06.08.2012

Abjured - Life You Know..?! | 2012 | Eigenproduktion | CD | Grindcore

Abjured wurde bereits 2005 gegründet doch erst im Dezember 2011 kam es zur Veröffentlichung des selbstfinanzierten Debütalbums Life You Know..?!. In der Zwischenzeit spielten Abjured viele Konzerte, brachten eine Demo raus und änderten mehrmals die Besetzung, bis man im Januar zur aktuellen Mannschaft zusammenfand, die dieses fiese und rotzige Album einspielte.

Das Album enthält 17 Lieder, die knapp eine halbe Stunde andauern. Auf Life You Know..?! gibt es Grindcore satt. Das Schöne an dieser Scheibe ist das sympathische Auftreten von Abjured. Life You Know..?! ist keine Demonstration des technisch Möglichen. Ganz klar, Abjured gehen hier rasend schnell und brutal zu Werke, dabei steht aber der Spielspaß immer an oberster Stelle, was man, wie ich finde, mit jeder Sekunde der CD spürt. Abjured selbst beschreiben ihren Stil als „Waste Town Grind“. Agathocles nennen ihren Stil als „Mincecore“. Ich erwähne dies, da mich Abjured manchmal an Agathocles erinnern, einfach auch deshalb, weil sich Abjured verrückt und ausgeflippt, abgefahren und ungeschönt präsentieren (da ist beispielsweise der großartige duale Gesang, der bissig und böse ist). Es gibt viel Raserei, unzählige Breaks, zig Wechsel und stilübergreifende Einflüsse. Der Grind steht natürlich im Vordergrund, aber es sind auch Einflüsse aus Punk, Hardcore und Rock zu hören. In Another Virus ist etwa überraschend ein sehr rockiges Soli mitsamt kurzweiligem Klargesang zu hören. Das abschließende Lied Gone fällt ebenfalls aus der Reihe. Mit fünfeinhalb Minuten ist es das mit Abstand längste Lied des Albums und ist komplett schleppend gehalten. Der schleppende Rhythmus und die sehr düstere Gitarrenmelodik besorgen gemeinsam mit dem kehlig tönenden Gesang für eine sehr drückende sowie bedrückende Atmosphäre.


Für meine Ohren ist Life You Know..?! ein herrliches Grind-Album, gerade auch, weil Abjured verschiedene Stile aufgreifen und das Album eine knackige, abgefahrene und teils auch dreckige und rotzige Atmosphäre mit jeder Menge Spaß hat.

8/10
Aceust

Umbah - Enter The Dagobah Core | 20128 | I, Voidhanger Records | CD | Industrial Metal

Umbah exisitiert bereits seit 1990 und ist das alleinige Projekt des Briten Cal Scott, der Anfang der 90iger Jahre auch bei der bekannten Death-Metal-Gruppe Necrosant war. Mit Necrosanct hat Umbah allerdings nichts zu tun. Das aktuelle Album Enter The Dagobah Core ist mittlerweile das 13. Album! Cal Scott wollte mit Umbah traditionellen Death/Grind mit Elektronik vermischen. Dabei kommt ziemlich abgefahrener Industrial Metal heraus, den ich so noch nicht gehört habe. Der Death/Grind ist im Laufe der Jahre einer experimentellen, extremen und avantgardistischen Spielweise gewichen. Enter The Dagobah Core ist ein sehr rasantes, lebendiges, komplexes sowie bewegliches Album, auf dem nicht nur die elektronische Komponente für jede Menge Aufruhr sorgt.

Der Anteil an elektronischen Klängen, Veränderungen, Bearbeitungen und Samples ist sehr hoch, und es wird selbstverständlich ein Drumcomputer verwendet. Dieser hört sich sehr gut programmiert an und passt perfekt zur Musik. Denn auch die Saiteninstrumente sowie der überaus facettenreiche Gesang klingen oft steril, kalt und mechanisch. Es gibt überaus viele Riffs zu hören, die manchmal extrem abstrakt und technisch sind, gerade am Anfang des Albums gibt es viele schwierige und sehr lebhafte Melodien zu hören, was durchaus auch sehr chaotisch wirken kann. Diese stete Beweglichkeit ist ein wesentliches Merkmal des Albums. Stillstand oder Eingängigkeit gibt es auf dem Album nicht, es ist immer etwas in Bewegung, ständig gibt es Veränderungen und Wandlungen. Und wenn dies dann auch noch mit eigenwilligen, sehr abstrakten Melodien einhergeht, braucht man schon etwas Zeit, um in die akustische Welt von Enter The Dagobah Core einzutauchen.

Mich erinnert die Musik ab und zu an Traumatic Voyage, ob der psychotischen und überaus bizarren Kompositionen und Arrangements. Auch wenn der elektronische Anteil, der Industrial, bei Umbah hoch ist, sind es aber auch die vielen Stimmen, die dem Album ihre besondere Atmosphäre verleihen. Es gibt unverzerrte Stimmen ebenso zu hören wie mannigfaltig verzerrte Stimmen, die über Deathgrind bis hin zum Black Metal reichen. Unterm Strich bleibt sehr vielfältiger und experimenteller Industrial Metal, der sowohl sehr schnelle und extreme Parts als auch tanzbare elektronische Passagen enthält. Um überhaupt in den Genuss von Umbah kommen zu können, muss man in jedem Fall experimentellen und modernen Metal sowie Elektronik mögen, ansonsten ist es sinnlos, sich hiermit zu beschäftigen. Mir gefällt Enter The Dagobah Core jedenfalls, vor allem, weil mir die zahlreichen düsteren Industrial-Arrangements gefallen, die manchmal an elektronische Musik der 80iger und 90iger erinnern - womit Umbah nebenbei auch noch Moderne mit Retro verbindet.


7/10
Aceust

01. Whispers of a dying sun - Part I
02. Bolderok Naron
03. Temple bar
04. Dr. Geiger
05. Hypnotic implant
06. Enter the Dagobah core
07. Cosmic garland
08. Mad Zu Chong
09. Oberon tales
10. Rackborn skin expulsion
11. Serokate fornion
12. Zombinods
13. Whispers of a dying sun - Part II

Voodoo Gods - Shrunken Head | 2012 | Misanthropic Enterprises | CD | Death Metal

Die VOODOO GODS wurden 2001 unter dem Namen SHRUNKEN HEAD gegründet, änderten den Namen allerdings 2006 und veröffentlichten 2007 die EP Shrunken Head, die jetzt im April wiederveröffentlicht wird. Für 2012 ist auch ein Album geplant, welches man mit dieser Wiederveröffentlichung vermutlich bewerben möchte. Das interessante an VOODOO GODS ist allerdings die illustre Zusammensetzung der Musiker. Da ist etwa Gitarrist David Shankle, der von 1988 bis 1994 bei MANOWAR war. Ebenfalls an der Gitarre steht Hiro von der polnischen Death-Metal-Formation SCEPTIC, der aber auch mal für VADER spielte. Ebenfalls aus Polen ist Sänger Nergal, den  wohl jeder von BEHEMOTH her kennen dürfte. Der zweite Sänger ist Seth Van De Loo von SEVERE TORTURE. Als dritter Sänger und für Perkussion zuständig ist Mike Browning, der früher bei MORBID ANGEL oder NOCTURNUS unterwegs war, um nur zwei Stationen seiner Karriere zu nennen. Die Bassgitarre spielt Jean Baudin der dafür bekannt ist, 9-, 10-,11- oder auch 12-saitige Bassgitarren zu spielen. Am Schlagzeug sitzt der Kopf der Band, Alex von Poschinger, der auch das gesamte Material geschrieben hat.

Nun aber zur Musik. Die EP Shrunken Head ist eine sehr interessante Scheibe, die überwiegend von technischem und progressivem Death Metal mit einigen thrashigen Einflüssen geprägt ist. Manchmal erinnern mich die technischen und stets mittelschnellen Parts an DEATH, aber VOODOO GODS bleiben dabei eigenständig. Alles andere wäre auch angesichts der Zusammensetzung verwunderlich. Obwohl die Tempi gemäßigt sind, erweist sich Shrunken Head als eine sehr druckvolle und treibende Scheibe. Das Riffing der Gitarren und des Basses ertönen sehr mächtig und sehr kraftvoll. Überhaupt dominieren die tiefen und dunklen Töne. Und da Schlagzeuger Alex die Verwendung des Beckens sehr reduziert hat, wirkt dieser basslastige, dunkle Klang noch stärker.

Das Material ist abwechslungsreich, immer wieder gibt es eingestreute Soli, die mal kurz oder auch etwas länger ausgefallen sind sowie zahlreiche Breaks. Das Spiel am Schlagzeug ist ohnehin überaus interessant, da extrem vielfältig und trotz der wenigen schnellen Tempi brachial und gewaltig. Allerdings ist der Klang der EP nicht immer der beste. Da die satten, kräftigen tiefen Töne das Klangbild dominieren, ertönen die Spuren manchmal etwas unsauber, was vor allem in den schnelleren, antreibenden Parts von Lion's Reign, Enter The Lion's Reign auffällt. Da würde ich nämlich das Schlagzeug gerne sauberer und klarer heraushören können.

Ich bin kein großer Anhänger des überaus technischen Metals. Doch die VOODO GODS haben für meinen Geschmack eine ausgewogene Mischung aus progressiven und technischen sowie geradlinigen, treibenden Arrangements gefunden. Es gibt in den Liedern immer wieder überaus interessante Riffs, Wechsel und plötzliche melodische Einsprengsel, die Spaß machen und das Interesse sofort auf sich ziehen. Spielerisch und strukturell ist Shrunken Head eine feine, gute Scheibe. Dass es drei Sänger gibt, fällt dabei  nicht so sehr ins Gewicht. Man hört zwar, dass es unterschiedliche Stimmen sind, doch ist die Vielfalt für meine Begriffe kein tragendes, atmosphärisches Stilelement, was sicherlich aber auch einfach den guten spielerischen Arrangements geschuldet ist. Bis auf den nicht immer so guten Klang ist Shrunken Head also eine wirklich gute EP, die für alle zu empfehlen ist, die den progressiv-technischen Death Metal lieben. Und da für dieses Jahr noch ein Album geplant ist, und die Aufnahmen zu Shrunken Head ja schon einige Jahre zurück liegen, bin ich guter Dinge, dass das Album klanglich besser ausfallen wird.


7/10
Aceust

01. Ritual killing
02. The pulse of jungle warfare
03. Lion's reign, enter the lion's reign
04. Rise of the voodoo ostinati

Vex - Vex | 2011 | Art Of Propaganda | CD | Black Metal

VEX ist eine noch nicht lang existierende Gruppe aus Belgien, die mit dem selbstbetitelten Debütalbum ein interessantes sowie abwechslungsreiches Werk abgeliefert hat. VEX bestehen aus fünf Musikern, von denen zwei unter anderem bei PARAGON IMPURE und VERLOREN tätig waren. Auf dem Debüt spielen VEX einen sehr abwechslungsreichen und genreübergreifenden Stil, in dem moderne Elemente mit Melodik, Härte und auch Melancholie miteinander verbunden werden.

Den Anfang macht das Lied III, eine ruhig beginnende Nummer die anfänglich durch sanfte Akustikgitarre und gefühlvollem Klargesang auffällt. Obwohl es in der zweiten Hälfte von III Schlagzeug und verzerrten Gesang zu hören gibt, bleibt das Lied langsam und atmosphärisch. Die durchaus kräftigen Riffs erklingen zunächst langsam, was dem Stück eine doomige Atmosphäre verleiht. Das nachfolgende II beginnt im Vergleich zu III zwar regelrecht laut und harsch, da das Lied mit giftigem Kreischgesang und flotter Dynamik startet, doch recht bald ist eine ruhige Passage mit erneuter Akustikgitarre und sanftem, teils flüsterndem Klargesang, zu hören, was mich ein wenig an SÓLSTAFIR erinnert. Zum Ende hin wird II dann wieder lauter und kraftvoller, interessante Riffs sorgen für eine angenehme Stimmung ehe dann einer energischer Schub Black Metal durchbricht.

Diese Vielfalt ist für das Album kennzeichnend. VEX legen sich nicht fest, arbeiten dabei aber viel mit schönen Gitarrenmelodien, die manchmal sehr sphärisch und verträumt, immer aber auch etwas melancholisch sind. Der Black Metal der zwischendurch aufflammt, ist eindringlich und hart, immer aber auch dezidiert melodisch - Heftigkeit in der Form von eingängiger Rohheit gibt es nicht. Dies stört aber nicht, da die harmonische Qualität des Albums überzeugend ist. Die Belgier beweisen ein gutes Gespür für packende harmonische Arrangements, manchmal erscheint mir die bedrückende und melodische Atmosphäre gar so dunkelromantisch, wie bei der einen oder anderen Scheibe von MY DYING BRIDE. Damit diese behutsame und melodische Ausrichtung jedoch nicht überhandnimmt, brechen VEX dies immer wieder mit lauten und harschen Passagen auf. Das hört sich gut an, allerdings könnten diese Ausbrüche durchaus auch mal länger sein.

Es ist zwar nicht neu, Black Metal mit doomigen Elementen wie Sludge sowie Post-Rock zu verbinden, doch ist die Art und Weise wie es VEX hier tun, nicht unbedingt einzigartig aber zumindest doch sehr eigenständig. VEX haben das Nervige des Post-Rock ausgespart und sich nur die Rosinen herausgepickt, die sich in guten Gitarrenmelodien niederschlagen, die mich ans letzte Album von YEAR OF NO LIGHT oder auch MY SLEEPING KARMA erinnern, es ist also mehr Post-Metal als Post-Rock. Gefrickel gibt es gar nicht, stattdessen gute und klar definierte Melodien und dann und wann eben auch Eindringlichkeit und Härte.Vex ist ein gutes Album, das einen interessanten und eigenständigen Stil aufweist. Da kann man nur hoffen, auch in Zukunft mit VEX rechnen zu können, denn würde es nur bei diesem Debüt bleiben, wäre es sehr bedauerlich, denn die Band hat jede Menge Potenzial. Für Freunde guter Melodien, ohne Kitsch und nerviges Gefrickel, ist Vex demnach wärmstens zu empfehlen.


7/10
Aceust

01. III
02. II
03. I
04. IV
05. V

Vargnatt - Durch die Stille... | 2012 | Karge Welten / Wolfsgrimm Records | CD | Black Metal

Um das Koblenzer Projekt Vargnatt ist es nach den beiden 2007 erschienen Demos (Nur ein Traum, Wintergrab) sehr ruhig geworden. Nun, gute fünf Jahre später, gibt es Nachschub in der Form dieser MCD. Durch die Stille... enthält eine knappe halbe Stunde melancholisch-atmosphärischen Black Metal, der im Gegensatz zu den Demos aber insgesamt weniger verträumt, melodisch und rührselig daher kommt.

Dies merkt man schon am Anfang der Mini. Denn Vargnatt hat auf eine Einleitung verzichtet. Statt gediegener Klänge bekommt man zunächst eine schnelle und ruppige Passage vorgespielt. Das gefällt mir schon mal sehr gut, zumal der krächzende Gesang schön gemein ertönt und auch die Gitarren ob des flotten Tempos schöne Melodien erzeugen. Dezidiert leicht melodisch, aber geradlinig und roh - so sieht sich Vargnatt heute. Im Mittelteil von Geist in Ketten gibt es zwar eine atmosphärische Akustikgitarre mitsamt Windgeräuschen zu hören, dieser Part wird aber sehr schön von einer eindringlichen sowie gut arrangierten Schlussphase abgelöst. Mit dem sehr guten Lied Geist in Ketten beginnt Durch die Stille... eindringlich und direkt, mit einer wohldosierten Priese Melancholie. Das nachfolgende Schall und Rauch ist in seiner Gesamtheit etwas langsamer ausgefallen, obgleich es auch hier einige schnelle Schübe gibt, die sich mit langsamen, sehr grimmig wirkenden Passagen, ablösen.

Anders ist Traum von einer Jugend (hierbei handelt es sich um das Gedicht „Schöne Jugend“ von Gottfried Benn), in dem Vargnatt sehr schnelle Parts mit sphärischen Gitarrenleads kombiniert, was gut funktioniert. Die Schnelligkeit sorgt gemeinsam mit dem rohen, krächzenden Gesang für Härte während die subtil inszenierte Gitarre geschickt ergreifende Emotionen lanciert. Auf dieses packende Stück folgt dann das leise und instrumentale Erwachen, ehe Durch die Stille... dann mit ...mit dem Sturm gleichfalls schnell aber abwechslungsreich endet.

Mir gefällt Durch die Stille... gut, da es Vargnatt übgerzeugend gelungen ist, hohe Tempi mit dezenter Melodik und ernsthafter Melancholie zu vereinen. Durch die Stille... ist zu gleichen Anteilen roh und harsch, aber auch atmosphärisch und nachdenklich. Mir gefielen bereits die beiden Demos, doch die aktuelle MCD ist noch um einiges besser, was man angesichts der fünfjährigen Pause aber auch erwarten konnte. Durch die Stille... ist also empfehlenswerter deutscher Black Metal, der alte wie auch neue Hörer gleichermaßen ansprechen dürfte.


7/10
Aceust

01. Geist in Ketten
02. Schall und Rauch
03. Traum von einer Jugend
04. Erwachen
05. ...mit dem Sturm

Urlog - Vernichtung | 2012 | Sturmglanz | CD | Black Metal

Für die Bayern von URLOG ist das am 31. März erscheinende Vernichtung bereits das dritte Album. Seit dem Vorgänger Harjaz sind allerdings fünf Jahre ins Land gestrichen. Vernichtung ist ein absolut unprätentiöses, direktes und ehrliches Album. Hier gibt es 40 Minuten lang rohen, grimmigen und gemeinen deutschen Black Metal. URLOG verzichten auf melodische Übergänge, Ein- oder Ausleitungen - stattdessen gibt es einfache, leicht melodische aber stets direkte Riffs sowie einen verständlichen deutschen Kreischgesang, der giftig und energisch ist. Rhythmisch ist Vernichtung abwechslungsreich, es gibt langsame, mittelschneller und schnelle, scheppernde Passagen zu hören.

Wenn man diese Form des Black Metals mag, ist Vernichtung sicherlich ein feines Album. Auf mich machen URLOG den Eindruck, irgendwie nostalgisch in der Vergangenheit verhaftet zu sein. Denn Vernichtung klingt für mich so, wie man viele Demos und Alben vor rund 10 bis 15 Jahren zuhauf zu hören bekam. Manchmal erinnern mich URLOG an PRIESTERMORD oder andere, vergleichbare Gruppen. Mir gefällt an Vernichtung der zum Teil wirklich böse und hasserfüllte Kreischgesang, sowie das nicht zu melodische Riffing. Ich finde, deutsche Gruppen haben nicht selten eine zu melodische Ausrichtung, was auf URLOG nicht zutrifft. Die Lieder ertönen nicht nur klanglich roh, sondern sind es auch spielerisch, wobei es auch ab und zu etwas thrashig und gitarrenbetont wird, weshalb es auch mal ein Soli zu hören gibt.

Vernichtung ist kein besonderes Album, was aber auch niemals die Intention von URLOG gewesen sein dürfte. Es ist roher und wüster deutscher Black Metal, der ehrlich und authentisch ist und gänzlich frei von jeglicher Massenkonformität. Es gibt nicht wenige die dies schätzen, und genau die sind hiermit auch angesprochen und werden mit Sicherheit ihre Freude hieran haben. Ich selbst weiß den Stil und den Geist der hier fortlebt, auch zu würdigen, obgleich mir 40 Minuten dann am Ende doch zu lang sind. Aber es ist gut zu wissen, dass es solche Gruppen auch noch gibt.


6/10
Aceust

01. Dein Leben dem Hass geopfert
02. Die Posaunen des Todes
03. Ragnrarök
04. Salus liberator diabolus
05. Schlacht
06. Untergang
07. Vlad Tepes
08. Wotan
09. Verdammnis
10. Catholic virgin

Formloff - Spyhorelandet | 2012 | Eisenwald | CD | Black Metal

FORMLOFF ist ein norwegisches Duo, das mit Syphorelandet nach sechsjähriger Pause das zweite Album herausbringt. Syphorelandet ist seit heute im Handel zu erwerben und enthält Avantgarde Black Metal. Irgendwie fühle ich mich an SOLEFALD erinnert, was sicherlich auch in den offensichtlichen Parallelen begründet liegt. Beide Gruppen kommen aus Norwegen, beides sind Duos und der Stil ist hochgradig experimentell, genreübergreifend und mit Worten schwer zu beschreiben. In jedem Fall ist Syphorelandet ein abgefahrenes Album, auf dem FORMLOFF sehr abwechslungsreiche sowie eigenwillige und eigenständige Musik zum Besten geben.

Syphorelandet ist ein komplexes, zum Teil hochgradig technisches Album, auf dem viele ungewöhnliche Arrangements und Abläufe auf kurzem Raum schnell aufeinanderfolgend zu hören sind. Eigenwillige Gitarrenmelodien, deren Zustand man schwerlich beschreiben kann, sind dabei aber auch nur ein sonderbares Merkmal von vielen. Rhythmisch erweist sich das Werk gleichfalls als sehr vielfältig, wobei gerade die schnelleren Lieder und Passagen durch den absichtlich dünnen Schlagzeugklang auffallen. Syphorelandet ist ein lebendiges und bewegliches Album, dessen Musik sich in permanenter Veränderung befindet. Zwar gibt es immer wieder auch Phasen der Eingängigkeit, die durch dezidierte Schnelligkeit gekennzeichnet ist, doch sind dies nur kurze Stilmittel. Ansonsten sind es düstere Harmonien, skurrile Melodien, sehr rockige Breaks oder auch wahnsinnig aggressive sowie harsche Ausbrüche, die den avantgardistischen Dark Metal aufwerten. Interessant dabei ist der Umstand, dass FORMLOFF immer wieder auch mal überaus rohe Parts einstreuen. Dann klingen FORMLOFF nach grimmigen norwegischen Black Metal - solche Zustände überdauern zwar nicht allzu lange, doch stellen sie einen interessanten Kontrast zum ansonsten bunten Potpourri düsterer Klangvisionen dar. Syphorelandet ist sicherlich kein einfaches Album, allerdings habe ich hiermit jedoch weitaus weniger Schwierigkeiten als mit dem einen und anderen Album von SOLEFALD. Dies liegt wohl auch daran, dass es auf Syphorelandet immer wieder einen starken Bezug zum Black Metal gibt. Zeitweise gibt es zwar auch Klargesang, aber nur kurz und punktuell und es überwiegt stark verzerrter, teils richtig bissiger Kreischgesang.

Syphorelandet ist schwierig, komplex, technisch und gewiss auch sonderbar. Es gibt sehr düstere Momente, aber auch viel obskures und manchmal auch nerviges, gerade die überaus technischen Arrangements an den Gitarren sind mir manchmal etwas zu viel des Guten, weil zu technisch und klanglich zu steril und neutral. Aber dies liegt in der Stilistik begründet. Für experimentellen Black Metal gefällt mir Syphorelandet jedenfalls gut - da es eben nicht nur melodische Spielerein und abstrakte Klanggebilde gibt, sondern auch Härte und Geradlinigkeit. Für Freunde experimenteller und/oder avantgardistischer Klänge ist FORMLOFFs neues Album sicherlich zu empfehlen. Syphorelandet ist zu gleichen Anteilen düster, melodisch, morbide, grimmig und hart - verpackt in einer eigenwilligen sowie eigenständigen aber auch sonderbaren Klangvision.


7,5/10
Aceust

01. Det dritet som renner ut i ua
02. Harde ord på kammerset
03. Spyhorelandet
04. Faen!
05. Mig og drit
06. Skævven
07. Kon-tiki museet brenner
08. Den gamle jorda
09. Drokkne i ei flo ta åske

Tal'Set - La Via Del Guerriero | 2012 | ATMF | CD | Metal

Über TAL‘SET ist nur sehr wenig bekannt. Es handelt sich hierbei um eine italienische Gruppe, die mit dem Album La Via Del Guerriero debütiert. Thematisch geht es auf dem Album um die Schriften von Carlos Castaneda, der sich wiederum intensiv mit den Indianern Mexikos beschäftigte. Damit dürfte sich auch das Cover erklären lassen. Dies ist aber auch nur eine Nebeninformation, da man die italienischen Texte nicht versteht und sich diese esoterischen oder schamanischen Einflüsse in der Musik vor allem in instrumentalen Passagen finden kann. TAL’SET spielen hier ziemlich modernen und abwechslungsreichen sowie genreübergreifenden Metal. Die Band soll wohl stark durch psychedelischen Rock der 1970iger beeinflusst sein und für Freunde von DEATHSPELL OMEGA, SPITE EXTREME WING, ENSLAVED und THE DEVIL’S BLOOD geeignet sein. Dazu kann ich nicht viel schreiben, bis auf DEATHSPELL OMEGA kenne ich die besagten Gruppen kaum, und selbst bei DEATHSAPELL OMEGA bin ich nur mit den älteren Sachen bewandert. Wie dem auch sei, TAL’SET sind also modern orientiert.

Nach der kurzen Einleitung erklingt sogleich das Titellied, welches durch kraftvolle, rockige Riffs und partiellem Klargesang auffällt. Es ist rhythmisch als auch rifftechnisch ein ziemlich technisches Stück, das auf mich wie eine Mischung aus Death Metal und Hardcore wirkt. Zwischendurch gibt es melodische Einsprengsel, in denen wohl so etwas wie eine Panflöte zu hören ist, was wohl auf die Indianer verweisen soll. Das Titellied ist für meine Ohren sehr gewöhnungsbedürftig, was gerade auch an dem italienischen, an Hardcore erinnernden, Gesang liegt. Kombiniert mit der technischen Ausrichtung wirkt das Lied sehr modern. Das nachfolgende Inteno beginnt sehr erhaben, Fanfarenklänge ertönen und es wirkt dadurch wie Neo-Folk, doch währt diese Einleitung nicht lange und Inteno entwickelt sich zu einem riffbetonten, rhythmisch vielfältigen Lied in dem der Gesang erneut in die Richtung Hardcore geht. Im letzten Drittel wird es wieder folkig, da fanfarengleiche Klänge und Akustikgitarre ertönen - was mir bisher an der Scheibe übrigens am besten gefällt. Ihr merkt schon, es ist eine schwierige Platte, deren Zugang mir bisher verwehrt bleibt. Dies ändert sich auch nicht mit Mescal. Mescal ist eine sehr ruhige, atmosphärische und harmonische Komposition, die verspielte Gitarrenmelodien, und an Wind erinnernde Geräusche bietet, was ein wenig an HAGALAZ‘ RUNEDANCE erinnert. Herr Castaneda lässt wohl grüßen. Da kommt dann aber das eher harsche Puno d'Unione, in dem phasenweise verzerrter Gesang zu hören ist. Zudem gibt es hier auch mal schnelle Tempi zu hören. Das Lied wirkt aber trotzdem nicht sonderlich hart, die Riffs und auch der Gesang sind zu modern, zu unstet. Dazu passt dann auch die ausladende Keyboardbegleitung im Mittelteil.

Wenn man die Platte bis hierher gehört hat, weiß man auch wie es mit dem Rest weitergeht. TAL’SET ändern ihren Stil nicht mehr. Es wechseln sich moderne metallische Lieder mit ruhigen Liedern und Passagen ab, in denen oft Akustikgitarre und andere liebliche Arrangements zu hören sind. Es gibt sehr viel Abwechslung auf der Scheibe, und durchaus auch mal den einen und anderen guten Part. Doch in der Summe gibt es für meinen Geschmack viel zu viel Abwechslung, viel zu viel unterschiedliches. Meiner Meinung nach funktioniert die Vermischung von Hardcore, Death Metal, Black Metal, Rock und folkigen sowie ethnischen Klängen einfach nicht. Mag sein dass ich dafür zu engstirnig bin und mal wieder einen Trend verpenne, aber empfehlen kann ich das Teil beim besten Willen nicht. Aber ich fand auch THE DEVIL’S BLOOD damals als sie herauskamen nicht gut und heute sind sie extrem angesagt und erfolgreich. Wer moderne und stilübergreifende Musik mag, die sehr unterschiedliche Elemente beinhaltet, kann TAL’SET mal probieren, aber bitte mit Vorsicht.


4/10
Aceust

01. Il vecchio alla stazione
02. La via del guerriero
03. Inteno
04. Mescal
05. Puno d'Unione
06. Gli atlantidi di tula
07. Follia controllata
08. Fermare il mondo
09. Fuoco dal profondo
10. Al di là dell'aquila
11. L'ultima danza