04.05.2015

Forgotten Tomb - Hurt Yourself And The Ones You Love

Forgotten Tomb - Hurt Yourself And The Ones You Love
Forgotten Tomb - Hurt Yourself And The Ones You Love
2015 | Black/Doom
Vinyl/CD/Digital | Agonia Records

Herr Morbid macht also auch noch Musik. Das war mir irgendwie entgangen, zumal ich noch nie einen Zugang zur Musik von FORGOTTEN TOMB hatte. Ich habe den Rummel, den Bands wie FORGOTTEN TOMB und SHINING damals lostraten, nie so wirklich verstanden. Das letzte Album welches ich von FORGOTTEN TOMB hörte, war das 2004er Werk „Love‘s Burial Ground“.  Ich fand das Teil damals zu platt und langweilig. Seitdem sind elf Jahre vergangen und mit „Hurt Yourself And The Ones You Love“ gibt’s bereits das achte Album.

Kurz und bündig: Es ist kein schlechtes Album. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente, das Album ist abwechslungsreich und auch der Klang hinterlässt einen sehr guten, sauberen und professionellen Eindruck. Trotzdem habe ich auch heute dasselbe Problem wie vor elf Jahren. Die Italiener schaffen es partout nicht, mich zu berühren. „Hurt Yourself And The Ones You Love“ geht einfach so an mir vorbei, spurlos, ohne nachhaltig irgendetwas zu hinterlassen. Woran das genau liegt, kann ich gar nicht so einfach beschreiben.

Ein Hauptgrund ist meinem Empfinden nach sicherlich das Fehlen von wahrlich düsteren und extremen Momenten. Es gibt natürlich gut gemachte Parts, die durchaus auch eine schwermütig gelagerte Atmosphäre aufweisen, doch sind diese Momente für meinen Geschmack nicht schwer oder makaber genug. Ein anderer Grund ist der Gesang. Herr Morbids Gesangsstimme ist mir gleichfalls nicht aussagekräftig genug, sein leicht kehliger und gut verständlicher Gesang ist relativ ruhig, was auf mich irgendwie gleichgültig und gelangweilt wirkt.

Auf mich macht „Hurt Yourself And The Ones You Love“ einfach einen zu weichgespülten Eindruck. Ich vermisse extreme Momente, bizarre Kontraste oder verstörenden Wahnsinn. Stattdessen streuen FORGOTTEN TOMB immer wieder überaus rockige Parts ein, die handwerklich wunderbar gemacht sind, die aber meine Sehnsucht nach mehr Radikalität nur befördern.

Spielerisch ist „Hurt Yourself And The Ones You Love“ zweifellos eine gute Scheibe. Die Riffs sind für sich genommen allesamt gut und ansprechend, das Schlagzeug kann sich ebenfalls hören lassen. Nur die Gesamtkomposition missfällt mir. Ich finde die Scheibe einfach unbeschreiblich langweilig und ich habe noch nicht mal eine Idee davon, was mir FORGOTTEN TOMB eigentlich vermitteln wollen. Wenn ich mir mal die Rezensionen anderer anschaue, so erscheinen sie mir reichlich unverständlich. Entweder habe ich keine Ahnung oder ich bin zu anspruchsvoll. Jedenfalls weiß ich, was ich höre, wenn mir der Sinn nach Black Doom steht: DEINONYCHUS.

1. Soulless Upheaval
2. King Of The Undesirables
3. Bad Dreams Come True
4. Hurt Yourself And The Ones You Love
5. Mislead The Snakes
6. Dread The Sundown
7. Swallow The Void

http://www.forgottentomb.com/
https://www.facebook.com/Official.Forgotten.Tomb
http://www.agoniarecords.com/

Infernal War - Axiom

Infernal War - Axiom
Infernal War - Axiom
2015 | Black/Death
Vinyl/CD/Digital | Agonia Records

Ganze acht Jahre ließen sich die Polen Zeit, um ihr drittes Album aus der Taufe zu heben. Nun ist es soweit und mit „Axiom“ steht das neuste Werk in den Regalen der Händler und wartet darauf, von euch gekauft zu werden. Einen Erwerb haben sich INFERNAL WAR definitiv verdient.

„Axiom“ ist ein überaus rundes und ausgereiftes Werk. INFERNAL WAR machen, was sie schon immer gut konnten: schnell, erbarmungslos und brutal spielen. Doch das ist längst nicht alles. „Axiom“ ist ein unerhört agiles Album mit vielen spielerischen Facetten. Zunächst ist da Schlagzeuger Stormblast, der über jeden Zweifel erhaben, eine tolle Arbeit ablieferte. Es ist stellenweise unglaublich, wie flott, präzise und zugleich filigran und vielfältig er die Felle malträtiert. Es ist ein prachtvolles Spiel am Schlagzeug, welches nicht auf pures Geballer setzt. Trotz des hohen Tempos ist sein Spiel unmenschlich nuanciert. Doch Stormblast ist nicht der Einzige, der sein Instrument beherrscht. Auch die Saitenfraktion gibt sich dynamisch und feuert viele Riffs ab. Immer wieder sind massige, tief dröhnende Riffwände zu hören, wo man schön den polnischen Death Metal à la AZARATH und HELL-BORN raushört. Andererseits gibt es auch kurzweilige melodische Riffs oder das eine und andere Soli zu hören.

„Axiom“ ist komplexes und dynamisches Album. Es ist immer etwas in Bewegung und monotone Parts sind rar gesät. INFERNAL WAR haben sich seit ihrem 2007er Album fortentwickelt, ohne sich selbst jedoch untreu zu werden. Sie haben ihren Stil verfeinert, vertieft und sich mehr dem Death Metal zugewandt. Wenn man „Axiom“ mit seinen beiden Vorgängern vergleicht, ist es klanglich wesentlich besser und professioneller ausgefallen. INFERNAL WAR sind klanglich nicht mehr so roh und ruppig, dabei aber nicht weniger hart und zerstörerisch. Mir gefällt der satte und tieftönende Klang sehr gut, für den sich M. von MGŁA verantwortlich zeichnet. Vor allem das Schlagzeug kommt wunderbar zur Geltung, aber auch die Bassgitarre hat ihren verdienten Platz bekommen.

INFERNAL WAR haben ein tolles drittes Album abgeliefert. „Axiom“ ist explosiver und energetischer Black/Death Metal, der aggressive Forschheit mit abwechslungsreichen und komplexen Strukturen verbindet. „Axiom“ ist bedingungslos und zerstörerisch und die Polen verzichteten komplett auf atmosphärisches Geschwurbel - was mir sehr gut gefällt.

1. Coronation
2. Militant Hate Church
3. Into Dead Soil
4. Paradygmat
5. Nihil Prayer
6. The Parallel Darkness
7. Transfigure
8. Eater Of Hope
9. Camp 22
10. No Forgiveness
11. Axiom

https://www.facebook.com/infernalwarofficial
http://www.agoniarecords.com/

30.04.2015

Permafrost - Spiritual Isolation

Permafrost - Spiritual Isolation
Permafrost - Spiritual Isolation
2015 | Black  Metal
CD | Darker Than Black / Knochensack

PERMAFROST präsentieren sich auf „Spiritual Isolation“, dem bereits vierten Album, überraschend anders. PERMAFROST haben ihren Stil erweitert, sind komplexer und abwechslungsreicher geworden doch vernachlässigen sie dabei nicht Härte und Dunkelheit.

Diese neue Ausrichtung gilt sowohl für Porcus‘ Gesang als auch für das Instrumentenspiel. Die erste Überraschung ereilte mich mit dem zweiten Titel „King Of The Serpents“. Neben dem üblichen aggressiven und schnellen Black Metal gibt es melodische Gitarrenläufe, vereinzelte Soli und auch eine düstere, atmosphärische Passage. An ein oder zwei Stellen erinnern mich PERMAFROST in dem Lied an EMPEROR. Dies ist aber nicht nur der Instrumentierung geschuldet, auch Porcus‘ vielfältiger Gesang trägt dazu bei, da er sich manchmal wie eine Mischung aus Onielar (zuzeiten von „Nocturnal March“) und Ihsan (die beiden ersten EMPEROR-Alben) anhört. Porcus singt, keift und schreit sehr abwechslungsreich in verschiedenen Stimmlagen, was ich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig fand, da ich seinen hasserfüllten und giftigen Gesang auf „Devil Worship“ großartig finde.

„Devil Woship“ war in seiner Summe zwar ein hasserfülltes und böses Album aber bereits dort verdichteten sich komplexe und abwechslungsreiche Strukturen sowie melodische Riffs. Dieser Weg wurde konsequent fortgeführt und auf „Spiritual Isolation“ treffen sich Härte und Geradlinigkeit mit Spielwitz. PERMAFROST streuen immer wieder thrashige Riffs oder Soli ein. In den Liedern „Ave Satan Lucifer“ und „Dragon Of The Other Side“ schimmert sogar der Heavy Metal schwarz durch - was mir sehr gut gefällt aber unter dem Banner PERMAFROST etwas ungewöhnlich ist. Thrashige Anleihen gab es auch schon zuvor, jedoch nicht so präsent und massiv wie auf „Spiritual Isolation“.

Mir gefällt diese Entwicklung sehr gut, zumal ich die spielerische Umsetzung als überaus gelungen empfinde und PERMAFROST trotz aller Veränderungen nach wie vor düster, böse und direkt sind. Harte, zerstörerische Parts gibt es nach wie vor, jedoch nicht unentwegt und eingebettet in abwechslungsreiche Strukturen. Es ist PERMAFROST sehr gut gelungen Tradition mit Veränderung zu vereinen. „Spiritual Isolation“ ist nicht unbedingt besser als „Devil Worship“ oder „Porcus Christus“, aber anders. Das neue Album ist weniger aggressiv und harsch, dafür komplexer, vielfältiger und anspruchsvoller. Jede Scheibe hat ihren Platz und gefällt mir, zumal  „Spiritual Isolation“ mit jedem Durchlauf besser wird.

1. Μνημοσύνη
2. King Of The Serpents
3. Lawless
4. Ave Satan Lucifer
5. Holy Blood
6. Dragon Of The Other Side
7. Mephiz-Tophel
8. He Who Was Spat Out
9. Chaos Cries For Revenge
10. Blood Sacrifice
11. Λήθη

http://www.permafrost-horde.de/
https://www.facebook.com/permafrost68686
http://www.darker-than-black.com/
http://www.knochensack.com/

27.04.2015

Front Beast - Out Of The Crypts

Front Beast - Out Of The Crypts
Front Beast - Out Of The Crypts
2015 | Black  Metal
Kassette | Into Dungeons Records

Seit 1999 mischt Avenger mit FRONT BEAST den deutschen Untergrund auf. Er bringt rauen und dreckigen Black Metal mit großartigen melodischen (Heavy Metal) Riffs zusammen. Vor allem die vielen Kassetten und EPs hatten es mir angetan. Doch in den letzten Jahren ließ die Frequenz der Veröffentlichungen nach und neues wurde seltener zutage gefördert. Die nun vorliegende Kassette „Out Of The Crypts“ ist ebenfalls kein neues Werk. Hier wurden alte Lieder erstmals mit einem kompletten Line-Up eingespielt und aufgenommen. Dies geschah in Vorbereitung auf das erste FRONT BEAST Konzert. „Out Of The Crypts“ wurde live als Rehearsal in einer Nacht aufgenommen.

Die sieben Lieder besitzen denn auch den typischen FRONT BEAST Charakter, zumal die Lieder ja alle bekannt sind. FRONT BEAST war noch nie berühmt dafür, Black Metal im Hochglanzformat zu spielen. Sämtliche Alben, Demos und EPs waren klanglich eher roh und schroff gelagert. Dies gilt auch für „Out Of The Crypts“, wobei sich die neu eingespielten Lieder im direkten Vergleich mit der Originalversion durchaus besser oder zumindest aber anders anhören. Dies gilt etwa für „Cursed Lake“. Hier klingt die neue, im kompletten Line-Up eingespielte Version wesentlich tiefer und detailreicher als das Original. Aber auch die Lieder, die ursprünglich auf dem 2006er Album „Black Spells Of The Damned“ erschienen, klingen vielschichtiger und komplexer. Ob das unbedingt besser ist, liegt vor allem am eigenen Geschmack.

Für mich ist „Out Of The Crypts“ eine runde Sache. Ich finde es interessant zu hören, wie sich die bekannten Lieder FRONT BEASTS mit kompletter Besetzung anhören. Rau und ruppig sind die Stücke nach wie vor aber detailreicher und tiefer. Für Fans der Band also absolut zu empfehlen, zumal die Kassette optisch und haptisch etwas her macht.


1. Dawn Of Azrael (Intro)
2. Candlelights
3. Into The Crypts
4. Cursed Lake
5. Antichrist Warfare
6. Past Midnight They Arrive
7. Black Spells Of The Damned

https://www.facebook.com/FrontBeastofficial
http://www.into-dungeons.de/


26.04.2015

Siechtum - Wildnis erwache

Siechtum - Wildnis erwache
Siechtum - Wildnis erwache
2015 | Black  Metal
CDR | Winterwolf Records


„Wildnis erwache“ heißt dieses Debüt des brandenburgischen Einmannprojekts SIECHTUM. Auch wenn die Scheibe erst kürzlich das Licht der Welt erblickte, so ist das auf ihr enthaltene Material nicht mehr taufrisch. Immerhin entstand das Gros in den Jahren 2005 - 2008 und wurde zwischen Dezember 2012 und August 2014 eingespielt. Weshalb sich Multiinstrumentalist Waheela so viel Zeit ließ ist nicht überliefert, was aber auch nur Informationswert hat und deshalb nebensächlich ist, da sich „Wildnis erwache“ verdammt gut anhört.

Jedenfalls wenn man diese Form des Black Metals mag. „Wildnis erwache“ ist nicht perfekt und genau das liebe und schätze ich. Im Booklet der CD steht, dass er beschissenes und billiges Equipment nutzte, hervorragend kann ich da nur sagen! Das ist authentisch, da ist Persönlichkeit und Leben drin. Und genau dies macht „Wildnis erwache“ aus. Ich bin eigentlich kein Freund von Einleitungen und auch SIECHTUM setzt auf das obligatorische Intro. In diesem Fall heißt es „Kranichzug“ und ist ein vierminütiges Instrumental. Abgesehen von den Kranichen die am Anfang zu hören sind, ist es musikalisch betrachtet ein vollwertiges Lied, in dem lediglich der Gesang fehlt. Bereits nach rund 90 Sekunden war mir klar, dass mir „Wildnis erwache“ gefallen wird. Warum? Es war der Klang der Gitarre. Ich liebe es, wenn die Instrumente so klingen wie sie es hier tun. Nämlich natürlich und organisch, lebendig und beseelt und nicht steril, glatt und totproduziert. Als zweites Argument kamen dann die schönen und dezenten Gitarrenmelodien dazu, die mir gefielen.

SIECHTUM spielt deutschen Black Metal wie er meinen Bedürfnissen nach sein sollte. Der Klang ist einerseits rau, dabei aber extrem authentisch und stimmungsvoll. Musikalisch präsentiert sich SIECHTUM abwechslungsreich. Es gibt harte und schnelle Passagen mit monotonem Schlagzeug ebenso wie mittelschnelle und schleppende Parts die atmosphärisch und melodisch sind. Die Strukturen sind dabei überraschend detailliert. Sowohl an den Gitarren als auch am Schlagzeug gibt es sehr viel zu hören, wenn man denn genau zuhört. SIECHTUM kombiniert dezidierte Geradlinigkeit mit Abwechslung und Melodik. Die schnellen Elemente sind dreckig und ruppig während die atmosphärischen Parts hervorragende harmonische Gitarrenläufe beherbergen.

Vor wenigen Wochen erst überraschte mich der deutsche Untergrund mit DRUDENSANG und nun gibt es mit SIECHTUM einen weiteren, vielversprechenden Hoffnungsträger. Ich fand, in den letzten Jahren war der Untergrund hierzulande etwas eingeschlafen und die wirklich interessanten Bands und Veröffentlichungen fanden andernorts statt. Wenn es nun wieder mehr Gruppen gibt, die den Black Metal so spielen und verstehen wie es SIECHTUM und DRUDENSANG tun, dann kann man sich nur freuen. Wenn ich unbedingt etwas an „Wildnis erwache“ bemängeln muss, dann ist es das Frontcover, weil es meiner Meinung nach dem großartigen musikalischen Inhalt nicht vollumfänglich gerecht wird.

1. Kranichzug
2. Deus Robur
3. Erwecket Gaia
4. Canis Lupus
5. Herz der Wildnis

http://winterwolf-records.com/

Dreams Of Nature - Spirit Of Nature

Dreams Of Nature - Spirit Of Nature
Dreams Of Nature - Spirit Of Nature
2015 | Ambient Black  Metal
CDR | Northern Fog Records


DREAMS OF NATURE ist ein Einmannprojekt aus Bogotá, Kolumbien. Solist L bezeichnet seinen Stil selbst als „Nature Atmospheric Black Metal“. Atmosphärisch und naturbezogen ist sein Debütalbum „Spirit Of Nature“ gewiss, nur würde ich es lieber als Ambient Black Metal beschreiben.

L gibt an von Gruppen wie LUSTRE und SUMMONING beeinflusst worden zu sein, weshalb es am Ende der Scheibe auch je ein Cover dieser Bands gibt. Den Einfluss von LUSTRE kann man auch deutlich heraushören. DREAMS OF NATURE spielt ruhigen und atmosphärischen Black Metal, der sich vor allem aus Keyboard, Kreischgesang und naturbezogenen Geräuschen wie das Plätschern eines Baches oder Vogelgezwitscher zusammensetzt. Der Ambient ist sehr präsent und ersetzt als harmonisches Instrument oftmals die Gitarre. Das Album ist dermaßen ruhig und harmonisch, dass man vom Black Metal auch nur des Gesanges wegen, der dem DSBM entsprang, sprechen kann. Der Gesang ist es dann leider auch, der mir mit Abstand am besten gefällt.

Ich mochte Ambient Black Metal noch nie und DREAMS OF NATURE ist ein weiterer Grund für meine Abscheu. Mir sind die Lieder einfach viel zu langweilig, Synthesizer und Keyboard berühren mich nicht im Geringsten und bis auf den Gesang gibt es keine düsteren oder markanten Spannungen. Entweder man geht in dieser Art des Black Metals auf oder eben nicht. Etwas dazwischen gibt es wohl nicht. Somit ist „Dreams Of Nature“ denn auch eine reine Genreveröffentlichung, die nur für echte Anhänger des Ambient Black Metals von Interesse sein dürfte. Wer bei atmosphärischem und naturbezogenem Black Metal an Gruppen wie WOLVES IN THE THRONE ROOM denkt, der wird bitter enttäuscht.


1. Last Winter Night
2. Ancient Woods Of Nature Lands
3. Frozen Stars
4. Beyond The Lakes
5. Desolate Fields
6. The First Beauty (Lustre Cover)
7. Like Some Snow - White Marble Eyes (Summoning Cover)

https://www.facebook.com/dreamsofnature1
https://dreamsofnature.bandcamp.com/releases
http://www.northernfogrecords.com/


20.04.2015

Krow Roda - Heimkehr

Krow Roda - Heimkehr
Krow Roda - Heimkehr
2015 | Black  Metal
CD | Northern Fog Records


„Heimkehr“ ist das Debütalbum von KROW RODA aus Aschaffenburg, welche sich 2012 unter dem Namen DONNERSTURM gründeten. Der Name leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet so viel wie ‚das Blut der Ahnen‘. KROW RODA beschäftigen sich mit germanischer und nordischer Mythologie, untermalen dies jedoch nicht mit Pagan Metal oder folkigen Elementen. Im Gegenteil, KROW RODA spielen schroffen Black Metal der Hass mit Kälte und atmosphärischen Einsprengseln verbindet.

KROW RODA spielen recht eigenwilligen und somit zugleich auch eigenständigen Black Metal, der auf der einen Seite sehr direkt, böse und primitiv sein kann. Es gibt immer wieder Parts zu hören, die harmonisch und rhythmisch überaus schlicht und rau sind. Dies wird gleich im ersten Stück deutlich, welches sehr schnelle und sehr harte Parts aufweist, die mechanisch und primitiv wirken, was mich an Gruppen wie EXORIAL erinnert. Mit solchen Passagen erzeugen KROW RODA eine sehr negative und hasserfüllte Atmosphäre, die auch ein wenig in die Irre führt. Denn so rau und primitiv der Einstieg ins Album auch sein mag, so differenziert und detailreich erweist sich „Heimkehr“ als Ganzes.

Das Album ist beseelt von einer sehr dichten Atmosphäre, die jedoch sehr unterschiedliche Aspekte aufgreift. KROW RODA kombinieren überaus brutale Raserei mit schleppenden Parts, massiven Riffwänden und melodischen Auflockerungen. So unterschiedlich die einzelnen Parts sind, so mannigfaltig ist auch die Atmosphäre. Es gibt Momente, in denen die Atmosphäre kalt und geheimnisvoll ist, einem nächtlichen Waldspaziergang gleicht. Dann gibt es aber eben auch immer wieder eine rohe und barbarische Wut und Brutalität, die alles und jeden zu zerstören scheint. Diese schnellen Eruptionen sind so heftig und laut, dass sie in ihrer Intensität und Länge schon ein wenig anstrengend sein können. Dies liegt aber nicht nur an der teils mechanischen und statischen Spielweise, es liegt auch am besonderen Klang. Der Klang ist einerseits zwar rau und gemein, aber zugleich auch klar und differenziert. Gerade in den lauten und schnellen Parts klingt der Black Metal irgendwie trocken, steril, industriell. Doch das ist nicht immer so, es gibt auch Passagen in denen das Schlagzeug sehr warm, wuchtig und druckvoll tönt. Das Schlagzeug ist ohnehin ein sehr präsentes Instrument. Sein Spiel mag zwar stellenweise statisch sein, doch gibt es auch viele Passagen, in denen es überraschend agil und dynamisch zu hören ist.

„Heimkehr“ ist verdammt vielfältig, dabei aber so gut wie immer dezidiert kalt, roh und grimmig. KROW RODA beweisen ein geschicktes Gespür dafür, primitive Rohheit mit Abwechslung und Atmosphäre zu vermischen. Außerdem ist es den Aschaffenburgern gelungen, auf ihrem Debütalbum eine sehr eigenständige Leistung zu verewigen. Natürlich gibt es Momente, wo man an eine bestimmte Band denkt, doch mir fällt niemand ein, mit dem ich KROW RODA direkt vergleichen würde. „Heimkehr“ ist ein sehr interessantes Album mit guten Ideen und eindringlichen Arrangements. Allerdings sagt mir der Klargesang in „Hangatyr“ nicht wirklich zu. Er mag ein atmosphärisches Stilmittel sein, doch bei mir versagt die gewünschte Wirkung. Wirkungsmächtiger empfinde ich da schon das abschließende Titellied „Heimkehr“. Es ist ein Instrumental, welches rhythmisch sehr variabel ist und in Teilen von bombastischen Keyboards getragen wird. Für mich eine interessantes und kontrastreiches Outro, welches zuletzt noch mal die Eigenständigkeit von KROW RODA unterstreicht.

Ein Fazit zu ziehen ist nicht einfach. „Heimkehr“ ist ein spezielles Album. Wer sich für den deutschen Untergrund interessiert und sich nicht an partieller Rohheit und Schlichtheit stößt, sollte KROW RODA in jedem Fall probieren. Doch diese primitive Aggression ist eben nur ein Teilaspekt. „Heimkehr“ ist ein komplexes Album, welches auch gute Melodien und atmosphärische Arrangements beherbergt. KROW RODA haben in jedem Fall Potential und einen hohen Wiedererkennungswert. Ich bin jedenfalls gespannt ob und wie sich die Band entwickeln wird. Ich würde mir für die Zukunft einen etwas organischeren und wärmeren Klang wünschen, der durchaus grell und rau aber vor allem während der rasenden Parts natürlicher ist.

1. Krow Roda
2. Transzendenz des Geistes
3. Tor der Erneuerung
4. Mjolnir
5. Hangatyr
6. Heimkehr

http://www.krowroda.de/
https://www.facebook.com/GrowRoda
http://www.northernfogrecords.com/

Ergot - Victims Of Our Same Dream

Ergot - Victims Of Our Same Dream
Ergot - Victims Of Our Same Dream
2015 | Black  Metal
CD / Digital | De Tenebrarum Principio


ERGOT ist ein italienisches Einmannprojekt, welches sich 2009 gründete und nach einer Demo und einer EP nun mit „Victims Of Our Same Dream“ sein Debütalbum ablieferte. Beworben wird das Album als Ambient Black Metal der sich auf die Mitte der 90iger Jahre und SATYRICONS „The Shadowthrone“ sowie die Split von EMPEROR und ENSLAVED bezieht. Das war eine großartige Zeit in Sachen Black Metal, weshalb man sich sehr gerne auf jene Epoche beziehen darf. Zu meiner Überraschung finden sich auf „Victims Of Our Same Dream“ aber keine offenkundigen Bezüge zu den oben genannten Bands. ERGOT greift den kalten und grimmigen Aspekt des norwegischen Black Metals zwar auf, doch dies kommt selten vor und der Italiener bleibt in der Summe sehr eigenständig.

Ich würde auch nicht unbedingt von Ambient Black Metal sprechen, da dieser Begriff überaus schwammig, viel- und nichtssagend zugleich ist. Für mich persönlich bedeutet die Kategorisierung Ambient Black Metal immer auch die zentrale Verwendung von Keyboard und Synthesizer. Dies ist bei ERGOT aber nicht der Fall, dennoch greift er aber auf instrumentale und atmosphärische Elemente zurück. Das Album enthält neben der Einleitung „Under The Burning Mirror“ ein weiteres Instrumentalstück, welches orchestral und bombastisch angelegt wurde und etwas von Filmmusik hat.

Der Rest des Albums ist abwechslungsreicher Black Metal. Das beste Lied kommt gleich am Anfang. Es ist „Red Shining Moon“, welches über weite Strecken schnell und giftig ist. Das Schlagzeug galoppiert treibend und peitschend während der Gesang beißend und giftig ist. Mit Monotonie hat das jedoch nichts zu tun, da Rhythmik und Melodik sehr variabel sind und ERGOT auch ein ordentliches Gitarrensoli einstreute. Dennoch ist das Stück kalt und grimmig, sehr schön. Nachfolgend gibt es mit „Black Leaves Of Solitude“ das längste Lied, welches durch eine lange und ruhige atmosphärische Einleitung seinen Lauf nimmt und sich auch sonst als dunkelatmosphärisches Stück entpuppt, in dem schleppende Rhythmen mit schweren Melodien und einem grimmigen Gesang kombiniert wurden. Das hört sich gut an, da das Melodische dezent bleibt und ERGOT es dennoch versteht, gute und wirkungsvolle Riffs zu spielen.

Die verbleibenden Stücke des Albums funktionieren nach selben Schema. Es sind atmosphärische und facettenreiche Lieder, die stellenweise sehr melodisch sind, entweder wurde ein Soli eingestreut oder einer Akustikgitarre ist zu hören. Das Tempo ist zumeist langsam bis mittelschnell und hier und da wird es auch mal etwas kräftiger und schwungvoller. Doch es überwiegt eine atmosphärische Vielfalt, die wirklich gut gemacht ist.

ERGOT hat ein sehr anständiges und solides Debütalbum abgeliefert, welches sich spielerisch und klanglich absolut sehen und hören lassen kann. Es gibt nur ein Problem: Mir ist das Werk insgesamt etwas zu atmosphärisch und melodisch ausgefallen. Ich hätte mir mehr Grimmigkeit und Tempo wie in „Red Shining Moon“ gewünscht. Dann wäre es meinem Bedürfnis nach ein wahrlich gutes Album geworden. Insofern ist „Victims Of Our Same Dream“ vor allem jenen zu empfehlen, die gute harmonische und atmosphärische Arrangements schätzen, welche stellenweise mit etwas Kälte und Grimm abgeschmeckt wurden.

1. Under The Burning Mirror
2. Red Shining Moon
3. Black Leaves Of Solitude
4. The Despair Of The Rotting Christ
5. The Weeping Willow
6. The Stolen Year
7. L’Essenza Del Proprio Essere

https://www.facebook.com/ergotproject
https://ergot.bandcamp.com/
http://www.atmf.net/commilitones/de-tenebrarum-principio-2/