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09.02.2015

Macabre Demise - Homicidal Parasites | 2015 | Rebirth The Metal Productions | CD | Death Grind



Death Grind die Zweite! Rund dreieinhalb Jahre nach „Stench Of Death“ legt Andreas Rieger mit seinem Soloprojekt MACABRE DEMISE nach. Erneut gibt es abwechslungsreichen Death Grind auf die Ohren. Dabei kombiniert er grindiges Geknüppel mit schwungvollem Death Metal, vielen Breaks sowie technischen Riffs. Auf „Homicidal Parasites“ gibt es sehr viel zu hören, jedes einzelne Lied fällt durch überaus facettenreiche Strukturen auf, was das neue Album gegenüber seinem Vorgänger komplexer wirken lässt.

Im Titelstück gibt es neben treibendem Death Metal auch zäh schleppende Parts, die wuchtig und walzend alles zu Boden drücken. Das nachfolgende „Perverse Torture“ verbindet brutales Geknüppel mit dualem Gesang, sich verändernden Rhythmen und melodischen Riffs, was mich erneut etwas an DYING FETUS erinnert. Diese Spielweise ist ja schon vom Debütalbum bestens bekannt, deshalb finde ich Stücke wie „Blood Inhale“  interessanter. Denn „Blood Inhale“ kommt technischer, düsterer und komplexer daher. Gerade das vertrackte Gitarrenspiel erinnert mich stellenweise an das Album „…In Pains“ von CADAVER.

Obwohl es selbstverständlich Ähnlichkeiten zu großen Bands gibt, empfinde ich das Album insgesamt jedoch als eigenständig. Einflüsse sind zwar erkennbar aber MACABRE DEMISE macht dennoch sein eigenes Ding, was sich unter anderem in der sehr guten und vielfältigen Instrumentierung äußert. Spielerisch konnte sich Rieger gegenüber dem Debüt erheblich steigern. Rhythmisch und harmonisch gibt es nicht nur Vielfalt, das Ganze wurde auch noch sehr gut umgesetzt – was ich für eine Einmannband überaus beachtlich empfinde. Lediglich der Klang ist mir etwas zu dumpf und kraftlos ausgefallen. Vor allem die Gitarren könnten einen wärmeren und kräftigeren Klang vertragen, dann würde „Homicidal Parasites“ noch wesentlich brachialer wirken. Dies ist gemessen am hohen spielerischen Niveau aber eine Kleinigkeit, weshalb „Homicidal Parasites“ den Freunden gepflegten Death Grinds wärmstens zu empfehlen ist.


1. Homicidal Parasites
2. Perverse Torture
3. Resurrection Of The Walking Dead
4. Blood Inhale
5. Back From The Dead
6. Zombie Squad
7. Depth Of Horror
8. Bloodbath

21.10.2014

Parasitic Ejaculation / Traumatomy / Gorepot / Intestinal Alien Reflux - Four Formidable Forms | 2014 | Rebirth The Metal Throne Productions | CD | Grind / Death Metal





Diese Split CD verspricht üblen Deathgrind! Vertreten sind drei Gruppen aus den Vereinigten Staaten und GOREPOT, ein russisch-japanisches Projekt. Den Anfang machen PARASITIC EJACULATION, die (leider) nur mit zwei Liedern vertreten sind. Die beiden Stücke sind recht abwechslungsreich und verbinden schwungvolle, mittelschnelle Parts mit einigen Tempoausbrüchen und zahlreichen technischen Breaks, was mich immer wieder etwas an „Cranial Impalement“ von DISGORGE erinnert. Trotz einiger Tempoeinlagen spielen PARASITIC EJACULATION vorwiegend mittelschnell und teilweise auch schleppend auf, wo sie mir am besten gefallen. Denn die schleppenden Parts mit dem tiefen, gutturalen Geröchel sind kraft- und schwungvoll. Wie gesagt, schade dass es nur zwei Lieder gibt.

TRAUMATOMY spielen einen ganz ähnlichen Stil. Schwungvolle und krachende Riffs werden mit einem drückenden, variablen Rhythmus kombiniert, der überwiegend schleppend bis mittelschnell ist. Klanglich sind TRAUMATOMY etwas druckvoller ausgefallen, so dass das vielfältige Spiel am Schlagzeug gut zur Geltung kommt. Trotz des gutturalen Gegurgels wirken TRAUMTOMY phasenweise düster, was vor allem dem einen und anderen dunkelharmonischen Riff geschuldet ist. Auch hier gibt es leider nur zwei Lieder, doch mit jeweils über dreieinhalb Minuten Länge sind sie für Genreverhältnisse nicht gerade kurz.

Mit INTESTINAL ALIEN REFLUX verändert sich das Ganze etwas, die Lieder werden wesentlich kürzer und auch klanglich ist es fortan roher und ruppiger. Das Schlagzeug tönt oftmals blechern und die Becken peitschen rauschend, überdies wird es stellenweise zu basslastig und es kommt dann zu einem Übersteuern. INTESTINAL ALIEN REFLUX spielen lärmenden und flotten sowie variablen Goregrind, der sich aber nicht in Raserei verliert und auch mal das Tempo rausnimmt.

Abschließend sind GOREPOT zu hören, deren Hauptaugenmerk auf üblem Gesang liegt, welcher phasenweise einem sterbenden, abgestochenen Schwein gleicht. Gesang ist nahezu durchgängig zu hören, instrumentale Passagen sind kaum vorhanden. Musikalisch sind GOREPOT dabei auch nicht ganz so schwungvoll wie die anderen Gruppen, da GOREPOT häufig auf technische und trockene Riffs sowie ein programmiertes Schlagzeug setzen. Dies hört man auch öfters raus, da die Doublebass so manches Mal doch zu künstlich klingt. Manchmal wirken GOREPOT auf mich wie eine abgefahrene Mischung aus den amerikanischen DISGORGE und BRODEQUIN. Ganz klar brutaler Deathgrind für die Kaputten unter euch.


Für mich, also jemand der sich nur gelegentlich dem Deathgrind hingibt, sind auf „Four Formidable Forms“ vor allem PARASITIC EJACULATION sowie TRAUMATOMY ansprechend. Mir gefällt bei beiden Gruppen die Kombination aus gutturalem Gesang und schwungvollen Rhythmen. INTESTINAL ALIEN REFLUX sind stellenweise auch ganz nett und GOREPOT vor allem für echte Fanatiker des schlechten Geschmacks. Aber für diese ist „Four Formidable Forms“ per se von Interesse. Wer brutalen Death Metal, gutturalen Gesang sowie abgefahrenen Grind und entsprechend kurze Lieder mag, dürfte hier also genau richtig sein.



PARASITIC EJACULATION
01. Anal Incest
02. Hematogenic Masturbation

TRAUMATOMY
03. Spontaneous Internal Degradation
04. Generating Xenomorphic Mutations

INTESTINAL ALIEN REFLUX
05. Rubes
06. Aliengod
07. The Gospel According To Puke
08. The Great Sage
09. Eminent Junkie

GOREPOT
10. Balls
11. Legalize Marjuana And Bong Detergent
12. Gay Cyborg
13. Ball Sack Parasites
14. Merry Christmas And A Happy New Year

30.09.2014

Keitzer - The Last Defence | 2014 | F.D.A. Rekotz / 7Degrees Records | CD / Vinyl | Death Metal



Im Bereich des Death Metals sind KEITZER für mich die Überraschung des Jahres. Obwohl es die Gruppe seit vielen Jahren gibt und das vor kurzem erschienene Album „The Last Defence“ bereits das fünfte Langeisen ist, kannte ich sie bis dato nicht. Ich bin eher zufällig über das neue Album gestolpert und war von der ersten Sekunde an gefesselt.

KEITZER spielen eine erfrischende und großartige Mischung aus Death Metal und Grind, und zwar exakt so, wie ich es liebe. Es gibt auf der einen Seite bedingungslose Härte und Aggression, andererseits besticht das Album durch großartige Melodien und eine absolut flüssige Abwechslung. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ist „The Last Defence“ ein bares Feuerwerk an gewaltigen Riffs, Breaks und einer fordernden Geradlinigkeit, wie ich sie nur sehr selten hörte. Obwohl die Lieder sehr vielfältig gestaltet wurden und das Tempo in unzähligen Variationen auftritt, ist es KEITZER perfekt gelungen, das gesamte Album absolut stimmig und flüssig wirken zu lassen. Härte, Aggression, Raserei, Melodik und krachender Schwung halten sich perfekt die Waage.

Als besonders herausragend empfinde ich das schnelle aber melodische Riffing. KEITZER zaubern nahezu permanent surrende Riffs aus dem Ärmel, die an Intensität nicht mehr zu überbieten sind und die mich immer an einen Schwarm Bienen oder Hornissen denken lassen. Der  Klang des Riffings steht einfach wie eine dichte Wolke im Raum und droht alles und jeden zu verschlucken, einfach großartig. Trotz der hohen Dichte an Komplexität wirkt bei KEITZER alles sehr spielerisch und locker und nicht zu technisch oder steril. KEITZERS Spiel ist lebendig und dabei immer natürlich, was den ohnehin schon vorhandenen Eindruck hier ein besonders stimmiges und flüssiges Werk vor sich zu haben, noch verstärkt.

„The Last Defence“ ist für mich auch ein Album, welches ich locker drei, vier Mal hintereinander am Stück hören kann, ohne ein leisestes Anzeichen für Abnutzung oder Langeweile. Für mich persönlich ist  „The Last Defence“ das beste Album in diesem Bereich des Death-Grinds, welches ich seit langer, langer Zeit gehört habe. Absolute Pflicht für jeden Jünger kurzer, knackiger Lieder!

01. Bellum Indicere
02. Exist To Destroy
03. This Is The Only Solution
04. Forever War
05. Marching Forward To Victory
06. The Last Defence
07. Next Offensive
08. We Are The Serpents Of Doom
09. Fleshcrawl
10. Todgeweiht
11. Glorious Dead
12. Ausgelöscht
13. Crusade
14. ...Before Annihilation

21.04.2014

Phlebotomized - Immense Intense Suspense / Skycontact | 2014 | Hammerheart Records | CD | Death Metal / Doom



PHLEBOTOMIZED sind ohne Zweifel zu den Mitbegründern und Vorreitern des progressiven und avantgardistischen Death/Doom Metals zu zählen. Die Holländer begannen in den 1980iger Jahren als Death/Grind Kapelle und änderten ihren Namen 1989 in PHLEBETOMIZED um. Bereits die 1992 erschienene, zweite Demo „Devoted To God“ war ein großer Erfolg. Dort war der Grind noch sehr deutlich spür- und hörbar. Wenig später erschienen die beiden EPs „In Search Of Tranquility“ sowie „Preach Eternal Gospels“, auf denen der Grind zwar noch ein Element war, es aber zunehmend progressiver, atmosphärischer und komplexer wurde. 1994 war es dann soweit und PHLEBOTOMIZED brachten mit „Immense Intense Suspense“ ihr großartiges Debütalbum heraus. Dort wurde quasi das Material der Demos und EPs neu aufgenommen. Drei Jahre später erschien mit „Skycontact“ das zweite und letzte Album ehe sich die Holländer auflösten. 2013 kam es zur Reaktivierung von PHLEBOTOMIZED und „Devoted To God“ sowie „Preach Eternal Gospels“ wurden auf einer CD wiederveröffentlicht. Inzwischen sind auch die beiden Alben als Doppel CD im Digipak wieder zu haben. Streng genommen ist diese Wiederveröffentlichung ein absoluter Pflichtkauf für jeden, der sich irgendwie auch nur entfernt für den extremen Metal interessiert. Auch wenn viele von euch die Band wahrscheinlich gar nicht kennen, war und ist sie doch eine sehr einflussreiche Band gewesen, die extrem viele andere Gruppen beeinflusst haben dürfte.


„Immense Intense Suspense“ ist ein extrem abwechslungsreiches Album, welches die rigide Kompromisslosigkeit und Härte des Grinds mit schwungvollem Death Metal und melancholischem Doom verbindet. Dabei kommen Klargesang, Streichinstrumente und Keyboard zum Einsatz. Trotz des komplexen und abwechslungsreichen Materials ist es PHLEBOTOMIZED jedoch gelungen ein Opus zu kreieren, welches stimmig und flüssig ist und überhaupt nicht kompliziert und anstrengend wirkt.

Es ist einfach toll zu hören und sich darauf einzulassen, wie sich brutale und grindige Knüppelpassagen mit Violine und Keyboard abwechseln und verbinden lassen. Wenn man die Band noch nicht kennt, wird man über die scheinbar abrupten Wechsel innerhalb der Lieder überrascht sein. PHLEBOTOMIZED verändern gern mittels eines Breaks den Stil und wechseln von hemmungsloser Brutalität über zu melancholischem und verträumten Death/Doom, der entweder geradlinig oder experimentell sein kann. PHLEBOTOMIZED kann man sicherlich etwas mit PAN THY MONIUM vergleichen, die etwa zur gleichen Zeit aktiv waren und ebenfalls experimentell handwerkelten.

„Immense Intense Suspense“ ist ein überaus intensives Album bei dem im Grunde jeder auf seine Kosten kommt. Es enthält sehr gutes hartes und graziles Riffing, Melodik und Melancholie aber auch Bombast, Brutalität und eine Prise Wahnsinn. Es ist nicht nur spielerisch und stilistisch ein vielschichtiges Werk, „Immense Intense Suspense“ ist auch atmosphärisch und stimmungstechnisch extrem nuanciert und es gleicht einer sprichwörtlichen Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich habe das Album bestimmt hundert Mal gehört und noch immer fasziniert es mich jedes Mal von neuem.


Ähnlich angetan bin und war ich von „Skycontact“, an dem sich allerdings die Geister scheiden. Es ist nämlich ein gänzlich anderes Album als „Immense Intense Suspense“, was natürlich zunächst irritierend und abschreckend wirkt. Vom ursprünglichen Grind fehlt inzwischen jeglicher Hauch einer Spur und überhaupt wurde der brachiale Anteil radikal reduziert. Stattdessen dominieren viele Melodien und Klargesänge das Geschehen. Ja, selbst der Death Metal ist als solcher nur noch bedingt und selten auszumachen. Das ist natürlich schräg, wenn man vorab nicht weiß worauf man sich mit „Skycontact“ einlässt und eine Fortsetzung von „Immense Intense Suspense“ erwartet.

Streng genommen kann man „Skycontact“ auch als Psychedelic Rock oder Metal umschreiben. PHLEBOTOMIZED gehen hier tatsächlich relativ handzahm zu Werke und verzichten nahezu komplett auf verzerrten Gesang. Stattdessen gibt es sonoren und gefühlvoll akzentuierten Gesang und viele „space-ige“ Harmonien und Melodien, die verträumt sind und zum Zurücklehnen und Abschalten einladen. Trotzdem ist „Skycontact“ ein sehr raffiniertes Album, das tolle Arrangements und intensive Stimmungen besitzt. Über weite Strecken ist es zwar latent melancholisch, doch immer wieder treten auch kraftvolle Parts auf, die mitreißend und zupackend, ja geradezu aufrüttelnd sind. Dazwischen sind unentwegt großartige Harmonien zu bestaunen, egal ob an der Gitarre, an der Violine oder am Keyboard erzeugt. PHLEBOTOMIZED verstehen es wie kaum eine andere Band,  quasi aus dem Nichts, mittels einer Melodie zu entführen und zu begeistern.

Dabei ist es natürlich klar, wie groß die Enttäuschung über den massiven Stilbruch sein muss, wenn man „Skycontact“ das erste Mal hört und sich auf die älteren Sachen freut. Ich persönlich empfinde „Skycontact“ aber mindestens genau so großartig, wenn nicht sogar noch besser als das alte Material. „Skycontact“ ist irgendwie verspielt und verträumt, zugleich aber auch traurig und irgendwie auch romantisch und leicht verkitscht. Selbst Ironie und Humor lassen sich in den Texten wiederfinden. Es ist ein extrem dichtes und emotionales Album, welches zutiefst berührt und handwerklich extrem gut gemacht ist. Die Strukturen sind nämlich komplex und anspruchsvoll und verlangen nach Geschick und Können. „Skycontact“ ist vermutlich eines jener Alben, die man entweder nur lieben oder hassen kann. Dazwischen gibt es wohl nicht viel.


Es war endlich mal an der Zeit die beiden Alben von PHLEBOTOMIZED einer Wiederveröffentlichung zu unterziehen. Sie waren ja schon seit etlichen Jahren ausverkauft und bei Ebay und Discogs musste man rund 30 bis 40 Euro pro CD und teilweise erheblich mehr berappen.  So oder so, beide Alben sind großartige Meisterwerke und Meilensteine und niemand sollte der gestaltete klanggewordene Kunst verpassen!

CD 1 (Immense Intense Suspense):
1. Immense Intense Suspence / Barricade
2. Desecration Of Alleged Christian History
3. Dubbed Forswearer
4. In Search Of Tranquility / Subtle Disbalanced Liquidity
5. Devoted To God
6. Mellow Are The Reverberations
7. Gone...

CD 2 (Skycontact):
1. SoleShowSoul
2. Achin'
3. Sometimes
4. I Lost My Cookies In The Disco
5. Dizz-tance
6. I Hope You Know (In 4 Parts)
   - A Cry In July
   - Never Lose Hope
   - Imagine This

   - Out To You