14.04.2014

Malhkebre - Revelation | 2014 | I, Voidhanger Records | CD | Black Metal



Dieses Album ist keine leichte Kost. Nicht etwa des womöglich ein wenig unappetitlichen Covers wegen sondern aufgrund der musikalischen Darbietungen dieses französischen Quartetts. MALHKEBRE wurde im Jahre 2002 von Eklezjas'tik BerZerK, dem Mann hinter Battlesk'rs Productions, gegründet, um satanische Propaganda zu verbreiten. Weil sich MALHKEBRE dieser Thematik vehement verschrieben haben, wird deren Stil oft als Orthodox Black Metal beschrieben. Dazu passt auch die 2009 erschienene Split EP mit AOSOTH. Musikalisch bestreiten MALHKEBRE allerdings andere, eigenständige Pfade und sind kaum mit den ‚klassischen‘ Vertretern dieser Gattung zu vergleichen.

„Revelation“ ist nämlich nicht nur eigenständig sondern auch durch und durch eigenwillig. Obwohl das Konzept satanisch, okkult und rituell ist und dies auch reich bebildert wird mit nackten und   blutverschmierten Körpern, verzichtet man vollständig auf irgendwelche Samples, Einspielungen oder Filmausschnitte, die eine düstere, religiöse Atmosphäre erzeugen sollen. MALKHEBRE lassen stattdessen einfach ihre Instrumente sowie Berzerks Gesang für sich sprechen.

Die Lieder sind teilweise sehr komplex und chaotisch strukturiert und Berzerks Gesang, sofern man von Gesang sprechen kann, kommt stets makaber aber manchmal auch hysterisch daher. Seine zumeist gesprochene oder merkwürdig gesungene respektive summende Stimme, erzeugt gemeinsam mit sehr eigenwilligen, teils komplizierten und schrägen Riffs, eine absolut beklemmende Atmosphäre. Dabei wirkt das Treiben manchmal gar derart skurril und absurd, dass ich mich an HÖLLENPOETIKS erste Demo erinnert fühle. Das Eigenwillige und Chaotische mag zunächst irritieren da es anstrengend sein kann, allerdings gelang es MALHKEBRE recht schnell, mich zu überzeugen. Obwohl das Riffing manchmal etwas kompliziert ist gibt es zahlreiche tolle Riffs, die zupackend und vereinnahmend sind, zumal MALHKEBRE vereinzelt dezente Einflüsse von Death Metal erkennen lassen. Vor allem was Riffing und Klang anbelangt. An ganz anderen Stellen wirken sie dann jedoch absolut abgedreht, chaotisch und hysterisch.

„Revelation“ ist ein abstraktes und abgefahrenes Album, welches teilweise sehr chaotisch und technisch, andernfalls aber auch hart, böse und brutal ist. Und über allem liegt eine düstere und obskure Eigenwilligkeit, die „Revelation“ zu einem überaus interessanten Album für jeden macht, der sich für Black Metal abseits ausgetretener Pfade interessiert.



I.  Multi Sunt Vocati  [00:38]
II.  In Pulverem Reverteris  [06:21]
III.  Hystérie Révélatrice - Part I  [01:57]
IV.  Hystérie Révélatrice - Part II  [06:45]
V.  Dogma  [00:50]
VI.  To Become Or Die  [05:23]
VII.  AMDG  [03:12]
VIII.  The Truth Must Be Doubted For Victory  [05:02]
IX.  IHSV  [07:52]

http://www.malhkebre.org/
https://www.facebook.com/malhkebre
http://malhkebre.bandcamp.com/
http://www.i-voidhanger.com/




07.04.2014

Distressed To Marrow - Release Of Insanity | 2013 | Eigenproduktion | CD | Death/Doom Metal




Es gibt Gruppen die im Grunde alles richtig machen und dennoch Schwierigkeiten haben eine Plattenfirma zu finden. Zu dieser glücklosen Gattung sind bisher auch DISTRESSED TO MARROW aus Karlsruhe zu zählen. 2008 startete man zunächst als Duo, doch wuchs man zu einem Fünfer heran der mit „Relase Of Insanity“ kürzlich die dritte Scheibe veröffentlichte. Musikalisch verlotet man sich selbst zwischen Old School Death Metal und melodischem Doom.

Es hat nicht lange gebraucht bis ich wusste dass mir „Release Of Insanity“ gefallen würde. Mit „Hellride“ haben DISTRESSED TO MARROW einen starken und eindringlichen Titel an den Anfang ihrer CD gestellt. Die ersten Sekunden sind vom Rhythmus her schleppend und zäh, während das langsam lauter werdende Gitarrenspiel melancholisch und hypnotisch ist und mich an ältere Sachen von MY DYING BRIDE und PARADISE LOST erinnert. Nach knapp drei Minuten ändert sich das Antlitz schlagartig und schneller Death Metal bricht los. Exakt hier haben mich die Fünf zum Gefangenen gemacht. Dieser schnelle Part dauert zwar nicht lange, doch die Stimmung und die Atmosphäre die erzeugt wurde, sind authentisch und vereinnahmend und DISTRESSED TO MARROW sprechen mich auch ihres Klanges wegen an. Obwohl die Aufnahmen im Rosenquarz Studio veredelt wurden, klingt „Release Of Insanity“ alles andere als glatt und überproduziert. Mich erinnert der Klang ein wenig an einen Proberaum, was ich großartig finde, da es für mich immer auch natürlich und authentisch klingt.

Authentizität und Natürlichkeit lassen sich aber auch auf die Musik übertragen. Die Lieder bewegen sich zwischen sechs und zwölf Minuten wobei langsame Doom Passagen federführend sind. Der Death Metal ist allerdings allgegenwärtig, er äußert sich in speziellen Riffs, Gesängen oder Temposchüben. Trotzdem ist „Release Of Insanity“ eine melancholische Angelegenheit. Es sind viele düstere Riffs und schwermütige atmosphärische Parts zu hören. Allerdings trägt man diese Traurigkeit nicht zu dick oder plakativ auf, sondern verpackt sie in einer latenten Allgegenwärtigkeit, die mit stets wiederkehrenden Death-Metal-Ausbrüchen kokettiert.

Es gibt viele Bands an die ich beim Hören von „Release Of Insanity“ denken muss. Die Einflüsse sind zahlreich, es lässt sich vieles raushören, doch am meisten verwundert und begeistert mich der zeitlose Anstrich. Sowohl der Klang als auch die Atmosphäre erinnern mich an alte Zeiten, wirken auf mich irgendwie nostalgisch, so, als wäre die Scheibe bereits 1998 oder 2004 und nicht 2013 erschienen.

„Release Of Insanity“ ist ein tolles Album, welches mich vor allem seiner Atmosphäre und klanglichen Ästhetik her anspricht. Es ist sicherlich nicht perfekt, doch genau das mag ich an solchen Veröffentlichungen. DISTRESSED TO MARROW spielen vielseitigen Death / Doom Metal der düstere Melodien mit viel Schwermut und einer gewissen Ruppigkeit verbindet. Ich hoffe es wird DISTRESSED TO MARROW nicht so ergehen wie FALLEN YGGDRASRIL aus Tübingen, die in der Presse und Konzerten abgefeiert wurden, jedoch nie den Durchbruch schafften und sich 2011, fünf Jahre nach der letzten Demo, auflösten. Potenzial für ein anderes, besseres und vielversprechendes Schicksal haben DISTRESSED TO MARROW!



01. Hellride
02. Massive
03. Disappear
04. Revelation Of Insanity
05. Furious
06. Murder
07. Crossing Horizons

https://www.facebook.com/pages/Distressed-to-Marrow/210849182295530
http://www.distressedtomarrow.com/

Burning Flesh - New Chaos Order | 2013 | Great Dane Records | CD | Death Metal




Die schweizerisch-französische Formation BURNING FLESH existiert zwar seit 2005, doch viele Veröffentlichungen gibt es nicht und vor wenigen Monaten kam erst ihr zweites Album „New Chaos Order“ heraus. Die fünf Musiker spielen brutalen und geradlinigen Death Metal US-amerikanischer Prägung. Dabei hinterlassen BURNING FLESH einen sehr gereiften und professionellen Eindruck. „New Chaos Order“ wirkt sehr stimmig und gut eingespielt und man würde nicht unbedingt denken, es hier mit einer Band zu tun zu haben, die gerade erst ihr zweites Album veröffentlichte.

BURNING FLESH haben vieles richtig gemacht. Obwohl die Intention schnellen und brutalen Death Metal zu spielen gewisse Grenzen setzt, verlässt man sich nicht zu sehr auf technische Komplexität und Härte. Oft genug verlieren sich viele Bands in spielerisch anspruchsvollen und höchst komplexen Strukturen, die zwar brutal sind, mich aber nur anstrengen, da es ihnen nicht gelingt mich zu berühren. Davon kann auf „New Chaos Order“ keine Rede sein. Es ist ein facettenreiches Album, welches Schnelligkeit und Härte mit diversen Tempodrosselungen und melodischen Elementen verbindet. Aber selbst die schnellen und direkten Parts sind nicht besonders technisch sondern direkt und ehrlich. Sicherlich gibt es kniffelige Riffs und Doublebass, doch BURNING FLESH übertreiben es damit nicht und konzentrieren sich auf eine klare und flüssige, gern auch schwungvolle Linie.

Besonders innovativ oder überraschend ist „New Chaos Order“ natürlich nicht, ich denke, dies würde auch niemand erwarten, doch es ist ein absolut anständiges und solides Album, welches spielerisch und klanglich gänzlich überzeugt. BURNING FLESH spielen flotten Death Metal der ob aller Härte auch viele langsame Momente besitzt, die für Abwechslung und düstere Atmosphäre sorgen. Hier spürt man dann auch das gute Gespür für gelungene und vielversprechende Harmonien. BURNING FLESH können also nicht nur schnell und brutal spielen, sondern verstehen es auch für Abwechslung und Spannungsbögen zu sorgen. Dies alles macht „New Chaos Order“ zu einer runden und empfehlenswerten Sache.



01. Riot
02. Corruption Of All Kings
03. Lies
04. Begenning's End
05. New Chaos Order
06. Death Place
07. Total Hate
08. Here And Beyond
09. Injection
10. Scums
11. In Hell We Rest
12. Retch

http://www.burning-flesh.com/
http://burningflesh.bandcamp.com/
http://www.greatdanerecs.com/