26.06.2004

Licht- und Schattensaiten - Herbstwärts | 2004 | Eigenproduktion | CDR | Metal

Ähnlich kreativ, innovativ und anders wie auf der letzten CD Winter zeigen sich Licht- und Schattensaiten mit dem brandneuen Werk. Herbstwärts ist ein gleichsam intensives wie auch ruhiges Album, welches kraftvolle Elemente beinhaltet wie auch leise Arrangements, die einer andächtigen Stille gleichkommen. Herbstwärts weist sehr eigenwillige Strukturen auf, Stefan arbeitet viel mit ungewöhnlichen Takten und Rhythmen was zu interessanten Hörmomenten führt aber auch ein genaues Hinhören erforderlich macht. Teilweise wird das Schlagzeug in polternder und dabei sehr antreibender Art und Weise gespielt, wie etwa bei dem langen Stück Unausgeglichenheit, die Stille suchend. Das Stück ist geprägt von einem Wechselspiel dieser aggressiveren, schnelleren Fragmente die immer mal wieder losbrechen; zwischendurch gibt es aber auch immer mal wieder ruhigere und sanftere Strecken die teilweise mit akustischer Gitarre oder hymnenhafter Atmosphäre arrangiert wurden. Licht- und Schattensaiten setzen zur Stimmungserzeugung aber nicht nur verschiedene Spielweisen der Instrumente ein sondern auch unterschiedliche Lautstärkern und Betonungen des Gesangs und der Töne. Durch diese zum Teil sehr detaillierten Inszenierungen wirken die einzelnen Lieder manchmal etwas zu komplex, vielleicht auch in Ansätzen einen Tick zu verspielt. Diese Eigenschaft liegt aber wohl allen Werken zugrunde, denen man die volle Aufmerksamkeit zuwenden sollte um sich der Musik voll und ganz erschließen zu können.
Ein kleines Meisterwerk - und für mich geheimer Höhepunkt dieser CD - ist das Instrumentalstück Sonnenuntergang. Es beginnt leise und sanft, baut sich über die Spieldauer immer ein Stück weiter auf um zum Schluss hin in einem sehr schönen und intensiven Finale zu münden.

Wer Licht- und Schattensaiten bereits kennt und Gefallen an früheren Werken gefunden hat, wird auch mit Herbstwärts seine Freuden haben. Für alle Anderen ist das neue Album eine Investition wert, die sich nicht zu sehr auf eine Stilistik festlegen und Musik zu schätzen wissen die mit Hingabe geschaffen wurde und etwas andersartige, experimentelle Grundzüge hat.

Zu bestellen gibt es Herbstwärts direkt bei Licht- und Schattensaiten für mindestens vier Euro.

01. Traum von Winter
02. Sonnenaufgang
03. Die Blüte im Sand
04. Weite Ebenen
05. Unausgeglichenheit, die Stille suchend
06. Weiterführung von Nr. 5
07. An die Freiheit
08. Spätsommertag
09. Reise
10. Herbstwärts
11. Sonnenuntergang
12. Trauerlied

Leviathan - Tentacles Of Whorror | 2004 | Moribund Records | CD | Black Metal

Leviathan, eine amerikanische Ein-Mann-Band, spielt düsteren, bizarren und morbiden Black Metal. Die CD Tentacles of whorror ist mir einer Spielzeit von über 72 Minuten lang ausgefallen und ist ordentlich aufgefüllt mit ruhigeren Klangpassagen und Momenten, die dunkel und wohl auch pervers klingen sollen, da der Gesang teilweise sehr extrem verzerrt und gekreischt ist; aber andererseits auch leise und wie ein fernes Rufen klingt. Die Stärken von Leviathan liegen dann auch tatsächlich im langsamen und atmosphärischen Bereich, dort spürt man, dass der Musiker sich bei der Gestaltung durchaus Gedanken gemacht hat und ihm die Umsetzung gelungen ist. Tentacles of whorror ist aber nicht durchgehend langsam und düster sondern zu gleichen Anteilen auch schnell und aggressiv. Das Album ist ein Wechselspiel dieser beiden Gegenstücke, die gemeinsam eine intensive eindringliche Stimmung schaffen, wobei das schnellere Material aber nicht ganz so überzeugen kann. Es wirkt manchmal etwas zu ideenlos und plump, ist aber auf einem soliden Sockel. Dieses Defizit kann man aber als Kontrast zur facettenreichen Strukturierung der bizarren Strecken und Arrangements betrachten. Alles in allem ein interessantes Werk, das Höhen und Tiefen hat und nach dem Hören nicht gleich aus dem Gedächtnis verschwindet.

01. What fresh hell
02. Heir to the noose of Ghoul
03. Cut, with the night into mine heart
04. A bouqet of blood for skull
05. Deciphering legend within the ...
06. A necessary mutilation
07. Vexed and vomit hexed
08. Tentacles of whorror (Revel the tyrant)
09. Requiem for a turd world
10. Blood, red and true: Part III
11. Mouth orifice bizarre
12. The history of rape

25.06.2004

Leichenbrand - Scheinwelt | 2004 | Eigenproduktion | CDR | Black Metal

Leichenbrand ist keine Band, es ist ein Zustand. So eine Information zu dem Werke Scheinwelt. Das trifft es wohl auch ganz gut, denn Leichebrand ist nicht nur ein Ein-Mann-Projekt sondern eine emotionale und gedankliche Konfrontation die vertont wurde und als Form von Scheinwelt geboren worden ist. So sind dann neun Titel entstanden die es auf knapp 50 Minuten Spielzeit bringen, immer wieder tauchen am Anfang eines Liedes wie auch mitten drin eingespielte Samples aus Filmen (die mir größtenteils unbekannt sind) auf. Allerdings sind sie geschickt und mit einem gewissen Fingerspitzengefühl arrangiert. Diese passen aber gut in die Atmosphäre von Leichenbrand, denn sie ist trotz einer relativ einfachen und eingängigen Stilistik vielschichtig ausgefallen. Der Gesang erinnert nicht selten - in seiner streckenweise beherrschenden Präsenz - an Todesstoß und erweckt dann einen hysterisch verzweifelten Eindruck. Beherrschende Präsenz auch deshalb, da das gesamte Material mit sehr einfachen Mitteln und Möglichkeiten aufgenommen worden ist und dafür einen stattlichen Klang aufweist. Das synthetische Schlagzeug besitzt einen kräftigen Druck, wie auch insgesamt die Spuren genügend Lautstärke und Vitalität haben. Jedoch wird es manchmal aber einfach zu laut, so dass der Klang auch schon mal unsauber und verwaschen ausfällt.

Scheinwelt ist musikalisch und klanglich sicherlich ein einfaches Werk, jedoch keines das anspruchslos ist. Das Songwriting kann gewissen Ansprüchen durchaus genügen. Die Gitarren bieten sehr interessante und überlegte Momente und selbst beim synthetischen Schlagzeug wurde gut nachgedacht und es nicht plump zum Taktgeber degradiert.


01. Ein Akt der Menschlichkeit - Ravenous
02. Selbsternannte Könige
03. Heute wird ein Gott geboren
04. Das Kinderzimmer
05. Ein Akt der Menschlichkeit - Menschmaschine
06. Das Ich dem Mob
07. Schizophren
08. Scheinwelt

Legion Of Sadism - Auf Gedeih und Verderb | 2004 | Christhunt Productions | CD | Black Metal

Auf Gedeih und Verderb ist ein seltsames Album. Seltsam vielleicht deshalb, weil es anders ist als die üblichen Erscheinungen im Bereich. Legion of Sadism lassen sich mit der aktuellen Scheibe nicht wirklich zuordnen oder klassifizieren. Sie bewegen sich sowohl eingängig und rau als auch schleppend und stampfend. Aber auch harmonische Aspekte wurden berücksichtigt und lassen sich durch kurzes Keyboardspiel in der Musik wieder finden. Auch der Gesang mutet in einem gewissen Sinne bizarr an, er ist nicht wirklich verzerrt, auch nicht wirklich klar, auch nicht wirklich gesungen und auch nicht wirklich gesprochen. An Eigenständigkeit fehlt es Auf Gedeih und Verderb definitiv nicht, doch fehlt mir persönlich eine gewisse imaginäre Linie durch das Album hindurch, das mir beim Hören hilft und eine gleich bleibende Atmosphäre schafft. Wenn es Legion of Sadism darauf angelegt haben sollten, bizarr oder vielleicht auch morbid zu klingen, haben sie dieses Vorhaben jedenfalls bravourös gemeistert.

Auf Gedeih und Verderb ist ein interessantes Werk, das sehr eigene Ideen bereit hält und durch seine andersartige Beschaffenheit nicht unbedingt für Jedermann leicht zugänglich ist.

01. Intro
02. Black Metal Kommando
03. Ich töte dich
04. Die Kolonne der Makabren
05. Pestival of violence
06. Im Glanze meiner Perversion
07. I live to give
08. Storming blaze of my existence

24.06.2004

Enthroned - XES Haereticum (Digipak) | 2004 | Napalm Records | CD | Black Metal

Enthroned bestätigen den Trend mit XES Haereticum, den sie nach dem äußerst schwachen Album Armoured bestial hell mit Carnage in worlds beyond ausgelöst haben. Trotz unzähliger Umbesetzungen im Bandgefüge – lediglich Sabathan und Nornagest sind von früher noch dabei – klingen die Belgier eindeutig nach der Band, die einst die bemerkenswerten Alben Prophecies of paganfire und Towards the skullthrone of satan publiziert hat. XES Haereticum hat alles, was man von einem Enthroned-Album erwartet: Schnelligkeit, Brutalität, Melodien, Soli und rapide Taktwechsel. Trotz des Rufes, eine Knüppel-Band zu sein, beweisen Enthroned auch mit dem inzwischen siebten Album, dass man Härte und Raserei sehr wohl mit subtilem Songwriting und verführerischen Melodien zusammen in einer Liedstruktur unterbringen kann.
Auch wenn die Arbeit am Schlagzeug nicht mehr ganz so einzigartig und anspruchsvoll ist wie zu Lebzeiten von Cernunnos, ist es dennoch beachtlich, mit welcher scheinbar eleganten Leichtigkeit, sich die schnellen Passagen mit Breaks, Double-Bass und ruhigeren Strecken ein Wechselspiel geben. Auch an den Gitarren wird nicht gelumpt, sie sind ständig hörbar und abwechslungsreich in Bewegung, viele Soli sind zu hören aber auch markantes Riffing kommt nicht zu kurz.

Enthroned haben ihre Hausaufgaben gemacht und mit XES Haereticum ein weiteres ordentliches Album veröffentlicht das wenig Anlass zur Kritik gibt. Für mich persönlich werden die ersten beiden Werke aber unerreicht bleiben, doch das ist sicherlich Geschmackssache.
Der Kreator-Coversong ist übrigens gut interpretiert, allein schon deshalb lohnt sich die geringe Mehrinvestition für das Digi-Pak.


01. Crimson legions
02. Dance of a thousand knives (Moksha Bhakti)
03. Last will
04. Blacker than black
05. Vortex of confusion
06. A.M.S.G.
07. Demon's claw
08. Night stalker
09. Seven plagues, seven wraths (XES Revelation)
10. Hellgium messiah
11. Crucified towards hells *
12. Satanic Metal Kult *
13. Under the guillotine (Kreator Cover) *


* Bonus auf Digi-Pak

20.06.2004

Krohm - A World Through Dead Eyes | 2004 | Vicious Records | CD | Black Metal

A world through dead eyes ist nach mehrjähriger Aktivität von Krohm nun das erste Album. Allerdings hat eine Steigerung und Ausweitung des Potentials das auf Crown of the ancients vorhanden war, nicht stattgefunden. Das ist schade, die neue Scheibe des Solo-Künstlers stagniert, ist zu platt und ohne bewegende Akzente. Die Musik ist düster und langsam gehalten, Gitarren und harmonische Hintergrundklänge besorgen die Atmosphäre. Aber es fehlt ganz klar das gewisse Etwas, es mangelt an Momenten und Inszenierungen die aufhorchen lassen. Das seichte melancholische Geplänkel langweilt viel zu schnell, als das sich ein Anreiz findet die Scheibe am Stück durchzuhören. Das ist schade, hatte ich mir insgeheim mehr von A world through dead eyes erhofft. Veröffentlichungen in diesem Bereich, scheinen aber tatsächlich einer gewissen Stagnation ausgesetzt zu sein, Xasthurs letztes Album war ja sehr ähnlich enttäuschend. Vielleicht eine Art Selbstreinigungsprozess in diesem Bereich depressiven Black Metals. Es fehlt an überzeugenden Akzenten bei Krohm und A world through dead eyes.

01. I suffer the astral woe
02. A lurking dream
03. The waning
04. When morning never returned
05. A world through dead eyes
06. Silence turn to gray
07. My hearse

Krieg - The Black House | 2004 | Darkland Records | Vinyl | Black Metal

Pünktlich bevor die Europa-Tournee beginnt, haben Krieg nach Destruction ritual ein neues komplettes Album veröffentlicht. Die Vinylversion, erschienen bei Darkland Records, beinhaltet einen Bonustitel und so gibt es 13 kompromisslose Attacken derben Black Metals mit der für die Band typischen verachtenden und bestialischen Härte. Das Krieg eine Erscheinung sind die ihr Ding gnadenlos durchziehen ist bestens bekannt und muss nicht erklärt werden. So gibt es auf The black house auch keine Überraschungen, was aber auch niemand erwartet haben dürfte. Krieg stellen mit dem Album genau das zur Verfügung, was man haben möchte. Black Metal der roh und brutal ist, was Titel wie Fallen princes of sightless visions exzellent auch tun. Dieser Titel ist mit über sechs Minuten Laufzeit relativ lang und vereint alle Vorzüge der Band. Das Lied ist aggressiv und schnell, schlicht in seiner Schnelligkeit aber auch langsam, schleppend und düster wobei die Gesänge variieren und während der schleppenden Passage - die von wunderbaren Gitarrenmelodien begleitet wird - sehr heftig und intensiv sind. Ähnlichkeiten zu der Split EP mit Satanic Warmaster sind nicht von der Hand zu weisen. Zieht man das vorherige Album Destruction ritual zum Vergleich heran, stellt The black house schon eine Steigerung dar. Denn die Stärken des neuen Werkes liegen in dem ausgeklügeltem Abwechslungsreichtum der sich über sämtliche Titel erstreckt. Trotz der geradlinigen und eingängigen Spielweise sind die einzelnen Lieder interessant gestaltet und bieten viele hörenswerte Momente wie etwa geschickt umgesetzte Breaks, Rhythmuswechsel, dunkle Melodien und die Kriegs typischen Gesänge. Zum Abschluß möchte ich nur noch sagen, das insbesondere die langsameren Momente von The black house wahre Höhepunkte sind.

01. Deconstructing the eternal tombs
02. Deviant
03. Nemesis
04. Fleshprison monolith
05. Fallen princes of sightless visions
06. A process of dying
07. Sickening voices without
08. Ruin under a burning sky
09. Without light
10. Murder without the burden of conscience
11. Venus in furs
12. Rooms
13. Coronation (Bonus auf Vinyl)

19.06.2004

Krieg - Patrick Bateman | 2004 | HCB | CD | Black Metal

Patrick Bateman ist der Protagonist in American Psycho. Ein Serienmörder. Krieg befassen sich musikalisch mit dieser Thematik und interpretieren sie in einem sehr rauen musikalischen Stil. Patrick Bateman ist die wohl seit langem heftigste Eruption von Imperial und Krieg. Zum Einen wurde nicht viel Wert auf eine saubere und gute Tonabmischung gelegt, zum Anderen ist auch das Material an sich roh, aggressiv und gemein. Es ähnelt sehr älterem Liedgut von Krieg. Ein schnellerer eingängiger Grundtakt und dazu die eindringlichen und lauten Gesänge Imperials. Von daher dürfte Partick Bateman vermutlich auch nur etwas für Freunde der Musik von Krieg sein, die nicht erst durch neure und harmonischere Veröffentlichungen des Amerikaners auf die Band aufmerksam geworden sind. Bisher ist Patrick Bateman nur als CD erhältlich, demnächst soll aber eine Vinylversion bei From Beyond in den Niederlanden erscheinen, die dann gegenüber der CD-Version noch zusätzliches Material enthält.


01.
02.
03.
04.
05.