09.04.2015

Goatblood - Adoration Of Blasphemy And War

Goatblood - Adoration Of Blasphemy And War
Goatblood - Adoration Of Blasphemy And War
2015 | Black/Death Metal
CD/Kassette/Digital | Dunkelheit Produktionen


Schon mit der 2013er Demokassette „Sadistic Body Rites“ konnte mich das Duo GOATBLOOD voll und ganz von sich überzeugen. Nun scheinen die Zwei voll durchzustarten, vor kurzem ist ein Split-Vinyl mit NUCLEAR PERVERSIONS erschienen und am 1. Mai kommt das Debütalbum. GOATBLOOD sind neben TRUPPENSTURM die deutsche Antwort auf Gruppen wie VON, BLASPHEMY, BLACK WITCHERY oder PROCLAMATION.

„Adoration Of Blasphemy And War“ enthält 15 knackige Stücke, die auf eine Gesamtlänge von 31 Minuten kommen. Das heißt, die Lieder sind kurz, bitterböse und gemein. Das Album ist ein giftiges Gebräu satanischen Black/Death Metals, wie es im Lehrbuch steht. Die tiefen Gitarren dröhnen, der kehlige Gesang knurrt und das Schlagzeug hämmert, poltert und peitscht. Wie es sich für derlei Klangterror gehört, sind die Strukturen klar und schlicht. Das Tempo variiert zwar, es gibt sogar zahlreiche mittelschnelle und vereinzelt sogar schleppende Parts, doch auf komplizierte und anspruchsvolle Spielereien wurde verzichtet. GOATBLOOD gefallen mir während der mittelschnellen Parts besonders gut, denn dort kommen die wirkmächtigen Riffs und Harmonien erst richtig zur Geltung. Die sehr dröhnenden und tieftönigen Gitarren spielen tolle düstere und morbide Melodien, die trotz des nicht besonders aggressiven Tempos überaus zerstörerisch wirken. Aber auch die schnellen Parts überzeugen mich gänzlich, stellenweise erinnern mich GOATBLOOD harmonisch und gesanglich an „Mincer“ von AGATHOCLES. Es ist die Kombination aus Riffing und barbarischer Prügelei, die punktuell in die Richtung der Belgier geht.

GOATBLOOD steigerten sich gegenüber „Sadistic Body Rites“ angenehm und blieben sich dabei strikt treu. Auch wenn der Stil an viele Gruppen, unter anderem die oben genannten, erinnert, so bewahren GOATBLOOD dennoch ein beachtliches Maß an Eigenständigkeit. Wer solch barbarischen, rohen, primitiven und satanischen Black/Death Metal mag, der wird „Adoration Of Blasphemy And War“ definitiv ebenfalls lieben. Die Scheibe ist einfach verdammt gut, gerade auch, weil sie beim genauen Hören alles andere als einfach und schlicht ist.


1.    The Appearance of the Goatloard   
2.    Sado Liquidator
3.    Animal Anal Acrobatic
4.    Arkoholocausted
5.    Eve Pisses on Adam   
6.    Deluge in Heaven   
7.    Bombing Blood
8.    Necromorph Application Point
9.    Human Waste Disposal
10.    Trident Warship
11.    Op Vulva
12.    Ascension to the South
13.    Mary Fisted Amen
14.    Trumpets of Baphomet
15.    La Chisea della Capra

https://www.facebook.com/pages/Goatblood/492948934177125
http://www.dunkelheit-produktionen.de/
https://dunkelheitprod.bandcamp.com/

06.04.2015

Exhumation - Opus Death

Exhumation - Opus Death
Exhumation - Opus Death
2015 | Death Metal
CD | Dunkelheit Produktionen

Im vergangenen Jahr vermochten mich EXHUMATION aus Indonesien mit ihrem Debütalbum „Hymn To Your God“, welches ursprünglich bereits 2012 erschien, zu überraschen und entzücken. Nun ist der Nachfolger „Opus Death“ auf CD erschienen und EXHUMATION haben eine ordentliche Schippe drauf gelegt.

„Opus Death“ ist noch besser und noch bösartiger und noch eindringlicher als sein Vorgänger. EXHUMATION spielen dreckigen, düsteren und aggressiven Death Metal mit Einflüssen von altem Black und Thrash Metal. Da kommen einen viele Bands in den Sinn, die man im Todesblei der Indonesier zu entdecken glaubt - doch EXHUMATION holen einen dann immer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Denn „Opus Death“ ist einfach eine Scheibe die auf Anhieb Spaß macht, da sie absolut authentisch ist und eine sinistere Atmosphäre besitzt, die an die 80iger und auch 90iger denken lässt, als Metal noch dreckig, laut, aggressiv und extrem war. Trotz des Bezuges zur alten Schule wirken EXHUMATION aber keineswegs retro oder angestrengt oldschool. Ganz im Gegenteil: EXHUMATION spielen locker und lässig auf, so als hätten sie nie etwas anderes getan.

Ich war bereits auf dem Debüt von den tollen Riffs angetan. Diese Begeisterung können EXHUMATION auf „Opus Death“ steigern. Egal ob es thrashige Soli und Riffs wie in „Possessed“ (welches mich verdammt noch mal an NIFELHEIM erinnert) oder sägende, dreckige Riffs wie in „Ironheart“ sind, EXHUMATION verstehen es einfach hervorragend, an den Saiteninstrumenten Ekstase zu erzeugen. Obwohl „Opus Death“ zunächst dreckig und rau ist, so sind die spielerischen Feinheiten doch beachtlich und immens. Das Tempo ist zumeist hoch, dann kracht und scheppert es ordentlich, doch gibt es auch langsamere Parts, die durch eine nicht weniger dunkle und morbide Stimmung bestechen.

„Opus Death“ ist eine wunderbare Scheibe die für jeden einen Pflichtkauf darstellt, der den extremen Black/Death/Thrash Metal der 80iger und 90iger mag. Schon allein das bitterböse, aggressive aber dynamische „Soul Wanders“ am Anfang, rechtfertigt ehrlich gesagt den Erwerb.



1. Soul Wanders
2. Upon Our Hordes
3. Witching Evil
4. Possessed
5. The Sleeping Darkness
6. Graveyard Alike
7. Labyrinth Of Fire
8. Ironheart
9. Hymn Of Death
10. Lullabyss

https://www.facebook.com/hailexhumation
http://www.dunkelheit-produktionen.de/
https://dunkelheitprod.bandcamp.com/

Mor - Lutanja Sakatoga Bespucima Samsare (Лутања сакатога беспућима самсаре)

Mor - Lutanja Sakatoga Bespucima Samsare (Лутања сакатога беспућима самсаре)
Mor - Lutanja Sakatoga Bespucima Samsare (Лутања сакатога беспућима самсаре)
2014 | Black Metal
CD | Odmetnik


Das serbische Trio MOR dürfte hierzulande wohl weitgehend unbekannt sein. Dabei existiert die Gruppe bereits seit über einer Dekade. Jedoch spart man an Veröffentlichungen und zum Jahreswechsel ist mit „Lutanja Sakatoga Bespucima Samsare“ erst das zweite Album erschienen. Wenn man an Serbien und Black Metal denkt, fallen einen zuerst THE STONE, MAY RESULT und vielleicht noch KOZELJNIK ein. Danach kommt eigentlich nichts mehr. MOR könnten daran etwas ändern, schließlich ist „Lutanja Sakatoga Bespucima Samsare“ ein überaus anständiges Album.

MOR spielen sehr interessanten und eigenständigen Black Metal, der zu meiner Überraschung gar nicht an ihre bekannten Landsmänner denken lässt, stattdessen erinnern mich Gesang und atmosphärische Arrangements häufiger an die beiden ersten Alben von MASTER’S HAMMER, während so manches eigenwillige aber gute und morbide Riff in die Richtung von LUCIFUGUM geht. MOR sind aber bei weitem nicht so experimentell und eigenwillig wie die legendären Tschechen, und die stimmliche Ähnlichkeit ist sicherlich nur ein Zufall. Dennoch ist das Spiel von MOR häufig atmosphärisch und melodisch. Das Spiel an den Gitarren ist riffbetont und es sind häufig dezent arrangierte Keyboardklänge zu hören. Diese wurden aber sehr gut eingegliedert, da die synthetischen Harmonien überaus unauffällig sind und das Dunkelharmonische behutsam betonen.

Die sieben Lieder des Albums sind aber nicht nur harmonisch und melodisch, wobei mir die Gitarrenmelodien wirklich gut gefallen. MOR arbeiteten auch das eine und andere grimmige Moment ein, gepaart mit Tempo und direktem Spiel. Doch echte Brutalität ist die Sache der Serben nicht. Im Mittelpunkt stehen harmonisch ausgefeilte Arrangements mit einer dichten und düsteren Atmosphäre.

„Lutanja Sakatoga Bespucima Samsare“ ist ein gelungenes Album, welches klanglich und spielerisch überzeugt. Es ist eine facettenreich (an den Gitarren) gespielte Scheibe die viele melodische und dunkelharmonische Momente besitzt, überdies klingen MOR angenehm osteuropäisch. Rhythmisch mag das Album womöglich etwas statisch und langweilig wirken, was meinem Empfinden nach der guten Atmosphäre aber überhaupt nicht schadet. Wer den osteuropäischen Untergrund schätzt und dunkelatmosphärische Arrangements und gute Melodien mag, der sollte MOR unbedingt probieren.  


1. Мртва вода
2. Алкохол у сурогат крви
3. Зрење јада
4. Збогом
5. Ронилац у земљу
6. Бог бивствује једино у храму
7. Црни јарац, бела врана


http://morsekta.com/
https://www.facebook.com/Morsekta
http://odmetnik.com/

04.04.2015

Auðn - Auðn



Auðn - Auðn
2015 | Black Metal
Kassette | Nebular Winter Productions

Die isländische Formation AUÐN existiert bereits seit 2010, doch erst kürzlich wurde dieses selbstbetitelte Debütalbum veröffentlicht. Das Quintett spielt atmosphärisch und melodisch aufgeladenen Black Metal, der Kälte und Grimmigkeit mit viel Abwechslung kombiniert.

AUÐN klingen einerseits sehr nordisch, die kalten atmosphärischen Arrangements haben etwas ur-skandinavisches und lassen einen an endlose Wälder und Winterlandschaften denken. Doch andererseits haben sie trotzallem etwas sehr Eigenständiges. Es gibt unheimlich viele Gruppen an die man denken könnte doch niemand klingt letztlich som, wie es AUÐN auf ihrem Debüt tun.

Die Scheibe enthält zahlreiche melodische Akustikgitarrenparts, die ich als überaus gelungen, ja geradezu hervorragend, empfinde. Sie sind sowohl spielerisch als auch atmosphärisch wunderbar und verleihen dem Black Metal eine gefühlvolle Dichte, die gut zum kraftvollen und in Teilen auch ruppigen Black Metal passt. Es sind aber nicht nur Akustikgitarren, die für melodische Momente sorgen, auch die verzerrten Gitarren spielen viele melodische Riffs. Diese sind zwar nicht immer so grandios wie an der Akustikgitarre, doch auch hier verstehen es AUÐN weitgehend, melodisch aber kalt zu spielen. Überdies ist es AUÐN gelungen, ob aller Vielfalt und Melodik keinesfalls überladen oder verspielt zu wirken, stattdessen ist alles überaus homogen, flüssig und stimmig.

Das Album ist ein dynamisches, vielschichtiges Werk.  AUÐN arbeiten mit zahlreichen Tempovariationen und neben der häufigen langsamen Parts sind auch zahlreiche Geschwindigkeitsausbrüche zu verzeichnen, die mir persönlich besonders gut gefallen. In „Feigð“ wurde etwa geradlinige Raserei mit prägnanten, eingängigen Riffs kombiniert, was eine kalte, eisige Atmosphäre zur Folge hat. In „Sífreri“ hingegen gibt es eine großartige atmosphärische sowie dezent melancholische Passage, die mich in ihrer Schönheit und Tiefe an SÓLSTAFIRS Album „Köld“ erinnert. Die schnellen und grimmigen Parts lassen mich dann mitunter an ARCKANUM denken. Wie bereits erwähnt sind dies nur punktuelle und subjektive Eindrücke, denn in der Gesamtheit ist das Debütalbum der Isländer verdammt eigenständig und nur bedingt zu vergleichen.

Das beste und längste Lied kommt dann als Letztes. Das Titellied ist knapp neun Minuten lang und beinhaltet am Anfang ein tolles atmosphärisches Arrangement, welches mich an „Diadem Of 12 Stars“ erinnert. Doch im Verlauf gibt es facettenreiche Strukturen und auch kraftvolle, erbarmungslose Raserei. Es ist ein intensives und eindringliches Lied, welches geschickt Melodik mit Atmosphäre und  Härte vermischt.

Im ersten Durchlauf fand ich das Album offen gestanden eher mäßig, da sprachen mich insbesondere die atmosphärischen Akustikgitarren an. Doch mit den weiteren Durchläufen wurde das Album schließlich immer besser und inzwischen bin ich voll von AUÐN überzeugt. Es ist ein exzellentes erstes Album, welches ich jedem ans Herz legen möchte, der an die Kraft des nordisch kalten aber atmosphärischen und melodischen Black Metals glaubt.

1. Klerkaveldi
2. Undir blóðmána
3. Sífreri
4. Feigð
5. Landvættur
6. Þjáning heillar þjóðar
7. Auðn

https://www.facebook.com/audnofficial 
https://audnofficial.bandcamp.com/ 
http://nebularwinter.blogspot.de/ 

30.03.2015

Is - Songs From The Northernlands



Is - Songs From The Northernlands
Is – Songs From The Northernlands
2015 | Black Metal
Kassette | Nebular Winter Productions

IS wurde erst 2014 von Nøkken gegründet und wird von ihm als Einmanngruppe betrieben. Das Debütalbum „Songs From The Northernlands“ erschien Anfang des Jahres auf CDR und kommt in Kürze als Pro-Tape raus. Stilistisch bekommt man atmosphärischen, teils melancholischen und epischen, von BATHORY inspirierten, Black Metal geboten.

Entsprechend tragend geht Nøkken dann auch vor. Während das Tempo gemäßigt ist, sind es vor allem atmosphärische und melodische Arrangements an den Saiteninstrumenten, die das Geschehen dominieren. Auch wenn sein Gitarrenspiel melodisch ist, so bleiben die Melodien aber überwiegend dezent. Die Gitarren haben einen grellrauen Klang, was so manches Mal etwas an DSBM erinnert. Stellenweise drängelt sich die Bassgitarre regelrecht in den Vordergrund, was ich grundsätzlich spannend und gelungen finde. IS kombiniert in seinen ruhigen Liedern eine nordisch kalte Atmosphäre mit epischen Harmonien. Dies ergibt stellenweise einen interessanten Kontrast. Aber auch sein variabler Gesang sorgt für Abwechslung. Es gibt tiefen und kehligen als auch grimmig kalten Gesang.

Auch wenn „Songs From The Northernlands“ atmosphärisch und episch anmutet, so ist es aber auch raues Album. Die Lieder sind weder bombastisch und überladen noch verspielt. Trotz harmonischer Ausrichtung ist der Stil von IS kalt und ernsthaft. Ich habe lange überlegt ob und mit wem ich IS vergleichen könnte, doch niemand wollte mir einfallen. Es gibt natürlich einzelne Elemente, etwa ein Riff oder der Klang der Stimme, die assoziierend wirken, doch letztlich ist „Songs From The Northernlands“ ein eigenständiges Album.

Es ist gewiss kein schlechtes Album, zumal es sich um das Debütalbum handelt und IS ein Einmannprojekt ist. Es gibt naturgemäß noch Luft nach oben, doch IS hat schon vieles richtig gemacht und spricht mich vor allem der relativ dezenten Melodik sowie des gelungenen Gesanges wegen an. Andererseits ist mir das Album, insgesamt betrachtet, stellenweise jedoch etwas zu harmlos. Da kann man noch etwas mehr Spannung reinbringen und einzelne Melodien verfeinern oder den Kontrast schärfen indem man etwas mehr Härte reinbringt. Dennoch, es ist ein gut gemachtes erstes Album, das Freunden des kalten und atmosphärischen Black Metals durchaus anzuraten ist.

1. Dawn Of The New Day
2. Hall Of The Slain
3. Reign Of The Incontestable Greatness
4. Endless Blizzard
5. Thunder Evoken
6. The Pass
7. Blood On The Shores

Wigrid / Sunshine & Lollipops – Split The Indifference / Geteilte Gleichgültigkeit

Wigrid / Sunshine & Lollipops – Split The Indifference / Geteilte Gleichgültigkeit
Wigrid / Sunshine & Lollipops – Split The Indifference / Geteilte Gleichgültigkeit
2014 | Black Metal
CD | Bleeding Heart Nihilist Productions


Ich war überrascht als mich dieses Splitalbum erreichte, denn vom Bestehen WIGRIDS hatte ich nichts mitbekommen. Das letzte Album „Die Asche eines Lebens“ war immerhin bereits 2005 erschienen und seitdem herrschte Stille. Im vergangenen Sommer wurde dann dieses Splitalbum veröffentlicht, wo sich das depressive Einmannprojekt WIGRID mit zwei Berliner Chaoten von SUNSHINE & LOLLIPOPS die Klinke in die Hand gibt.

Von WIGRID gibt es nur zwei Lieder, wovon das erste ein atmosphärisches Instrumentalstück ist. Mit dem zweiten Stück „Trostdistanz“ greift WIGRID dann den bekannten Stil auf. Hier gibt es rau klingenden depressiven Black Metal, der stellenweise an BURZUM erinnert. Jedoch klingt WIGRID hier nicht mehr ganz so roh wie auf den beiden Alben. Die Atmosphäre ist sphärisch aufgeladen, das Gitarrenspiel erweist sich als ruhig und melodisch. Am Anfang sowie in der Mitte des Liedes gibt es auch eine Akustikgitarrenpassage, deren melancholisches Spiel mich ein wenig an „Nebelwand“ von OMEGA MASSIF und „Heavy Black Snow“ von HUMANFLY erinnert.

Mir gefällt dieser Kontrast sehr gut. Einerseits gibt es grell und rau klingenden DSBM, der ruhig und majestätisch wirkt, andererseits gibt es auch klare und direkte, fast schon Kraft und Hoffnung spendende, atmosphärische Melodien. Ich mochte WIGRID schon damals und auch auf diesem Splitalbum gelingt es Ulfhednir mich in den Bann zu ziehen. Seine Musik ist zwar bedrückend und traurig aber dabei ruhig und aufgeräumt und frei von Effekthascherei, was ich als sehr positiv empfinde.


SUNSHINE & LOLLIPOPS gehen da einen ganz anderen Weg, der stilistisch und atmosphärisch überhaupt nicht zu WIGRID passt. Das Berliner Duo spielt chaotischen und dynamischen Black Metal mit Anleihen von Punk und Crust.

Am auffälligsten ist zunächst der heiser und hysterisch anmutende Gesang, der mich an die Kaputten von GOAT MESSIAH erinnert. Musikalisch ist das Treiben aber gar nicht einfach einzuordnen. SUNSHINE & LOLLIPOPS klingen dreckig und rotzig und oldschool. Dabei präsentieren sie sich aber überaus vielfältig, denn rhythmisch und melodisch gibt es stete Abwechslung und Bewegung. Es gibt schnelle und harte Parts ebenso wie schleppende und mittelschnelle Passagen. Die schnellen Parts sind oft chaotisch und lärmend. SUNSHINE & LOLLIPOPS wirken manchmal wie eine bizarre Mischung aus GOAT MESSIAH, IMPALED NAZARANE und OKKULTOKRATI. Sie selbst beschreiben ihren Stil als „Absurdist Anarcho Black Metal“, was ganz sicher zutreffend ist.

Man muss in jedem Fall eine Vorliebe für lebendiges Spiel mitbringen um SUNSHINE & LOLLIPOPS mögen zu können. Denn es ist eigentlich immer etwas in Bewegung und Eingängigkeit scheint für die Zwei ein Fremdwort zu sein. So ist mir persönlich auch insgesamt zu viel los, obgleich ich das Absurde und Wahnsinnige durchaus zu schätzen weiß. Deshalb gefällt mir „End Of The Rope“ auch am besten, einfach weil es das geradlinigste und direkteste Stück ist.


Auf „Split The Indifference / Geteilte Gleichgültigkeit“ treffen zwei extrem unterschiedliche Gruppen aufeinander. Depressiver Black Metal mit Ambient-Atmosphäre trifft auf Chaos und anarchischen Nihilismus. Das ist ein großer und interessanter Kontrast und ist Freunden skurriler Veröffentlichungen sicherlich zu empfehlen. Anhänger von WIGRID und dem DSBM sollten sich dieses Album ebenfalls nicht entgehen lassen.

WIGRID
1. Desoziierend
2. Trostdistanz

SUNSHINE & LOLLIPOPS
3. Ende Of The Rope
4. Für Klara
5. Best Of All Possible Worlds
6. (You’re Addicted) And Why Not?


https://www.facebook.com/pages/Wigrid/178859422177307
http://sunshineandlollipops.de/
http://www.bleedingheartnihilist.de/

28.03.2015

Drudensang – Prinzipien der Grausamkeit

Drudensang – Prinzipien der Grausamkeit

Drudensang – Prinzipien der Grausamkeit
2015 | Black Metal
Kassette | Black Blood Records
Vinyl | Black Blood Records / Pesttanz Klangschmiede

Freunde des rauen deutschen Untergrund Black Metals sollten hier unbedingt weiterlesen und aufpassen! Denn mit „Prinzipien der Grausamkeit“ gibt es seit kurzem ein echtes Juwel schwarzmetallischer Kunst zu erstehen. DRUDENSANG spielen rau klingenden und scheppernden Black Metal, der Geradlinigkeit mit dezenter Melodik und einer herrlich düsteren Atmosphäre verbindet.

Was mir auf Anhieb so gut gefällt, ist die authentische Atmosphäre. DRUDENSANG erinnern mich nämlich immer wieder an Gruppen wie MYRKWID, SCHATTENHEER (das hat nichts damit zu tun dass Malthökk das Schlagzeug auf „Prinzipien der Grausamkeit“ einspielte), HAR SHATAN, BARASTIR oder SALVATION666. Nicht so sehr, weil DRUDENSANG den genannten Bands stilistisch besonders nahe käme, sondern weil alle Bands eine grimmige und auch hasserfüllte Atmosphäre mit Direktheit sowie dezenter Melodik kombinieren. Das ist deutscher Untergrund Black Metal wie ich ihn schätze und DRUDENSANG schlagen meinem Empfinden nach in eine ganz ähnliche Kerbe.

„Prinzipien der Grausamkeit“ ist zwar über weite Strecken grimmig und roh und das Tempo oftmals hoch, doch gibt es überdies zahlreiche atmosphärische und melodische Elemente, die das Ganze wunderbar aufwerten. In „Metamorphose“ gibt es eine wunderschöne Akustikgitarrenpassage die mich an „Treue & Verrat“ von ARATHORN erinnert. Jedoch übertreiben es DRUDENSANG mit solchen atmosphärischen Elementen nicht. Der raue Black Metal steht klar im Mittelpunkt und wurde geschickt angereichert. Aber auch sonst wissen die Riffs zu überzeugen, da sie leicht melodisch aber dennoch dunkel und bedrückend sind. Gelegentlich vermischen sich eine herrliche Melancholie mit roher Grimmigkeit zu einer schwarzen, dichten Atmosphäre.

DRUDENSANG überzeugen mich aber nicht nur musikalisch, auch inhaltlich haben die Bayern einiges zu bieten, so beschäftigen sie sich doch mit Riten, Naturgeistern, Druden und Perchten. „Prinzipien der Grausamkeit“ ist bisher als Pro-Tape in einer Auflage von 99 Kopien erschienen und kommt in diesen Tagen auch als Vinyl (300 Kopien, davon 200 schwarz und 100 farbig) raus. Für mich ist diese Veröffentlichung ein großartiges Tondokument deutschen Black Metals und jedem uneingeschränkt zu empfehlen, der mit den oben genannten Gruppen etwas anzufangen weiß oder den Untergrund schätzt. Wer etwas Glück hat und es geschickt anstellt, bekommt womöglich eine erweiterte Kassettenversion.

1. Intro
2. Metamorphose
3. Parasit
4. Todesstoß
5. Epilog

http://www.blackbloodrecords.de/
http://www.pesttanz.com/
drudensang@web.de

24.03.2015

Fhoi Myore / Pestiferum - La Forme Créatrice Du Chaos / Le Chaos Religieux

Fhoi Myore / Pestiferum - La Forme Créatrice Du Chaos / Le Chaos Religieux
Fhoi Myore / Pestiferum - La Forme Créatrice Du Chaos / Le Chaos Religieux
2013 | Black Metal
CD | Ossuaire Records


Dieses Splitalbum ist zwar nicht mehr brandaktuell, dennoch lohnt sich die Beschäftigung damit. Denn vor kurzem konnten mich FHOI MYORE mit ihrem derzeitigen Splitalbum hellauf begeistern. Auf dieser vor zwei Jahren erschienen Split teilen sich FHOI MYORE den Platz mit PESTIFERUM, welche mich zuletzt auf ihrem Album leider nicht so überzeugen konnten.

FHOI MYORE spielen auch hier wunderbar hasserfüllten und aggressiven Black Metal, der geschickt mit Melodik und Vielfalt gespickt wurde. Dies wird jedem sofort mit dem ersten Titel „Blood, Flesh And Bones“ klar gemacht. Denn es gibt keine Einleitung, stattdessen beginnt die CD umgehend mit erbarmungsloser Raserei. Es wird nur so eingeheizt und gehämmert, als gäbe es kein Morgen. Das ist ein toller Einstieg der sofort vermittelt, es hier mit hartem und bestialischem Black Metal zu tun zu haben.

Doch FHOI MYORE können weitaus mehr als nur blind drauf los zu prügeln. Das Grundtempo ist zwar hoch, doch gibt es rhythmische Veränderungen und auch an den Saiteninstrumenten sind zahlreiche melodische Gitarrenläufe zu verzeichnen. Zum Ende des ersten Liedes nehmen FHOI MYORE das Tempo sogar gänzlich raus und präsentieren ein beachtliches Gitarrensoli. Das Gitarrenspiel ist ohnehin recht melodisch ausgefallen, ganz ähnlich wie auf dem Splitalbum mit WYRM, jedoch noch nicht immer ganz so ausgeklügelt und wohlklingend. Da merkt man den Unterschied, den zwei Jahre machen können, sehr deutlich. Aber auch wenn die Gitarren dynamisch ins Geschehen eingreifen, ist und bleibt der Black Metal harsch und aggressiv. Dies ist nicht nur dem einpeitschenden Schlagzeug geschuldet, sondern auch dem wahrlich bitterbösen und exzessiven Kreischgesang.

FHOI MYORE bestätigen hiermit den überaus positiven Ersteindruck nachhaltig. Es ist einfach herrlich zu hören, wie geschickt und vielseitig man harten und schnellen Black Metal gestalten kann. FHOI MYORE klingen über weite Strecken hochgradig bissig und aggressiv, vergessen dabei aber nicht gute Melodien zu spielen und für spielerische Vielfalt zu sorgen.  Jeder Musiker geht in die Vollen und holt alles aus seinem Instrument raus.


An PESTIFERUMS letztem Album bemängelte ich vor allem die fehlende Härte und Schnelligkeit. Die einzelnen Lieder als auch das Album waren relativ lang, weshalb ich fehlende Härte und Kontraste schlussendlich als langweilig empfand. Dabei verstanden es PESTIFERUM gleichwohl rau und grimmig aufzuspielen.

Dies tun sie auch auf diesem Splitalbum und mit „Nazareth En Flammes“ beginnt PESTIFERUMS Beitrag recht vielversprechend. Denn neben langsamen Parts und einem rockigen Soli zieht man das Tempo immer wieder an und stampft einen schnellen Rhythmus. Das gefällt mir schon ziemlich gut, da ich finde, dass der grimmige Gesang hervorragend mit dem stampfenden und peitschenden Schlagzeug harmoniert. Das klingt irgendwie rumpelig aber eben auch unheilvoll und böse. Da stören mich dann auch die langsameren Passagen mitsamt melodischem Riffing gar nicht mehr.

PESTIFERUM klingen und wirken hier auf dem Splitalbum insgesamt ruppiger und rauer, nicht nur spielerisch sondern auch klanglich. Der Klang ist zwar etwas klarer und druckvoller aber auch rauer, was dem Spiel sehr zugute kommt. Obgleich das Tempo stark variiert und es viele gemäßigte Parts gibt, wirken PESTIFERUM dennoch roher und böser. Dies liegt nicht nur am grimmigen Gesang sondern auch am permanent peitschenden Becken, das selbst dann peitscht, wenn es ansonsten schleppend zugeht.

PESTIFERUM gefallen mir hier besser als auf dem Album. Auch wenn sie erneut nicht herausragend aggressiv in Erscheinung treten, so wirken sie zumindest sehr grimmig, ruppig und böse. Und genau dies vereint sie mit FHOI MYORE, wobei PESTIFERUM stilistisch und spielerisch nicht mithalten.

„La Forme Créatrice Du Chaos / Le Chaos Religieux“ ist ein empfehlenswertes Splitalbum, auch zwei Jahre nach der Veröffentlichung. Hier bekommt der Fanatiker kompromisslosen und ansprechenden Black Metal.

FHOI MYORE
1. Blood, Flesh And Bones
2. Beyond The Multiverses
3. La Destruction
4. L’enfer Blanc

PESTIFERUM
5. Nazareth En Flammes
6. Pures Ardentes Et Immortelles
7. Nous Ôtera La Lumière
8. Dans Le Fruit Est Le Ver


https://fhoimyore.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/fhoimyore 
https://www.facebook.com/Pestiferum 
http://www.ossuairerecords.fr/