30.08.2010

Inhuman Hate - Twilight Of A Lost Soul | 2010 | Eisenwald | CD | Black Metal

Twilight of a Lost Soul lautet der Name des dritten Albums von Inhuman Hate. Da ich die Gruppe bisher nicht kannte, hatte ich also keine Vorstellung von der Musik, die mich erwartete. Laut Eisenwald handelt es sich um traurigen Black / Doom Metal. Diese Mischung kann sehr gut und interessant sein, auch wenn ich aufgrund des Gruppennamens eher auf Raserei und Brachialgewalt getippt hatte.

Am Anfang steht mit über 15 Minuten Spielzeit das mit Abstand längste Lied. Es geleitet ruhig und atmosphärisch ins Werk. Anfänglich sind sanfte Klargitarren und Wassergeplätscher zu hören. Irgendwann nimmt die Intensität zu, kraftvolle Riffs, melodische Gitarrenläufe, treibendes Schlagwerk und Gesang kommen hinzu. Dennoch bleibt es ruhig und atmosphärisch, eine gewisse Melancholie breitet sich aus. Inhuman Hate nimmt sich in diesem Auftakt viel Zeit, um mittels Melodik und emotionalem Gesang, eine dichte Stimmung aufzubauen. Bei mir klappt das allerdings nur bedingt, da ich die 15 Minuten als etwas langatmig empfinde. Im zweiten Lied ist das Tempo von Beginn an schnell und treibend. Doch aufgrund des weiterhin ruhigen Gesanges sowie der Melodieführung bleibt es auch hier schwermütig, zumal das Tempo irgendwann gedrosselt und von einer klaren Akustikpassage mit sphärischen Gitarren abgelöst wird. Dieser Part gefällt mir verdammt gut, vor allem, weil diese sphärische Gitarre leise vom variabel gespielten Schlagzeug begleitet und schließlich verdrängt wird, ehe sich die Gitarre dann mit einem melodischen Soli zurück meldet. Das Schlagzeug ist auf dem Album ohnehin ein guter Faktor, der allerdings droht, inmitten der Riffwände und Melodien, unterzugehen. Zum Einen ist der Klang des Schlagwerks sehr gut, da enorm druck- und schwungvoll. Zum Anderen gefällt mir auch die Spielweise, da diese - sofern es das Songwriting vorsieht - durchaus spielerisch anspruchsvoll und vielfältig ist. II ist jedenfalls ein gutes, abwechslungsreiches Lied.
III besteht vor allem aus Stimmen, die entweder geflüstert oder geschrien wurden, und von düsteren Ambientklängen begleitet werden. Das ist ganz nett und kurzweilig auch ansprechend, wenn man es als kurze Überleitung inszeniert. Aber die fünfeinhalb Minuten, die der Titel für sich beschlagnahmt, scheinen mir zu lang. IV beginnt dunkelmelancholisch mit Piano, Cello und dumpfem Donnergrollen. So weit, so gut. Doch dabei bleibt es leider nicht und Inhuman Hate spielt fortan melodisch, rockig und mit gefühlvollem Klargesang auf, was mich ein wenig an Gothic Rock denken lässt. Mir gefällt es überhaupt nicht, und wahrscheinlich wird dieses Lied entweder geliebt oder gehasst werden. Zum Glück gibt es abschließend noch das fünfte Lied, welches den Karren wieder etwas aus den Dreck zieht. Das Lied ist schwer, dunkel und kraftvoll, die angekündigten Doom-Einlagen kommen zum Tragen. Die düsteren Riffs, zum Teil sehr tief und mächtig - die Bassgitarre wabert bedrohlich im Hintergrund - harmonieren exzellent mit dem Schlagwerk. V ist ein tolles Lied das sogar ohne den Gesang genau so gelungen und ansprechend wäre.

Twilight of a Lost Soul ist eine sehr abwechslungsreiche und launische Platte, die keiner klaren Linie folgt. Das Liedgut ist sehr unterschiedlich beschaffen und die einzige Gemeinsamkeit ist wohl die latente Melancholie in der Musik. Es gibt Lieder, die mir auf Anhieb sehr gut gefallen haben (II und V). I und III kann ich noch durchgehen lassen, doch das vierte Lied mit dem Klargesang löst in mir die sofortige Betätigung der Überspringentaste aus. Ein Fazit kann ich deshalb nicht wirklich treffen. Man muss die Scheibe selbst probieren, dafür allerdings eine Neigung für melancholischen Metal mitbringen.


6/10
Aceust

01. I
02. II
03. III
04. IV
05. V

Mystérion - The Sacral Chamber | 2010 | Karge Welten Kunstverlag | CD | Black Metal

Mystérion wurde erst im Sommer 2008 gegründet und kann schon auf einige Musikerwechsel zurück blicken. So fehlen inzwischen zwei Musiker, Gitarrist Daevas wurde durch M. ersetzt und für Schlagzeuger Deathdealer rückte Basilisk nach, die diese Debüt-MCD eingespielt haben. Für die Begutachtung von The Sacral Chamber ist dies allerdings irrelevant. Obwohl neun Titel stark, kommt das Debüt nur auf 24 Minuten Spielzeit. Denn jedes der drei Kapitel besteht aus einer eigenen Einleitung, sodass am Ende sechs "echte" Lieder übrig bleiben. Ungeachtet dieser Einleitungen ist The Sacral Chamber trotzdem eine insgesamt abwechslungsbehaftete Scheibe, deren Oberkategorie zwar durchaus der orthodoxe oder religiöse Black Metal ist, die aber dennoch alles andere als geradlinig und eingängig daher kommt. Neben brutaler sowie rigoroser Schnelligkeit probiert man bei Mystérion auch immer wieder melodische oder stimmungsvolle Elemente aus. In Death in the Circle of Candles ist es am Ende beispielsweise eine ruhige Passage mit klagendem Gesang, den man so sehr gut bei depressivem Black Metal verwenden könnte. The Cold Mist ist ein musikalisch etwas eigenwilliges Lied, welches schleppend und kraftvoll ist und wenig Abwechslung bietet. Das Lied besitzt eine rituelle Atmosphäre, resultierend aus der Monotonie der Riffs und kurzweiligem Chorgesang.

Neben der gepflegten Langsamkeit von The Cold Mist gibt es aber auch Lieder, die flott, treibend und schnell sind. Auf The Sacral Chamber gibt es absolut nichts Neues zu hören. Dafür ist das Altbekannte aber grundsolide und überzeugend, zumal auch der Klang zu gefallen weiß, da er die Instrumente klar und differenziert wiedergibt, ohne überproduziert zu sein. Manch ein Riff, die durch die Bank alle gut sind, kommt mir zwar bekannt vor, doch das stört überhaupt nicht. Für ein Debüt stellt The Sacral Chamber also eine gelungene Sache dar, auch wenn es nicht der große Wurf ist. Es fehlen noch die ganz großen Momente. Mal abwarten, wie sich Mystérion mit Basilisk am Schlagzeug und Bass Gitarrist M. machen wird.


6/10
Aceust

01. Chapter I (The beginning of the end)
02. Death in the circle of candles
03. The cold mist
04. Chapter II (Only the dead know the secret)
05. The eye of the devil
06. Deadly silent
07. Chapter III (Walk through the open gates)
08. Battle with the king of dead
09. The truth is now revealed

Midvinter - At The Sight Of The Apocalypse Dragon | 2009 | Frostscald Records | CD | Black Metal

Frostscald Records und Bands aus Schweden, das scheint eine nicht gerade seltene Kombination zu sein. Vor gut 13 Jahren wurde mit At The Sight Of The Apocalypse Dragon der Erstling der Schweden von Midvinter veröffentlicht, danach löste sich die Gruppe auf. Nach vielen Jahren der Abstinenz fand die Band aber wieder zusammen und es steht sogar neues Material in Aussicht. In der heutigen Rezension geht es jedoch um ihr erstes und bis dato einziges Album. Wer das schon sein Eigen nennt, für den besteht keinerlei Anreiz, sich das Album erneut zu kaufen, denn außer der Aufmachung blieb alles unverändert. Man spendierte dem Album keine Klangüberarbeitung und Bonusmaterial gibt es auch nicht (den einzig bisher unveröffentlichten Text zum letzten Lied mal ausgenommen) – ich finde das nicht weiter schlimm, zumal so eine klangliche Aufbereitung nicht immer ein Pluspunkt sein muss, da kann viel schief gehen. Ob die Klangkulisse überhaupt einer Überarbeitung bedarf und ob die Welt genau auf diese Wiederveröffentlichung gewartet hat, darauf werde ich später zurückkommen.

Alle Mitglieder hatten innerhalb der schwedischen Szene andere Betätigungsfelder (unter anderem zeitweise Setherial und Sorhin) und auch At The Sight Of The Apocalypse Dragon kann man die Herkunft durchaus anhören. Gleich zu Beginn offenbart das melodische Gitarrenwerk bereits eine nicht zu leugnende schwedische Note, die für das Album prägend ist. Ebenso prägend sind die  ausladenden Strukturen, bis auf das letzte überschreitet nämlich jedes Lied die 8 Minuten. Innerhalb der Lieder mangelt es nicht an Abwechslung, man geizte nicht mit ordentlicher Raserei, aber auch gemäßigte Momente wurden reichlich eingebaut. Zur Unterstützung der Gitarren zog man immer wieder das Keyboard heran, das durch gutes Einfügen ins Gesamtkonstrukt nicht überpräsent wirkt und somit eine Bereicherung darstellt. Heraus kam dabei durchweg episches Album, das zwar nicht geradlinig verläuft, aber dennoch gut ins Ohr geht. Schwerwiegende Kritikpunkte gibt es auf  At The Sight Of The Apocalypse Dragon nicht! Der Kreischgesang ist sehr gefällig, der Klargesang nicht spektakulär aber in Ordnung und an den Instrumenten wirkt auch niemand deplatziert. Obwohl es nicht schlecht gespielt ist, hätte das Schlagwerk allerdings mehr Finesse gebrauchen können. Der eine oder andere Wirbel mehr hätte zum Beispiel gut getan und die Lieder noch dynamischer gemacht. Letztlich bleibt das aber eine Kleinigkeit, die ich ohne weiteres verkraften kann. Hinsichtlich der Güte des Klangs zählten Midvinter sicher nicht zur Speerspitze der damaligen Zeit, aber alles in allem ist das eine runde Sache und daher geht es auch vollkommen in Ordnung, daß der Klang bei der Wiederveröffentlichung unverändert blieb.

So einige Hördurchgänge hat At The Sight Of The Apocalypse Dragon hinter sich und ich muss feststellen, daß da kein verschollener Klassiker ausgegraben wurde. Zu hoch gegriffen wäre diese Einschätzung – dennoch bleibt es ein richtig gutes Werk und eine absolut gerechtfertigte Wiederveröffentlichung! Gute Zutaten wurden gut verarbeitet, lediglich in der Gesamtheit fehlt der Kreation das spezielle Etwas, das ein geniales Album von einem guten unterscheidet. Dennoch: Die Schweden nehmen das Gespür für gute Melodien anscheinend mit der Muttermilch auf! Midvinter sind also für alle, die auf melodischen Black Metal schwedischer Prägung stehen, eine gute Adresse zum Antesten! Wann das neue Material tatsächlich veröffentlicht wird, bleibt abzuwarten, die ersten Hörproben im Rohformat wecken aber bereits Interesse.


7,5/10
Der Einsiedler

01. Dödfödd / Stillborn
02. All things to end are made
03. Moonbound
04. Hope rides on devil wings
05. Dreamslave
06. Nocticula in aeternum / Of night primeval
07. Ett liv förnekat
08. De vises hymn

29.08.2010

Sorgeldom - Inner Receivings | 2010 | Nordvis | CD | Black Metal

Obwohl Sorgeldoms Debüt erst im vergangenen Jahr das Licht der Welt erblickte, erschien im Frühsommer bereits der zweite Streich. Neben dem Wechsel der Plattenfirma vollzog man bei Sorgeldom darüber hinaus auch eine musikalische Entwicklung. Bereits auf Innerlig Förmörkelse sparte man nicht mit atmosphärischen, akustischen Einlagen. Diese wurden nun auf dem aktuellen Album weiter ausgebaut. So streut Sorgeldom immer wieder Passagen oder auch ganze Lieder ein, in denen ganz klar Einflüsse aus Post-Rock und Shoegaze wiedergegeben werden. Da verwundert es auch nicht, dass man AE von Whirling als Gastsänger gewinnen konnte.

Inner Receivings ist aber nicht nur melodisch, lieb und nett. Black Metal, der auch sehr schnell und grimmig ist, gibt es auch. Dieser ist, wie schon auf dem Debüt, sehr riffbetont und von zahlreichen Tempowechseln geprägt. Stellenweise wird er schon sehr technisch und komplex, wie im Titellied etwa, wenn häufige Tempowechsel und extrem lebendiges Riffing das Klangbild bestimmen. Im Titellied kommt dann auch noch Klargesang hinzu, den man übrigens auch im Slowdive-Cover Summer Day hören kann. Ich kenne weder Slowdive noch besagtes Lied. Von daher ist es für mich auch gewöhnungsbedürftig, da es sich bei dem Original wohl um Shoegaze handelt. Jedenfalls ist Summer Day atmosphärisch und melodisch und erinnert mich mit seiner Stimmung irgendwie an die 80iger Jahre.

Sorgeldom hat mich mit Inner Receivings in jedem Fall überrascht, da ich nach dem Debüt solch ein Album mit hohem Anteil an akustischen Passagen, niemals erwartet hatte. Nun kann ich in der Regel nicht viel mit solcher Vermischung von Post-Rock und (Black) Metal anfangen, ich erinnere nur an Fens The Malediction Fields. Bei Sorgeldom und Inner Receivings sagt mir das alles aber schon mehr zu, da die melodischen und sphärischen Gitarren viel bessere Harmonien erzeugen, aber auch, da es Sorgeldom schafft, der Musik eine gewisse Schwermut und Ernsthaftigkeit einzuhauchen. Selbst die Klargesänge empfinde ich nicht als grässlich, auch wenn ich sie nicht als unabdingbar erachte. Wer also mit besagten Musikstilen vertraut ist und sie zu schätzen weiß, wird hiermit wohl ein wunderbares Album erwerben. Für Anhänger des reinen Black Metals ist Inner Receivings aber definitiv nichts.


8/10
Aceust

01. I kloaken lättar vi ankar
02. The cold empty void
03. Vintern var hård
04. Dårskapens karneval
05. Summer day (Slowdive Cover)
06. Inner receivings
07. Drömmarnas galax
08. I väntan på telefonsamtalet
09. Dyk

27.08.2010

Lekamen Illusionen Kallet - Lekamen Illusionen Kallet | 2010 | Frostscald Records | CD | Black Metal

Komplettiert wird die LIK-Wiederveröffentlichungsreihe mit der 2007 erschienen MCD Lekamen Illusionen Kallet, was übrigens der ausgeschriebene Name von LIK ist. Die 2007er Version von Agonia Records war klanglich fehlerhaft und hatte eine falsche Liederreihenfolge, weshalb diese Neuauflage auch für jene von Interesse sein dürfte, die Lekamen Illusionen Kallet bereits besitzen.

Natürlich gibt es auch hier düsteren "Black Rock". Der Klang ist allerdings nicht ganz so druckvoll und klar wie auf Besvärtade Strofer, weshalb die vier Stücke etwas dunkler und schwerer wirken. In Vredens Trolldom ist Graavs Riffing phasenweise sehr eigenwillig, leb- und sprunghaft, was einerseits interessant ist, sich andererseits aber auch exakt auf dem schmalen Grat zur Verspieltheit befindet. Allerdings sind in Vredens Trolldom auch erstmalig sehr dezent platzierte Keyboardklänge zu hören, die allerdings überaus minimal und auch nur punktuell zum Einsatz kommen. Diese Klangmomente gefallen mir übrigens sehr gut, da sie der Musik eine besondere Schwere und Tiefe verleihen. Zum Abschluss folgt der instrumentale Ausklang Visioner Om En Ödslig Framtid, welcher zwar ohne besondere Momente auskommt, sich deshalb aber gerade durch eine kontinuierliche, ruhige Melancholie auszeichnet.

Nach dieser Veröffentlichung wurde LIK von Graav damals ja zu Grabe getragen. Im Juni ließ er allerdings verlautbaren, LIK würde es nach dreijähriger Pause wieder geben. Demnach ist wohl bald mit neuem Material zu rechnen. Mir gefällt Lekamen Illusionen Kallet von den drei Werken LIKs jedenfalls am besten, da es die obskurste Platte ist.


7,5/10
Aceust

01. I tidens ände är det tron som består
02. Röd puls
03. Vredens trolldom
04. Visioner om en ödslig framtid

Lekamen Illusionen Kallet - Besvärtade Strofer | 2010 | Frostscald Records | CD | Black Metal

2005, zwei Jahre nach dem Debüt, erschien mit Besvärtade Strofer, LIKs zweites Album. Bereits mit dem düster klingenden Prolog offenbart sich der erheblich verbesserte Klang. Dieser ist gegenüber Må Ljuset Aldrig Nå Oss Mer wesentlich klarer, sauberer und druckvoller ausgefallen. Musikalisch hat sich aber ebenfalls etwas getan. Die Anteile des Black Metals wurden reduziert, sodass es nun für Graav weitaus mehr Raum gibt, dem düsteren, stellenweise beinahe schon psychedelisch wirkenden Rock, zu frönen.

Wie der Vorgänger auch schon, ist Besvärtade Strofer klar gitarrenbetont. Neben der Vielzahl an Riffs und Melodieführungen, die so manches Mal bizarr und sehr düster wirken, sind es die variablen Klargesänge, die für das Werk prägend sind. Dabei war es die richtige Entscheidung, die Klargesänge variabel zu gestalten und neben der natürlichen Stimme auch einige Passagen in einer verstellten, tieferen und festeren Tonlage einzusingen. Denn die natürlichen, schwedischen Klargesänge wirken ab und an etwas melodisch, freundlich. Abgesehen vom Gesang ist Besvärtade Strofer aber eine feine, düstere Scheibe, die mir musikalisch etwas besser als das Debüt gefällt. Schuld daran sind natürlich ein weiteres Mal die guten Gitarrenmelodien von Graav. Besvärtade Strofer ist allerdings auch ruhiger und weniger metallisch als Må Ljuset Aldrig Nå Oss Mer, weshalb die Scheibe nicht unbedingt für jeden was sein dürfte.


6,5/10
Aceust

01. Prolog
02. Syner
03. Viterskog
04. Åkallelse
05. Varulvsvals
06. Begravd (Epilog)

Lekamen Illusionen Kallet - Må Ljuset Aldrig Nå Oss Mer | 2010 | Frostscald Records | CD | Black Metal

Frostscald Records hat sich LIK angenommen, einem weiteren Projekt von Armageddas Graav, und alle drei Alben mit neuer Aufmachung wiederveröffentlicht. LIKs erstes Album Må Ljuset Aldrig Nå Oss Mer erstand und erschien 2003, also ungefähr in der Endphase von Armagedda. So liegt es auch nahe, dass LIK mit dem anfänglichen Black Metal von Armagedda nicht viel gemeinsam hat. Vielleicht könnte man LIK aber als eine okkulte Mischung aus Armageddas letztem Album und Lönndom bezeichnen. Auf Må Ljuset Aldrig Nå Oss Mer kombiniert Graav jedenfalls Black Metal mit okkultem aber auch depressiven Rock, und die eine und andere folkloristische Anleihe, in der Form von Gitarrenläufen, ist auch gegeben.

Må Ljuset Aldrig Nå Oss Mer ist ein abwechslungsreiches, stimmungswechselndes Album, auf dem Graav sich zur Gänze unheilvollen Stimmungen und Harmonien hingibt. Hate to be Human beispielsweise, ist ein erstklassiges Lied, welches absolut schwermütig ist, da Graav hier wunderbar seine Stimme flüsternd und hauchend, mit der Klargitarre inszeniert. Die Melodik ist düster und eingängig, aber dennoch vereinnahmend und fesselnd. Das direkt darauf folgende Djupa Sinn schlägt hingegen in eine andere Kerbe. Es ist lauter, die rockigen Riffs ertönen etwas grell und roh, das mittelschnelle Schlagwerk poltert und auch der minimal melodische Gesang setzt das Lied in einem starken Kontrast zu Hate to be Human. Gleichfalls dreckige Riffs sowie antreibendes Schlagwerk ist in Guds Förlorade Skapelser zu hören, in dem Graav verzerrten und klaren Gesang abwechselnd vorträgt. Black Metal trifft hier suizidal wirkenden Rock.

Må Ljuset Aldrig Nå Oss Mer ist definitiv ein interessantes Album, auf dem Graav zwar nicht unbedingt experimentelle Töne anschlägt, aber dennoch einen eigenwilligen Weg bestreitet. Es gibt rohe, dreckige und räudige Passagen ebenso wie sanfte, klare und verträumte Momente. Vereinzelt schimmert auch eine angenehme Portion Wahnsinn durch. Wem die Mischung aus Black Metal und düsterem Rock gefällt, kann ich hier nichts verkehrt machen.


6/10
Aceust

01. Pest & Pina
02. Hate to be human
03. Djupa sinn
04. Guds förlorade skapelser
05. Evig natt
06. Namnlös
07. Bortom allt liv

26.08.2010

Finnr's Cane - Wanderlust | 2010 | Frostscald Records | CD | Atmospheric Black Metal

Wanderlust heißt das Debütalbum der kanadischen Gruppe Finnr's Cane. Atmosphärischen und mit progressiven Anteilen angereicherten (extrem) Metal zu spielen, ist in diesen Tagen nichts Neues, stattdessen schon eher die Regel. Aber anstatt in die Fußstapfen von beliebten Gruppen wie Wolves in the Throne Room zu treten, bestreitet Finnr's Cane andere, eigene Pfade. Als Einflüsse nennt man Gruppen wie Opeth, Katatonia, Agalloch oder auch Drudkh. Wanderlust lässt sich auch nicht so recht in eine Schublade stecken, denn das Album ist vielfältig. Obwohl die Musik weitgehend ruhig sowie atmosphärisch aufgeladen ist, werden unterschiedliche Stimmungen transportiert. Und obwohl es Gesang gibt, nämlich vorwiegend klaren, leisen sowie choralen Gesang, wirkt Wanderlust wie ein instrumentales Werk. Die wunderbaren Riffs und Melodiestränge der Saiteninstrumente stehen ganz klar im Vordergrund. Vereinzelt sind auch unauffällig platzierte Einsätze eines Cellos zu hören.
Wanderlust bewegt sich zwischen atmosphärischem Metal mit Akustikparts, schwerem Doom und Depressive Black Metal hin und her. Überzeugen kann Finnr's Cane dabei durchgehend, auch die vereinzelten, schnellen Einschübe, die hart und melancholisch zugleich sind, gefallen sofort. Dies liegt, wie bereits erwähnt, vor allem an den sehr guten Melodien und Harmonien, die von Gitarrist und Sänger The Bard, an seinem Instrument erzeugt werden. Wer es gern atmosphärisch mag und ein Faible für gute Gitarrenmelodien hat, sollte Wanderlust unbedingt probieren.


7/10
Aceust

01. The healer
02. Snowfall
03. A winter for shut-ins
04. The lost traveller
05. Glassice
06. The hope for spring
07. Eternal
08. House of memory