09.11.2014

Werian - Among Humans | 2014 | I.K. Productions / Under Rotting Sky Records | Kassette | Black Metal



Auf WERIAN bin ich der überaus ansprechenden und aufwendigen Gestaltung und Aufmachung wegen aufmerksam geworden. Als ich dann noch kurz in eine Vorschau rein hörte, war die Sache sofort klar: kaufen!  Nach einer 2011 veröffentlichten ersten Demo, gibt es nun mit „Amon Humans“ diese zweite Demo WERIANS. Über die Gruppe ist wenig bis gar nichts bekannt, doch das macht nichts, die Musik spricht schließlich für sich.

Obwohl die Kassette nur drei Lieder umfasst kommt sie auf eine Spielzeit von knapp 40 Minuten. Die Lieder sind allesamt lang und auch langsam. WERIAN spielen düsteren und vom Doom beseelten Black Metal, der sich stellenweise auch des Stoner bedient. Nun gibt es in der heutigen Zeit zahllose Gruppen, die den Black Metal mit verschiedensten Einflüssen und Stilen vermischen. Es ist also überhaupt nichts Neues und dennoch gelingt es WERIAN, sich musikalisch und atmosphärisch eine Eigenständigkeit zu bewahren, die nichts mit irgendwelchen erfolgreichen Trends zu tun hat. Denn dafür klingt „Among Humans“ viel zu roh und beklemmend. Mir gefällt der rohe Klang, welcher für eine Demokassette absolut angemessen ist, sehr gut. Doch Leute moderner und angesagter Klänge, Freunde filigraner Strukturen und ausgeklügelter Melodien, werden hieran wohl wenig Gefallen finden.

„Among Humans“ ist ein schwermütiges Werk, auf dem sich eine gewisse partielle Monotonie mit ruhiger und bedächtiger Melodik vermischt. Dieser melodische Aspekt äußert sich nicht nur in den tollen Stoner-Gitarrenläufen, welche mich gar ein wenig an MY SLEEPING KARMA und Konsorten erinnern, sondern auch subtil im aufbrechenden, schnellen Black Metal oder im zähen und schleppenden Lied „Devourer“.

Auf „Among Humans“ sind sehr unterschiedliche Einflüsse und Stile zu hören, und genau dies macht die Demo für mich so gut und reizvoll. Denn WERIAN überzeugen mit jedem ihrer verschiedenen Elemente und legen sich dabei nicht fest. Die schönen Stoner-Melodien sind ebenso ansprechend und überzeugend wie das Bedrückende und Melancholische oder auch Schnelle. Überdies erweisen sich WERIAN zuweilen auch als eigensinnig und morbide, denn so manch ein Riff oder Break wirkt etwas bizarr, was die Sache gelungen abrundet.

Wer eigenständigen Black Metal und Kassetten schätzt, sollte sich „Among Humans“ auf gar keinen Fall entgehen lassen. Diese Kassette darf in keiner Sammlung fehlen und WERIAN verdienen es, gehört zu werden!

1. Acid Mountain
2. Devourer
3. Among Humans

03.11.2014

Vargsang - In The Mist Of Night | 2014 | Obscure Abhorrence Productions | CD | Black Metal



Nach sechsjähriger Pause kehrt VARGSANG mit dem vierten Album zurück. Mit dem 2003 erschienenem Debütalbum „Call Of The Nightwolves“ traf VARGSANG damals genau meinen Nerv. Ich liebte den rohen, grimmigen und kalten – von DARKTHRONE – inspirierten Black Metal. Vor allem das Lied „My Dark Hateful Spirit“ hatte es mir angetan, infizierte mich regelrecht. Seitdem sind viele Jahre verstrichen und es folgten drei Alben und die besagte Auszeit. Mit „In The Mist Of Night“ knüpft VARGSANG ans letzte, 2008 veröffentlichte, Album an.

VARGSANG spielt auch 2014 noch grimmigen und rohen Black Metal, fernab irgendwelcher Strömungen hin zu progressiven und atmosphärischen Kompositionen. So gesehen ist „In The Mist Of Night“ fieser und hässlicher Black Metal, gleich einem Faustschlag direkt ins Gesicht. VARGSANG orientiert sich also nach wie vor am rohen und direkten Black Metal der 90iger. Die neuen Lieder sind grimmig und riffbetont, ähnlich wie zuvor schon „Werewolf Of Wysteria“. VARGSANG steht seit dem Debüt für gute, subtile Melodien, die ob aller Rauheit dennoch für ein dezentes harmonisches Moment sorgen, welches jedoch alles andere als emotional entrückt ist. Stattdessen gibt’s verächtlichen Grimm und spuckenden Groll in der Form dreckiger Riffs. In dieselbe Kerbe schlägt übrigens auch der Gesang. VARGSANG ‚singt‘ sehr ruhig, die Stimme wirkt vielmehr gesprochen als gesungen oder geschrien, was ich als etwas befremdlich empfinde. Das ist zwar nichts Neues bei VARGSANG, doch diesmal wirkt die Stimme irgendwie seltsam neutral oder gar gleichgültig auf mich. Einerseits kann man diese stimmliche Gleichgültigkeit sehr gut mit der rohen und grimmigen Ausrichtung der Musik assoziieren, andererseits würde dem Album etwas mehr Eindringlichkeit gut tun. Auf die Dauer fehlt mir da irgendwie das Feuer. Aber das ist ein eher diffuses Gefühl, eine subjektive Wahrnehmung, die auch mit dem etwas dumpfen Klang zu tun hat. Denn VARGSANG hat sich nicht großartig verändert, es lassen sich zu allen vorangegangen Alben Parallelen finden. VARGSANG ist sich durchaus treu geblieben und der Stil ist nach wie vor kompromisslos und präsentiert den grimmigen Black Metal der 90iger. Doch klanglich empfinde ich das neue Album nicht überragend. Das Rohe und Grimmige wird zwar sehr gut kommuniziert, die Spuren sind differenziert, doch irgendwie liegt über allem etwas dumpf Einhüllendes, was vielleicht auch dafür sorgt, dass der Gesang so gleichgültig wirkt.

„In The Mist Of Night“ ist kein schlechtes Album, nur gelingt es VARGSANG nicht, mich damit so zu infizieren wie damals mit dem Debüt. Aber böse und unheilvoll ist es nach wie vor, man spürt dass VARGANG vom Geist der 90iger beseelt ist. Insofern ist  „In The Mist Of Night“ sehr wohl eine gelungene Platte, musikalisch sowieso. Doch rein atmosphärisch und stimmungstechnisch hatte ich mir etwas mehr Eindringlichkeit und Energie gewünscht. Positiv empfinde ich jedoch die Konsequenz, mit der VARGSANG auf allen vier Alben agiert. VARGSANG macht seit der ersten Platte kompromisslosen und grimmigen Black Metal ohne Firlefanz, schon allein dafür gebührt ihm Respekt und Anerkennung.

01. The Roots Of Hate
02. Praise The Dead
03. In The Mist Of The Night
04. The Cosmic Gate
05. Lifeless Eternal
06. Of Sickness And Lust
07. Captured In The Dark
08. There Is No Heaven
09. Begotten
10. Chains Of Life

Stench - Venture | 2014 | Agonia Records | CD | Death Metal



Vier Jahre nach dem erfolgreichen Debütalbum „In Putrescence“ legen die Schweden, deren Hauptband TRIBULATION für viel Entzückung sorgt, nun mit „Venture“ nach. Es ist ein tolles Album geworden, welches sich jedoch vom Debüt zum Teil deutlich unterscheidet. „Venture“ ist ein morbides und überraschendes Werk  mit viel düsterer Melodik.

Ja, gerade das Spiel an den Saiteninstrumenten ist immens, eindringlich und besonders. Sowohl klanglich als auch melodisch decken die Gitarren ein verdammt breites Spektrum ab und vermischen stellenweise eine agile rockige Attitüde und Lebendigkeit mit morbidem Todesblei. Dies wird schon sogleich mit dem Eröffnungstitel „Archways“ deutlich, welches einen treibenden und stampfenden Rhythmus aufweist, zu welchem Gitarrist Jonathan Hultén frickelige Melodiebögen und düstere Basslinien spielt. Die Finger stehen auf dem Griffbret niemals still und ob aller Lebendigkeit und Melodie gelingt es STENCH dennoch, hervorragend unheilvoll, düster und makaber aufzuspielen. Die vielen Riffs und Melodien, die mit rhythmischer Vielfalt einhergehen, sind überaus eigenständig und erzeugen von der ersten Sekunde an eine unerhört dichte Atmosphäre.

Aber nicht nur harmonisch betrachtet ist „Venture“ ein interessantes und erstklassiges Album. Auch Sänger Mikael Pettersson hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Seine Stimme ist nicht unbedingt typisch für den schwedischen Death Metal und überschreitet immer wieder die Grenze zum Black Metal, gerade dann, wenn er aggressiv keift und faucht, wie im dynamischen Titel „Road“. Dann entfesseln er und STENCH eine überaus explosive und aggressive Atmosphäre, welche hervorragend zur mehrheitlich düsteren und obskuren Stimmung passt.

„Venture“ ist ein Werk, welches mit jedem Durchgang wächst und besser wird. Zunächst war ich gefangen vom tollen Klang der Gitarren, doch auch das perfekte, punktgenaue Zusammenspiel von Gitarre und Schlagzeug ist eindringlich und beeindruckend zugleich. Denn „Venture“ ist eine Platte, die so etwas wie Stillstand nicht kennt. Es ist ein facettenreiches und bewegliches Album, wo eigentlich ständig etwas passiert. STENCH ist es dabei gelungen, die Musik jedoch überhaupt nicht überladen oder zu komplex wirken zu lassen. Trotz der immensen Dynamik und Vielfalt geht „Venture“ flüssig runter wie Wasser.

STENCH haben mit „Venture“ ein großartiges Album abgeliefert, welches sich nicht einfach in eine Schublade pressen lässt. Dafür sind Eigenständigkeit und Ideenreichtum viel zu prägend. Ich empfinde zum Beispiel die dezenten rockigen Einflüsse und Hinweise überaus furios. Das Lied „Smell Death“ ist ein schnelles und dreckiges Stück, welches unterschwellig schon in Richtung Punk Rock à la DEAD KENNEDYS geht. Für mich haben STENCH alles richtig gemacht und haben sich gegenüber dem Debüt auf „Venture“ deutlich steigern können.


1. Archways
2. The Vast
3. Road
4. Small Death
5. Celebration
6. Way
7. Venture

Zombiefication - Procession Through Infestation | 2014 | Doomentia Records | CD | Death Metal



Das mexikanische Duo ZOMBIEFICATION spielte kürzlich eine Tour quer durch Europa und im Anschluss ist mit „Procession Through Infestation“ das bereits dritte Album der 2009 gegründeten Band erschienen. Gänzlich unbekannt dürften die Mexikaner, die schwedischen Death Metal der alten Schule spielen, also nicht mehr sein.

Das dritte Album kombiniert einen relativ rauen Klang mit abwechslungsreichen Strukturen. Sowohl rhythmisch als auch melodisch agieren ZOMBIEFICATION überaus vielfältig. So gibt es sehr brachiales Geballer, direkt und brachial, als auch schwungvolle mittelschnelle Parts und sehr düstere Riffs. So etwas wie Monotonie findet nicht statt, da die Lieder sich oft und in recht kurzen Abständen verändern. Neben direkten und geradlinigen Parts gibt es auch immer wieder komplexe und verschachtelte oder melodische Passagen. Manch eine Passage gefällt mir richtig gut, etwa dann, wenn man wie in „Infestation“ das Tempo rausnimmt und düstere, atmosphärische Gitarrenmelodien und ein dreckiges Soli spielt. An solchen Stellen klingen ZOMBIEFICATION richtig schön düster und morbide. Allerdings habe ich mit dem Gesang meine Schwierigkeiten. Der Gesang ist variabel, Mr. Hitchcock grunzt also nicht nur stumpf vor sich hin, sondern deckt ein relativ breites stimmliches Spektrum ab. Die Vielfalt in aller Ehre, aber mir gefällt der Gesang nicht, ich hätte mir eine etwas härtere oder morbidere Stimme gewünscht.

„Procession Through Infestation“ ist ein verdammt vielfältiges Album, auf dem nahezu permanent etwas in Bewegung ist. Die immense Abwechslung sorgt natürlich für große Eigenständigkeit, doch mir ist es etwas zu viel. Für meinen Geschmack hätte es ruhig etwas mehr Direktheit und Härte geben können.


1. Procession
2. The Never Ending Quest
3. Possession
4. Crossing The Rite
5. Infestation
6. The Divine Door
7. Oppression
8. The Blackest Light

02.11.2014

Ordo Inferus - Invictus Et Aeternus | 2014 | Doomentia Records | CD | Death Metal



Nachdem man 2013 die Debüt EP „Damnati“ noch mit dem amerikanischen Sänger Daryl Kahan einspielte, sind ORDO INFERUS inzwischen eine rein schwedische Gruppe, die Death Metal, der stark an die 90iger erinnert, mit dem Thema der Römischen Republik rund um Caesar verbindet. Wenn man sich die Musiker anschaut, sieht man viele bekannte Gesichter. Für den Gesang ist Tony Freed (GODHATE) zuständig, Janne Björkenfjäll (MALFEITOR) malträtiert die Felle und an den Gitarren sind Hempa Brynolfsson (EXCRUCIATE) und Sebastian Ramstedt (NECROPHOBIC, NIFELHEIM) zu hören.

Die langjährige Erfahrung aller Beteiligten lässt sich natürlich auch heraushören. ORDO INFERUS spielen abwechslungsreichen aber dennoch direkten Death Metal, der eine düstere Atmosphäre mit Härte und eine Prise Rohheit verbindet. Das Spiel an den Gitarren ist sehr vielfältig, besonders herausheben möchte ich die vielen gequälten Riffs und Soli, welche mich an MORBID ANGEL und IMMOLATION erinnern, während Freeds Gesang allerdings in Richtung GOREFEST geht. Diese düstere Grundatmosphäre wird punktuell von einem dezenten Keyboard unterstrichen, was ich als sehr gelungen empfinde. Überhaupt empfinde ich die atmosphärische Dichte des Albums als sehr hoch; was vor allem der Vielfalt geschuldet ist. ORDO INFERUS verstehen es hervorragend sowohl schnell, sägend und brutal als auch düster, morbide und dunkelatmosphärisch aufzuspielen. Trotz aller Vielfalt ist „Invictus Et Aeternus“ alles andere als überladen. ORDO INFERUS bleiben geerdet und spielen trotz vieler eingestreuter Soli oder atmosphärischer Brücken stets direkt geradeaus.

Ich denke, wer den Death Metal der 90iger liebt, wird hiermit seine wahre Freude haben. Und obwohl ORDO INFERUS an viele Veteranen erinnern, ist die Scheibe dennoch schön eigenständig und kein billiger Abklatsch. Mich haben ORDO INFERUS jedenfalls überzeugt, gerade der düsteren Harmonien und kraftvollen Vielfalt wegen.


01. Sub Imperio Prolapso
02. Lingua Silentium
03. Io Saturnalia
04. Tunica Molesta
05. Damnati
06. Antequam Porta Aperiatur
07. Divinatio Tusculana
08. Decimatio
09. Rhea Ilia
10. Daemoniatus
11. Servi Domini Veri
12. Saturnum Salutamus