21.04.2014

Horrid - Sacrilegious Fornication | 2014 | Dunkelheit Produktionen | CD | Death Metal



Die italienische Band HORRID wurde bereits 1988 unter dem Namen RITES OF DEATH gegründet. Man wollte Größen wie CELTIC FROST und HELLHAMMER nacheifern, doch dann änderte man den Namen in HORRID um und 1992 erschien die erste Demo. Es sollten einige Demos, EPs und zwei Alben folgen ehe in diesem Frühling mit „Sacrilegious Fornications“ der dritte Langspieler erschien. HORRID spielen Oldschool Death Metal der herrlich authentisch und lebendig klingt.

Es gibt viele (relativ) neue Gruppen die sich dem Oldschool Death Metal verschrieben haben und die versuchen den speziellen Geist von einst nachzuempfinden. Einigen gelingt das besser als anderen, doch oft wirkt das Ganze eben nicht vollständig authentisch. Bei HORRID ist dies ganz anders, schließlich kommt man ja selbst aus dieser alten Zeit. Auch wenn man zwar zur Riege der Altgedienten gehört, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, guten Death Metal abzuliefern. Es gibt einige Beispiele die belegen dass es manchmal einfach besser ist, Vergangenheit Vergangenheit zu lassen und nicht doch noch mal auf Teufel komm raus ein neues Album einzuspielen, welches dann einfach bei weitem nicht an die alten Zeiten rankommt. Bei HORRID und ihrem neuen Album „Sacrilegious Fornications“ ist das anders. Es ist ein großartiges und ehrliches Album, welches schlicht und einfach düsteren, satanischen und direkten Death Metal enthält. Ich vermeide es absichtlich HORRID mit anderen Bands zu vergleichen, da es einfach zu viele gibt, die man nennen könnte und jeder eine andere der bekannten Bands bevorzugt oder zum Vergleich heranziehen würde.

Den Death Metal den man hier um die Ohren gehauen bekommt, ist böse und düster und von sattem Klang, der tonal wunderbar tief gelagert ist und der nicht nur die Bässe präzise und reichhaltig wiedergibt sondern auch den Gesang hervorragend inszeniert. Das Organ von Sänger und Bassist Max klingt großartig.  Es ist kehlig  und tief aber auch energisch und aggressiv wenn es sein muss. „Sacrilegious Fornications“ hat ohnehin mächtig Dampf unter der Haube und peitscht und hämmert brachial. Der oftmals flotte Rhythmus sowie der böse und mächtige Klang von Bass und Gitarre sorgen für eine böse und druckvolle Atmosphäre, die den Raum zum Beben bringt und direkt ins Blut geht.

„Sacrilegious Fornications“ ist ein tolles Oldschool Album welches tatsächlich absolut unverstaubt ist.  Spielerisch und klanglich überzeugen HORRID auf ganzer Linie und das von HELLHAMMER nachgespielte „Massacra“ rundet das Ganze wunderbar ab.

1. Sacrilegious Fornication
2. Vortex of Primordial Chaos
3. Necromancy
4. Demonic Sadocarnage
5. Blood on Satan's Claw
6. The Fire of Impenitence
7. Diocletianic Persecution
8. Goddess of Heretical Perversity
9. Massacra (Hellhammer Cover)




https://www.facebook.com/pages/HORRID/106220033688
http://www.dunkelheit-produktionen.de/

Phlebotomized - Immense Intense Suspense / Skycontact | 2014 | Hammerheart Records | CD | Death Metal / Doom



PHLEBOTOMIZED sind ohne Zweifel zu den Mitbegründern und Vorreitern des progressiven und avantgardistischen Death/Doom Metals zu zählen. Die Holländer begannen in den 1980iger Jahren als Death/Grind Kapelle und änderten ihren Namen 1989 in PHLEBETOMIZED um. Bereits die 1992 erschienene, zweite Demo „Devoted To God“ war ein großer Erfolg. Dort war der Grind noch sehr deutlich spür- und hörbar. Wenig später erschienen die beiden EPs „In Search Of Tranquility“ sowie „Preach Eternal Gospels“, auf denen der Grind zwar noch ein Element war, es aber zunehmend progressiver, atmosphärischer und komplexer wurde. 1994 war es dann soweit und PHLEBOTOMIZED brachten mit „Immense Intense Suspense“ ihr großartiges Debütalbum heraus. Dort wurde quasi das Material der Demos und EPs neu aufgenommen. Drei Jahre später erschien mit „Skycontact“ das zweite und letzte Album ehe sich die Holländer auflösten. 2013 kam es zur Reaktivierung von PHLEBOTOMIZED und „Devoted To God“ sowie „Preach Eternal Gospels“ wurden auf einer CD wiederveröffentlicht. Inzwischen sind auch die beiden Alben als Doppel CD im Digipak wieder zu haben. Streng genommen ist diese Wiederveröffentlichung ein absoluter Pflichtkauf für jeden, der sich irgendwie auch nur entfernt für den extremen Metal interessiert. Auch wenn viele von euch die Band wahrscheinlich gar nicht kennen, war und ist sie doch eine sehr einflussreiche Band gewesen, die extrem viele andere Gruppen beeinflusst haben dürfte.


„Immense Intense Suspense“ ist ein extrem abwechslungsreiches Album, welches die rigide Kompromisslosigkeit und Härte des Grinds mit schwungvollem Death Metal und melancholischem Doom verbindet. Dabei kommen Klargesang, Streichinstrumente und Keyboard zum Einsatz. Trotz des komplexen und abwechslungsreichen Materials ist es PHLEBOTOMIZED jedoch gelungen ein Opus zu kreieren, welches stimmig und flüssig ist und überhaupt nicht kompliziert und anstrengend wirkt.

Es ist einfach toll zu hören und sich darauf einzulassen, wie sich brutale und grindige Knüppelpassagen mit Violine und Keyboard abwechseln und verbinden lassen. Wenn man die Band noch nicht kennt, wird man über die scheinbar abrupten Wechsel innerhalb der Lieder überrascht sein. PHLEBOTOMIZED verändern gern mittels eines Breaks den Stil und wechseln von hemmungsloser Brutalität über zu melancholischem und verträumten Death/Doom, der entweder geradlinig oder experimentell sein kann. PHLEBOTOMIZED kann man sicherlich etwas mit PAN THY MONIUM vergleichen, die etwa zur gleichen Zeit aktiv waren und ebenfalls experimentell handwerkelten.

„Immense Intense Suspense“ ist ein überaus intensives Album bei dem im Grunde jeder auf seine Kosten kommt. Es enthält sehr gutes hartes und graziles Riffing, Melodik und Melancholie aber auch Bombast, Brutalität und eine Prise Wahnsinn. Es ist nicht nur spielerisch und stilistisch ein vielschichtiges Werk, „Immense Intense Suspense“ ist auch atmosphärisch und stimmungstechnisch extrem nuanciert und es gleicht einer sprichwörtlichen Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich habe das Album bestimmt hundert Mal gehört und noch immer fasziniert es mich jedes Mal von neuem.


Ähnlich angetan bin und war ich von „Skycontact“, an dem sich allerdings die Geister scheiden. Es ist nämlich ein gänzlich anderes Album als „Immense Intense Suspense“, was natürlich zunächst irritierend und abschreckend wirkt. Vom ursprünglichen Grind fehlt inzwischen jeglicher Hauch einer Spur und überhaupt wurde der brachiale Anteil radikal reduziert. Stattdessen dominieren viele Melodien und Klargesänge das Geschehen. Ja, selbst der Death Metal ist als solcher nur noch bedingt und selten auszumachen. Das ist natürlich schräg, wenn man vorab nicht weiß worauf man sich mit „Skycontact“ einlässt und eine Fortsetzung von „Immense Intense Suspense“ erwartet.

Streng genommen kann man „Skycontact“ auch als Psychedelic Rock oder Metal umschreiben. PHLEBOTOMIZED gehen hier tatsächlich relativ handzahm zu Werke und verzichten nahezu komplett auf verzerrten Gesang. Stattdessen gibt es sonoren und gefühlvoll akzentuierten Gesang und viele „space-ige“ Harmonien und Melodien, die verträumt sind und zum Zurücklehnen und Abschalten einladen. Trotzdem ist „Skycontact“ ein sehr raffiniertes Album, das tolle Arrangements und intensive Stimmungen besitzt. Über weite Strecken ist es zwar latent melancholisch, doch immer wieder treten auch kraftvolle Parts auf, die mitreißend und zupackend, ja geradezu aufrüttelnd sind. Dazwischen sind unentwegt großartige Harmonien zu bestaunen, egal ob an der Gitarre, an der Violine oder am Keyboard erzeugt. PHLEBOTOMIZED verstehen es wie kaum eine andere Band,  quasi aus dem Nichts, mittels einer Melodie zu entführen und zu begeistern.

Dabei ist es natürlich klar, wie groß die Enttäuschung über den massiven Stilbruch sein muss, wenn man „Skycontact“ das erste Mal hört und sich auf die älteren Sachen freut. Ich persönlich empfinde „Skycontact“ aber mindestens genau so großartig, wenn nicht sogar noch besser als das alte Material. „Skycontact“ ist irgendwie verspielt und verträumt, zugleich aber auch traurig und irgendwie auch romantisch und leicht verkitscht. Selbst Ironie und Humor lassen sich in den Texten wiederfinden. Es ist ein extrem dichtes und emotionales Album, welches zutiefst berührt und handwerklich extrem gut gemacht ist. Die Strukturen sind nämlich komplex und anspruchsvoll und verlangen nach Geschick und Können. „Skycontact“ ist vermutlich eines jener Alben, die man entweder nur lieben oder hassen kann. Dazwischen gibt es wohl nicht viel.


Es war endlich mal an der Zeit die beiden Alben von PHLEBOTOMIZED einer Wiederveröffentlichung zu unterziehen. Sie waren ja schon seit etlichen Jahren ausverkauft und bei Ebay und Discogs musste man rund 30 bis 40 Euro pro CD und teilweise erheblich mehr berappen.  So oder so, beide Alben sind großartige Meisterwerke und Meilensteine und niemand sollte der gestaltete klanggewordene Kunst verpassen!

CD 1 (Immense Intense Suspense):
1. Immense Intense Suspence / Barricade
2. Desecration Of Alleged Christian History
3. Dubbed Forswearer
4. In Search Of Tranquility / Subtle Disbalanced Liquidity
5. Devoted To God
6. Mellow Are The Reverberations
7. Gone...

CD 2 (Skycontact):
1. SoleShowSoul
2. Achin'
3. Sometimes
4. I Lost My Cookies In The Disco
5. Dizz-tance
6. I Hope You Know (In 4 Parts)
   - A Cry In July
   - Never Lose Hope
   - Imagine This

   - Out To You


Black Drop Effect - Injecting Pain | 2014 | Eigenproduktion | Download | Black Metal



BLACK DROP EFFECT ist eine noch ganz junge schwedische Formation, die vor wenigen Wochen als Eigenproduktion ihr Debütalbum „Injecting Pain“ über Bandcamp veröffentlichte. Über die Band ist sehr wenig bekannt, allerdings kann man wohl davon ausgehen, dass hier Leute von WANING mit dabei sind.

„Injecting Pain“ umfasst also sechs Lieder, die zusammen auf eine Länge von rund 56 Minuten kommen. Die einzelnen Titel sind jeweils um die zehn Minuten lang. BLACK DROP EFFECT spielen dabei einen interessanten Stil, der in gewisser Weise eine moderne Spielweise, die man „Post“ oder „Progressive“ schimpfen kann, mit einer neutralen und reduzierten Direktheit verknüpft. „Injecting Pain“ ist kein Werk, welches einfach nur atmosphärischen oder melancholischen Black Metal enthält, vielmehr ist ein Album, auf dem es düsteren Black Metal zu hören gibt, der Dunkelheit mit überaus dezenter Melodik und hypnotischer Eingängigkeit verbindet.

Das großartige Lied „The Waiting“ geht fast schon in die Richtung Drone, da die Melodie nahezu gleichbleibend ist und so eine harmonische endlose Monotonie entsteht, die nur durch minimale Variationen Veränderung erfährt. Ich finde das Lied großartig, da es minimalistisch und direkt ist, aber dabei von einer tollen, besonderen Melodik getragen wird, die mich entfernt ein wenig an alte Sachen (subjektiv) von KAMPFAR erinnert. Es sind zwar nicht alle sechs Stücke so großartig wie „The Waiting“, doch insgesamt betrachtet ist „Injecting Pain“ ein überaus düsteres Werk und geradezu endzeitliches Werk, welches auf eine unheimliche Art und Weise Doom, Black Metal und Death Metal miteinander verbindet. Atmosphärische und traurige Fragmente kommen ebenso hinzu, weshalb man es hier mit einem überaus vielschichtigen Werk zu tun hat, wobei BLACK DROP EFFECT doch eigentlich sehr aufgeräumt und minimalistisch agieren. Es ist ihnen also gelungen mit relativ „wenig Aufwand“ das Maximale herauszuholen.

„Injecting Pain“ ist ein sehr gelungener Einstand.  Es ist ein modernes post-apokalyptisches Werk, das Purismus mit Traurigkeit und dezenter Atmosphäre verbindet ohne dabei jedoch Hässlichkeit, Schnelligkeit und Härte zu vergessen.


1. Injecting Pain
2. Dead Eyes Staring Back
3. The Waiting
4. The Frost And The Moon
5. 19th November
6. The Hidden Realm


https://www.facebook.com/BlackDropEffect.Official
https://blackdropeffect.bandcamp.com/

14.04.2014

Caïnan Dawn - Thavmial | 2014 | Osmose Productions | CD | Black Metal




Mit ihrem 2011 erschienenen Debütalbum „Nibiru“ konnte die französische Formation CAÏNAN DAWN einen kleinen Achtungserfolg erlangen. Dies bescherte ihnen einen neuen Plattenvertrag mit Osmose Productions, welche in Kürze das zweite Album „Thamvial“ entfesseln werden. 

CAÏNAN DAWN knüpfen dort an, wo sie mit „Nibiru“ endeten. Stilistisch ist „Thamvial“ eine Fortsetzung des Bekannten, wobei sich natürlich kleinere Veränderungen und Verbesserungen bemerkbar machen.

CAÏNAN DAWN spielen im Grunde ehrlichen und direkten Black Metal. Denn abgesehen vom obligatorischen Intro „Keter“ verzichtet man auf Ein- und Überleitungen und lässt stattdessen den Black Metal für sich sprechen. Ehrlich und direkt ist „Thamvial“ deshalb, da es ein geradliniges und authentisches Album ist. CAÏNAN DAWN verzichten auf Spielereien oder Klischees. Vielmehr wird das Eigentliche in den Fokus gerückt, nämlich das Spiel an den Instrumenten. Das dort dargebotenene Repertoire umfasst rasend schnelle Parts ebenso wie schwere, schleppende und beklemmende Passagen. In allem lässt sich eine gewisse einfache Beschaffenheit, eben Direktheit, finden. Dabei ist das Spiel an den Instrumenten vielversprechend und alles andere als simpel. Das Spiel am Schlagwerk ist beeindruckend, da vielfältig und auch an den Saiteninstrumenten schmettert man in den richtigen Momenten gute Harmonien und eisige Riffs.

Es gelingt CAÏNAN DAWN sehr gut Brutalität und Härte mit atmosphärischen Elementen und der richtigen Dosis Melodik in Einklang zu bringen. Trotz der geradlinigen und direkten Beschaffenheit ist „Thamvial“ im Detail durchaus ein abwechslungsreiches Album, auf dem es viel zu entdecken gibt. Sowohl das Gitarrenspiel als auch das Schlagwerk sind für mich wirklich überragend. Und auch produktionstechnisch liegen die Franzosen richtig. Man hat einen durchaus sauberen und kräftigen Klang gewählt, der aber nicht zu klar und glatt ist. Trotz allem klingt „Thamvial“ immer auch ein wenig roh und rüde, was das Ganze wunderbar abrundet.


„Thamvial“ ist uneingeschränkt zu empfehlen. Hier bekommt man ‚ehrlichen‘ Black Metal der hervorragend gespielt wurde. Am 25. April erscheint das Album zunächst auf CD doch eine Vinylversion mit Gatefold-Cover ist geplant.

1. Keter
2. The Brood
3. Legionem Daemonicus
4. World Among Worlds
5. Kaon
6. Vigrid
7. Raunen
8. Thavmial

https://www.facebook.com/cainandawn
http://www.osmoseproductions.com/