13.10.2009

Cryptic Tales - Anathema | 2009 | Redrum666 | CD | Death Metal

1993 erschien das Debütalbum Anathema seinerzeit auf Kassette und konnte auch außerhalb Polens für einige Beachtung sorgen. Es folgten noch zwei weitere Werke ehe es Jahre lang still wurde um Cryptic Tales, bis dann kürzlich das neue Album VII Dogmata of Mercy erschien. Viel hatte das neue Album mit den frühen Werken nicht mehr gemein, weshalb ich mich über diese Wiederveröffentlichung, erstmalig auf CD und neu abgemischt, besonders freue. Denn auf Anathema klingt Cryptic Tales verdammt noch mal nach schrummigen, dumpfen und unheiligen Death Metal der alten Schule.

Aus heutiger Sicht gibt es auf Anathema natürlich nichts Neues mehr zu entdecken. Doch damals, als die Flut der Death-Metal-Gruppen zugunsten des immer populärer werdenden Black Metals abnahm, war Anathema ein echter Knaller, und ist es heute noch. Obwohl der Klang „remastered“ ist, fehlt den sechs Titeln nichts von der dunkel wabernden, basslastigen und etwas rohen Klangproduktion, die zu solch geradlinigem oldschool Death Metal einfach mit dazugehört. Sofort mit dem Titellied am Anfang der CD zeigt Cryptic Tales sein Können. Das Lied beginnt schnell, stampfend und ruppig. Man erkennt in diesem Part sofort die klassische Rhythmik, die man so und ähnlich auch von anderen, bekannteren Klassikern her kennt. Ebenfalls im Titellied zeigt sich auch bereits die Bereitschaft, atmosphärische Elemente wie das Keyboard zu benutzen. Doch auf Anathema sind diese Keyboardeinsätze viel, viel geringer und dezenter als zuletzt auf VII Dogmata of Mercy.

Obwohl das Lies Anathema schnell und brachial ins Album geleitete, entwickelt sich das Album allerdings im Verlauf zu einem Werk im moderaten Tempo. Die Rhythmik ist vorwiegend langsam bis mittelschnell, dabei aber stets schwungvoll und treibend. Die Gitarren erklingen, wie mehrfach erwähnt, kräftig, dunkel und türmen sich in manchen Passagen zu niederwalzenden Wänden auf. Andernorts hingegen spielt Cryptic Tales betont sanft und melodisch auf. Neben den zumeist geradlinigen Strukturen sind vereinzelt auch einige technische Riffs und Übergänge zu hören, die gemeinsam mit den atmosphärischen Parts und Piotrs exzellentem Gesang, welcher extrem dunkel, tief und kehlig ist, zu einem wunderbaren Album führen.

Anathema erinnert mich, stilistisch als auch atmosphärisch, aber auch aus Gründen der Nostalgie, an Carnages „Dark Recollection“ oder an Dismembers „Like an Ever Flowing Stream“. Wer solche Klassiker liebt und schätzt, sollte sich die Neuauflage von Anathema in jedem Fall kaufen, zumal der CD für den heimischen Rechner eine reichhaltige Dreingabe spendiert wurde.


9 /10
Aceust

01. Anathema
02. Steeple of the nightmare
03. Live in vineless
04. In grave rotting is slowly
05. Voices inside the beast
06. Putrid mutants

http://www.cryptictales.pl/

12.10.2009

Heimdalls Wacht / Winterlieke / Heervader - Niewelkraien | 2009 | Ger Germanske Folket | CD | Black Metal

Hach, welch ein Augenschmaus das mal wieder ist, den Det Germanske Folket mit diesem Gemeinschaftstonträger veröffentlichen. Eine wundervoll nostalgische Bebilderung ziert das Beiheft, das aus robustem, strukturiertem Material besteht. Komplettiert wird der tolle optische Eindruck von den Texten aller Lieder. Was nützt aber die schönste äußerliche Fassade, wenn sie bröckelt, sobald man durch sie hindurch ins Innere schaut? Zurückgezogen in seinem Heime, wird der Einsiedler deshalb für Euch erkunden, ob der Augenschmaus auch ein Ohrenschmaus ist.
Heimdalls Wacht gelang in den letzten Jahren, sich bereits einen beachtlichen Hörerkreis zu erarbeiten. Mit ihrem Titel Threnos (Ursprung Teil II) leistet diese verdienstvolle Gruppe des deutschen Untergrundes ihren Beitrag zu Niewelkraien. Es gibt Musik, da bleibt das Gemüt völlig regungslos und es gibt Musik, von der man sich schon ab den ersten Tönen ergriffen fühlt. Der Beitrag von Heimdalls Wacht zählt für mich zur zweiten Variante; ja, dieser behutsame Anfang des Liedes, der von einer gezupften Akustikgitarre getragen wird, verfehlt seine Wirkung bei mir nicht. Langsam nimmt auch das akustische Gitarrenspiel etwas Fahrt auf und wird von markantem Männergesang ergänzt. Melancholie ist es, die ich verspüre – das Lied ist all denen gewidmet, die in die Ferne ziehen mußten und dieses Abschiedsgefühl ist es, das mich hier zutiefst berührt. Nach diesen starken 5 Minuten setzt dann schlagartig die metallische Instrumentierung ein, wobei Heimdalls Wacht die melancholischen Züge beibehalten. Im weiteren Verlauf des Stückes, das immerhin über 13 Minuten lang ist, bieten die stolzen Männer viel Abwechslung. Ich beschreibe es mal als Black Metal, der mit sehr guten Melodien überzeugen kann und mit klaren Gesängen angereichert wurde. Ein emotionales Meisterstück von den Westfalen – sowohl der akustische als auch der metallische Teil gefallen mir sehr gut. Wenn ich mir Threnos (Ursprung Teil II) anhöre und die Augen schließe, dann sehe ich tatsächlich Bilder des Abschieds; es baut sich eine Verbundenheit mit der Musik auf, da sie es schafft, die Stimmung des Textes sehr greifbar zu vermitteln.

Winterlieke steuern mit dem Titel Nebelkrähen ihren Teil zum Ganzen bei. Die gebotene Musik ist stellenweise ziemlich monotoner Black Metal, der besonders das anfängliche Gitarrenriff ständig wiederholt. Vom Schlagzeug kommt größtenteils derselbe Takt, von dem nur im Mittelteil und mit einigen Wirbeln mal abgewichen wird. Nebelkrähen kann im späteren Verlauf noch mal ordentlich zulegen, besonders nach dem Mittelteil. Der Gesang ist sehr eindringlich und auch der Klang knüpft in etwa an den metallischen Abschnitt von Heimdalls Wacht an, was musikalisch nicht der Fall ist, denn Nebelkrähen wirkt zum einen nicht so facettenreich (was ich als so gewollt erachte) und von der Stimmung her deutlich düsterer – auch in textlicher Hinsicht. Wie mir scheint, ist es das erste Material, was auf Tonträger veröffentlicht wurde und ich finde, Winterlieke ist ein guter Einstand gelungen, da besonders Stellen der zweiten Liedhälfte Interesse an weiterer Musik wecken können.
Heervader aus den Niederlanden komplettieren dann das Aufgebot und präsentieren sich auf Niewelkraien mit zwei Liedern. Berserkgangr (Inhalt läßt sich wohl erahnen) und Voorwaarts (handelt von der Varusschlacht) nennen sich die heidnischen Kampfeshymnen und stellen eine Mischung aus Black- und Viking Metal dar. Die Urwüchsigkeit des Schwarzmetalls einschließlich des Krächzens wird mit paganen Melodien und Heidengesängen zusammengetan. Dadurch gelingt es Heervader, zu keiner Zeit dem Kitsch zu verfallen und die schwarzmetallische Komponente gibt dem Material die nötige Ungeschliffenheit. Daß auch Heervader sich auf eingefahrenen Bahnen bewegen, muß ich hier eingestehen, aber sie tun es auf überzeugende Art und Weise.

Niewelkraien ist rundum gelungen. Heimdalls Wacht haben mich am meisten beeindruckt, aber auch Winterlieke und Heervader wissen zu gefallen. Da sich die 3 Gruppen voneinander abheben, bleibt der Reiz jedes Beitrages bestehen. Fast 35 Minuten Spielzeit von 3 verschiedenen Gruppen und eine hochwertige, geschmackvolle Aufmachung – da kann man, sofern man für die Ausrichtung offen ist, bedenkenlos zugreifen.


8,5/10
Der Einsiedler

01. Heimdalls Wacht - Threnos (Ursprung Teil II)
02. Winterlieke - Nebelkrähen
03. Heervader - Berserkgangr
04. Heervader - Voorwaarts!

Thy Wicked - Treu dem alten Weg | 2009 | Heidenklangwerke | CD | Pagan Metal

Ich gestehe: Hätte man mir das Album ohne sichtbaren Titel vorgelegt, wäre ich nicht sofort davon ausgegangen, daß es sich bei Thy Wicked um Pagan Metal handelt. Bei der Erstellung des Logos verwendete man nämlich keinerlei heidnische Symbolik und das düstere Bild auf der Frontseite verrät es auch nicht direkt. Ingo von Riger zeichnet sich für das Bild verantwortlich und da hat er ganze Arbeit geleistet. Mir ist zwar nicht bekannt, ob die Worte, mit denen Treu dem alten Weg beworben wird, direkt von der Plattenfirma stammen, aber in jedem Falle lassen sie etwas verlauten, was die Band so kaum erfüllen kann, denn es ist beispielsweise von „neuen Maßstäben“ die Rede.

Tja, tatsächlich kann das Album die durch derartige Anpreisungen die eventuell aufkommende (bei mir nicht) Erwartungshaltung nicht erfüllen, welch Wunder. Die neuen Maßstäbe werden von Thy Wicked sicherlich nicht gesetzt, das muß ich ganz klar feststellen. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, daß das ihre Intention war. Der Pagan Metal, den der Vierer auf Treu dem alten Weg darbietet, entstammt soweit aus der Mitte des Genres. Fotos in heidnischer Gewandung, typische Themen in den Texten und ebenfalls typische musikalische Elemente, die mal mehr und mal weniger überzeugen können. Nehmen wir als Beispiel den Gesang – der Kreischgesang und auch sein tiefes Gegenstück gefallen mir ganz gut, während ich den Klargesang für ausbaufähig halte. Negativ fallen mir die ständigen Gesangslinien auf, die lediglich mit „Ohoho“ besungen sind. Irgendwie fügt sich das nicht so passend in das Gesamtbild ein. Leider sind das nicht meine einzigen Kritikpunkte. Ein Stück wie Trinkgelage will mir einfach nicht so recht gefallen. Allgemein wäre mir in thematischer Hinsicht etwas Abwechslung lieber gewesen – Thy Wicked haben ja keine miesen Texte, so ist es ja nicht, da gibt es viel Schlimmeres. Einige Motive halte ich aber einfach für zu oft gebraucht, da verliert sich der Reiz, da sie nahezu jede Truppe im Pagan Metal einmal in ihren Liedern verarbeitet hat. Es gibt noch einige weitere Punkte, aber ich will das gar nicht zu sehr vertiefen. Nun zum Positiven: Schönes Motiv auf der Albumfront, der Klang ist soweit ganz gut gelungen, wie erwähnt steckt im Gesang und speziell in den härteren Passagen Potential und ganz allgemein scheinen die musikalischen Fähigkeiten ganz gut ausgeprägt zu sein. Mit Details wie akustischen Zwischenspielen und von akustischen Gitarren überlagerte verzerrte Gitarren sind zwar nett, aber an den Arrangements und Feinheiten sollten die Männer noch feilen, wenn sie sich dereinst tatsächlich vom Genrestandard abheben wollen.

Für frischen Wind im Genre reicht es nicht, der Pagan Metal dieser Horde ist auch eher Treu dem alten Weg. Für eine Empfehlung reicht das ebenfalls nicht, dafür existieren auf dem Album noch zu viele Schwächen. Dessen ungeachtet können zumindest Fanatiker der Richtung mal reinhören. Der Weg zur Speerspitze des Pagan Metals ist jedenfalls noch weit.


6/10
Der Einsiedler

01. Der Aufbruch
02. Zur Walstat
03. Wolfsfller
04. Im Wandel der Zeit
05. Treu dem alten Weg
06. Frankonia
07. Trinkgelage
08. Allvaters Weisheit
09. Abschied
10. Die Heimkehr

10.10.2009

Evil / Abigail - Raw Black Thrashing Madness | 2009 | Genocide Aesthetics | Vinyl | Black Metal

Auf diesem 7 Zöller wird dem alten Thrash Metal Tribut gezollt. Das brasilianische Black Metal Kommando Evil würdigt mit dem Lied Iron Tyranny  altgediente Größen wie Bathory, Sodom oder Iron Maiden. Entsprechend thrashig und riffbetont kommt das Lied auch rüber. Evil verlässt dabei allerdings nicht seine rohen Pfade des wüsten Black Metals. Iron Tyranny ist schön dreckiger Black/Thrash Metal, der neben schönem Riffing und einem Soli auch durch entsprechendes Schlagwerk und unterschiedliche Passagen auffällt. Obwohl das Lied um die fünf Minuten lang ist, enthält es eine gewisses Maß an Abwechslung, da das Lied in mehrere Abschnitte unterteilt ist, was gut gefällt. Ehrlich gesagt, bin ich erneut positiv von Evil überrascht. Ich kenne zwar bei weitem nicht alle Veröffentlichungen Evils, doch weiß ich, wenn ich etwa an die Split-Kassette mit Moonblood denke, dass Evil auch recht grottig sein kann. Der positive Trend wird also mit diesem erstklassigen Lied fortgeführt. Das Schöne ist, dass es vor allem dreckig, authentisch und frei von Klischees ist.

Abigail widmen ihr Lied Hammer of damnation Warlord und Evil, und klingen kultig wie eh und je, wobei Hammer of damnation ein besonders gutes Lied ist, welches in die Richtung der neueren Veröffentlichungen wie den Splits mit Nekromantheon oder Syphilitic Vaginas geht. Aber auch von Abigail kenne ich nicht alle Tonträger, was angesichts der Masse auch kaum möglich ist. Trotzdem gehört Hammer of damnation für mich zu den besten Liedern Abigails, die ich kenne. Die Struktur des Liedes ist relativ simpel: Ein einfacher, eingängiger Rhythmus und großartige, einprägsame Riffs stellen gemeinsam mit dem unverkennbaren Gesang das Grundgerüst dar. Im Mittelteil gibt’s dann auch das Soli. Zudem gefällt mir der Klang sehr gut, da dieser differenziert und sehr druckvoll ist, was bei Abigail ja nicht immer der Fall ist.


Raw Black Thrashing Madness ist musikalisch eine wunderbare Veröffentlichung, die jedem zu empfehlen ist, der puren, dreckigen Metal mag. Zudem kommt die EP in einem schönen Klappcover aus dickem Karton und mit einem A3 Poster. Eine rundum gelungene Sache also!


9/10
Aceust

01. Evil - Iron tyranny
02. Abigail - Hammer of damnation

http://www.genocide-aesthetics.net/

09.10.2009

Interview: Descending Darkness





Descending Darkness gehört aktuell mit großer Wahrscheinlichkeit zum Extremsten, was der österreichische Untergrund zu bieten hat. In der Alpenrepublik wird heftig, hasserfüllt und menschenverachtend Black Metal vertont, und nachdem jüngst ein rüdes Rehearsal-Tape erschien, ist es für mich nun an der Zeit, Gevatter (Gesang) und Arngrim (Gitarre, Bass) ein wenig mit Fragen zu bohren.



HATEFUL METAL: Seid gegrüßt, Ihr Zwei.
Kennengelernt habe ich Descending Darkness durch die Wiederveröffentlichung von „Gevatter Hein“, eurem zweiten Demo. Von Ashen Productions wird dieses Demo als die „vermutlich extremste und abstoßendeste Veröffentlichung“ skizziert. Dem kann ich zustimmen. Was mich hierbei nun interessiert, ist, wie es eigentlich dazu kam, solch abscheulich rohen und primitiven Black Metal aufzunehmen? Es war damals ja sicherlich nicht euer Anliegen, mit Absicht so heftige und verstörende Musik aufzunehmen?


DESCENDING DARKNESS: Grüß Dich, Aceust.
Ja, es war durchaus unsere Intention, extremen und für die trendverseuchten Massen „verstörenden“ Black Metal zu erschaffen, da sich vor allem Ende der 90er, Anfang 2000 die Veröffentlichungen immer mehr von unserem BM – Ideal entfernten. Der Sound war durchaus so gewollt, kam allerdings eher zufällig aufgrund mangelnden Wissens und Equipment zustande.



Die ersten Veröffentlichungen von Descending Darkness erschienen 2001 und 2002. Dann kam eine längere Pause, bis „Gevatter Hein“ 2008 auf CD neu verlegt wurde. 2009 folgte dann die MCD „Blutrausch“ und wenig später das Rehearsal-Tape. Was sind die Gründe für die Pause und die aktuelle Veröffentlichungswelle?


Für die Pause gab es viele verschiedene Gründe. In den Jahren 2003 und 2004 waren wegen persönlicher Gründe Proben nicht möglich. 2005 und 2006 waren „Dank“ wertloser Mitstreiter und Nebenprojekten mehr oder weniger vergeudet, 2007 war uns proben wiederum nicht möglich. Nachdem sich 2008 für uns beide die Umstände gebessert hatten und wir mit Mot einen Drummer gefunden hatten, legten wir endlich wieder mit regelmäßigen Proben los. Natürlich hatte sich dann seit 2002 einiges an Material angesammelt. Zum Teil alte Stücke, die wir schon 2003 als Demo veröffentlichen wollten, zum Teil auch einige neue Songs. Wir entschieden uns dann, das Songmaterial auf eine MCD und ein Full-length Album aufzuteilen. Diese MCD ist also "Blutrausch", auf welcher Lieder aus 2003 sowie 2008 und ein Stück vom ersten Demo landeten...

Diese Verzögerungen sind eben der Grund dafür, dass wir zurzeit viel veröffentlichen können...



Aus dem persönlichen Schriftverkehr mit Gevatter weiß ich, dass „Gevatter Hein“ bei vielen Leuten nicht gut ankam und unverstanden wurde. Für mich ist das Werk ob seiner primitiven Rohheit ein gelungenes Manifest gegen jeden Trend und die Menschheit. Dies ist aber nur meine Interpretation, was denkt Ihr, woran es liegt, dass „Gevatter Hein“ zumeist schlecht abschnitt? Immerhin gibt es genug Einmann-Gruppen, die am heimischen Computer billigen Black Metal produzieren, der erschreckend oft seine Anhänger findet.


Zu allererst mal: mit Deiner Interpretation liegst du schon ziemlich richtig! Das Interessante an dieser Sache ist, dass es sich dabei um die Reaktionen auf ein Re-Release handelt. So ist für uns der Wandel der Zeit gut zu vernehmen, vor allem da wir in der Zwischenzeit die Black Metal „Szene“ kaum verfolgten. Die Reaktionen auf die Demo-Kassette waren ursprünglich meist positiv, die Motivation und Emotion wurde meist verstanden und gewürdigt. Bei der Wiederveröffentlichung war das in der Regel ganz anders. Heutzutage sind entweder die Hörgewohnheiten so kommerzorientiert oder die meisten Rezensenten einfach musikalisch zu ahnungslos, um „die einzelnen Instrumente zu unterscheiden“. Oft liest man dann, dass „Gevatter Hein“ 30 Minuten dauert – auf die restlichen 15 Minuten wohl keinen Bock mehr gehabt??? - oder ähnlichen Scheiß. Musik wird nur mehr oberflächlich besprochen, Atmosphäre und Emotionen spielen keine Rolle mehr. Zumindest solange nicht, wie sie nicht im 08/15 „Norsecore“ - Sound verpackt werden.



Sind Euch die Besprechungen in den diversen Magazinen und Blogs eigentlich wichtig oder sind Euch die Gedanken und Kritiken der Verfasser eher gleichgültig?


Wie die Reaktionen im Großen und Ganzen ausfallen wird von uns natürlich verfolgt. Aufgrund der Belanglosigkeit der meisten Kritiken sind uns diese in der Regel aber auch meist gleichgültig. Das Problem ist einfach, dass heutzutage jedes wertlose Individuum seine belanglose und fachlich sinnlose Meinung über das Internet allzu einfach publik machen und verbreiten kann. Allerdings gilt für uns seit jeher, dass auch eine vernichtende, subjektive und ablehnende Kritik genauso erfreulich und wertvoll sein kann wie ein gutes Review, wenn es von entsprechender Stelle kommt.



Auf der Netzseite von Descending Darkness prangert in großen Lettern der Ausspruch „Scheiß auf Euch“. Sind damit die Kostverächter gemeint oder entspricht diese Aussage der generellen Haltung von Descending Darkness, misanthropisch eingestellt zu sein? Auch die bewusste Ablehnung von Myspace, einem üblen selbstdarstellerischen Moloch, suggeriert mir, dass es Euch im Grunde scheißegal ist, ob und wer Descending Darkness zu schätzen weiß, oder nicht.


Hehe. Mit „Euch“ meinen wir in erster Linie die sogenannte Black Metal Szene im Generellen (SOWOHL Undergroundszene als auch Mainstream, falls es da heute überhaupt noch einen Unterschied gibt...) sowie auch ehemalige Weggefährten und Verräter im Speziellen. Im Endeffekt ist doch die ganze Szene selbst ein „selbstdarstellerischer Moloch“ für minderwertige Individuen, die sich im und durch Black Metal profilieren wollen und Anschluss suchen. Die Protagonisten des Black Metal spiegeln doch einfach die Gesellschaft und die von uns verachteten menschlichen Wesenszüge in einem kleineren Umfeld wieder. Schau dir doch nur all die Narren an, die von Individualismus faseln weil das die ultimative satanische Tugend darstellen soll, selbst allerdings uniformiert herumlaufen und sich jedem Trend anhängen, nur um ein Beispiel zu nennen.
Das mit Myspace ist nur noch so ein Beispiel dafür. Wozu all dieser sogenannte „Social Networking“ Scheiß, wenn man sich nicht selbst profilieren will und ein Umfeld sucht, das einen schätzt und respektiert? Vor allem, wenn man all das in der realen Welt nicht erreichen kann. Und wenn man nur wegen des „Networking“ (haha) diesen Scheiß nutzt, warum sind dann so viele Bandmitglieder diverser Bands zusätzlich noch mit eigenen Seiten repräsentiert?

Descending Darkness ist eben definitiv misanthrop, daher ist „Social-“ was auch immer sowie Freunde suchen und finden etc., unvereinbar mit unserer Ideologie! Mit all dem wollen wir nichts zu tun haben. Und ja, du hast recht, uns ist scheißegal wer uns schätzt und wer nicht. Obwohl wir von den Massen minderwertiger „Individuen“ lieber Ablehnung als Anerkennung erfahren.



Dazu fällt mir eine Aussage von Zwingherr Greif von Eisenwinter ein, die ich
irgendwann mal irgendwo in einem Interview mit ihm gelesen habe. Sinngemäß erzählte er, dass Black Metal nicht dazu bestimmt sei, den Massen präsentiert zu werden, weshalb er Konzerte ablehnt. Obwohl ich Konzerte nicht grundsätzlich ablehne, finde ich diesen Gedanken im Zusammenhang mit Deiner Antwort allerdings interessant, zumal nicht selten auf Konzerten und Festivals gleichfalls fragwürdige Personen mit Profilneurose anzutreffen sind. Viele besuchen Konzerte nur, um zu sehen und gesehen zu werden, so mein Eindruck. Sind Konzerte für Dich auch ein zweifelhaftes Vergnügen und gibt/gab es Auftritte von Descending Darkness?


Der Gedanke ist ja grundsätzlich richtig, allerdings, wenn man ihn zu Ende denkt, darf man ja nicht einmal irgendetwas veröffentlichen. Es könnte ja immer in die „falschen“ Hände gelangen, die Massen haben ja immer irgendwie Zugriff darauf. Man kann einfach nur hoffen, dass zumindest der eine oder andere Käufer, Zuhörer dabei ist, den man erreichen möchte. Daher ist unserer Ansicht nach der Black Metal, der sich als nicht massentauglich/kommerziell versteht, nur in extremster Form sinnvoll!

Bisher gab es erst zwei Konzerte von uns da es nicht einfach ist eine volle Besetzung für ein Konzert als auch passende Rahmenbedingungen für solche zu finden.



Nachdem „Gevatter Hein“ ja durch und durch roher Black Metal war, schimmerten auf der MCD „Blutrausch“ einige Anleihen des Thrash Metals durch. Ist der dreckige Thrash Metal für Euch auch eine der Wiegen des Black Metals oder ist der Thrash Metal einfach nur in seiner ursprünglichen Rohheit eine Facette des musikalischen Hasses?


Thrash Metal ist unserer Ansicht nach der Ursprung allen extremen Metals! Man braucht sich ja nur die alten Klassiker zu Gemüte führen.



Wie sind eigentlich die Resonanzen zu „Blutrausch“ ausgefallen und seid Ihr mit ihnen zufrieden?


Als die Promos verschickt waren, bekamen wir selbst erst etwas Abstand von der Produktion und waren dann besorgt, dass der Sound zu harmlos und „schön“ ausgefallen ist (wovon wir immer noch überzeugt sind...). Die meisten Kritiken zeugten allerdings von schockierenden Klangerlebnissen hahaha. Es gab aber auch zum Teil gute Kritiken – im Ausland.



Ich empfinde den Klang von „Blutrausch“ ganz und gar nicht als zu harmlos und schön. Aus Eurer Antwort leite ich ab, dass Black Metal für euch klanglich unbedingt dreckig und roh sein muss? Eine druckvolle und mächtige Klangproduktion wie auf Marduks „Panzer Divison Marduk“ oder Mayhems „De Mysteriis Dom Sathanas“ würde für euch niemals in Frage kommen?


Der Klang kann ja auch dreckig, roh UND druckvoll sein. Das streben wir auf unserer nächsten Veröffentlichung genau so an. Räudiger und dreckiger Sound gehört einfach zum Black Metal. Man braucht sich ja nur die Anfänge anzuhören. Wenn das Dreckige und Räudige fehlt, dann bleibt doch meist einfach nur mehr irgendeine gewöhnliche Metal Scheibe über, MTV- und radiotauglich. Leider klingen unserer Meinung nach solche Bands meist nur auf Demos und eventuell Debuts „gut“.



Woran müsst Ihr unweigerlich denken, wenn Du an Black Metal denkst?


Intoleranz, Fatalismus, Extremismus, Menschenverachtung... Descending Darkness.



Ich war von „Bloody Rehearsals“ ein wenig überrascht, da es sich ja immerhin um Probeaufnahmen handelt und der Klang dafür relativ gut ist, wenn man „Gevatter Hein“ noch im Ohr hat.


Das liegt daran, dass wir inzwischen besser darüber Bescheid wissen wie man den gewünschten Sound erzielt.



Auf dieser Kassette ist auch ein Titel mit dem Namen „Abschied (Het bittere einde)“, vertreten. Wieso der niederländische Titel, und weshalb steht er in Klammern?


Das begründet sich mit einem persönlichen und emotionalen Erlebnis mit niederländischem Bezug...



Überrascht haben mich auch die unbetitelten Stücke der Kassette. Auf der einen Seite sind sie wunderbar roh und heftig, dennoch wohnt ihnen eine gewisse Melodik und Schwermut bei, vor allem bei dem Stück „Untitled 2“. Da die Lieder 2002 und 2003 entstanden sind, frage ich mich, wieso von dieser Atmosphäre kaum etwas auf „Gevatter Hein“ vorhanden ist, wenn man einmal vom schleppenden Titellied absieht.


Ganz einfach weil sie nach den Aufnahmen zu „Gevatter Hein“ entstanden und für das darauf folgende Demo geplant waren. Melancholische Lieder oder zumindest Songpassagen waren – mit Ausnahme von „Blutrausch“ - ja auch seit Anbeginn ein Teil von Descending Darkness und werden es auch in Zukunft immer sein, wenn auch in Maßen. Zum Beispiel neben dem angesprochenen Titeltrack etwa auch „Awakening...“. Auch „Blutrausch“ hat bei vielen fälschlicherweise den Eindruck erweckt, wir wären aus der „War Metal“ Ecke. Dass hauptsächlich schnelle und brutale Stücke darauf gelandet sind, liegt eben daran, dass melancholische Songs nicht ins Konzept gepasst hätten. Das wird auf dem kommenden Album wieder etwas anders sein, da es dann konzeptionell Platz für solche Songs geben wird.



Da wir gerade bei schleppender Musik und Melancholie sind. Wie seht Ihr den aktuellen Trend des „Depressive Black Metals“? Nimmt er überhand oder ist er eine berechtigte Stilrichtung, die neben Depression und Verzweiflung ebenfalls Menschenhass und Vernichtung äußert?


Diesen „Trend“ haben wir in neuerer Zeit kaum verfolgt. Es gab ein paar großartige Veröffentlichungen, allerdings kann ich mich kaum erinnern, dass man damals z.B. bei Burzum von „depressive Black Metal“ sprach. Das scheint heutzutage aber schon bei jedem Klon der Fall zu sein.
Verzweiflung bzw. verzweifelter Hass waren schon immer ein Bestandteil des BM. Denn wenn man Misanthropie verinnerlicht hat und nicht nur davon spricht, dann ist jeder Tag eine Gratwanderung zwischen rasendem Hass und resignierender Verzweiflung. Wenn die Raserei fehlt, bleibt allerdings nur mehr weinerliche Scheiße...



Mit „Kshatriya“ ist ein kurzes aber sehr heftiges Lied auf der Rehearsal-Kassette enthalten. Kshatriya ist eine Bezeichnung im indischen Kastensystem für Mitglieder des zweiten Standes, die aus Kriegern und Königen bestand. Welchen Bezug habt Ihr dazu, und wie passt dies zur menschenfeindlichen Haltung von Descending Darkness?


Zum Hinduismus haben wir inhaltlich absolut keinen Bezug. Ich las damals einen Artikel über die Entstehung dieser Kaste, die zu Beginn nur aus Kriegern bestand und war von dem Thema inspiriert. Das System des Kastensystems ist für mich auch absolut interessant, wenn man den eigentlichen Sinn religiöser Systeme erkennt: nämlich Kontrolle und Macht über die Massen zu erlangen. Darin ist das Kastensystem in seiner misanthropen Funktionalität seit Jahrtausenden erfolgreich, was faszinierend ist... Allerdings war dieser Song ursprünglich auch nicht für Descending Darkness sondern für ein Nebenprojekt, welches allerdings nie realisiert wurde, gedacht.



Wie sieht die Zukunft von Descending Darkness aus? Gibt es irgendwelche Pläne oder gar schon neue Aufnahmen?


Das Einzige, was sicher anzunehmen ist, ist die Veröffentlichung der „Seelenruhe“ CD Anfang 2010 via Ashen Productions. Geplant ist weiter ein Split Album Mitte/Ende des nächsten Jahres mit einer noch unbekannten und in jeder Hinsicht extremen Band aus Österreich.


Gevatter, Arngrim, ich danke Euch für das Gespräch, die abschließenden Worte gehören nun Euch.


Dank Dir fürs Gespräch, Dank den Unterstützern, Gruß den Kameraden, scheiß auf den Rest. PROST!

08.10.2009

Kain - Weltenfluch | 2009 | Düsterwald Produktionen | CD | Death Metal

Kain wurde Ende 2007 gegründet und wartet nun mit dem Debütalbum Weltenfluch auf. Im Infoblatt von Düsterwald wird ein Vergleich zu Gruppen wie den frühen Apokalyptischen Reitern, Graveworm und Eisregen gezeichnet. Dies kann ich weder bestätigen noch dementieren, da mich jene Formationen nie interessiert haben. Kain spielt aber in jedem Fall abwechslungsreichen, deutschsprachigen Death Metal, der gerne melodisch sowie keyboardunterlegt daher kommt. Das sind eigentlich keine guten Vorraussetzungen um mir zu gefallen, aber Kain macht seine Sache ganz respektabel.

Neben den atmosphärischen, melodischen und mit Keyboard angereicherten Parts gibt es immer wieder auch härtere Einlagen, mit brachialen Riffwänden und angezogenem Tempo. Das Tempo ist aber grundsätzlich sehr variabel, was die Vielfältigkeit zusätzlich beflügelt. Bisweilen agiert Kain auch recht komplex und technisch, weshalb ich mich dann und wann an die längst vergessenen Eternal Dirge und Ninnghizhidda erinnert fühle. Obwohl mir solch melodisch eingefärbter und keyboardlastiger Extrem Metal im Grunde nicht zusagt, gibt es spielerisch an Weltenfluch kaum etwas zu bemängeln. Ein wenig stört mich allerdings der Klang des Schlagzeuges, welches gerade in den schnelleren Passagen etwas dünn und schwachbrüstig klingt. Wenn man so „hymnischen“ Metal spielt, sollte der Klang dementsprechend wuchtig und bombastisch sein. Aber Weltenfluch ist ja die erste Veröffentlichung Kains überhaupt, weshalb man über solche Kleinigkeiten getrost wegsehen kann.

Weltenfluch ist eine nette und gelungene Veröffentlichung, die mich zwar nicht vom Hocker reißt, aber dennoch mit einigen guten Melodiebögen und Riffs punkten kann. Und wenn Ihr deutschsprachigen Extrem Metal mit Keyboardeinsatz mögt, kann es sicherlich nicht schaden, Weltenfluch mal anzutesten.


6/10
Aceust

01. Weltenfluch
02. Mängelwesen
03. Nur die Würmer
04. Rachepfad
05. Des Weges Anfang
06. Deine Dekadenz
07. Scharfrichter
08. Das Ende

Nargaroth - Jahreszeiten | 2009 | No Colours Records | CD | Black Metal

Um Nargaroth (bzw. Kanwulf oder Ash, wie er seit einiger Zeit genannt wird) ranken und zanken sich seit langem unzählige Mythen, Geschichten, Wahrheiten und Unwahrheiten. Sicherlich ist die Person an sich mit gewisser Skepsis zu betrachten; interessant in diesem Zusammenhang ist die Seite des Shaddais. Trotzdem ist dies alles für meine Begutachtung vom neuen Album Jahreszeiten uninteressant. Ob Kanwulf ein Idiot und Lügner ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Mit Herbstleyd gab es 1998 ein verdammt gutes Debütalbum und auch danach konnte mich Nargaroth noch mit Rasluka I und II sowie Geliebte des Regens überzeugen. Andere Veröffentlichungen hingegen empfand ich eher schwach und durchschnittlich. Aber nun zu Jahreszeiten, welches übrigens nicht die meteorologischen Veränderungen behandelt, sondern innere Abläufe und Veränderungen in Anbetracht der Liebe.


Nachdem der Prolog vorbei ist, ertönt mit dem Frühling ein musikalisch gewagtes Lied. Denn es enthält eine sehr schunkelhafte und schlagerartige Melodieführung, die meiner Meinung nach deplatziert wirkt und ziemlich gewagt ist. Wenn man diese Schunkelmelodik aber einmal ausblendet, sowie dem schlagerfreien Mittelteil lauscht, entpuppt sich Frühling als gutes und gelungenes Lied, so wie ich Nargaroth mag. Mittelschnell aber treibend, begleitet vom Hall unterlegten Kreischgesang. Allerdings ist der Klang des Schlagzeuges punktuell etwas suspekt, da er mechanisch und künstlich klingt. Nun kann man versuchen zu deuten und zu interpretieren, was Kanwulf uns mit dieser sonderbaren Melodik sagen will, ich lasse es allerdings bleiben. Ganz gleich was der Frühling im Bezug auf die Entstehung der Liebe auch bedeuten mag, diese Melodie ist einfach unpassend. Zum Glück ist sie aber nur am Anfang und Ende des Liedes zu hören.

Im Sommer wird auf solche Wagnisse komplett verzichtet. Stattdessen wird das Stück locker und filigran mittels langem Soli eingeleitet, was sich ganz gut anhört. Nachfolgend entwickelt sich Sommer zu einem vielschichtigen Lied, da es über 13 Minuten lang ist (alle Lieder von Jahreszeiten liegen jenseits der zehn Minuten, Prolog ausgenommen) und somit reichlich Raum für verschiedene Stimmungen gibt. Auf eine eindringliche, energische und auf mich hasserfüllt wirkende Passage folgt ein ruhigerer, von Schwermut bestimmter Abschnitt. Die grell verzerrten Gitarren wissen zu gefallen, geben schöne Riffs zum Besten und auch das Schlagzeugspiel weiß in seiner Vielfalt zu überzeugen. Zum Ende hin wird das Tempo ein wenig angezogen und Nargaroth entwickelt eine nordische Atmosphäre, die mich ein wenig an frühe Kampfar erinnert. Aber gewisse Gitarrenklänge erinnern in ihrer rohen Melancholie aber auch an Rasluka I und II sowie Geliebte des Regens.

Das 22 Minuten lange Lied Herbst beginnt ruhig, seicht und auf angenehme sowie angemessene Art und Weise melodisch. Diese melodische Einleitung wirkt etwas wehmütig aber zugleich auch sehnsüchtig. Regengeplätscher, Donnergrollen und Rabenlaute komplettieren diese herbstromantische Anfangsphase. Im Verlauf des Herbstes gibt sich Nargaroth längeren, tragenden Instrumentalpassagen hin. Obwohl der Liedtext nicht gerade kurz ist, relativiert und verläuft sich der Gesang in der Länge des Liedes. Neben Wechseln und Tempovariationen gibt es in den Schlussminuten von Herbst auch Klargesang zu hören. Dieser ist zwar nicht schlecht, hätte meiner Meinung aber auch nicht sein müssen. Die Atmosphäre der Instrumentalisierung ist mehr als ausreichend.

Passend zum strengen Frost eines unerbittlichen Winters gibt es im letzten Jahreszeiten-Kapitel schnelle Passagen von rasendem Tempo zu hören. Schnelle Riffs und ein eingestreuter Kampfschrei befördern die angestrebte aggressive Atmosphäre. In den ersten Minuten wird durch diese Passagen auch eine gewisse Eingängigkeit geschaffen, die dann irgendwann von einem sphärischen Soli abgelöst wird. Nach diesem Soli kommt es zu einer Tempodrosselung, wobei es zunächst dennoch zügig bleibt und wiederkehrende Schreie, die diesmal gepeinigt wirken, die anfängliche aggressive Stimmung allmählich auflösen, bevor der Winter dann immer atmosphärischer wird. Erst kurz vor dem Ende ist dann erneute Raserei zu hören.


Ich bin von Jahreszeiten angenehm überrascht, da mir die letzten Veröffentlichungen Nargaroths nicht so gut gefielen und die neue Scheibe wider Erwarten als gelungen zu bezeichnen ist. Jahreszeiten ist sicherlich nicht das beste Album, gehört für mich aber dennoch zu den besseren Erscheinungen von Kanwulf. Spielerisch kann es gänzlich überzeugen, aber atmosphärisch und melodisch ist es nicht immer so treffsicher, wie etwa Frühling und seine kuriose Schunkelmelodie oder auch der Klargesang, zeigen. Aber das sind Fragen des Geschmacks, über den man ohnehin nicht streiten kann.


7,5/10
Aceust

01. Prolog
02. Frühling
03. Sommer
04. Herbst
05. Winter

Munarheim - ...und der Wind sang | 2009 | Düsterwald Produktionen | CDR | Dark Metal / Folk

Eigentlich wollte ich …und der Wind sang gar nicht besprechen, da es sich laut Infoschreiben um „Melodic Darkfolk“ handelt, was weder zu Hateful Metal passt noch meinem Musikgeschmack entspricht. Doch nachdem ich neugierig kurz reinhörte, war ich angenehm überrascht, denn das, was ich mir zuvor unter „Melodic Darkfolk“ vorstellte, entsprach nicht dem, was ich da zu hören bekam. Stattdessen offenbarte sich mir erstklassig gespielter, malerischer „Dark Folk Metal“, der in seiner idyllischen Schön- und Klarheit hie und da an Empyrium erinnert.

Neben den ruhigen Folk Passagen mit Flöte, Geige und sanftem Klargesang sind auch härtere, metallische Anleihen zu hören, die eindringlich und kraftvoll sind. Nicht zuletzt auch wegen des stark verzerrten aber stets verständlichen Gesangs, der bisweilen durch ein starkes rollendes sowie tief aus der Kehle kommendes R auffällt. Irgendwo habe ich dies schon mal gehört, kann mich allerdings nicht mehr erinnern, wo das war. Egal, …und der Wind sang hört sich einfach wunderschön, beseelt und naturverbunden an. …und der Wind sang ist insgesamt eine überaus stimmige und abgerundete Demoveröffentlichung, die nicht nur durch träumerische Folk Musik, sondern auch durch den glasklaren und druckvollen Klang besticht.

Munarheim stellt für mich eine hervorragende Alternative zu Empyrium dar, zumal mir Weiland nicht mehr gefiel, und auf …und der Wind sang neben den tollen Folk Darbietungen auch kraftvolle, metallische Arrangements zu hören sind. Da kann ich nur hoffen, dass Munarheim diesen Weg beibehalten wird und auf einer kommenden Veröffentlichung ebenso überzeugen und vereinnahmen kann.

8/10

01. Ruhelos
02. Auf Schwingen einst erdacht
03. Hexentanz
04. Herbst