27.02.2008

Taarma - Beyond The Cemetery Gates | 2008 | Ancient Dreams Records | Kassette | Black Metal

Aus dem fernen Belutschistan kommt dieses Einmann-Projekt namens Taarma, welches bereits auf einige Veröffentlichungen verweisen kann und nun mit Beyond the cemetery gates das zweite Album herausgebracht hat. Die ungewöhnliche Herkunft hört man dem Material nicht an. Taarma zelebriert klassischen depressiven Black Metal nach allen Regeln des Genres.

Die Lieder sind allesamt sehr langsam, sodass vor allem der stark verzerrte Kreischgesang und die Gitarren für sämtliche atmosphärische Angelegenheiten zuständig sind. Im – mit großem Abstand – längsten Titel Lost martyrs of Tora Bora fallen vor allem die dunkel verzerrten Gitarren auf, die oftmals in ihrer langsamen Spielweise düstere, fast schon disharmonische Harmonien erzeugen. Kombiniert wird dies dann mit dem entsprechend energisch geschrienen Gesang, welcher Verzweiflung, Hass und Schmerz ausdrücken soll. Zeitweise wird auch das Schlagzeug etwas schneller und energischer getrommelt, vor allem aber wirkt das Gitarrenspiel. Mir gefällt der elegische Ausdruck der Gitarren, der düster, roh und bohrend ist. Dieses Gitarrenspiel erinnert mich zuweilen in seiner schrägen, schroffen und bizarren Eindringlichkeit ein wenig an „Hateful spell“ von Infinite Hatred oder auch „I“ von Spectral Lore, obgleich die Gruppen auf musikalischer Ebene zum Teil sehr unterschiedlich sind. Vielmehr ist es der abgrundtiefe und seelenzerschmetternde Ausdruck im Klang der Gitarren, welcher für mich diese Gruppen in Verbindung bringt.

In den folgenden Titeln verzichtet Taarma allerdings weitgehend auf diese beeindruckenden Gitarrenvariationen. Stattdessen beherrschen der präsente Kreischgesang und düstere sowie kalte und weniger raumfüllende Gitarrenharmonien das Geschehen, welches zuweilen einen dezidiert unstrukturierten Eindruck macht und das eine oder andere Mal sicherlich auch an Xasthur erinnert. Wesentlich an Beyond the cemetery gates ist in jedem Fall das atmosphärische Element, welches von der ersten bis zur letzten Sekunde dunkel, unheilvoll und beklemmend ist.

Taarma erschafft hier in sechs Titeln eine desolat anmutende Klanglandschaft, die in ihrer schroffen und rohen Ausdrucksweise mit früheren Sachen von Elysian Blaze oder Xasthur zu vergleichen ist. Wem also solcher rauer und depressiver Black Metal zusagt, sollte Beyond the cemetery gates mal probieren, zumal mit Lost martyrs of Tora Bora ein sehr gutes Lied auf dem Werk vertreten ist.

01. Wolves howl in their memory
02. Lost martyrs of Tora Bora
03. Beyond the cemetery gates
04. As the night becomes a funeral
05. Suffering a sickening death
06. Untitled (Instrumental)

Hader - Ascheregen | 2008 | Atrium Toringi | CDR | Black Metal

Ascheregen heißt das zweite Demo der Aachener Gruppe Hader, welches als ProCDr ausgeliefert wird. Geboten wird leicht melodischer aber dennoch dezidiert roh und kalt gehaltener Black Metal.

Das Gitarrenspiel zum Anfang von I.N.R.I. ist melodisch gehalten und geleitet gut ins Werk hinein, da die Melodie einfach, wirksam und einen angenehmen grellen Klang hat. Im nachfolgend mittelschnellen Spiel Haders übernimmt dann vorwiegend der Kreischgesang das atmosphärische Ruder, da er zuweilen schön energisch wird und auch das immer wieder auftretende rollende R weiß zu gefallen, da es doch in einer gewissen Weise die kalte Ausstrahlung betont. Rhythmisch bleibt I.N.R.I. indes ein harmloses Lied in einer schleppenden Geschwindigkeit. Dafür melden sich die Gitarren zum Ende hin immer öfter melodisch und harmonisch zu Wort.
Viel präsenter ist das melodische Gitarrenspiel in der ersten Hälfte von Freitod, wo sie durchgängig zu dem ruhigen Rhythmus und dem Gesang zu hören ist. Erst im Mittelteil verändert sich das Spiel, der Rhythmus wird kurzweilig energischer, zwischendurch ist auch eine klare Passage mit einer unverzerrten Gitarre zu hören, bevor die anfängliche melodische Gitarre erneut auftaucht und Freitod dann auch zum Ende geleitet.

Nach dem kurzen Gitarreninstrumental Dämmerung folgt Feld der Ehre, welches für mich das beste Lied von Ascheregen ist. Hier treffen gute, zum Teil schön dunkel und eingängig strukturierte Gitarrenmelodien auf einen schnellen und eindringlichen Kreischgesang. Rhythmisch ist zwar auch Feld der Ehre nahezu komplett treibend ruhig, aber Hader hat es sich diesmal erlaubt, kurzweilig die Geschwindigkeit zu erhöhen.
Im abschließenden Sterne ist die melodische Gitarre erneut stark vertreten und neben Eingängigkeit gibt es auch den einen und anderen guten harmonischen Einwurf. Der Rhythmus ist wie gehabt ein langsamer, sodass allein die Gitarren und der Gesang für jegliche Atmosphäre verantwortlich sind.

Ascheregen ist insgesamt betrachtet anständiges Demomaterial, auch wenn etwas mehr rhythmische Abwechslung gut getan hätte. Die starke Ausrichtung auf das melodische Gitarrenspiel ist auf die Dauer gleichfalls etwas zu einfältig. Sicherlich, es gibt schöne und gute Melodien und Harmonien, ebenso gibt es aber auch einige mittelmäßige Durststrecken, da die Lieder zum Teil recht lang sind und diese langen Strecken von Hader nicht immer optimal ausgefüllt werden. Aber das sind alles Superlative, die man von einem zweiten Demo nicht wirklich erwarten kann. Vergessen sollte man hierbei auch nicht, dass der Gesang von Hader sehr gut ist und er vieles wett macht.

01. Intro
02. I.N.R.I.
03. Freitod
04. Dämmerung
05. Feld der Ehre
06. Sterne

Inarborat - Inarborat | 2008 | Ván Records | CD | Black Metal

Hinter Inarborat verbergen sich Miserere, C. und Alboin. Letzterer dürften viele sicherlich bereits von Geist oder Funeral Procession her kennen. Hauptverantwortlich für Inarborat ist allerdings Miserere und obwohl sich alle drei Musiker den Gesang teilen, erinnert er mich zuweilen stark an den Gesang auf dem Debütalbum von Funeral Procession.

Nach dem kurzen und nicht aufgeführten Einklang, geht es mit Aus Staub und Trümmern zunächst sehr schnell, peitschend und antreibend los; ganz so, als wollte Inarborat tatsächlich alles in Trümmern legen. Dieser Einstieg gefällt, da zum heftigen Rhythmus, gut und leicht melodisch gespielte Gitarren aus dem Hintergrund zu hören sind. So heftig und schnell bleibt es natürlich nicht. Die Schnelligkeit wird zweimal von langsamen Parts durchbrochen, doch kehrt sie stets zurück, sodass Inarborats Auftakt mit Aus Staub und Trümmern knackig und schön energisch ist.

Moorlichter hingegen ist vorwiegend in einem ruhigeren Rhythmus eingespielt und besitzt demnach einen größeren Anteil an atmosphärischen Elementen. Es gibt aber auch hier einige schnelle und treibende Schübe, die dem Titel einen harten und mitreißenden Feinschliff verpassen.
Im folgenden The brook lies silent überwiegt dann wieder die Schnelligkeit, wobei sich die extrem hart und hämmernd eingespielten Parts mit ruhigen und langsamen Zwischenstücken abwechseln. So entsteht ein Wechselbad der Stimmungen, die einerseits von einer gewissen Schwermütigkeit, andererseits von einer immensen Zerstörungswut durchtrieben sind.
Ebenfalls sehr druckvoll und hämmernd eingetrommelte Parts sind anfänglich in Chöre in der Leere zu hören. Zwischendurch gibt es kurze atmosphärische Passagen, in denen Inarborat wunderbare Riffs und Melodieführungen spielt, die sofort einen unwiderstehlichen und vereinnahmenden Sog entwickeln. Jedoch geht es so leider nicht weiter, nach dem guten und energischen Anfang entwickelt sich Chöre in der Leere dann zu einem sehr langsamen Stück, dessen Gitarrenspiel zwar nach wie vor harmonisch – und darin zuweilen eingängig – ist, doch fehlt hier nun die geniale Eindringlichkeit vom Anfang.

Melodisch eingefärbtes Gitarrenspiel und ein ruhiger Grundrhythmus bestimmten das Geschehen in Schwingenbruch. Zwar gibt es auch hier einen schnellen, wenn auch kurzweiligen Schub. Ansonsten dominieren die verschiedenen melodischen Gitarrenmelodien und der Gesang das Lied. Auf Dauer wirkt Schwingenbruch dadurch etwas schwach und zahnlos auf mich.
Anders ist es da in That dwells within, welches flott und treibend beginnt. Zwar gibt es auch hier langsam gespielte Passagen, doch ist hier erstmalig klarer und unverzerrter Gesang zu hören. Dazu gibt es einige sehr schön und gut angelegte atmosphärische Arrangements zu hören, die allerdings sehr unauffällig sind und sich einem eigentlich nur dann erschließen, wenn man gezielt auf sie achtet.
Zu guter letzt folgt mit Wisdom sans words das mit Abstand längste Lied des Albums. Am Anfang gibt es einen sehr harten und schnellen Part, bevor das Lied dann in eine sehr lange ruhige Passage mit Keyboard übergeht, die in ihrer eingängig hypnotischen Ausstrahlung etwas burzumartiges hat.

Inarborat ist ein interessantes Album für das ich einige Zeit gebraucht habe. Es ist nicht wirklich komplex, doch enthält es viele Nuancen die ich erst entdecken musste, um Zugang zum gesamten Werk zu erhalten. Ähnlich war es damals auch beim Debüt von Funeral Procession, welches mir anfänglich nur mäßig gefiel.
Inarborat ist trotz der harten und schnellen Anteile vor allem ein atmosphärisches Album, voller dunkler Stimmungen und Schwingungen. Zuweilen wartet es mit äußerst guten Riffs und Melodieführungen auf, aber ebenso gibt es auch Strecken, die mir auf Dauer einen Tick zu seicht und harmlos sind. Wer deutschen Black Metal mit dunklen, leicht melancholisch anmutenden Harmonien und Melodien mag, sollte Inarborat aber in jedem Fall mal antesten.


01. Aus Staub und Trümmern
02. Moorlichter
03. The brook lies silent
04. Chöre in der Leere
05. Schwingenbruch
06. That dwells within (The mountain)
07. Wisdom sans words

26.02.2008

Grívf - Yggdrasil | 2007 | Det Germanske Folket | CD | Funeral Doom

Yggdrasil ist ein sehr interessantes Werk, da es zwei sehr unterschiedliche Stile miteinander kombiniert. Das dänische Einmann-Projekt Grivf verbindet Folk- mit Funeral Doom-Elementen, inhaltlich unterlegt mit Versen der Hávamál. Konzeptionell erwartet den Hörer also eine sehr interessante Mischung.

Am Anfang von Helfarer ist eine klare Akustikgitarre zu hören, zu der etwas später eine klare, aber sehr fest und dunkel klingende Stimme, sprechend hinzukommt. Diese Part, der zwar recht minimal gehalten aber dennoch extrem atmosphärisch ist, dauert knapp vier Minuten bis die Akustikgitarre dann in extrem langsame, dunkel verzerrte Funeral Doom-Riffs übergeht. Fortan ist auch die Stimme verzerrt. Sie hat einen extrem dunklen und warmen, zum teil leicht kehlig gurgelnden Klang. Ein wenig erinnert mich Grivf während dieser extrem langsamen Funeral Doom-Passagen, mit den langsam wabernden Gitarrenwänden und der stark verzerrten Stimme an Nortt.

In Ash ist phasenweise alles auf einmal zu hören: die feste unverzerrte sowie die verzerrte Stimme, langsame zentnerschwere Riffs und die klare Akustikgitarre. Trotz der enormen Langsamkeit wirkt Ash allerdings nicht so sehr erdrückend wie etwa Nortt, da Grivf dezent harmonische Arrangements mit erklingen lässt. In mittleren Teil ist dann auch eine klare Akustikgitarrenpassage zu hören, die schön dunkel und stimmig ist.
Dieselben Elemente sind auch in Mimir's wisdom zu hören. Neu und anders ist hier die klare Melodieführung einer der verzerrten Gitarren. Diese Melodieführung ist ruhig und von latenter Melancholie, die sehr gut zum schweren und langsamen Funeral Doom passt.
An dieser Stilistik verändert sich auch in den zwei letzten Stücken nichts. Das bleierne Spiel wird in Words of the elders durch eine Akustikgitarrenpassage mit unterlegten Windgeräuschen aufgelockert und When everything freezes erweist sich durchgängig als finstrer Funeral Doom. Erst in den letzten zwei Minuten des Stückes tauchen atmosphärische Elemente auf, die das Album dann auch sehr sachte und beschaulich ausklingen lassen.

Yggdrasil ist vor allem Funeral Doom mit leichten Folk-Einflüssen, die sich auf die Akustikgitarrenparts beschränken. Mir gefällt Yggdrasil gut, da das Album trotz des dunklen, bleiernen Funeral Dooms eine angenehm atmosphärische Komponente hat. Wem Nortt gefällt, dem wird Grivf sicherlich auch gefallen.

01. Helfarer
02. Ash
03. Mimir's wisdom
04. Words of the elders
05. When everything freezes

17.02.2008

Defuntos - Sangue Morto | 2007 | True Face Of Evil | CD | Black Metal / Funeral Doom

Sangue morto heißt also das Debütalbum von Defuntos, einer mir bisher völlig unbekannten Gruppe aus Portugal. Was Defuntos hier, verteilt auf sieben Titel mit einer Gesamtspielzeit von 44 Minuten abliefert, ist düster und roh, minimalistisch und befindet sich in einer Grauzone zwischen Black Metal und Funeral Doom.

Nach dem Einklang beginnt das Album mit Nos olhos de una lembrança langsam und sehr düster. Die Bassgitarre wird klar und langsam gespielt, sodass eine dunkle sowie obskure Melodieführung entsteht, zu der der ruhige aber verzerrte Gesang zu hören ist. Ich bin mir nicht sicher, aber es ist durchaus möglich, dass Defuntos gänzlich auf die Sechssaiter verzichtet hat und stattdessen nur Gesang, Bass und Schlagzeug zu hören sind. Nos olhos de una lembrança enthält auch zwei schnelle Schübe, von denen einer kurzweilig recht heftig und aggressiv wird. Doch insgesamt ist das Spiel langsam, abgründig und unheilvoll.

Nachdem es in Nos olhos de una lembrança noch zwei schneller gehaltene Parts gab, ist in den folgenden Stücken ausschließlich langsames Spiel zu hören, welches dank des guten Bassgitarrenspiels, zuweilen sehr kalt und bizarr klingt. Besonders gut gefällt es mir in ...nas árvores, o esplendor da tristeza, da eine eingängig sich wiederholende Melodie pure Dunkelheit und Grabeskälte bedeutet.

Defuntos spielt sehr unaufgeregt in einer tristen Gleichmütigkeit daher, die immer wieder mit grotesk anmutenden Momenten aufwartet. Manchmal liegt das am Gesang oder eben an der derb dunkel gehaltenen Melodieführung. Man könnte Sangue morto auch als depressiven Black Metal bezeichnen, doch finde ich, wird das der Atmosphäre nur bedingt gerecht. Stimmungstechnisch schwingt in der Musik weitaus mehr mit, als pure Melancholie. Sangue morto enthält eine gehörige Portion Abartigkeit, etwas bizarres, wahnsinniges, rituelles. Wenn es denn stimmt – wovon ich übrigens ausgehe -, das nur eine Bassgitarre eingespielt wurde, war es eine richtige Entscheidung von Defuntos. Ich glaube nämlich nicht, dass sich Sangue morto mit zusätzlichen Gitarren genauso unmenschlich und lebensfeindlich, kalt, bizarr und abweisend anhören würde.

Mir gefällt Sangue morto ausgesprochen gut, ich mag die dunklen Bassmelodien und die Ruhe mit der das Ganze von Defuntos vorgetragen wird. Zudem ist der minimalistische und schlichte Aspekt ebenfalls nicht zu verachten. Wer es langsam und abgrundtief dunkel mag, sollte sich mal mit Sangue morto beschäftigen.

01. A caminho da morte
02. Nos olhos de una lembrança
03. O nosso funeral...
04. 3-XII-1871
05. ...nas árvores, o esplendor da tristeza
06. O enterro do morto (A visão da tragédia, Capitulo II - A desgraça)
07. Velório sombrio (A visão da tragédia, Capitulo I - A verdade)

Sacrilegious Impalement - Sacrilegious Impalement | 2007 | Blasphemous Underground | CD | Black Metal

Diese selbstbetitelte MCD ist die erste offizielle Veröffentlichung der finnischen Gruppe, die erst seit 2006 existiert und sich unter anderem aus Leuten von Neutron Hammer und Exordium rekrutiert. Die involvierten Musiker haben also alle schon in anderen Gruppen Erfahrung gesammelt, womit man von Sacrilegious Impalement einiges erwarten dürfte.

Das Titelstück eröffnet die CD schnell und stampfend. Eingängige Riffs und der schnelle Rhythmus verbreiten sofort ein eingängig angenehmes Gefühl. Es bleibt auch vorwiegend schnell. Einige leichte Variationen in der Geschwindigkeit bescheren entweder mehr Brachialität oder geben den Gitarren mehr Raum für kalte Riffs. Einige langsame Passagen zwischendurch lockern den druckvollen Auftakt auf.
Langsam bis mittelschnell erschallt Infinite darkness, in dem vor allem das Gitarrenspiel Akzente setzt. Es wurde abwechslungsreich gestaffelt, wobei gerade das leicht melodische Spiel während der Textpassagen nicht so ganz überzeugen kann. Nach dem schnellen und eisigen Titellied empfinde ich das langsame Infinite darkness sehr schwach und harmlos, da reißt auch das schnelle und aggressive Aufbäumen in den letzten 30 Sekunden nichts mehr.

Besser ist es da schon mit Prophet of misanthropy, welches rhythmisch flott und eingängig ist und auch die Gitarren zeigen sich weniger melodisch, dafür aber umso kälter. Auf Dauer kann Prophet of misanthropy allerdings auch nicht überzeugen, da es insgesamt zu schwachbrüstig klingt und wirkt. Dies fällt vor allem in den immer wiederkehrenden, langsamer gespielten Passagen auf. Da fehlt es der Musik an Druck und Kraft, der Gesang ist viel zu ausdrucksarm und schafft es einfach nicht, der Musik etwas Energisches oder Mitreißendes zu verleihen.
Selbiges gilt auch für Eternal agonies, welches rhythmisch vorwiegend im mittelschnellen, treibenden Sektor zuhause ist. Hier sind zuweilen zwar wieder gute Riffs und Melodieführungen an den Gitarren zu hören, die eine eisige Ausstrahlung haben, doch sind diese Momente nur punktuell. Da Eternal agonies fast acht Minuten lang ist und es nur wenig Veränderung gibt, werden auch die guten Riffs und Momente irgendwann langweilig.

Sacrilegious Impalement hat mit dieser Debütveröffentlichung ein sehr mäßiges Werk kreiert. Gute Ansätze sind definitiv vorhanden, vor allem was das Gitarrenspiel angelangt. Insgesamt fehlt es aber an guten Ideen und an eindringlichen Momenten. Das Titelstück ist noch sehr ordentlich, da die schnellen und harten Elemente packend rüberkommen. Doch die drei verbleibenden Lieder schwächeln, es mangelt ihnen einfach an Biss und Härte.

01. Sacrilegious impalement
02. Infinite darkness
03. Prophet of misanthropy
04. Eternal agonies

16.02.2008

The Monolith Deathcult - Trivumvirate | 2008 | Twilight | CD | Death Metal

Das dritte Album Trivmvirate der niederländischen Death Metal-Truppe The Monolith Deathcult ist ein sehr brachiales und gewaltiges Werk, auf dem die Herren brutales Geknüppel, elektronische Elemente, orchestrale Begleitungen und mörderische Trash Solis vereinen. Wer jetzt denkt, durch diese Hülle und Fülle würde das Album womöglich zu überladen wirken, der irrt. Denn Trivmvirate ist knapp 60 Minuten lang und die einzelnen Lieder bewegen sich zwischen 5 und 14 Minuten, was viel Raum für die kompositorische Vielfalt lässt.

Aber nicht nur das musikalische Konzept trägt eine abwechslungsreiche Handschrift. Die thematische Abhandlung ist nicht weniger vielfältig und dazu geschichtsträchtig. So bezieht sich Kindertodeslied auf zwei Charaktere aus dem Film „Der Untergang“, welche die Sicht von zwölfjährigen Kindern schildern, die im Mai 1945 versuchen, Berlin vor der Roten Armee zu schützen. Um das russische Atom-U-Boot Kursk geht es in Den ensomme nordens dronning. Und auch die übrigen Lieder greifen unterschiedliche geschichtliche Themen auf.

Nun aber zur Musik. Das Auftaktstück Deus ex machina ist knapp zehn Minuten lang und stellt die musikalische Vielfalt des Werks gut dar. Eingängiges und druckvoll treibendes Geknüppel wechselt sich mit modernen Parts ab, in denen elektronische und harmonische Elemente zum tragen kommen. Es werden aber auch die Gitarren in zwei schnellen Soli richtig schön gequält. Deus ex machina ist ein enorm wandlungsreiches Lied und ob dieser Reichhaltigkeit wirkt das Stück sehr homogen und flüssig, was auf das gesamte Album zutrifft.

In Kindertodeslied wird deutsch und mit zwei Stimmen gesungen, die sich abwechseln. Neben dem typischen tiefen Death Metal Gesang gibt es eine hart, scharf und kantig klingende Stimme zu Hören, die befehlsartig klingt und wohl an deutsche Offiziere des Dritten Reiches erinnern soll. Darüber hinaus sind auch eingespielte Samples, wie das euphorische Jubeln einer Masse oder Kinderstimmen, zu hören, die diese spezielle geschichtsträchtige Atmosphäre unterstreichen.

Im letzten und längsten Stück Den ensomme nordens dronning, zeigt The Monolith Deathcult sehr orchestrale und monumentale Züge, die mich teilweise ein wenig an Metallicas Konzert mit dem San Francisco Symphony Orchestra erinnern. Phasenweise ist auch ruhiger Frauengesang zu hören, der mir allerdings nicht gefällt. Dafür sind die Brachialparts jedoch umso heftiger und überzeugender. Den ensomme nordens dronning beginnt recht beschaulich und harmonisch, doch im Mittelteil wächst The Monolith Deathcult über sich hinaus und legt dermaßen brutalen Death Metal hin, dass es eine wahre Freude ist. Die letzten Minuten sind dann wieder von ruhigeren Tönen und Arrangements gekennzeichnet.

Obwohl ich mich zuweilen mit modernen Einflüssen im extremen Metal schwer tue, muss ich eingestehen, dass mir Trivmvirate ausgesprochen gut gefällt. Es ist The Monolith Deathcult ausgezeichnet gelungen, brutalen US Death Metal mit elektronischen Beats und Harmonien zu kreuzen. Zudem ist der Klang sehr differenziert, mächtig und druckvoll, was der Musik natürlich sehr zu gute kommt, da sie sich ihre Brachialgewalt mit zunehmender Lautstärke potenziert. Wer es brutal mag und keine Scheu vor modernen und elektronischen Stilelementen hat, sollte Trivmvirate in jedem Fall mal antesten.

01. Deus ex machina
02. Wrath of the Ba'ath
03. Kindertodeslied
04. Master of the Bryansk forests
05. M.M.F.D.
06. I spew thee out of my mouth
07. Demigod
08. Den ensomme nordens dronning

Fäulnis - Cholerik: Eine Aufarbeitung² | 2008 | Karge Welten Kunstverlag | CD | Black/Dark Metal

Diese Wiederveröffentlichung wurde komplett neu gemastert, enthält im 12seitigen Booklet zahlreiche Informationen rund um das Schaffen von Fäulnis und wartet darüber hinaus mit drei Bonusstücken auf. Mir ist die Originalveröffentlichung von 2004 nicht bekannt, weshalb ich unvoreingenommen zu Werke gehen kann.

Im Booklet wird Cholerik: Eine Aufarbeitung² als roh und unstrukturiert umschrieben, was sicherlich zutreffend ist. In der Einleitung ist ein einfacher, getrommelter Rhythmus zu hören, der von irgendwelchen Schmerzensschreien begleitet wird. Mit Invokation folgt dann ein sehr gutes und düsteres Lied, welches mir auf Anhieb am besten gefällt. An Invokation gefällt mir vor allem das Wechselspiel zwischen dem ätzenden, verzerrtem Kreischgesang und dem klaren, unverzerrten und sonoren Gesang. Für gewöhnlich mag ich klare Gesänge überhaupt nicht, doch in diesem Falle umso mehr, zumal die musikalische Untermalung sehr gut ist. Invokation beginnt mittelschnell treibend mit einer leicht melodisch gespielten Gitarre und verändert sich zu einem schneller werdenden, roh klingendem Wutsturm.

Es folgt Zwischenspiel I: Die Lästerzungen. Eine irre und vom Wahnsinn getriebene Stimme rezitiert François Villon und stellt detailreich dar, wie man Lästerzungen gefälligst zu schmoren hat. Untermalung findet das Ganze dann natürlich von düsteren Hintergrundklängen. Zwischenspiel I geht nahtlos in Gespien über, welches extrem harsch und schnell beginnt. Auf diesen wüsten und heftigen Anfang folgt eine düstere und beklemmende Passage, bestehend aus düsteren Keyboardklängen, eine klaren, englisch sprechenden Stimme und anderen Stimmenfragmenten, die teils verzerrt, teils unverständlich sind und leises Schluchzen oder lautes Atmen sein könnten. Erst in der letzten Minute wird es wieder metallisch, wobei dann auch übelstes Geknüppel und Gegrunze zu hören ist, was sich durchaus ein wenig nach zünftigem Grind anhört.
Weniger extrem geht es mit Die Tote vom Flussufer weiter, einem schleppend bis mittelschnell gehaltenem Lied. Das Riffing ist grell klingend, leicht melodisch und recht eingängig. Viel interessanter und vielfältiger ist da der Gesang, der entweder stark verzerrt, klar oder sehr tief und kehlig ist. In der Mitte folgt ein sehr klarer Part mit Akustikgitarre, bevor das Lied dann kraftvoll schleppend ausklingt.

Die Synthetikversion von Invokation ist zwei Minuten länger als das Original und wurde von K. Zwiespalt von Stillhet interpretiert. Es ist ein sehr schönes und ruhiges Lied, das gern auch zehn Minuten länger hätte sein können.
30. Juli, bewölkt ist ein recht ruhiges, atmosphärisches aber dennoch kraftvolles Lied, mit zum Teil recht rockig wirkenden Riffs. Die hellen, sphärisch klingenden Gitarrenmelodien erinnern mich stark an das neuste Nachtmystium Album. Am ausdrucksstärksten ist allerdings der Gesang, der erneut sehr abwechslungsreich ist und klare wie auch verzerrte Züge hat.
Der letzte Titel II wird in einer etwas anderen Form auf dem kommenden Album Gehirn zwischen Wahn und Sinn vertreten sein. Es ist ein langsames Lied, in dem ruhiges, leicht dunkelharmonisches Gitarrenspiel die Stimmung dominiert. Wirklichen Gesang gibt es nicht, stattdessen ist ein fernes Rufen oder Flüstern zu hören.

Cholerik: Eine Aufarbeitung² ist sicherlich ein sehr interessantes Werk mit einer tiefgehenden Gedankenwelt. Doch gänzlich überzeugen kann es mich nicht, da mir auf Dauer die vielen düsteren Parts zwischen den metallischen Passagen und Liedern auf die Nerven gehen. Das Zusatzmaterial wertet die Veröffentlichung jedoch auf.
Invokation zum Beispiel ist ein grandioses Lied, das ich mir fünfmal nacheinander anhören kann und auch die metallischen Anteile von Gespien sind genau mein Fall. Doch das Drumherum stört mich ein wenig. Sicherlich ist der von Fäulnis erdachte Terminus „Sick Black Art“ mehr als passend. Ich weiß jedoch nicht, wie sich Fäulnis auf den beiden späteren Werken Letharg und Kommando Thanatos musikalisch entwickelt hat, allerdings würde ich mir persönlich mehr vom extremen Metal wünschen.

01. Einleitung
02. Invokation
03. Zwischenspiel I: Die Lästerzungen
04. Gespien
05. Zwischenspiel II: LaVT
06. Die Tote vom Flussufer
07. Ausklang
08. Invokation (Synthetik 2007)
09. 30. Juli, bewölkt
10. II
 

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