08.06.2014

Walk Through Fire - Hope Is Misery | 2014 | Aesthetic Death / Wolves & Vibrancy Records | CD | Sludge / Doom




Vor ziemlich genau drei Jahren konnten WALK THROUGH FIRE mit ihrem Debütalbum „Furthest From Heaven“ einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.  Denn was die vier Schweden damals ablieferten, war herrlich düsterer sowie beklemmender Sludge. Nun liegt mir mit „Hope Is Misery“ der Nachfolger vor, und der Albumname ist definitiv Programm!

„Hope Is Misery“ ist nämlich in der Tat ein von Qual, Not und Leid geprägtes Werk. Obwohl WALK THROUGH FIRE langsam aufspielen und das Album auf eine Länge von 80 Minuten kommt, wirkt der Sludge streckenweise enorm kraftvoll und aggressiv, was nicht zuletzt dem energischen Kreischgesang von Gitarrist Ufuk geschuldet ist. Seine bissigen und aggressiven Gesangseinlagen harmonieren hervorragend mit den bedrückenden und desolaten Riffs. So entsteht eine überaus schwere, düstere und beklemmende Atmosphäre, die allerdings nicht wirklich oder ausschließlich depressiv ist sondern vielmehr einer latenten Hoffnungslosigkeit und Bitterkeit entspricht.

WALK THROUGH FIRE haben auf dem zweiten Album gegenüber dem Debüt sowohl die Liedanzahl als auch die Spielzeit verdoppelt, was gefährlich sein kann, in diesem Fall aber funktioniert. Obwohl ein gewisses Maß an Monotonie obligatorisch ist, gibt es Abwechslung, die „Hope Is Misery“ zu einer Art Reise oder Erzählung macht. Einerseits wechseln sich instrumentale Stücke mit gesungenen Liedern ab und andererseits gibt es neben zähem Sludge und gequälten Riffs auch leise und sanfte Klänge oder aggressive Intentionen zu hören. WALK THROUGH FIRE haben die richtige Mischung gefunden und „Hope Is Misery“ ist ein Werk, welches nur in seiner Gesamtheit richtig funktioniert. Es ist ein monolithisches Opus mit dem man tatsächlich den Glauben an Hoffnung und Besserung verlieren kann.

Ich schrieb bereits im Fazit des Vorgängers, dass WALK THROUGH FIRE den perfekten Soundtrack für jegliche Schwermut ablieferten. Dies kann ich nur wiederholen, wobei die Schweden jegliche Form von Beklemmung, Schwermut und Qual noch deutlich intensivierten. „Hope Is Misery“ ist noch lichtverzehrender und derber als „Furthest From Heaven“. Wer der derzeitigen sommerlichen Glut und Leichtigkeit etwas entgegen setzen will, der soll doch bitte „Hope Is Misery“ auf voller Lautstärke abspielen! Denn dort wo WALK THROUGH FIRE sind, gibt es weder Sommer noch Licht.

1. Sustained in Grief
2. Hope is Misery
3. Grow Stronger in Isolation
4. Harden in Despair
5. Waking Horror
6. Next to Nothing
7. Another Dream Turned Nightmare
8. Laid in Earth

02.06.2014

Aurvandil - Thrones | 2014 | Eisenwald | CD | Black Metal



Mit dem Vorgänger „Yearning“ gelang es AURVANDIL mich umzuhauen. Die kalte Melodik gepaart mit einem rohen Klang faszinierte mich. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf das neue Album „Thrones“. Obwohl es lediglich vier Lieder enthält, kommt es auf eine Spielzeit von 60 Minuten.

Recht schnell wird deutlich dass sich AURVANDIL seit „Yearning“ weiter entwickelt haben. „Thrones“ ist schneller, geradliniger und deshalb auch eisiger als seine Vorgänger. Die EP „Ferd“ und das Debütalbum „Yearning“ waren noch durch atmosphärische und melancholische Elemente geprägt, davon findet sich auf „Thrones“ wenig wieder. Das Tempo der sehr langen Lieder ist oftmals schnell und eingängig, das Schlagwerk hallt monoton, während die grellen und rauen Gitarren kalte Riffs schmettern. Dies ist natürlich eine Umstellung, da ich gerade das Melancholische und Atmosphärische des Vorgängers zu schätzen wusste. Während die beiden ersten Lieder vor allem durch rhyhtmisch eingängige Schnelligkeit bestimmt sind, wird es mit dem dritten Titel „Summon the Storms“ phasenweise schleppend, was mir sehr gut gefällt. Das Lied wird durch eine Akustikgitarre eingeleitet und ergießt sich dann in einem schleppenden oder mittelschnellen Part. Hier schimmert „Yearning“ ein wenig durch, da die Stimmung nunmehr nicht nur winterlich kalt ist, sondern auch eine gewisse Melancholie spürbar wird. Aber dieser Part währt nicht allzulange und AURVANDIL kehren zurück zum hohen Tempo.

Auch wenn sich die beiden Alben deutlich unterscheiden hat auch „Thrones“ seinen Reiz. Es ist ein schwerer Brocken für den man Zeit und Aufmerksamkeit mitbringen muss. Die überlangen Lieder wirken zunächst recht monoton, offenbaren beim genauen Hinhören aber eine gewisse Vielfalt und diverse Abstufungen, die eine melodische und rhythmische Abwechslung zutage fördern. In gewisser Weise könnte man „Thrones“ mit Gruppen wie DARKSPACE oder PAYSAGE D’HIVER vergleichen, aber nur bedingt und auch nur der Länge und kalten, winterlichen Atmosphäre wegen. Musikalisch gehen AURVANDIL einen anderen, eigenständigen Weg.

Im direkten Vergleich zu „Yearning“ bin ich von „Thrones“ ein wenig enttäuscht. „Thrones“ ist anders aber deswegen beileibe nicht schlechter. „Thrones“ ist schwieriger, da AURVANDIL hier mit ihrem Können nicht offen hausieren gehen und die Qualitäten des Albums in einer komplexen kompositorischen Dichte versteckt haben. „Thrones“ ist ein intensives und kaltes Werk, für das man als Hörer sehr viel Zeit mitbringen muss. Doch dann, wenn man sich drauf einlässt und sich von AURVANDIL entführen lässt, dann ist „Thrones“ ein eindringliches Erlebnis.


1. For Whom Burnest Thou
2. The Harvest of Betrayal
3. Summon the Storms
4. Ingen Lindring

Near Death Condition - Evolving Towards Extinction | 2014 | Unique Leader Records | CD | Death Metal




Intensiv und brutal! So ließe sich „Evolving Towards Extinction“ von NEAR DEATH CONDITION aus der Schweiz vortrefflich und präzise umschreiben. Auf ihrem dritten Album machen sie wahrlich keine Gefangenen und spielen brachial geradeaus. Auch wenn das Tempo hoch ist und es stellenweise unfassbares Geprügel gibt, ist „Evolving Towards Extinction“ dennoch mehr als pure Raserei.

NEAR DEATH CONDITION kombinieren bedingungslose Härte in der Form von heftiger Schnelligkeit mit zahlreichen Breaks, komplexen Verschachtelungen und einer düsteren, geradezu morbiden Atmosphäre. „Evolving Towards Extinction“ ist ein sehr detailreiches und bewegliches Album. Die Lieder sind zwar sehr komplex und stellenweise auch technisch und trocken, dennoch ist es den Musikern gelungen, ein flüssiges und spielfreudiges Album abzuliefern. Die technische Komplexität nimmt nämlich kaum überhand, es gibt genügend geradlinige Parts, die manch ein kompliziertes Geflecht wieder auflockern. Überdies frohlocken die Schweizer mit einer angenehmen Spielfreude, die sich unter anderem in düsteren Gitarrensoli äußert, welche auflockernd wirken und zugleich eine morbide Atmosphäre ausbreiten. An den Saiteninstrumenten ist ohnehin viel los, neben den Soli gibt es viele abwechslungsreiche Riffs, die direkt und hart als auch flott und kniffelig sein können. Vielfältig sind aber auch Gesang und Schlagwerk. Der Gesang ist teilweise schön guttural und am Schlagwerk gibt es nicht nur Raserei und Doublebass zu hören.

Wer auf brutalen und technischen Death Metal steht, der kommt an „Evolving Towards Extinction“ wohl nicht vorbei. NEAR DEATH CONDITION überzeugen auf ihrem dritten Album in jeglicher Hinsicht. Spielerisch und klanglich gibt es nichts auszusetzen und als überaus positiv erachte ich die gelungenen Anstrengungen, neben Komplexität und Härte auch geradlinige und dezente atmosphärische Momente zu setzen.

01. Words of Wisdom
02. Between the Dying and the Dead
03. Intelligent Design
04. Pandemic of Ignorance
05. Praise the Lord of Negation
06. The Anatomy of Disgust
07. Anagamin
08. Evolving Towards Extinction
09. Vertigo
10. Communing With Emptiness
11. Nostalgia For Chaos

Tempers Creature - Lupus Est Homo Homini | 2014 | Sturmglanz | CDR | Black Metal



Das Schwäbische Duo TEMPERS CREATURES gründete sich 2008 und veröffentlichte kürzlich das Album „Lupus Est Homo Homini“. Die Zwei beschreiben ihren Stil als „Depressive Suebian Heathen Music“, womit sie die Verbindung von depressivem Black Metal mit heidnischen Einflüssen und die Verbundenheit zur schwäbischen Heimat ausdrücken wollen.

Entsprechend der unterschiedlichen Einflüsse ist „Lupus Est Homo Homini“ auch kein homogenes Werk, da sowohl der DSBM teils sehr ausgeprägt ist, es aber ebenso auch deutliche Tendenzen in Richtung Heidentum und atmosphärische Musik gibt. Durch diese verschiedenen Ansätze entpuppt sich das Album als facettenreich. Selbst der DSBM ist vielfältig. TEMPERS CREATURES gehen sowohl den  klassischen Weg, der eine schleppenden Spielweise und hysterisches Gekreische bevorzugt, als auch ruppig zu Werke, wie der eine und andere schnelle und ruppig Ausbruch zeigt. Ganz gleich ob langsam oder schnell, musikalisch agiert das Duo im Black Metal rau. Der Klang ist roh und scheppernd und die Melodien sind relativ einfach gehalten. Etwas anders sieht es in den zahlreichen atmosphärischen Stücken und Passagen aus, die sowohl männlichen als auch weiblichen Klargesang beinhalten. Dort gibt es neben ruhigem Gesang auch Piano und verträumte, teils heidnische und dem Neo-Folk entliehene Harmonien zu hören. Diese harmonischen und ruhigen Einlagen sind ein starker Kontrast zum rohen DSBM und erweitern die Stimmungslage des Albums enorm. Da gefällt mir „Wir rufen deine Wölfe“ definitiv am besten, da ich schon das Original von STURMPERCHT großartig finde. Hierbei handelt es sich zwar um ein von STURMPERCHT nachgespieltes Stück, doch ist „Wir rufen deine Wölfe“ eigentlich ein Gedicht von Friedrich Hielscher, auf dessen kontroverses Schaffen ich an dieser Stelle nicht eingehen möchte. „Wir rufen deine Wölfe“ wurde jedenfalls von vielen Gruppen vertont und TEMPERS CREATURE haben sich für die wohl beste Interpretation von STURMPERCHT entschieden.

Die musikalische und atmosphärische Vielfalt ist sicherlich interessant. TEMPERS CREATURE versuchen immer wieder mittels ruhiger und sphärischer Musik dem Ganzen einen ruhigen und atmosphärischen Charakter zu verleihen, was mir persönlich jedoch nicht gefällt. Mir ist es insgesamt zu viel Abwechslung mit einem zu hohen Anteil an atmosphärischen Einlagen. Dadurch wird der Black Metal etwas an die Seite gedrängt, der mir vor allem dann gefällt, wenn es etwas lauter, schneller und hässlicher wird. Die langsamen, depressiven Passagen sind nicht schlecht, können mich aber nicht wirklich fesseln, was beim DSBM aber ohnehin nur sehr selten vorkommt. „Lupus Est Homo Homini“ richtet sich deshalb wohl vor allem auch an Anhänger des rohen DSBM und Freunde von atmosphärischen und ruhigen Klängen. Dies wird auch durch die strikte Limitierung auf 100 Einheiten unterstrichen. „Lupus Est Homo Homini“ ist ein Album für eingefleischte Anhänger des suizidalen und atmosphärischen Black Metals.



01. Zwiespalt (Intro)
02. Schmerz, mein einzig‘ Freund (Einsamkeit I)
03. Winter im Herzen (Einsamkeit II)
04. Der Misanthrop
05. Der Menschheit Weltenbrand
06. Letztes Strafgericht
07. Die Liebe Nerthus (Burzum Cover)
08. Suebia (Heimaterde)
09. Heimathymne
10. Wir rufen deine Wölfe (Sturmpercht Cover)
11. Wuotans wildes Heer
12. Die Trauer der Germania
13. Nur ein Traum… (Einsamkeit III)