14.06.2015

Nordfrost - Naturgewalten

Nordfrost - Naturgewalten
Nordfrost - Naturgewalten
2015 | Pagan Black Metal
CD | Ewiges Eis Records


Nachdem die Saarländer Heiden von NORDFROST in den vergangenen Jahren bereits drei Demos und eine Split veröffentlichten, ist vor kurzem mit „Naturgewalten“ das Debütalbum erschienen. Das Quartett spielt deutschsprachigen Pagan Black Metal, wobei sich das ‚Pagan‘ vornehmlich auf die heidnischen Texte beschränkt.

Musikalisch ist „Naturgewalten“ melodischer Black Metal mit langsamen und mittelschnellen Tempi sowie einem grimmigen Gesang. NORDFROST ziehen melodisch jedoch relativ dezent gewappnet in die Schlacht, jedenfalls wenn man sich manch anderen Vertreter dieser Gattung anschaut. Obligatorische Akustikgitarren gibt es zwar, doch sind deren Einsätze, gemessen am Umfang des Albums, eher sporadisch.

Was mir positiv auffällt ist der Gesang. Es kommt häufig vor, dass ich mit deutschem Gesang im Pagan Black Metal so meine Schwierigkeiten habe, doch dies gilt hier nicht. Die verzerrte Stimme klingt vorwiegend kalt und grimmig, gelegentlich wird sie sogar tief und kehlig und nur sehr selten ist ein klar gesprochenes Flüstern zu vernehmen. NORDFROST machen meinem Empfinden nach einiges richtig, wenn man wie ich kein ausgewiesener Freund paganesker Klänge ist. Denn „Naturgewalten“ ist in seiner Gesamtheit ein dezent arrangiertes Album. Es gibt keine übertriebenen melodischen Auswüchse, keine Schunkelrhythmen und keine Lagerfeuerromantik. Dies sind schon mal sehr positive Merkmale, die ich begrüßen muss. Dennoch ist „Naturgewalten“ letztlich kein Album, welches mich vollumfänglich begeistert. Dies liegt einerseits am Stil als solchen begründet, andererseits empfinde ich das Album insgesamt betrachtet als etwas zu zahnlos und zahm. Um meinen Geschmack besser zu treffen hätten NORDFROST ihre Interpretation des Pagan Black Metals etwas giftiger, ruppiger und harscher ausarbeiten können, was gesanglich bereits gut funktioniert. Doch rhythmisch und harmonisch ist mir „Naturgewalten“ auf die Dauer und in seiner Länge zu unspezifisch, was mir allerdings lieber ist als zu  verspielt und hektisch zu sein.

„Naturgewalten“ wird definitiv nicht mein Lieblingsalbum, doch NORDFROST lassen Potential erkennen, denn gute Ansätze sind vorhanden und es handelt sich schließlich um das Debütalbum. Zuviel sollte man also nicht erwarten und daran gemessen ist es ein anständiges und solides Album, welches sich ohnehin an Anhänger von Heidentum und Pagan Black Metal richtet, die damit sicherlich mehr anfangen können als ich.

1. Einklang
2. Naturgewalten
3. Verachtung
4. Klage der Toten
5. Nebeltor
6. Ode an den Hochwald
7. Leerer Pfad
8. Kampf mit den Wanen
9. Am Ende ward Frieden
10. Wotanssturm

https://www.facebook.com/nordfrostmetal
http://www.platten-firma.de/

09.06.2015

Gigim Xul - Beyond The Grave

GigimXul - Beyond The Grave
Gigim Xul - Beyond The Grave
2015 | Black Metal
CD | Ewiges Eis Records


GIGIM XUL ist ein neuer Auswurf des norwegischen Untergrunds, der mit der EP „Beyond The Grave“ das erste Lebenszeichen vorstellt. Das Debüt des Duos enthält vier Lieder mit grimmigen und kalten Black Metal, die trotz der Geradlinigkeit auch etwas Abwechslung aufweisen.

Rhythmisch als auch harmonisch gibt es trotz der direkten Stoßrichtung facettenreiche Strukturen. Das Tempo ist oftmals hoch, wobei das Schlagzeug während dieser schnellen und statischen Parts wie eine Nähmaschine tuckert. Das mag sich etwas künstlich anhören, tut der grimmigen Atmosphäre aber keinen Abbruch. Der Gitarre werden sowohl kalt sägende und grimmige als auch melodische Riffs entlockt. Vereinzelt spürt und fühlt man an der Gitarre die norwegische Herkunft, doch GIGIM XUL bleiben insgesamt erstaunlich eigenständig.

Für ein allererstes Lebenszeichen kann sich „Beyond The Grave“ absolut hören lassen. Vor allem mit den schnellen Parts können GIGIM XUL bei mir punkten, da sie hier in der Kombination aus bohrender Rhythmik, kalt grimmiger Melodik und Keifgesang die eindringlichste, raue und nordische Atmosphäre erzeugen. Allerdings sitzt noch nicht jede Melodie. Dann und wann gibt es einen Part mit melodischem Gitarrenspiel, der mir nicht so zusagt, da mir die Melodie eine Spur zu freundlich geraten ist. Doch für ein Debüt einer noch jungen Band geht das völlig in Ordnung, zumal die Norweger einiges Potenzial aufzeigen.

Liebhaber des norwegischen Untergrunds und Freunde des grimmigen Black Metals sollten in jedem Fall mal ein Auge auf GIGIM XUL werfen, die haben mit ihrem Debüt jedenfalls einen überaus soliden Einstand abgeliefert.

1. Asphodel
2. Path Of Hypocrisy
3. Pestas Ferd
4. Beyond Life

https://www.facebook.com/pages/Gigim-Xul/1432305826987703
https://gigimxul.bandcamp.com/releases
http://www.platten-firma.de/

08.06.2015

The Ugly - Decreation

The Ugly - Decreation
The Ugly - Decreation
2015 | Black Metal
CD | ViciSolum Productions


Sieben Jahre ließen sich die Schweden THE UGLY Zeit um ihr Zweitwerk „Decreation“ zu veröffentlichen. Nun ist es da und niemand der den Vorgänger kennt, dürfte enttäuscht werden. THE UGLY spielen nach wie vor schnellen Black Metal der schwedischen Schule.

Das Tempo ist bevorzugt schnell, der Gesang ist grimmig und die Riffs klirren kalt und nicht unmelodisch. Das hat man so und ähnlich alles natürlich schon oft gehört, doch THE UGLY haben ihre Sache gut gemacht. Mir gefällt „Decreation“ auf Anhieb jedenfalls besser als das Debütalbum. Dies liegt einerseits daran, dass ich den Klang gelungener empfinde und dass THE UGLY weniger technisch und trocken, dafür direkter und geradliniger spielen. Möglicherweise trugen die beiden Neuzugänge Joakim Antman an der Bassgitarre (DECADENCE, OVERTORTURE) sowie Schlagzeuger Fredrik Widigs (MARDUK) dazu bei.

Auch wenn das Tempo oft hoch ist, gibt es selbstverständlich viele rhythmische Variationen. Pures Geballer ist „Decreation“ jedenfalls nicht, obgleich mir vor allem die bedingungslosen harten Parts am besten gefallen. THE UGLY sind am wirkungsmächtigsten wenn Widigs das Gaspedal voll durchdrückt und die Gitarren dazu kalt surren. Die zahlreichen Breaks und melodischen Auflockerungen sind auch nicht schlecht, man versteht sein Instrumentarium, aber ich empfinde diese eher gemächlicheren Parts eben nicht so eindringlich. Weichgespült ist „Decreation“ deswegen aber noch lange nicht.

Die beste Einzelleistung muss ich jedoch Sänger Ingemar Gustafsson zusprechen. Seine Stimme ist schön grimmig und wenn es drauf ankommt auch bösartig und verächtlich und sie erinnert mich stellenweise gar an ALTAR OF PERVERSION - was natürlich großartig ist.

In der Summe ist „Decreation“ ein gelungenes Album. Jedenfalls enthält es keine erkennbaren Schwächen und es ist sogar relativ eigenständig. Mit MARDUK und DARK FUNERAL gibt es zwei Institutionen in der Heimat von THE UGLY, die in denselben Gewässern fischen. Dennoch besitzt „Decreation“ einen eigenen Charakter, wobei es hier und da natürlich das eine und andere Zitat gibt, aber so muss das auch sein. Freunden des schnellen schwedischen Black Metals sei „Decreation“ also ans Herz gelegt.

1. I Am Death
2. Black Goat
3. Legio Mihi Nomen Est
4. Crawl
5. Cult Of Weakness
6. Slumber Of The God
7. Decreation
8. Nibiru
9. Lögnerna Till Aska

https://www.facebook.com/theuglyofficial
http://www.vicisolum.com/
https://vicisolumrecords.bandcamp.com/

07.06.2015

Order To Ruin - The Book Of Nemesis

Order To Ruin - The Book Of Nemesis
Order To Ruin - The Book Of Nemesis
2015 | Death Metal
CD | Eigenproduktion


In Münster scheint man viel Langeweile zu haben oder dort herrscht eine entfesselte Leidenschaft fürs Musikmachen vor. Jedenfalls hat das melodische Death Metal Trio ORDER TO RUIN ein neues Album vorgelegt, nachdem man schon im vergangenen Jahr  zwei Alben auf die Menschheit losließ. Vermutlich werden die Drei einfach vom Spaß an der Freude angetrieben, machen sie doch alles in ansprechender DIY-Arbeit.

Wer meine Kritiken genauer verfolgt, wird wissen dass ich es mit melodischem (Death) Metal für gewöhnlich nicht so habe. Denn viel zu oft empfinde ich das Melodische viel zu penetrant und fröhlich. Im Falle von ORDER TO RUIN verhielt es sich bisher anders. Das Trio schreibt abwechslungsreiche Lieder in denen Melodik mit Härte kombiniert wird. Das Ganze klingt phasenweise stark schwedisch inspiriert, was aber nicht weiter schlimm ist.

Wie schon auf den Vorgängeralben schimmert auch auf „The Book Of Nemesis“ ob aller Melodik immer wieder der gute alte Death Metal aus den 90igern durch. Diesmal sind diese Anleihen jedoch nicht so präsent wie etwa auf „The Path To Atrocity“. Das neue Album ist harmonisch breiter aufgestellt und verdrängt im gleichen Zug die kräftigen und schwungvollen Parts des Vorgängers etwas in den Hintergrund. Dafür stehen melodische Riffs und Soli mehr im Vordergrund, immer wieder gibt es auch klassische Heavy Metal Riffs, die schon mal an IRON MAIDEN erinnern können.

Auf „The Book Of Nemesis“ ist erstmals Bassist und Sänger Mike Seidel zu hören, der Tobias Müller ablöst. An den neuen Gesang muss ich mich ehrlich gesagt gewöhnen, da er nicht unbedingt dem typischen tiefen Death Metal Gesang entspricht. Mikes Gesang ist etwas kratziger und thrashiger als der von Mike, was jedoch zum riffträchtigen Spiel passt.

Auch wenn mir „The Book Of Nemesis“ gelegentlich schon fast zu melodisch wird und mir der eine und andere Part mit etwas mehr Härte besser gefallen würde, muss ich ORDER TO RUIN dennoch eine gelungene Arbeit attestieren. Sie brennen für das was sie tun, dies spürt man und das muss man auch honorieren. Obwohl sie alles im Alleingang bewerkstelligen und obwohl sie einen Drumcomputer verwenden, ist der Klang verdammt gut. Sie selbst bezeichnen sich als „Hobbyband“ und dafür klingt das Ergebnis überragend. Es gibt viele Bands mit Plattenfirma und Marketingstrategie im Rücken, die bei weitem nicht so überzeugend und professionell klingen wie ORDER TO RUIN. Wem melodischer und abwechslungsreicher Death Metal zusagt, der kann sechs Euro nicht besser investieren!

1. The Book Of Nemesis
2. Nightborn
3. Age Of Kings
4. Dead End Mansion
5. Devil Among The Sheep
6. My Fiction God
7. One Carved In Doom
8. Eclipse Of The Moon
9. The Necromancer

https://www.facebook.com/OrderToRuin
https://order-to-ruin.bandcamp.com/

Vanhelga - Happiness

Vanhelga - Happiness
Vanhelga - Happiness
2015 | Black Metal
CD | Northern Fog Records


„Happiness“ ist ein glänzendes Beispiel dafür, dass nicht jede Idee, die unter dem Einfluss von gemütsverändernden Substanzen entsteht, umgesetzt werden sollte. Laut Ottosson bzw. 145188 ist „Happiness“ unter dem Einfluss von massivem Drogenkonsum entstanden. Das Ergebnis ist leider nicht besonders kreativ oder gelungen, betont aber die egalitäre Scheißegal-Haltung des Schweden.

„Happiness“ ist ein merkwürdiges Klangzeugnis düsterer Klänge, soviel steht fest. Aber alles andere an der EP ist zumindest eigensinnig. Der Klang ist recht bescheiden, nämlich rau, scheppernd, blechern und dünn. Vor allem die metallischen Stücke hören sich an, als hätte jemand in der Garage mit einfachsten Mitteln Musik eingespielt. Aber auch instrumental ist alles denkbar schlicht. Tiefgreifende Melodien oder unheimliche Harmonien wie es sie auf „Längtan“ zuhauf gab, sind fehl am Platze. Den besten Eindruck hinterlassen offen gestanden die beiden Pianonummern, wobei diese aber überhaupt nichts Virtuoses haben und ziemlich langatmig sind. Mit „Mjau“ gibt es zur Abrundung auch noch ein reines Elektrostück, welches in einem tanzbaren Rhythmus daher kommt und in seiner Einfachheit irgendwie an die 80iger und 90iger erinnert.

„Happiness“ ist überaus sonderbar und für mich die schwächste Veröffentlichung VANHELGAS. Die EP ist, wenn überhaupt, vor allem für eingefleischte Anhänger depressiver und experimenteller Klänge interessant. Man kann das Ganze aber auch als Stinkefinger von jemand verstehen, dem alles egal ist und der einfach sein Ding macht. „Happiness“ ist mit Absicht schlecht umgesetzt worden und krude. Die künstlerische Freiheit gesteht dies den Schweden zweifelsohne zu, nur macht es das Resultat nicht besser. Die CD Version enthält übrigens ein Lied mehr als die bandeigene Bandcamp-Version.

1. Dekonstruktion
2. Lyrica
3. Loneliness
4. Tvingad att leva
5. Emptiness
6. Jag hatar dig
7. Mjau

https://www.facebook.com/vanhelgaofficial
http://www.deathlust.net/
https://vanhelga.bandcamp.com/
http://www.northernfogrecords.com/


02.06.2015

Akitsa - Grands Tyrans

Akitsa - Grands Tyrans
Akitsa - Grands Tyrans
2015 | Black Metal
CD / Kassette / Vinyl| Hospital Productions


AKITSA kann man wohl getrost als eine Institution des rohen und fanatischen Black Metals bezeichnen. Immerhin lärmt das kanadische Duo konsequent seit sechszehn Jahren mit seinem radikalen, oftmals primtiven Black Metal. Es gibt wenige Bands die ihren Stil über einen so langen Zeitraum bis ins Heute durchgezogen haben. Nun ist mit „Grands Tyrans“ das mittlerweile fünfte Album erschienen. Der Vorgänger liegt fünf Jahre zurück und AKITSA präsentieren sich kompromisslos wie eh und je.

Wer die Vorgängeralben kennt, der weiß bereits was ihn auf „Grands Tyrans“ erwarten wird. Stilistisch ist man sich in Quebec absolut treu geblieben. AKITSA spielen nach wie vor rauen Black Metal, der minimalistische und monotone Strukturen zelebriert. Dabei überwiegen langsame und schleppende Lieder, teils mit Klargesang, deutlich. Den einen und anderen schnellen, ruppigen und hasserfüllten Ausbruch gibt es aber auch.

Das für mich beste Lied des Albums, „Naufrage Contemporain“, erinnert mich stellenweise an „Goétie“, was an dem mit Hall unterlegtem Kreischgesang liegt. Musikalisch orientiert sich das neue Album aber eher an den anderen Alben. Immer wieder wird es punkig und rotzig wie auf „Soleil Noir“ aber auch bedrohlich und primitiv wirkende Parallelen zu „Sang Nordique“ oder „La Grande Infamie“ lassen sich wiederfinden.

Die Stücke mit Klargesang gefallen mir aber nicht immer ganz so gut. Gerade das rockige und verhältnismäßig melodische Lied „Chimères“ sagt mir nicht zu. Klargesang ist für AKITSA kein Novum, doch in „Chimères“ ist er nicht so gemein wie einst auf „Soleil Noir“. „Grands Tyrans“ ist  dennoch zu Hundertprozent AKITSA. Es ist einfach ein kompromissloses Werk, welches primitive und lärmende Geradlinigkeit mit Rohheit und absoluter Eigenständigkeit verbindet. Mein absolutes Lieblingsalbum ist und bleibt jedoch „Goétie“.

Auch wenn „Grands Tyrans“ kein monumentales Meisterwerk ist, so ist es doch genau das was man von AKITSA erwartet. Deshalb ist es auch ein absolut gelungenes und empfehlenswertes Album. Was ich im Übrigen an AKITSA so interessant finde, ist das sich die Alben einerseits stark ähneln, vor allem oberflächlich und emotional betrachtet, doch wenn man genauer und tiefer schaut, hat jedes Album seine eigenen Besonderheiten. So auch „Grands Tyrans“. Beim genauen Hinhören kann man kompositorische und instrumentale Eigenheiten entdecken, die den konstanten und tradierten Stil AKITSAS interessant anreichern. Doch dies erschließt sich nur, wenn man das Schaffen der Kanadier über all die Jahre genauer verfolgt hat.

Zurzeit ist „Grands Tyrans“ als Digipak und noble Pro-Kassette erhältlich. Eine Vinyledition ist für den Spätsommer geplant.

1. Dévoilé
2. Le Feu De L’abîme
3. Naufrage Contemporain
4. Les Flots De L’enfer
5. Grands Tyrans
6. Faucon
7. Chimères
8. Noire Bête Ailée
9. Je N’y Serai Pas

https://www.facebook.com/sangnordique
https://akitsa.bandcamp.com/
http://hospitalproductions.net/

Lebenswinter - Carved In Wood And Stone

Lebenswinter - Carved In Wood And Stone
Lebenswinter - Carved In Wood And Stone
2015 | Black Metal
CD | Northern Fog Records

LEBENSWINTER gibt es inzwischen auch schon seit fünf Jahren und nun ist mit „Carved In Wood And Stone“ das zweite Album erhältlich. Bisher war mir jedoch nur das Lied „Nebel“ von der selbstbetitelten Demo bekannt, welches darüber hinaus auch auf der Kompilation „Unheilige Reliquien“ zu hören war. Seitdem ist einige Zeit vergangen und LEBENSWINTER präsentieren sich auf ihrem neuen Werk gewachsener.

Man spielt zwar nach wie vor rauen Black Metal mit vielen melodischen Einsprengseln, jedoch eigenständiger und vielseitiger als in dem mir bekannten Lied. „Nebel“ war nicht schlecht, erinnerte mich gesanglich stark an BRANSTOCK. Davon ist nun auf der neuen Scheibe keine Spur mehr, stattdessen geht der giftige Keifgesang von Sänger Asterion gelegentlich leicht in Richtung MOONBLOOD. Die Instrumente drum herum bauen eine bedrohliche Klangkulisse auf. Der Black Metal ist zwar rau und für Freunde des Untergrunds, dennoch haben es sich LEBENSWINTER nicht nehmen lassen, ihrer Interpretation des schwarzen Metalls eigene Ideen und Abwechslung einzuhauchen. Dies äußert sich vor allem in untypischen Riffs und Melodien, die von LEBENSWINTER immer wieder eingestreut werden.

Dabei gelingt noch nicht alles, doch schon vieles. Da gibt es etwa das Lied „Das Untier (Hetzjagd Part II)“, dessen Anfang und Ende rhythmisch mittelschnell daher kommen und von dreckigen sowie tieftönenden Riffs leben. Das ist überhaupt nicht neu aber dennoch großartig und stimmungsvoll umgesetzt. Die eher langsame Rhythmik kommt hier sehr kraftvoll und wird von den fiesen Riffs wunderbar in Stellung gebracht. An solchen Stellen klingen LEBENSWINTER sehr gut, da flammt der raue Black Metal authentisch auf. Andernorts können mich die (melodischen) Riffs nicht immer gänzlich überzeugen.

Ob man diese oder jene Melodie mag, ist letztlich eine reine Geschmacksfrage. Was mir hingegen gut an dem Album gefällt, ist das konstant grimmige und raue Auftreten. LEBENSWINTER klingen trotz melodischer Elemente roh und grimmig, manchmal erinnern sie mich dabei gar ein wenig an den finnischen Black Metal.

Wer sich für kleine Gruppen aus dem schwarzmetallischen Untergrund interessiert, der sollte „Carved In Wood And Stone“ ruhig probieren. Die Scheibe ist in gewisser Weise abwechslungsreich, da es rhythmische und melodische Variationen gibt, aber im Kern der Scheibe steckt trotz allem roher Black Metal der sich hören lassen kann.

1. Awaiting Dawn
2. Carved In Wood And Stone
3. Bile For Satan
4. Pathways
5. Das Untier (Hetzjagd Part II)
6. Abszess
7. Vampiric Crusader
8. Wanderer

https://www.facebook.com/Lebenswinter
http://www.northernfogrecords.com/


01.06.2015

Obsequiae - Aria Of Vernal Tombs

Obsequiae - Aria Of Vernal Tombs
Obsequiae - Aria Of Vernal Tombs
2015 | Black Metal
CD / Digital / Vinyl | 20 Buck Spin


Mit dem melodischem Black Metal ist es so eine Sache. Das Gesamtgefüge kann sehr schnell kippen und der melodische Aspekt verkommt zu einer nervtötenden Angelegenheit. Wenn dann auch noch mittelalterliche Harmonien dazu kommen, ist das Scheitern fast schon sicher. Doch OBSEQUIAE aus dem Norden der Vereinigten Staaten belehren mich eines Besseren. Wenn man die Vorgängerband AUTUMNAL WINDS berücksichtigt, existiert man bereits seit 1997 und mit „Aria Of Vernal Tombs“ veröffentlichte man kürzlich das zweite Album. OBSEQUIAE sind ein Trio, in dessen Zentrum Tanner Anderson steht, der auch noch mit der Funeral Doom Formation CELESTIIAL zu Felde zieht.

„Aria Of Vernal Tombs“ ist ein polymorphes und opulentes Werk. Die elf Stücke sind tief durchdrungen von einer immensen Vielfalt, die sich sowohl melodisch als auch stilistisch offenbart. Obgleich es ein melodisches Album ist und obwohl es immer wieder mittelalterliche Harfenklänge und Melodien gibt, stellt sich das Ganze weder als verspielt noch als überladen heraus. Im Gegenteil: Es ist OBSEQUIAE gelungen das Album ruhig auszugestalten. Denn die mittelalterlichen Harmonien sind wahrlich dezent und haben absolut nichts mit dem üblen und tanzbaren Folk Metal zu tun. Überdies sind diese mittelalterlichen Elemente nur ein harmonisches Element neben vielen und nicht das einzige.

Die Scheibe ist melodisch, ja. Aber sie ist dennoch in gewisser Hinsicht geradlinig sowie atmosphärisch und stellenweise eisig. Es lassen sich in den düsteren Harmonien immer wieder skandinavische Einflüsse heraus hören, ingleichen gibt es aber auch mal ein traditionelles Heavy Metal Riff. Andererseits gibt es auch stellenweise kurzweilige Parts, in denen etwas Death Metal durchscheint. Vor allem dann, wenn sich Bassgitarre und Schlagzeug bedrohlich und kraftvoll auftürmen und das Melodische kurz vergessen machen. Überhaupt macht Schlagzeuger Andrew Della Cagna eine verdammt gute Figur. Das rhythmische Gerüst ist relativ einfach gehalten, Variationen gibt es zwar, doch ist das Tempo zumeist langsam. Dennoch bringt er sein Instrument überaus spielfreudig und druckvoll zur Geltung.

„Aria Of Vernal Tombs“ ist ein Album welches vor allem als Ganzes anspricht und begeistert. Ein einzelnes Lied herauszuziehen und exemplarisch zu sezieren würde dem Gesamtwerk nicht gerecht. Denn es ist gerade die komplexe Vielgestaltigkeit, die absolut flüssig, stimmig und homogen zusammengesetzt wurde, und mit Qualität überzeugt. Wer trotz allem skeptisch ist und womöglich denkt, es hier mit einer atmosphärischen Gruppe à la  A FOREST OF STARS zu tun zu haben, der irrt. OBSEQUIAE sind wesentlich geerdeter und traditioneller, mit vielen musikalischen Bezügen zu großen europäischen Gruppen längst vergangener Tage.

Für mich ist „Aria Of Vernal Tombs“ ein hervorragendes Album. Wenn schon melodischen Black Metal, dann bitte so wie es uns OBSEQUIAE hier vormachen!

1. Ay Que Por Muy Gran Fremosura
2. Autumnal Pyre
3. Until All Ages Fall
4. L’amour Dont Sui Espris
5. Pools Of A Vernal Paradise
6. Anlace And Heart
7. The Anchoress’s Orison
8. In The Absence Of Light
9. Wilweorthunga
10. Des Oge Mais Quer Eu Trobar
11. Orphic Rites Of The Mystic

https://www.facebook.com/epicuscastlecusmetallicus
http://www.20buckspin.com/