11.05.2015

Corpus Christii - PaleMoon

Corpus Christii - PaleMoon
Corpus Christii - PaleMoon
2015 | Black Metal
CD | Folter Records

Dass Nocturnus Horrendus fiesen Black Metal kann, hat er mehrfach bewiesen. Nicht nur mit CORPUS CHRISTII sondern auch mehrfach mit MORTE INCANDESCENTE und COLDNESS, zwei Bands die ich sehr zu schätzen weiß. Unter dem Banner CORPUS CHRISTII ist mit „PaleMoon“ das siebte Album erschienen und erstmals hat sich Horrendus für die Studioaufnahmen Unterstützung an den Gitarren geholt. CORPUS CHRISTII konnte mich 2003 mit „Tormented Belief“ nachhaltig beeindrucken, doch danach ist noch viel passiert und das letzte Album „Luciferian Frequencies“ liegt bereits vier Jahre zurück.

„PaleMoon“ ist in gewisser Weise ein fieses, hässliches und rücksichtsloses Album geworden. Die Portugiesen verzichten nahezu komplett auf atmosphärische Elemente und setzen stattdessen auf tradierte Normen des rauen Black Metals. Im Mittelpunkt steht die Stimme von Nocturnus Horrendus. Sie ist nicht mehr so harsch und verzerrt wie etwa auf „Tormented Belief“ und „The Torment Continues“. Sein Gesang ist zwar bissig, knurrend, giftig und manchmal nahe dran an der Hysterie, doch mit dem kalten Hass von früher hat der gesangliche Aspekt von „PaleMoon“ nur noch wenig zu tun. Ein Umstand an den ich mich gewöhnen muss. Netter wirkt der Gesang deshalb nicht, nur anders und Horrendus beweist ein stimmliche und emotionale Vielfalt, gerade auch weil oftmals seine klare Stimme durchkommt.

Musikalisch ist „PaleMoon“ trotz aller Rohheit und Aggressivität eine vielfältige, spielerisch nuancierte Platte. Das Tempo ist zwar oftmals hoch, doch durchzogen von zahllosen Variationen und selbiges gilt auch für die Gitarren. Es ist ein riffgewaltiges Album geworden, welches einerseits natürlich die traditionellen grell-kalten Riffs als auch thrashige und punkige Akkorde bietet. CORPUS CHRISTII vermischen sozusagen geradlinigen, kalten Black Metal mit der Rotzigkeit von Punk und Thrash. Diese Vermischungen und Einflüsse sind rar gesät, doch sie sind da. Andererseits gibt es aber auch viele direkte Parts mit monoton stampfenden Takten und schlichten, wirkungsvollen Riffs.

Nocturnus Horrendus hat sich mit CORPUS CHRISTII in all den Jahren verändert. Ich kenne zwar nicht jedes Album auswendig, doch „PaleMoon“ macht mir den ausgereiftesten Eindruck, gerade wenn man das überaus facettenreiche Gitarrenspiel betrachtet. Mein Lieblingsalbum bleibt aber nach wie vor „Tormented Belief“, welches ich atmosphärisch am eindringlichsten empfinde. Aber auch „PaleMoon“ kann sehr heftig, aggressiv und forsch sein. Deshalb sind meine Anspieltipps auch „Last Eclipse“ und „Livid Night“, da sie die beste Kombination aus Riffing, Schnelligkeit und Härte bieten. Kurzum: „PaleMoon“ ist eine gut gemachte Platte mit viel Dampf unter der Haube und sehr eindringlichen Arrangements, doch trotz aller giftigen Rotzigkeit fesselt mich „PaleMoon“ nicht so sehr wie einst „Tormented Belief“.

1. Far Beyond The Light
2. Under Beastcraft
3. The Great Death
4. Eternal Bliss
5. Last Eclipse
6. Being
7. Night Of Flaming Hatred
8. From Darkness To Total Blackness
9. Livid Night
10. Carving A Light In Me

https://www.facebook.com/corpuschristii
https://officialcorpuschristii.bandcamp.com/
http://www.folter666.de/


10.05.2015

Evil - Studňa

Evil - Studňa


Evil - Studňa
2015 | Black Metal
CD | Hexencave Productions / Devil’s Obsession Productions

Die Slowaken von EVIL erscheinen mir hierzulande noch zu wenig Beachtung zu finden, zumal das formidable Debütalbum „Legenda Neskrotných Živlov“ noch gar nicht lange her ist und entsprechend gut in Erinnerung liegt. Nun gibt es mit  „Studňa“ den Nachfolger, welcher erst das zweite Album in der langjährigen Bandgeschichte ist. Man knüpft quasi exakt dort an, wo man zwei Jahre zuvor endete. EVIL führen ihren Stil konsequent fort und präsentieren erneut osteuropäisch geprägten Black Metal, der spielerische Vielfalt mir Direktheit und einem guten, ruppigen Gesang verbindet.

„Studňa“ ist auf der einen Seite facettenreich instrumentiert, gerade was das Gitarrenspiel betrifft gibt es viele subtile und offene Melodien und Riffs, doch deshalb zu dem Resultat zu kommen, EVIL würden besonders abwechslungsreich oder gar atmosphärisch spielen, wäre vorschnell. Denn EVIL besinnen sich immer wieder auf Geradlinigkeit und traditionellen, kalten Black Metal. Aber eben nicht ausschließlich. Wie schon beim Vorgänger, gibt es atmosphärische und melodische Arrangements, die das Raue und Kalte wohldosiert und ausgewogen bereichern. Doch sind es gerade die schnellen Parts mit ihrem statischen Schlagzeug und den eisigen Riffs, die mich in den Bann ziehen. Hier wirken EVIL einfach grimmig, böse und kompromisslos.

Die atmosphärischen und melodischen Auflockerungen sind deshalb nicht schlechter, zumal EVIL diese gekonnt inszenieren, aber es sind eben harmonische Brüche, die das Kalte und Grimmige kontrastieren. Für meinen Geschmack könnten diese Brüche etwas dezenter sein. Teilweise sind diese atmosphärischen Passagen nämlich recht ausführlich und opulent.

„Studňa“ ist ein mehr als würdiger Nachfolger von „Legenda Neskrotných Živlov“, der klanglich und spielerisch noch überzeugender ist. EVIL verbinden kalte Grimmigkeit und eine osteuropäische Atmosphäre mit spielerischer Vielfalt und harmonischen Fragmenten. Ich bevorzuge zwar die rauen und grimmigen Parts, doch in seiner Summe ist es dennoch ein gelungenes Album. EVIL haben definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.

1. Intro
2. Zlí duchovia vstupujú do sna
3. Prebudenie (V tieni popraviska...)
4. Portál smrti
5. Obraz hrôzostrasnej noci



Warfaith - Wise Man Is Dead

Warfaith - Wise Man Is Dead


Warfaith - Wise Man Is Dead
2015 | Thrash Metal
CD | Eigenproduktion

Nach einer 2013 veröffentlichten EP gibt es mit „Wise Man Is Dead“ nun das Debütalbum der französischen Band WARFAITH. Das Quintett hat sich dem Thrash Metal verschrieben, den man hier abwechslungsreich und zackig rüber bringt.

Thrash Metal ist heutzutage aber nicht mehr gleich Thrash Metal und WARFAITH bevorzugen dabei eine Spielart, die nicht gerade modern ist und stattdessen Anleihen von Punk und Hardcore aufweist. Vor allem gesanglich spürt man die Einflüsse der anderen Stile, was dem Thrash einen dreckigen Anstrich verleiht. Musikalisch gibt es das volle Brett an Instrumentierungen. Das Tempo ist überwiegend hoch aber variabel und häufig sind auch langsamere Tempi zu hören. Der Schlagzeuger macht dabei durchweg eine sehr anständige Figur. Das Gleiche gilt aber auch für die Gitarrenfraktion. Der Bass ist sehr schön herauszuhören, was den leicht dreckigen Charakter unterstreicht und zum dynamischen Umfang beiträgt. Aber auch die Gitarren erweisen sich als mannigfaltig. WARFAITH schmettern sowohl satte und schwere Death-Metal-Riffs, als auch dreckige Thrash-Akkorde und das eine und andere Soli.

Spielerisch und klanglich kann sich „Wise Man Is Dead“ durchaus hören lassen. Man beherrscht seine Instrumente und diese kommen gut zur Geltung, was für eine Eigenproduktion schon mal beachtlich ist. Dennoch können mich WARFAITH nicht zur Ekstase bringen, wobei ich das Album nicht schlecht finde. Mir fehlt einfach noch das gewisse Etwas. Am überzeugendsten empfinde ich WARFAITH, wenn sie zielgerichtet und geradlinig schnell spielen. Diese übersichtlichen Parts haben meiner Meinung nach das meiste Feuer. Es sind auch genau jene Parts, in denen der traditionelle Thrash Metal am deutlichsten zutage tritt. Etwas weniger Abwechslung und dafür etwas mehr Eingängigkeit und Härte hätte der Scheibe also gut getan.

Es ist keine schlechte Platte, zumal man das spielerische Talent besitzt und authentisch wirkt. Meinen persönlichen Geschmack treffen die Franzosen zwar nicht gänzlich, doch gehen sie schon mal in eine richtige Richtung, da sie offenbar das Dreckige dem Glatten und Langweiligen vorziehen. WARFAITH haben Potential und wer abwechslungsreichen Thrash Metal mag, der darf die Franzosen gerne unterstützen.

1. Intro
2. Wise Man Is Dead
3. Jesus Sucks
4. Cracks Whore
5. Purgatory
6. Terrorist
7. Furious Pig
8. Kill With Truth
9. Warslave
10. Addiction
11. Redemption


07.05.2015

Kommandant - The Architects Of Extermination

Kommandant - The Architects Of Extermination
Kommandant - The Architects Of Extermination
2014 | Black/Death Metal
CD | ATMF

Vor rund drei Jahren konnten mich die martialischen Extremisten KOMMANDANT mit „The Draconian Archetype“ voll von sich überzeugen. Nun ist der Nachfolger „The Architects Of Extermination“ erschienen und KOMMANDANT klingen mindestens genau so unmenschlich, böse und zerstörerisch.

Dabei sind es nicht einmal unbedingt die heftigen und schnellen Stücke und Parts, die so brutal und finster klingen. Schnelle und überaus brachiale Strecken gibt es zuhauf, doch KOMMANDANT entfalten ihr krankes und verstörendes Potential gerade auch während der zahlreichen langsamen Passagen. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein dunkelatmosphärischer und religiös wirkender Part, an okkulte Death Metal Truppen wie NECROS CHRISTOS erinnert. Auf der anderen Seite spielen KOMMANDANT aber auch erbarmungslos schnell, so dass sich Gitarren, Schlagzeug und bestialischer Gesang zu einer tosenden, alles niederreißenden Klangwand auftürmen. In solchen Momenten fluten die gestörten Amerikaner die Gehörgänge mit primitiver und rohrer, klanggewordener Wut.

Mir gefällt dieser Kontrast sehr gut, da er dem Album Abwechslung verleiht aber auch schöne Spannungsbögen aufbaut, die KOMMANDANT rigoros und teils auch grotesk auflösen. Vor allem den Ansatz, immer wieder dezente atmosphärische Elemente einzuweben, empfinde ich als sehr gelungen. Dadurch wirkt der tosende Black/Death Metal wesentlich düsterer und morbider. Auch hier fühle ich mich, wie schon beim Vorgänger, an der einen und anderen Stelle an BLUT AUS NORD erinnert.

KOMMANDANT haben sich gegenüber dem Vorgänger deutlich steigern können und haben ein atmosphärisch dichtes, verstörendes sowie brachiales Album eingespielt. Sowohl die radikalen, schnellen Lieder als auch die etwas „atmosphärisch“ aufgeladenen Stücke sind absolut überzeugend.

1. Let Our Vengeance Rise
2. The Architects Of Extermination
3. Oedipism
4. Acquisition Of Power
5. Killing World
6. And Nation Shall Rise Against Nation
7. Rise And Fall Of Empire
8. Onward To Extinction

http://kommandant.us/
https://www.facebook.com/Kommandantofficial
http://www.atmf.net/

06.05.2015

Gathering Darkness / Tyrants Blood - The Light Won’t Save You

Gathering Darkness / Tyrants Blood - The Light Won’t Save You
Gathering Darkness / Tyrants Blood - The Light Won’t Save You
2014 | Death Metal
CD | Hecatombe Records


Brutal, rau und dreckig, so kann man dieses Splitalbum zusammenfassen. Sowohl GATHERING DARKNESS aus Spanien als auch TYRANTS BLOOD aus Kanada spielen ungnädigen Death Metal. Den Anfang machen die Spanier, wo auch zwei Leute von CRYSTALMOORS mitspielen, doch mit deren Pagan Black Metal haben die fünf Stücke absolut nichts zu tun.

GATHERING DARKNESS spielen stattdessen gemeinen Death Metal, der hohe Geschwindigkeiten mit Verlangsamungen und einigen melodischen Gitarrenläufen verbindet. GATHERING DARKNESS sind brutal und hasserfüllt, allen voran der Gesang, der wahrlich finster, derbe und ausdrucksstark ist. Doch die Spanier versteifen sich nicht auf komplexe, technische Spielereien und gehen es überwiegend geordnet und geradlinig an. Die eine oder andere technische Frickelei gibt es zwar, doch es überwiegen ganz klar die einfachen Strukturen, wobei es rhythmisch und harmonisch recht abwechslungsreich zugeht. Brachiale Geschwindigkeit befindet sich im Wechselspiel zu mittelschnellen und auch langsamen Parts. Zwischendurch werden immer wieder dreckige old school Riffs eingestreut, welche die raue Brachialgewalt auflockern. GATHERING DARKNESS haben hier fünf grundsolide Stücke verewigt, die Freunden des rauen, gemeinen und brutalen Death Metals durchaus gefallen sollten.

Die Kanadier TYRANTS BLOOD dürften einen größeren Bekanntheitsgrad haben. Einerseits weil zwei bekannte Gesichter mit von der Partie sind (Marco Banco von BLASPHEMY und Brian „Messiah“ Langley von INFERNÄL MÄJESTY), andererseits weil man schon drei Alben veröffentlichte. Brutal sind auch TYRANTS BLOOD, jedoch wesentlich ruppiger, chaotischer und stilübergreifender als GATHERING DARKNESS. Die Kanadier haben nämlich ein giftiges Gebräu aus Death Metal, Thrash Metal und Black Metal zusammengemischt. Das Tempo ist durch die Bank hoch aber durchzogen von vielen Breaks. Die vier Stücke sind heftig und dreckig aber dabei sehr agil und fordernd. Es gibt sehr heftige, sehr wütende und absolut zerstörerische Parts, die an Heftigkeit kaum zu überbieten sind. Durch die zahllosen Veränderungen wirken die Stücke manchmal sehr technisch, abstrakt und komplex. Doch mit dem gewöhnlichen technischen Death Metal haben TYRANTS BLOOD allerdings nicht wirklich etwas zu tun. Dafür sind sie viel zu dreckig, düster und thrashig. Überdies gibt es auch mal einen schlichten und primitiven Part, der es in sich hat.

Auf diesem Splitalbum treffen sich zwei unterschiedliche Gruppen, deren gemeinsamer Nenner die schonungslose und dreckige Brutalität ist. Mich können beide überzeugen, die Scheibe macht einfach Spaß, ist giftig und bösartig und wer auf der Suche nach kaputten Gruppen wie ABHORER oder ZYGOATSIS ist, der sollte sich die Kanadier genauer anschauen.

GATHERING DARKNESS
1. Decadence Of The Plague
2. Devoured By Earth
3. Riding The Horse Of Selfdestruction
4. Negative Metamorphosis
5. Through The Oceans Of Misery

TYRANTS BLOOD
6. Destroyer
7. Disowned And Defiled
8. Conjure The Watcher
9. Fragments Of A Dying World

https://www.facebook.com/gatheringdarknessofficial
https://www.facebook.com/TYRANTSBLOOD
http://www.tyrantsblood.com/
http://www.hecatomberecords.es/

04.05.2015

Grave Wave Magazine #1

Grave Wave Magazine #1


Das GRAVE WAVE MAGAZINE ist ein neues, kleines Fanzine aus der Schweiz, welches sich in seiner ersten Ausgabe voller Leidenschaft dem harten metallischen Untergrund in der Alpenrepublik widmet. Die beiden Macher Ultraxx und Superion schreiben in einem sehr lockeren und unterhaltsamen Umgangston, der immer wieder die Popularisierung des Metals zum Thema macht. Das GRAVE WAVE MAGAZIN ist gegen totproduzierte Hochglanzveröffentlichungen und setzt sich liebevoll, ja anders kann man das gar nicht nennen, vor allem für die kleinen Untergrundbands ein.

Als erstes fällt dem Leser natürlich die gelungene Aufmachung des Heftes auf. Es macht einfach unheimlich viel Spaß durchzublättern, nur der tollen Typographie und des gelungenen Schriftsatzes wegen. Das Magazin wurde auf 34 Seiten schwarz/weiß gedruckt und genäht, macht ob der Typographie einen professionellen Eindruck, wobei es natürlich so aussieht, als wäre alles wild zusammen kopiert worden. Ganz so, wie früher.

Auch wenn vor allem die Szene in der Schweiz durchleuchtet wird, ist es interessant und auch ein wenig unterhaltsam, die kritischen Berichte, Interviews und Kommentare über eben diese zu lesen. Mir gefällt die kritische Haltung der Macher gegenüber dem seelenlosen Mainstream Metal, der sich offenbar auch in der Schweiz breit macht. Obwohl ich als Berliner weit weg wohne, fühle ich mich angesprochen. Auch wenn der Fokus der ersten Ausgabe auf der Schweiz liegt, ist das GRAVE WAVE MAGAZINE unbedingt auch für Deutsche und Österreicher interessant. Die nächste Ausgabe soll dann den Untergrund der benachbarten Länder ins Visier nehmen, ich bin gespannt.

Die Bands die im Heft behandelt werden, sind mir bis auf HOTEL GREULICH, total unbekannt. Das musikalische Spektrum der Gruppen geht von Heavy Metal, über Thrash bis hin zu Death und Black Metal. Das GRAVE WAVE MAGAZINE bietet stilistisch also die gesamte Bandbreite des hässlichen und gemeinen Metals.

Das Heft ist inzwischen für sechs Euro zu bekommen. Die 100 ersten Exemplare waren kostenlos…! Ich denke, dies sagt alles und macht deutlich, dass die Macher definitiv jede Unterstützung verdient haben!

Forgotten Tomb - Hurt Yourself And The Ones You Love

Forgotten Tomb - Hurt Yourself And The Ones You Love
Forgotten Tomb - Hurt Yourself And The Ones You Love
2015 | Black/Doom
Vinyl/CD/Digital | Agonia Records

Herr Morbid macht also auch noch Musik. Das war mir irgendwie entgangen, zumal ich noch nie einen Zugang zur Musik von FORGOTTEN TOMB hatte. Ich habe den Rummel, den Bands wie FORGOTTEN TOMB und SHINING damals lostraten, nie so wirklich verstanden. Das letzte Album welches ich von FORGOTTEN TOMB hörte, war das 2004er Werk „Love‘s Burial Ground“.  Ich fand das Teil damals zu platt und langweilig. Seitdem sind elf Jahre vergangen und mit „Hurt Yourself And The Ones You Love“ gibt’s bereits das achte Album.

Kurz und bündig: Es ist kein schlechtes Album. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente, das Album ist abwechslungsreich und auch der Klang hinterlässt einen sehr guten, sauberen und professionellen Eindruck. Trotzdem habe ich auch heute dasselbe Problem wie vor elf Jahren. Die Italiener schaffen es partout nicht, mich zu berühren. „Hurt Yourself And The Ones You Love“ geht einfach so an mir vorbei, spurlos, ohne nachhaltig irgendetwas zu hinterlassen. Woran das genau liegt, kann ich gar nicht so einfach beschreiben.

Ein Hauptgrund ist meinem Empfinden nach sicherlich das Fehlen von wahrlich düsteren und extremen Momenten. Es gibt natürlich gut gemachte Parts, die durchaus auch eine schwermütig gelagerte Atmosphäre aufweisen, doch sind diese Momente für meinen Geschmack nicht schwer oder makaber genug. Ein anderer Grund ist der Gesang. Herr Morbids Gesangsstimme ist mir gleichfalls nicht aussagekräftig genug, sein leicht kehliger und gut verständlicher Gesang ist relativ ruhig, was auf mich irgendwie gleichgültig und gelangweilt wirkt.

Auf mich macht „Hurt Yourself And The Ones You Love“ einfach einen zu weichgespülten Eindruck. Ich vermisse extreme Momente, bizarre Kontraste oder verstörenden Wahnsinn. Stattdessen streuen FORGOTTEN TOMB immer wieder überaus rockige Parts ein, die handwerklich wunderbar gemacht sind, die aber meine Sehnsucht nach mehr Radikalität nur befördern.

Spielerisch ist „Hurt Yourself And The Ones You Love“ zweifellos eine gute Scheibe. Die Riffs sind für sich genommen allesamt gut und ansprechend, das Schlagzeug kann sich ebenfalls hören lassen. Nur die Gesamtkomposition missfällt mir. Ich finde die Scheibe einfach unbeschreiblich langweilig und ich habe noch nicht mal eine Idee davon, was mir FORGOTTEN TOMB eigentlich vermitteln wollen. Wenn ich mir mal die Rezensionen anderer anschaue, so erscheinen sie mir reichlich unverständlich. Entweder habe ich keine Ahnung oder ich bin zu anspruchsvoll. Jedenfalls weiß ich, was ich höre, wenn mir der Sinn nach Black Doom steht: DEINONYCHUS.

1. Soulless Upheaval
2. King Of The Undesirables
3. Bad Dreams Come True
4. Hurt Yourself And The Ones You Love
5. Mislead The Snakes
6. Dread The Sundown
7. Swallow The Void

http://www.forgottentomb.com/
https://www.facebook.com/Official.Forgotten.Tomb
http://www.agoniarecords.com/

Infernal War - Axiom

Infernal War - Axiom
Infernal War - Axiom
2015 | Black/Death
Vinyl/CD/Digital | Agonia Records

Ganze acht Jahre ließen sich die Polen Zeit, um ihr drittes Album aus der Taufe zu heben. Nun ist es soweit und mit „Axiom“ steht das neuste Werk in den Regalen der Händler und wartet darauf, von euch gekauft zu werden. Einen Erwerb haben sich INFERNAL WAR definitiv verdient.

„Axiom“ ist ein überaus rundes und ausgereiftes Werk. INFERNAL WAR machen, was sie schon immer gut konnten: schnell, erbarmungslos und brutal spielen. Doch das ist längst nicht alles. „Axiom“ ist ein unerhört agiles Album mit vielen spielerischen Facetten. Zunächst ist da Schlagzeuger Stormblast, der über jeden Zweifel erhaben, eine tolle Arbeit ablieferte. Es ist stellenweise unglaublich, wie flott, präzise und zugleich filigran und vielfältig er die Felle malträtiert. Es ist ein prachtvolles Spiel am Schlagzeug, welches nicht auf pures Geballer setzt. Trotz des hohen Tempos ist sein Spiel unmenschlich nuanciert. Doch Stormblast ist nicht der Einzige, der sein Instrument beherrscht. Auch die Saitenfraktion gibt sich dynamisch und feuert viele Riffs ab. Immer wieder sind massige, tief dröhnende Riffwände zu hören, wo man schön den polnischen Death Metal à la AZARATH und HELL-BORN raushört. Andererseits gibt es auch kurzweilige melodische Riffs oder das eine und andere Soli zu hören.

„Axiom“ ist komplexes und dynamisches Album. Es ist immer etwas in Bewegung und monotone Parts sind rar gesät. INFERNAL WAR haben sich seit ihrem 2007er Album fortentwickelt, ohne sich selbst jedoch untreu zu werden. Sie haben ihren Stil verfeinert, vertieft und sich mehr dem Death Metal zugewandt. Wenn man „Axiom“ mit seinen beiden Vorgängern vergleicht, ist es klanglich wesentlich besser und professioneller ausgefallen. INFERNAL WAR sind klanglich nicht mehr so roh und ruppig, dabei aber nicht weniger hart und zerstörerisch. Mir gefällt der satte und tieftönende Klang sehr gut, für den sich M. von MGŁA verantwortlich zeichnet. Vor allem das Schlagzeug kommt wunderbar zur Geltung, aber auch die Bassgitarre hat ihren verdienten Platz bekommen.

INFERNAL WAR haben ein tolles drittes Album abgeliefert. „Axiom“ ist explosiver und energetischer Black/Death Metal, der aggressive Forschheit mit abwechslungsreichen und komplexen Strukturen verbindet. „Axiom“ ist bedingungslos und zerstörerisch und die Polen verzichteten komplett auf atmosphärisches Geschwurbel - was mir sehr gut gefällt.

1. Coronation
2. Militant Hate Church
3. Into Dead Soil
4. Paradygmat
5. Nihil Prayer
6. The Parallel Darkness
7. Transfigure
8. Eater Of Hope
9. Camp 22
10. No Forgiveness
11. Axiom

https://www.facebook.com/infernalwarofficial
http://www.agoniarecords.com/