10.06.2004

Indolenz - Monument morbider Projektionen | 2004 | Eigenproduktion | CDR | Black Death Metal

Monument morbider Projektionen ist bereits die vierte Demoveröffentlichung von Indolenz. Dieses mal als eine Neuerung erstmalig mit echtem Schlagzeug. Mir war von der Band bisher nur das Demo Kataklysmen irdischer Erinnerungen von 2001 bekannt und gleich vom ersten Augenblick an sind Veränderungen und Verbesserungen deutlich auszumachen. Monument morbider Projektionen ist kompakte und handliche Mischung aus schnellem und treibenden Black Metal mit eingestreuten Elementen des Death Metals. Indolenz wandeln dabei auf einer sehr eigenständigen Linie, denn die Beschaffenheit des Material ist trotz der prägnanten Kürze sehr vielschichtig. Neben der Schnelligkeit und des Gesangs bilden die Gitarren das dritte schlagkräftige Element von Monument morbider Projektionen. Sie werden sehr spielfreudig bedient und verleihen dem Ganzen den letzten Feinschliff einer interessanten und vor allem beachtlichen Veröffentlichung. Beachtlich deshalb, da Indolenz mit diesem Werk sich nicht in eine musikalische Grauzone begeben und im Durchschnitt untergehen sondern einen sehr eigenen Charakter haben. Darüber hinaus sei noch gesagt, das der Silberling für ein Demo sehr gut produziert ist und es am Klang nichts zu bemängeln gibt.

01. Psychogenesis
02. Hate divine
03. Zerrissen
04. Projekt Untergang
05. Alleys of grey substance
06. Jesus kaut mich Fragezeichen
07. Fötus Vogelfrei
08. Ecodus

Incriminated - Kings Of Misery | 2004 | From Beyond Productions | CD / Vinyl | Black Death Metal

Incriminated ist eine weitere finnische Band, in der ein Satanic Warmaster Mitglied - nach mehreren Besetzungsproblemen für diese Position - (Werwolf am Schlagzeug) sein Unwesen treibt. Nach sieben Jahren Bandbestehen hat das Trio nun über das neue Label aus den Niederlanden ein neues Album eingespielt und herausgebracht. Das Resultat ist den Erwartungen entsprechend: einfacher und dreckiger Death / Black Metal wie ihn 20 Jahre zuvor Größen wie Hellhammer und Venom fabriziert haben.

Wie schon damals, bewegen sich Incriminated in langsamen bis mittelschnellen Geschwindigkeiten - das Schlagzeug poltert richtig schön -, der Gesang ist fies und dann und wann wird ein Soli eingestreut. Incriminated wollen nicht ästhetischen, technischen oder anspruchsvollen Erwartungen entsprechen, mitnichten. Sie zelebrieren einfachen und rohen Metal, das nach allen Regeln der Kunst. Dabei entwickeln die Drei aber trotzdem ihren ganz eigenen rotzigen Charme, den man wohl entweder lieben oder hassen muss.

01. Filth hounds of misery
02. Tyrant usurper
03. Possessed by lycanthropy
04. Loveless
05. Militant aggressor
06. Uninvited guest
07. The king of misery

09.06.2004

In Battle - Welcome To Battlefield | 2004 | Metal Blade Records | CD | Death Metal

Welcome to battlefield ist ein technisches und brutales Death Metal Album, mit einigen Anleihen des Thash Metals. Die Schweden lassen das Schlagzeug zumeist punktuell genau, rasend durch das Lied ziehen und begleiten dies mit technischen Riffs. Zwischendurch gibt es immer mal wieder etwas gemächlichere Passagen, die ohne Brachialgewalt auskommen, dafür aber weitaus mehr stimmungsintensiv sind. In Battle können mit ihren Instrumenten sehr gut umgehen und sie ebenso einsetzen, auch vom Songwriting her haben sie einiges auf dem Kasten. Nur ist mir die schnell gespielte, technisch ausgelegte Death Metal Variation insgesamt zu farblos. Wer ausgefeilten und dabei extremen Metal mag, wird mit Welcome to battlefield durchaus seine Freuden haben können. Immerhin gibt es einige nette Momente herauszuhören, die In Battle sehr geschickt ins niederwalzende Geschehen eingebaut haben und aufzeigen dass auch brutaler und extremer Metal anspruchsvoll sein kann.

01. Shunned by life
02. Madness in the realm of war
03. Eldjättar
04. Scorched world
05. Soul metamorphosis
06. Despoter
07. Serpents
08. The blood divine
09. Stonefaced mountains
10. King god
11. Mass produced hybrid humans

Impurity - At The Gates Of Dawn | 2004 | Minas Ithiel Records | CD | Black Death Metal

Die geschichtlichen Wurzeln der österreichischen Gruppe Impurity reichen bis ins Jahr 1989 zurück. Das ist eine lange Zeit und dennoch waren sie mir bis heute völlig unbekannt, doch ändert sich dies nun glücklicher Weise mit At the gates of dawn, dem zweiten Album der Band. Impurity halten in den acht Titeln viele interessante und überraschende Momente und Ideen bereit, eine sehr abwechslungsreiche Mischung aus Death und Black Metal der phasenweise sogar recht thrashige Züge annehmen kann, wenn die Gitarren schön kreisend und schrummig daher kommen. Die Fünf agieren genau so antreibend und schnell wie auch stampfend und schleppend. Ganz gleich welche Stilistik gerade überwiegt, Impurity wirken dabei stets authentisch und überzeugend. Die Übergänge innerhalb der Lieder vom Death zum Black Metal geschehen sehr subtil und fliessend. Zum Einen arbeiten die Österreicher mit zwei verschiedenen Gesangsstimmen, einer grellen kreischigen sowie einer tiefen und dunklen; zum Anderen ist aber auch die Spielweise der Instrumente sehr variantenreich was dann insgesamt zu diesem abwechslungsreichen, lebendigen und sehr eigenen Stil der Band führt.

At the gates of dawn ist ein erstklassiges Album das nicht nur durch das Songwriting und die Umsetzung besticht sondern auch durch den produzierten warmen Klang zu gefallen weiß, der manchmal erkennen lässt, es nicht mit einer Vorzeigeband von einem nur an Profit orientierten Label zu tun zu haben. Trotz des anspruchsvollen und technischen Materials - welches sich ins keinster Weise hinter irgendwelchen Größen verstecken muss - bewahren Impurity eine wohlige untergründige Atmosphäre.

01. At the gates of dawn
02. World domination
03. Thy great infernal
04. Blood screams
05. Revelation in blood
06. Into the night's creation
07. On blackened wings
08. With blood on my hands

08.06.2004

Impiety - Paramount Evil | 2004 | Agonia Records | CD | Black Death Metal

Das neuste Werk Paramount evil steht den vorangegangen Alben in punkto Aggressivität und zerstörerischer Schlachthymnen in nichts nach. Das singapurisch-mexikanische Trio zelebriert wie schon zuletzt auf Kaos kommand 696 ein technisches Black-, Death-, Thrash Metal Feuerwerk der Sonderklasse. Jedenfalls was die technische brillante Umsetzung des sehr schwierigen und anspruchsvollen Materials betrifft. In der Hinsicht gibt es nichts zu meckern. Schlagwerk und Gitarren werden durchgehend auf höchstem Niveau mörderisch gequält, gerade der Schlagzeuger scheint wundersames zu vollbringen. Doch trotz aller Brillanz und Hochwertigkeit des Materials, müssen Impiety aufpassen nicht vom selben Schicksal ereilt zu werden, wie einst so geniale Bands wie Sodom, Kreator oder Destruction; die im Laufe der Zeit zwar brutale, technisch einwandfreie Werke produziert haben dabei aber analog ihren Charme und Charakter eingebüßt haben. Impiety haben zwar noch ein wenig von ihrer ganz eigenen speziellen Stimmung in den Liedern, doch sie hat merklich abgelassen. Zugunsten der technischen Brutalität geht einfach das gewisse Etwas flöten und nach und nach verwandelt man sich zu einer gesichtslosen Gruppe, wie unzählige andere auch.

Wie gesagt, Paramount evil ist kein schlechtes Album, doch gerade in anbetracht der bisherigen Werke von Impiety, hätte es doch etwas mehr sein können als nur technisch perfektes Gemetzel in gewohnter Manier abzuleiern.

01. Sunrise defloration
02. Carbonized
03. Reign the vulture
04. Indomitable fist of decius
05. Adonai made excrement
06. Pillars of perversion
07. Mighty Impiety
08. Sunset detonation

06.06.2004

Hypothermia - Suicide Fixation | 2004 | Total Holocaust Records | Kassette | Black Metal

Die Betitelung des Demos verrät schon viel über das enthaltende Material. Langsam und schleppend gehaltener Black Metal der eine dunkle suizidale Grundstimmung ausdrücken soll. Schmerz, Pein und eine schier fassungslose Verzweiflung sind im Silencer ähnlichen Gesang verankert, wobei der Gesang Hypothermias bei weitem nicht die Klasse von Silencer erreicht. Suicide fixation erweckt insgesamt einen zu lieblosen Eindruck. Lieblos deshalb, da auf der Kassette kaum ergreifende Akzente gesetzt werden. Dies mag durchaus daran liegen, dass zur Zeit zu viele ähnliche Tonträger angespült werden und Hypothermia nun einfach nur noch eine von Vielen sind. Das Grundtempo ist sehr langsam, ebenso die einfachen und vorausschaubaren Melodien und dazu der extreme Gesang. In dieser Form und in ähnlich Art zu oft schon da gewesen. Suicide fixation hat zu wenige eigene Ansätze die das Ganze interessant gestalten würden. Einer dieser positiven Ansätze ist die Umsetzung und Inszenierung der Rhythmuswechsel, die Einarbeitung von Breaks und Double-Bass, die durchaus einen interessanten Wert haben. Doch auf die Gesamtlänge bezogen, ist es einfach zu wenig und zu schwach.

01. Intro
02. Självhat
03. Evig kyla
04. Your misery
05. Outro

03.06.2004

Hati - Trauer, Krieg, Verzweiflung & Hass | 2004 | Black Empire Records / Vagulf Production | CD | Black Metal

Hati haben neues Material vorgelegt und sie klingen wie bisher aggressiv, doch weniger kriegerisch als zuletzt auf der Split mit Katarkh und Grabschänder respektive Auf in den Kampf. Es wurde ein wenig die Geschwindigkeit gedrosselt und auch der Klang trägt wohl erheblich zur Differenz bei. Trauer, Krieg, Verzweiflung & Hass wirkt vom Klangbild her warm und lebendig und versprüht eine seichte und angenehme Demo-Atmosphäre. Musikalisch geht es weiterhin treibend voran, angepeitscht durch den sehr charismatischen und durchdringenden Gesang welcher den Titeln den letzten Schliff zerstörerischer Stimmung einhaucht. Gerade im Zusammenwirken mit dem lebendigen Klang, dem dumpfen Schlagzeug und den kreisenden Gitarren ist Trauer, Krieg, Verzweiflung & Hass ein Werk deutschen Black Metals geworden, dass einen ganz eigenen Charakterzug trägt und eigenständig ist, sich nicht einfach in die Reihe bewährter und solider Veröffentlichungen gliedert. Auf der CD sind mehrere leere versteckte Stücke sowie noch zwei Lieder enthalten. Es ist geplant in von dem Album eine Vinylversion zu veröffentlichen. Zudem stehen noch zwei Split Veröffentlichungen mit Amalek und Yersinia an.

01. Intro
02. Feuersturm
03. Endlose Stille
04. Engelszerstörung
05. Instrumental
06. Trauer, Krieg, Verzweiflung & Hass
07. Todessehnsucht (Visionen von Schmerzen II)
08. Ich hasse alles was lebt
09. Grabgesänge
10. Outro

01.06.2004

Interview: Indolenz


HATEFUL METAL: Hallo Patrick,
kürzlich ist eure vierte Demo-CD "Monument morbider Projektionen" erschienen. Trotz der nicht gerade geringen Zahl an Veröffentlichungen, dürften Indolenz den Meisten kein Begriff sein. Deshalb erzähle doch bitte eingangs mal etwas über euch.


INDOLENZ: Unsere Band besteht nun seit rund 5 Jahren. "Indolenz" sind:

Daniel: Gesang und Gitarre
Floris: Schlagzeug
Jesco: Bass
Patrick: Gitarre und Keyboard

Am Anfang waren Floris und Jesco noch nicht dabei, und so haben wir zu zweit die ersten 3 CDs am heimischen PC aufgenommen, wobei wir einen Drumcomputer einsetzten. Erst Ende 2001 haben wir angefangen, in der kompletten Besetzung zu spielen und hatten seither einige Live-Auftritte im Umkreis Wilhelmshavens. Im Frühjahr 2004 haben wir unsere erste CD mit echtem Schlagzeug aufgenommen ("Monument morbider Projektionen"), die Musikrichtung kann man am ehesten als Blackmetal mit einigen Deathmetal-Einflüssen beschreiben, wobei wir keine Coversongs spielen, sondern ausschließlich Eigenkompositionen.



Mir sind lediglich zwei Werke von euch bekannt, das Letzte sowie "Kataklysmen irdischer Erinnerung". Zwischen beiden CDs liegen Welten. Wie kam es zu diesen heftigen Veränderungen?


Die Veränderungen würde ich gar nicht als allzu groß beschreiben, da wir auch auf den alten Alben Black Metal mit Death Metal-Einflüssen gespielt haben. Die neuen Songs sind jedoch schneller als die alten, und das Keyboard ist in den Hintergrund getreten. Außerdem ist das Schlagzeug jetzt viel druckvoller und abwechslungsreicher.
Der Sound hat sich im Gegensatz zu den Aufnahmen am heimischen PC schon sehr viel verbessert und unsere Fähigkeiten an den Instrumenten werden natürlich im Laufe der Jahre auch immer besser, so dass sich immer mehr Möglichkeiten bieten. Die alten Songs waren doch immer sehr einfach und voraussehbar gehalten, die neuen Leider werden immer abwechslungsreicher und von den Gitarren her komplizierter. Trotzdem versuchen wir, dass die Lieder eingängig bleiben und Wiedererkennungswert haben.



Für die Aufnahmen zu "Monument morbider Projektionen" habt ihr erstmalig auf ein echtes Schlagzeug zurückgegriffen, wie sind eure Erfahrungen damit und seid ihr insgesamt zufrieden mit der neuen Veröffentlichung?



Der Einsatz von echtem Schlagzeug war genau der richtige Weg, da es viel besser klingt als der Drumcomputer, und unser Schlagzeuger zu den Songs seine eigenen Ideen mit einbringt. Außerdem wären ohne ihn keine Live-Auftritte möglich. Bei den Aufnahmen zur nächsten CD werden wir uns bemühen, spezielle Schlagzeugmikrofone zu besorgen, um den Klang weiter zu verfeinern.
Mit dem Klang der neuen CD sind wir insoweit zufrieden, dass wir aus unseren verfügbaren Möglichkeiten das Maximale rausgeholt haben. Bei der nächsten CD werden wir versuchen durch andere Aufnahmetechniken noch mehr rauszuholen; vielleicht ist bis dahin ja auch ein Tonstudio finanzierbar. Aber 100% zufrieden kann man mit seiner eigenen Musik sowieso niemals sein,weil einem im Nachhinein immer noch Details einfallen, die man hätte anders oder besser machen können.



Die Scheibe ist viel aggressiver und schneller als das mir sonst bekannte Material, auch sind gesangliche Anleihen des Death Metals enthalten. Ist das eine Entwicklung in einer Richtung, die ihr weiter gehen möchtet oder wird eine nächste Indolenz-Veröffentlichung wieder ganz anders?


Der Wechsel zwischen Black- und Death Metal-Gesang ist auf allen Alben von uns vertreten. Das wird auch auf der nächsten CD wieder so sein, eventuell wird bis dahin unser Sänger auch noch von unserem Bassisten gesanglich unterstützt. Außerdem überlegen wir, für einige melodiöse Parts eine Frauenstimme einzusetzen.
Auf der nächsten CD werden wahrscheinlich nicht nur schnelle Black Metal-Songs vertreten sein, sondern auch einige langsamere und eingängigere Death Metal-Titel. Aber genau kann man das noch nicht sagen, da wir noch nicht viele neue Songs geschrieben haben, und auch noch nicht klar ist, welche letztendlich aufgenommen werden und welche im Mülleimer landen.



Weshalb weiblicher Gesang? Besteht dabei nicht eventuell die Gefahr, eure stilistische Eigenständigkeit zu entfremden oder ein Stück weit abzulegen?


Der angedachte Frauengesang wäre dann wirklich nur als melodische Untermalung zu einigen wenigen Parts. Die Frauenstimme wird also nicht als zweite Kraft neben unserem Sänger agieren, sondern nur ganz gezielt eingesetzt. Ob wir uns überhaupt dafür oder dagegen entscheiden ist noch nicht abzusehen. Wir schreiben gerade an einem Song, in dem die Frauenstimme eingesetzt werden soll. Ob das dann letztendlich so klingt, wie wir uns das zur Zeit vorstellen, werden wir dann sehen.



Soweit ich weiß, habt ihr eure Demo-CDs alle in Eigenregie herausgebracht. Gibt es denn Anstrengungen oder Überlegungen ein richtiges Album, vielleicht unter dem Banner einer Plattenfirma, aufzunehmen oder seid ihr nicht daran interessiert einen größeren Hörerkreis mit eurer Musik zu erreichen?


Natürlich wäre es schön, eine Plattenfirma zu finden, die uns Aufnahmen im Tonstudio ermöglicht. Daher ist eine Promotion-CD mit 3 oder 4 Tracks in Planung, die wir an verschiedene Labels schicken wollen. Wenn man sich die Mühe macht und stundenlang im Proberaum steht und seine Freizeit in die Songentwicklung steckt, möchte man natürlich auch möglichst viele Menschen damit erreichen. Vielleicht ist ja die nächste CD schon dafür bereit.



Die Gestaltung der CDs ist ja sehr aufwändig und professionell. Auch textlich
entsprecht ihr nicht gerade dem gewöhnlichen Durchschnitt in diesem musikalischen Bereich. Steckt darin ein gewisser Drang zur Perfektion, ein möglichst hervorragendes Gesamtbild zu schaffen oder ist es für euch einfach nur selbstverständlich, eure Veröffentlichungen in einem gewissen "qualitativen" Umfang zu kreieren?


Ich empfinde es als selbstverständlich, ein ordentliches Booklet mit ausgefallenen Texten anzubieten. Schließlich erwartet man beim Kauf einer CD nicht nur gute Songs, sondern ein passendes Gesamtkonzept. Besonders bei diesen extremen Musikrichtungen kann man den Gesang kaum verstehen, deshalb sind wir selber immer enttäuscht, wenn bei einer CD keine Texte abgedruckt sind. Bei einigen Bands könnte ich es allerdings verstehen, wenn sie ihre Texte nicht abdrucken. Wenn man Texte schreibt, dann sollen sie etwas aussagen, Atmosphäre schaffen, oder zumindest irgendeinen Sinn oder Zweck erfüllen, und nicht immer wieder davon handeln, wie jemand auf dem Friedhof steht, und Satan heraufbeschwört, um zu zeigen wie "evil" man doch ist.



Wie entstehen eure Texte? Liednamen wie "Jesus kaut mich Fragezeichen" oder "Fötus Vogelfrei" erinnern mich an die bizarren Bethlehem.


In der Tat entstehen die meisten Lieder in mondlosen Nächten, wenn das Gezirpe der Regenwürmer, die in ihren Reagenzgläsern, der Größe nach angeordnet, mit ihren großen Kinderaugen traurig blickend, außerordentlich schlafraubend wirkt und der Erzengel Gabriel, der, meine Schuhe zubindend, im Zimmer kniet, Trübsal zählt. Denn die Synthese aus These und Antithese ergibt immer noch Mayonnaise.
Dann denke ich oft daran, wie es wäre, einen Frosch zu föhnen oder ein Poster von einem Glas Remoulade zu trinken - doch wenn ich dabei zusehe, wie sich die Gardinen vergilben und mein Brot im Kühlschrank sich einen warmen Pelz aus Schimmel überzieht, dann lege ich eine CD in den Plattenspieler und lasse meine fünf Finger der einen Hand, einen transparenten Kugelschreiber umklammernd, wahllose Zeichen auf einem Stück Pappkarton formen. Aus diesem Alptraum erwachend wird das Geschriebene in der nächsten Anti-Nacht den Akteuren vorgezeigt und für immer so befunden, als ob es doch so wäre. Doppelpunkt minus Klammer zu.



Seit ihr einfach nur mehr oder weniger literaturbegeistert - ihr habt Texte von Poe und Baudelaire verwendet - oder steckt dahinter ein tieferer Sinn und Gedanke, den ihr ganzheitlich mit Indolenz vertreten und artikulieren möchtet?


Speziell unser Sänger ist sehr lyrikbegeistert - und da er fand, dass diese Texte von Baudelaire, Poe sowie auch Benn aufgrund ihrer Konzeption, Thematik und Atmosphäre sich sehr gut in unser Gesamtkonzept einfügen, entschlossen wir uns dazu, sie zu vertonen. Es ist quasi unsere Hommage an die Dichtkunst jener alten Meister, die auch noch - im besten Falle - dazu dienen könnte, deren Texte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sowie das Interesse an ihnen zu wecken.



Weshalb habt ihr den lateinischen Namen "Indolenz" gewählt? Das heißt ja so viel, wie Unempfindlichkeit gegen Schmerz; seelische Trägheit.


Als es an der Zeit war, einen Bandnamen zu finden, stieß ich zufällig auf das Wort "Indolenz" und fand, dass jenes Wort perfekt passt:
Die Interpretation der Schmerzlosigkeit schien uns erstrebenswert, da man in diesem Zustand, wie auch immer er erreicht wird, unabhängig von säkularer Trivialität ist - die Interpretation der Gleichgültigkeit/Trägheit/Abstumpfung schien uns als Kritik an der derzeitigen und immer noch anhaltenden Mentalität der Menschen durchaus passend und vereinbar mit der ersten Wortbedeutung, so dass wir uns übereinstimmend für diesen Namen entschieden.



Das ist eine sehr interessante Namensfindung, nicht nur weil sie inhaltlich eine gewisse Tiefe und Bedachtheit enthält sondern sich auch deutlich von der im Black Metal weit verbreiteten Ideenarmut unterscheidet, wo meisten Namen aus der Edda oder eines beliebten und verfilmten Romans entnommen werden. Kannst Du eure Kritik an die Mentalität der Menschen etwas genauer erklären?


Hast du schon einmal den Film "Eraserhead" von David Lynch gesehen? Wenn ja, dann wird dir wahrscheinlich auch die Atmosphäre des Films in Erinnerung geblieben sein - die Tristesse und Monotonie des alltäglichen Lebens, die uns Menschen derart abstumpfen läßt, dass alles in grauer Gleichgültigkeit versinkt. So sahen wir zu dem Zeitpunkt - und tun es auch jetzt immer noch - die Mentalität des Menschen, denn es ist ein seltsam-düsteres Bild, das die Existenz in gesichtsloser Horden Leere malt.



Nein, den Filme habe ich bisher noch nicht gesehen. Vielleicht sollte ich das mal tun. Gibt es seitens der Hörer oder anderer Magazine Resonanzen und seid ihr für euch zufrieden damit?


Resonanzen seitens der Hörer gibt es immer wieder, besonders oft natürlich nach Konzerten. Die Kritiken sind durchweg positiv, obwohl die Musikrichtung nicht jedem gefällt, da Blackmetal ja nicht gerade massenkompatibel ist. Daher ist ein Lob von jemanden, der mit der Musikrichtung eigentlich nichts anfangen kann noch höher zu werten.
Von unseren CDs gibt es diverse Reviews in mehreren gedruckten Magazinen und im Internet (Legacy, Mordor-Magazin, Hateful Metal, etc.). Mit den Kritiken können wir sehr gut leben, da alle unseren eigenen Stil und die ausgefallenen Texte positiv bewerten. Einziger Schwachpunkt ist bei vielen Kritiken der Sound, da wir immer noch nicht in der Lage sind, im Tonstudio aufzunehmen. Einige loben uns für das melodiöse Keyboard, andere mögen das Keyboard nicht, aber man kann es halt nicht jedem recht machen, denn dafür gibt es einfach viel zu viele verschiedene Meinungen und Geschmäcker. Wir machen die Musik, die uns selber Spaß macht, und die wir selber gerne hören. Trotzdem sind wir auch für Verbesserungsvorschläge immer offen und nehmen auch negative Kritik als Ansporn noch bessere Lieder zu schreiben.



Im April hattet ihr einen Liveauftritt in Wilhelmshaven, wie ist es für euch gewesen?


Wir haben als Vorgruppe von "Seventh Avenue" gespielt, die gerade von ihrer Brasilien-Tour wiedergekehrt sind. Da "Seventh Avenue" um ein vielfaches bekannter sind als wir, hatten wir anfangs schon etwas Angst, dass niemand uns hören will, sondern alle auf die Hauptband warten.
Als wir dann anfingen zu spielen, war der Saal voll, und die Stimmung war super. Als wir nach ca. einer Stunde unser komplettes Programm mit Zugaben gespielt hatten, und es Zeit für den Hauptact war, leerte sich der Saal rasch, und es blieben nur noch etwa 20 Leute da, um sich "Seventh Avenue" anzusehen. Das hat uns sehr erstaunt. Natürlich haben wir in unserer Heimatstadt gespielt, und viele Leute kannten uns, aber dass kaum jemand wegen dem Hauptact da war, war doch sehr überraschend für uns.



Gibt es öfters Konzerte von Indolenz oder sind das seltene Ausnahmen?


Wir bemühen uns immer wieder um Auftrittsmöglichkeiten, aber in unserer Region ist es sehr schwer etwas zu finden, wo man mit Blackmetal auftreten kann. Daher hatten wir bisher erst fünf Konzerte geben können. Für weitere Auftrittsmöglichkeiten sind wir immer dankbar, denn schließlich macht man ja dafür Musik und probt mehrmals die Woche. Sobald wieder neue Termine anstehen werden diese auf unserer Homepage bekannt gegeben.



Ich danke Dir für das Gespräch und überlasse Dir das letzte Wort.


Vielen Dank für das Interview. Wer neugierig geworden ist, der kann sich unter unserer Homepage einen kompletten Song der neuen CD "Monument morbider Projektionen" als MP3 runterladen oder gleich die CD bestellen.