29.06.2010

Pest - Tenebris Obortis | 2010 | Ketzer Records | CD | Black Metal

Am 10. Juli wird Pests großartiges Album Tenebris Obortis nun auch auf CD erscheinen. Vor über einem Jahr erschien ja bereits die Vinylversion. Da das Album so großartig war und noch immer ist, gibt es an dieser Stelle eben noch einmal den Kurzverweis auf die CD-Veröffentlichung über Ketzer Records. Wer die Vinylausgabe verpasst hat oder Vinyl einfach nicht mag, kann sich nun also auf dieses wunderbare Werk freuen. Wer das Vinyl bereits sein eigen nennt, braucht die CD nicht zwingend, da sich bis auf das Artwork nichts geändert hat. Das Material ist exakt das selbe.


9,5/10
Aceust

01. Tenebris obortis
02. Trance
03. Ewiges Grab
04. Weltgericht
05. Wasteland
06. Decontamination
07. Schnee und Eis
08. Bonded
09. Riding the storms
10. Entering forest

http://www.pest-musik.de/
http://www.ketzer-records.de/

21.06.2010

Echoes Of Yul / Guantanamo Party Program / Sun For Miles - Split | 2010 | We Are All Pacinos Records / No Sanctuary | CD | Experimental / Doom / Psychedelic

Erst kürzlich, im vergangenen Jahr, konnte mich Echoes of Yul mit dem brillanten Debütalbum für sich gewinnen. Nun liegt mir die Split mit den Landsmännern von Guantanamo Party Program sowie Sun For Miles vor. Echoes of Yul hat seinen Hang zur Abwechslung bewahrt, und so sind die vier hier vertretenen Lieder auch sehr unterschiedlich ausgefallen.
Im Auftaktlied treffen anfängliche ruhige und atmosphärische Elemente auf später kommende Sludge- und Doom-Einsprengsel. Zwischendurch ist auch eine verzerrt sprechende Stimme zu hören, was mich stark an Third Time vom Debüt erinnert. Die kräftigen, tiefen und dunklen Riffs gehen dann in Richtung Walking Skeletons. Gelungen, so kann man diesen Einstieg wohl kurz beschreiben. Hierbei fällt dann auch der verbesserte Klang auf, der nun noch sauberer und kräftiger ist, was den Saiteninstrumenten natürlich in die Hände spielt. In Blackout lässt sich das Debütalbum ebenfalls problemlos wiedererkennen. Satte Riffs, Stimmenwirrwarr, Gekreische und eigentümliche Melodien bestimmen das Lied. Honey hingegen ist länger und ruhiger, mit klaren sphärischen Passagen und vereinzelt auftretenden Frauenstimmen, die bizarr verfremdet wurden. Das abschließende The Stand ist gleichfalls lang und ruhig, vor allem der unverzerrte, sanfte Gesang fällt auf und ist neu für Echoes of Yul. Obwohl das Lied lang ist, passiert recht wenig. Die Gitarren erklingen ruhig und sphärisch, kräftige Riffwände fehlen hier komplett. Für mich ist es das schwächste Lied von Echoes of Yul, da es meiner Meinung nach zu harmlos geraten ist.

Guantanamo Party Program spielt Sludge mit etwas Post-Rock verfeinert. Six Feet Under ist dabei das atmosphärischere Lied, da es hier neben den typischen Sludge Riffs auch klare und unverzerrte Gitarren zu hören gibt. Phasenweise sind auch synthetische Hintergrundklänge begleitend im Einsatz, die mal atmosphärisch, mal bizarr und auch psychedelisch wirken. In At world's end hingegen dominieren ganz klar brachiale Gitarrenwände und sanfte Post-Rock-Parts. Guantanamo Party Program liefert hier nichts Neues oder Originelles ab. Doch ist das, was hier in zwei Lieder verpackt wurde, grundsolider Sludge / Post-Metal. Mir persönlich fehlt allerdings das gewisse Etwas. Die dunklen und schweren Riffs könnten ruhig noch mächtiger und brachialer sein.

Sun For Miles lässt sich stilistisch nicht so einfach festmachen, da die Bandbreite an Einflüssen und Elementen ähnlich groß ist wie bei Echoes of Yul. Sun For Miles spielt instrumentalen Metal, der streckenweise extrem kraftvoll sein kann, aber ebenso feine Melodien besitzt, die einen phänomenal atmosphärischen und stellenweise auch psychedelischen Charakter haben. Kräftige Gitarrenwände und brachiale Schlagzeugeinsätze wechseln sich flüssig und lässig mit sphärischen, langgezogenen Gitarrenparts ab. Hier trifft Sludge auf Doom und Post-Metal. Was wann genau dominiert kann ich gar nicht sagen, aber es klingt einfach großartig. Sun For Miles besitzt gleichermaßen ein feines Gespür für gefühlvolle Momente als auch für druck- und schwungvolle Schübe. Mit Pleroma, dem letzten Lied der Split, gibt es dann auch ein reines Ambientstück, das für meinen Geschmack nicht hätte sein müssen. Es ist halt Ambient, ruhig; und wird denn beiden großartigen vorangegangenen Stücken in keinster Weise gerecht. Aber ich bin eh nicht so der Freund von reinem Ambient, weshalb es mir letztlich einfach nur egal ist.


Die Split ist in jedem Fall ein Gewinn. Echoes of Yul konnten mich erneut überzeugen, auch wenn das etwas "andere" Lied The Stand nicht gerade mein Fall war. Mit den anderen drei Titeln gibt es aber wieder das volle Programm an der eigenwilligen, gitarrenbetonten Musik von Echoes of Yul. Guantanamo Party Program ist auch nicht schlecht, aber noch steigerungsfähig und von Sun For Miles bin ich echt begeistert. Wer instrumentalen Doom / Sludge mag, muss sich diese beiden Lieder einfach anhören!


Echoes of Yul 8,5/10
Guantanamo Party Program 7/10
Sun For Miles 9/10
Aceust

ECHOES OF YUL
01. It ends here
02. Blackout
03. Honey
04. The stand

GUANTANAMO PARTY PROGRAM
05. Six feet under
06. At world's end

SUN FOR MILES
07. The struggle
08. Barb of sorrow
09. Pleroma (Kissing the hive)

Celeste - Morte(s) Nee(s) | 2010 | Denovali Records | CD / Vinyl | Black Sludge

Obwohl man vor drei Jahren mit der EP Pessimiste(s) das erste Lebenszeichen tätigte, gibt es nun mit Morte(s) Nee(s) bereits das dritte Vollalbum der Franzosen von Celeste. Im Infoschreiben steht, dass Celeste sich selbst nicht kopieren möchte, was angeblich auch gelungen sein soll. Da ich die früheren Werke nicht kenne, muss ich das offen stehen lassen. Musikalisch geht Morte(s) Nee(s) jedenfalls in eine moderne Richtung, die sich aus Post-Hardcore, Sludge und (Black) Metal speist.

Die Musik erweist sich jedenfalls als düster und zäh, zumal das Album so beschaffen ist, als würde man ein einziges, langes Lied hören. Obwohl es Abwechslung und Facetten gibt, bekommt man nicht unbedingt den Eindruck vermittelt, dass sich viel tun würde. Egal ob man mit dem ersten Lied beginnt oder einfach mitten im Album einsteigt, atmosphärisch und stilistisch bleibt die Musik von Celeste konstant. Einerseits gefällt es mir, da es doch von der dichten, düsteren Atmosphäre zeugt, andererseits ist es aber auch ein Schwachpunkt, da es an Wiedererkennungswert fehlt. Daran kann man sich stoßen, oder auch nicht. Wett gemacht wird diese Schwäche nämlich von der Vielzahl an Riffgewittern und feinen Melodiesträngen, an denen man ganz deutlich die Einflüsse aus dem Sludge spürt. Richtig schwer und doomig wird es aber leider nicht oder nur sehr selten, dafür ist zum Einen das Tempo zu hoch, auf wenn es nicht wirklich schnell ist, andererseits ist der musikalische Fluss streckenweise sehr lebhaft, mit massiven Riffwänden und Breaks. Nicht zu vergessen ist dabei der unverzerrte Schreigesang, der oft zu hören ist und ebenfalls zur unsteten Atmosphäre beiträgt. Geradlinige, eingängige Passagen gibt es aber dann und wann trotzdem, und diese sind dann auch richtig gut, und können durchaus so packend und schwungvoll zugreifen, wie man es etwa von Omega Massif kennt. Ganz am Ende des Albums bekommt man dann noch passagenweise Piano und Streichinstrumente zu hören, was für Celeste wohl ein Novum sein soll. Passt aber gut zum Abschluss des Albums.

Morte(s) Nee(s) ist ein schwerers, dunkles Album, das nicht gerade leicht verdaulich ist, vor allem wegen des Gesangs, den ich gewöhnungsbedürftig finde. Trotzdem weiß es zu gefallen, da Celeste es gut versteht, die verschiedenen Stilrichtungen zu einer eigenständigen musikalischen Einheit zu formieren. Es ist ja nicht neu, Sludge, Post-Hardcore und (Black) Metal zu vermischen. Im Falle von Morte(s) Nee(s) ist es aber überzeugend gelungen, da das Resultat vor allem unheilvoll ist und man auf Post-Rock-artige Klargitarren verzichtet hat. Würde es etwas mehr doomige Anteile und Geradlinigkeit geben, wäre Morte(s) Nee(s) sogar ein richtig erstklassiges Album. Aber das ist alles Geschmackssache.

Das Album gibt es übrigens in verschiedenen Vinyl- und CD-Versionen. Darüber hinaus kann man sich das Werk auf der Seite von Denovali Records sogar vorab herunterladen.


7/10
Aceust

01. Ces Belles de Rêve aux Verres Embués
02. Les Mains Brisées comme Leurs Souvenirs
03. Il y a Biens des Porcs que ça Ferait Bander de T'étouffer
04. En Troupeau des Louves en Trompe l'Oeil des Agneaux
05. (S)
06. Un Miroir pur qui te Rend Misérable
07. De Sorte que Plus Jamais un Instant ne Soit Magique

19.06.2010

Goatfuneral / Dies Fyck - Split | 2008 | Monokulturell Productions | CD | Black Metal


Diese Split CD stellt für beide beteiligten Gruppen die Debütveröffentlichung dar. Sowohl der Zweier Goatfuneral als auch das Soloprojekt Dies Fyck steht für Black Metal fernab des Kommerzes und der allgemeinen Verträglichkeit.

Da ist es auch kein Zufall, dass das erste richtige Lied von Goatfuneral einen norwegischen Text hat. Aber nicht nur textlich, sondern auch atmosphärisch huldigt Goatfuneral hier und da dem norwegischen Black Metal. Vereinzelte melodische Einsprengsel und überaus dezent und punkturelle Keyboardanschläge zeugen hiervon. Obwohl man den Black Metal von Goatfuneral durchaus als roh, dreckig und gemein umschreiben kann, ist er nicht einfach nur puristisch. Trotz der dezidierten Rohheit gibt es viel Raum für atmosphärische Feinheiten, die durch gute Riffs verdeutlicht werden. Aber auch der stark verzerrte Kreischgesang und seichte Keyboardklänge im Hintergrund verfeinern das Gesamtbild. Rhythmisch agiert Goatfuneral zwischen eingängig schnell, mittelschnell und langsam. Echte Monotonie kommt dabei nicht auf. In den schnellen Abschnitten entwickelt Goatfuneral eine schöne kalte und abweisende Atmosphäre, die zum Teil auch, dank des eindringlichen Gesanges, sehr bissig und giftig sein kann. Wer jetzt denkt, der Klang müsse standesgemäß unsauber und schlecht sein, der irrt. Bombastisch ist er natürlich nicht, aber dennoch klar und sehr differenziert, ohne dabei zu dick aufzutragen. Ein klangliches Untergrundgefühl bleibt gewahrt, da helle und grelle Töne gegenüber den dunklen und tiefen einen klaren Vorzug erhalten haben, weshalb das Ganze etwas flach und dünn wirkt.


Dies Fyck beginnt mit einem Ambienteinklang, der durchaus bizarr und düster ist, ehe I Hate loslegt. Anstatt hasserfüllten, brutalen Black Metal vorgesetzt zu bekommen, spielt Dies Fyck mittelschnell bis schleppend auf. Phasenweise wird das Ganze sogar kurzweilig richtig schwungvoll und erinnert entfernt an Carpathian Forest. Bei Dies Fyck kommen, im Gegensatz zu Goatfuneral, die tiefen und dunklen Töne stark zur Geltung. Obwohl I Hate lang ist und das Tempo öfters verändert wird, gibt es auch eingängige, beinahe schon monotone Passagen. Komplett langsam und dabei von einer rhythmischen Eingängigkeit bestimmt ist Long Lost and Forgotten. Es ist ein unaufgeregtes Lied ohne irgendwelchen markanten Eckpunkte, was es vielleicht für den Einen oder Anderen langweilig macht. Doch mir gefällt diese Unaufgeregtheit, die etwas sehr schweres und erdrückendes hat. Gleichfalls langsam und bedrückend ist Autumnlike Twilight, in dem der verzerrte, kehlige aber ruhige Gesang stark in den Vordergrund rückt. Abschließend gibt es das ungewöhnliche Dear Mr. Columbia zu hören. Textlich wird mit selbstverherrlichenden Black-Metal-Rockstars abgerechnet und musikalisch präsentiert sich Dies Fyck hier von einer schwungvollen, schon rockig anmutenden Seite.


Diese Split CD ist eine interessante Untergrundveröffentlichung mit einer gewissen Scheißegal-Attitüde. Beide Gruppen zeigen gute Ansätze, die vor allem Anhänger des puren Black Metals ansprechen dürften. Goatfuneral steht dabei für den kalten, nordisch geprägten Black Metal und bei Dies Fyck kommen eher bizarre Elemente zum Tragen. Ansprechend ist auch die optische Gestaltung des Einschiebers.



6,5/10
Aceust

GOATFUNERAL
01. Mission
02. Dyp ned i en kald kammer
03. Inside corpse hill
04. Goat-Genocide
05. Goatfuneral says: Fuck you, please!

DIES FYCK
06. Intro
07. I hate
08. Long lost and forgotten
09. Autumnlike twilight
10. Dear Mr. Columbia (Hail cocain)

16.06.2010

Ugulishi - Dark Illuminations | 2009 | Ewiges Eis Records | CD | Black Metal

2007 brachten die Finnen von Ugulishi das erste Demo heraus, ehe im Februar 2009 das Minialbum Dark Illuminations das Licht der Welt erblickte. Vier Lieder stark und 26 Minuten lang ist dieses Machwerk. Geboten bekommt man feinsten satanischen Finnen Black Metal, der von Anfang an überzeugt. Mit dem ersten Lied In a glare of my master beginnt das Minialbum roh, schnell und harsch. Der Gesang ist hier eindringlich und hasserfüllt, die grellen Gitarren sorgen für eine gewisse unterschwellige Melodik, die sehr unauffällig ist und hervorragend mit dem steten, hohen Tempo harmoniert. Ab dem zweiten Lied ist der Klang eigenartiger Weise weniger roh, dafür kräftiger und reicher an tiefen Tönen. Woher dieser klangliche Unterschied rührt, ist unbekannt. Doch nun kommen die Gitarren besser zur Geltung, die von jetzt an melodie-, riffbetonter und spielerischer wirken. Allerdings nach wie vor auf eine sehr angenehme, dezidiert unauffällige Art und Weise. Einhergehend mit dem besseren Klang wirkt auch der Gesang nicht mehr ganz so harsch und hasserfüllt wie im ersten Lied. Ein wenig erinnert mich der Gesang nun an Vitsaus, was nicht nur an der finnischen Sprache liegt. Im Vergleich zu den anderen Liedern ist Mustien siipien varjossa nämlich ein eher ruhigeres sowie atmosphärisches Lied, das aber trotzdem eindringlich und kraftvoll ist. Längere atmosphärische Abschnitte gibt es zwar auch Baptised in destructive light, doch schaltet Ugulishi hier irgendwann auf schnell und hasserfüllt um. Sehr heftig, schnell und laut ist auch das abschließende Night of demonic illumination, das im Mittelteil aber auch seichtere Klänge zum Durchschnaufen bereit hält.

Dark Illuminations ist eine sehr gelungene Erscheinung, die sowohl sehr gute melodische, also gitarrenbetonte, als auch hasserfüllte und brachiale Momente besitzt. Auch deshalb kann man Ugulishi ein wenig mit Vitsaus vergleichen. Denn es handelt sich hier um intensiven, eindringlichen Finnen Black Metal!


8/10
Aceust

01. In a glare of my master
02. Baptised in destructive light
03. Mustien siipien varjossa
04. Night of demonic illumination

14.06.2010

Karg - Von den Winden der Sehnsucht #2 | 2010 | Karge Welten Kunstverlag | CD | Black Metal

Von den Winden der Sehnsucht #2 ist kein einfaches dafür sperriges Werk der österreichischen Einmanngruppe Karg. Gelistet wird das Album als Ambient Black Metal, was aber eher in die Irre führt als den tatsächlichen Inhalt beschreibt. Von den Winden der Sehnsucht #2 ist ein, mit über 77 Minuten Spielzeit, sehr langes Opus, in dem der Solist V.Wahntraum eigene Gedanken und Empfinden vielfältig wiedergibt. Anders als etwa bei Draumar, ist hier der Black Metal federführend, der durch harsch intoniertem Keifgesang und melodischem Gitarrenspiel auffällt. Der Klang der Lieder ist recht dünn und arm an tiefen, organischen Tönen, was die Rauheit des Inhaltes betont. Obwohl im Booklet keine Texte abgedruckt sind, erhält man dennoch Einblick in das Wesen von V.Wahntraum, da dieser eine lange Stellungnahme verfasst hat. Es ist sicherlich interessant, diese Zeilen zu lesen, doch frage ich mich zugleich, welchen Zweck diese erfüllen sollen? Die Musik wird mir jedenfalls nicht nähergebracht.

Von den Winden der Sehnsucht #2 ist wohl eines jener Werke, welches man liebt und vollends in sich absorbiert oder welches einen nicht im Geringsten irgendwie berührt. Ich zähle zu letzterem, denn obwohl ich durchaus eine Vorliebe für bizarre und düstere Kompositionen habe, wirken die überlangen Stücke nicht sonderlich eindringlich auf mich, manchmal gar beliebig. Zudem gibt es recht viel Text und Gesang, was mich stört. Dieser hohe verbale Anteil läuft den melodischen Bestrebungen teilweise zuwider. Dafür gibt es aber vereinzelt verträumte Shoegaze-Parts, damit man sich vom Gekeife etwas erholen kann.

Von den Winden der Sehnsucht #2 ist langatmig und kaum zu fassen. Mal ist es atmosphärisher Black Metal, der durchaus schöne Melodien besitzt, ein anderes Mal könnte es sich um experimentellen Metal handeln und an anderen Stellen weiß man nicht, ob es nun in Richtung Ambient Black Metal oder doch Depressive Black Metal geht. Es gibt gute Ansätze, aber insgesamt wirkt das Album zu überladen und vielfältig ohne klare Linie. Anhänger wird Karg aber definitiv finden, denn es gibt eine Menge Leute, die solch episch ausufernde Werke mit eigenartigen und bizarren, abwechslungsreichen Strukturen lieben. Vielleicht muss man einfach nur traurig und einsam genug sein, um hier den Zugang zu finden, dazu gehöre ich aber nicht.


4,5/10
Aceust

01. Ich bin gefallen
02. Wahntraum
03. Ruhe unsanf
04. Sturm deiner Sommer
05. Grabestau
06. Wehmut
07. In die Ferne

Korpblod - Uråldrig Samklang | 2010 | Ewiges Eis Records | CD | Black Metal

Uråldrig Samklang ist das Debütalbum des schwedischen Zweiers Korpblod, welches im letzten Jahr bereits auf Kassette erschien und nun auch auf CD erhältlich ist. Uråldrig Samklang ist ein ergreifendes Album, das von Anfang an in seinen Bann zieht. Es ist ein düsteres, grimmiges und kaltes Werk mit großartigen Melodieläufen und epischen Ausmaßen. Alleine die drei ersten Lieder bringen es zusammen auf über 30 Minuten Spielzeit. Und diese ersten 30 Minuten sind schon für sich alleine absolut erstklassig, denn die eingängigen Riffs und Melodien der grell und rau klingenden Gitarren haben eine erhabene, andächtige Ausstrahlung. Dazu passt auch der grimmige aber stets ruhig vorgetragene Gesang, der diese wunderbare Atmosphäre zusätzlich aufwertet und unterstreicht. Diese 30 Minuten sind zwar zumeist von einer gemächlicheren Gangart, schnelle sowie harte Einschübe sind allerdings nicht komplett abwesend. Nach diesem großartigen Auftakt folgt mit Fylgjor ein ruhiges Stück, in dem neben den bereits erwähnten Gitarrenläufen auch unverzerrte Gitarren und sonore Klargesänge zu hören sind. Danach geht es dann etwas abwechslungsreicher sowie ruppiger auf dem Album weiter.

Korpblod greift auf dem gesamten Album immer wieder mal auf Stilelemente des Pagan Metals zurück, gerade was einige Melodiestränge anbelangt. Doch würde ich nicht so weit gehen und die Musik Korpblods als Pagan Black Metal beschreiben, denn musikalisch ist das Album dafür viel zu ernsthaft, grimmig und sogar auch schwermütig. Adjektive wie episch, kalt und atmosphärisch umschreiben diese urgewaltige Musik wesentlich besser als "Pagan". Korpblod kann aber auch schnell und heftig aufspielen, wie man wunderbar in Låt oss minnas hören kann. Neben tollen atmosphärischen Passagen beinhaltet das Lied auch sehr energische, kraftvolle Parts, die wahren Gänsehautcharakter haben. Uråldrig Samklang ist ein facettenreiches Album voller Details. Zudem ist es ein Album, welches mich beim ersten Anhören sofort umgehauen hat. Das passiert mir nur sehr selten. Meistens muss ich mich an ein neues Album Schritt für Schritt herantasten. Doch die Musik von Korpblod ist von der ersten Minute an so ergreifend und überwältigend, dass es beinahe schon unheimlich ist.

Ein Fazit kann ich mir nach diesen Lobpreisungen eigentlich sparen. Uråldrig Samklang ist für mich definitiv eine der besten Veröffentlichungen 2010. Wer es grimmig aber dennoch majestätisch und erhaben mag, kommt an dieser Scheibe nicht herum.


9,5/10
Aceust

01. Släpp ulven lös
02. Stillhet
03. Hugauga
04. Fylgjor
05. Klagoskalder
06. Låt oss minnas
07. Dödsdans
08. Ett ode

Seul. - Suicidal & Emotional Black Metal | 2009 | Ewiges Eis Records | CD | Black Metal

Seul. ist ein französisches Einmannprojekt, welches als Ambient Black Metal katalogisiert wird. Das ist nicht gerade mein musikalischer Geschmack, weshalb ich dann auch nicht allzu viel von Suicidal & Emotional Black Metal erwartete. Doch beim ersten Durchlauf des Materials erwies sich Seul. sehr bald besser als erwartet. Am Anfang ist ein längeres Instrumenalstück zu hören, das mir schon gut gefällt, da es gleich zu Beginn mit hohem Tempo aufwartet. Ich finde es immer gut, wenn sich suizidale Black Metal Projekte nicht nur auf Langsamkeit versteifen. In Act 2 gibt es also keinen Gesang und dafür Tempowechsel. Auf Keyboards oder andere atmosphärische Hilfsmittel wird komplett verzichtet, was ich gleichfalls gutheiße. Lediglich in den letzten Sekunden ist eine Akustikgitarre zu hören. In dem Instrumentalstück sind also nur Schlagzeug und Gitarren zu hören, und das auf eine gute, abwechselnde Art und Weise.

Nach dem überraschend guten Einstieg folgen zwei Kapitel des dritten Aktes, die beide relativ kurz sind und teilweise auch melodisch daher kommen. Es kommen Akustikgitarre sowie eine unverzerrt sprechende Stimme zum Einsatz. Verzerrter Kreischgesang der qualvoll und intensiv ertönt, fehlt deswegen allerdings nicht. Act 4 ist dann wieder länger und von variablem Tempo. Depressive Langsamkeit gepaart mit schwermütigen Gitarrenläufen wechselt sich mit eingängiger Raserei ab. Das ist zwar an sich nichts besonderes, doch ist es Seul. gelungen, dies ansprechend umzusetzen. Immerhin handelt es sich hierbei ja um Demomaterial, und dafür ist es gelungen, klanglich als auch spielerisch. Klanglich roher und rauschender ist es dann allerdings im abschließenden fünften Akt, der sehr rohe, schnelle und harsche Passagen beinhaltet, die mich in ihrer atmosphärischen Ausstrahlung mitsamt des Keyboards ein wenig an Xasthur erinnern.

Suicidal & Emotional Black Metal ist und bleibt ein passabler sowie gelungener Einstand. Die Lieder sind stilistisch und atmosphärisch recht unterschiedlich, so als würde Seul. auf dem ersten Demo noch ein wenig herumexperimentieren, was aber überhaupt nicht stört. Mir gefällt es sogar gut, dass man sich nicht nur auf eine spezielle Spielart festlegt und stattdessen mit verschiedenen Facetten probiert, düstere, und emotionalen Suicidal Black Metal zu kreieren.


7/10
Aceust

01. Act 2 (Instrumental version)
02. Act 3 Pt. 1
03. Act 3 Pt. 2
04. Act 4
05. Act 5