22.08.2013

Fallen Tyrant - No World To Win, A Life To Lose | 2013 | Fat And Holy Records | CD | Black Metal

FALLEN TYRANT ist ein hessisches Trio, welches mit No World To Win, A Life To Lose, nach einer Demo und zwei EPs, sein Debütalbum vorstellt. Die Drei spielen rohen, oftmals schnellen und stark nordisch geprägten Black Metal der alten Schule. Doch trotz des rohen und etwas dünnen aber durchaus klaren Klanges - was wohl auch an der Liveaufnahme im Studio liegt - und den zahlreichen Tempoeinlagen, gibt es zahlreiche melodische Riffs und Rhythmuswechsel. In Bortrykkelsen erinnert mich die Mischung aus grell-rauem Klang und melodischem Riff stellenweise ein wenig an das Debüt von BORKNAGAR. FALLEN TYRANT kombinieren ohnehin Melodik mit Rohheit und Härte, vergessen dabei aber nicht eine dezidierte Kälte und Grimmigkeit, was zu einem flüssigen sowie abwechslungsreichen Album führt.


Überraschungen oder Besonderheiten enthält das Album naturgemäß nicht. Darum geht es natürlich auch nicht. FALLEN TYRANT wollen vor allem Black Metal spielen, dies ist das Ziel und das ist dem hessischen Trio auch bestens gelungen. Im anfänglich schleppendem To Finnmarken sind kurzweilig sogar schwungvolle, doomige Akzente zu hören, was mir gut gefällt, zumal es FALLEN TYRANT mit der Melodik nicht übertreiben. Im Lied Godhate gehen FALLEN TYRANT dann einen gänzlich anderen Weg und erinnern mit ihrem Riffing ein wenig an die kalten, epischen und erhabenen Klänge von KAMPFAR.

No World To Win, A Life To Lose ist ein absolut solides sowie ansprechendes Debütalbum, welches viele interessante Details beherbergt und mit jedem Durchlauf etwas besser wird. Auch wenn der Klang etwas dünn sein mag, macht die Produktion dennoch einen stimmigen Eindruck auf mich, da sie das Entfesselte der Musik gut transportiert. No World To Win, A Life To Lose ist aus Hessen stammender Black Metal, der eigenständig ist aber den alten nordischen Größen huldigt und dabei Härte, Wut und Melodik gut miteinander verbindet.

01. Fallen tyrant rising
02. Exaltation
03. Bortrykkelsen
04. Descent
05. To Finnmarken
06. Godhate
07. Approach
08. No world to win, a life lose

http://www.fallentyrant.com/
http://www.fatandholy.com/

13.08.2013

Necromass - Calix. Utero. Babalon. | 2013 | Funeral Industries | CD / Vinyl | Black Metal

Wer hätte das gedacht? 17 Jahre nach dem letzten Album Abyss Calls Life melden sich die Italiener NECROMASS zurück. 1998 erschien noch die zwei Lieder umfassende EP Chrysalis‘ Gold ehe sich NECROMASS aufgrund persönlicher Probleme auflösten. 2011 tat man sich dann mit leicht veränderter Besetzung erneut zusammen und die beiden frühen Alben wurden wiederveröffentlicht. NECROMASS ist die erste und einzige Gruppe, die bei Hateful Metal die volle Punktzahl (Punktebewertungen werden inzwischen nicht mehr vergeben) erreichte. Ich bin und war von Anfang an ein Anhänger NECROMASS‘. NECROMASS hatten einen gänzlich eigenen Stil, der düster, morbide und okkult war. Sie spielten Riffs und Melodien, die einzigartig waren und sind. Die Messlatte für ein drittes Werk ist also (unerreichbar) hoch, dennoch war ich natürlich überaus gespannt auf Calix. Utero. Babalon.

Die gute Nachricht vorweg: Man erkennt NECROMASS nach all den Jahren wieder. Die spezielle Art, düstere melodische Riffs zu spielen ist noch vorhanden. Das Gitarrenspiel auf dem neuen Album erinnert immer wieder an die großartigen Lieder von Abyss Calls Life, wobei sie anno 2013 aber weniger düster, melancholisch oder obskur sind. Überhaupt wirkt das ganze Album Calix. Utero. Babalon. insgesamt etwas aufgehellter und weniger bedrückend als Abyss Calls Life und auch weniger harsch und obskur als Mysteria Mystica Zothyriana. Dies liegt zu einem nicht unerheblichen Anteil am Gesang. Der Gesang ist viel weniger verzerrt und extrem als auf Mysteria Mystica Zothyriana aber auch bei weitem nicht so dunkel, kehlig und ruhig wie auf Abyss Calls Life. Ab und zu gibt es eine bissige gesangliche Spitze die dann ans Debüt erinnert, doch insgesamt kommt der Gesang atmosphärisch einfach nicht an die beiden alten Alben heran. Das ist schade, denn durch den etwas blassen, farblosen Gesang kommt die gute, für NECROMASS durchaus typische Musik,  nicht so gut zur Geltung.

Musikalisch sind sich NECROMASS absolut treu geblieben. Die Lieder sind abwechslungsreich strukturiert, es gibt viele Tempovariationen und treibende Rhythmen die zumeist mittelschnell aber auch rasend oder schleppend sind, und über allem liegt das riffbetonte und melodische Gitarrenspiel. Dass Calix. Utero. Babalon. es nicht schafft, solch eine fesselnde und großartige Atmosphäre wie die beiden Vorgänger zu entwickeln, liegt aber auch an der Produktion, die ich persönlich etwas zu klar, blank, sauber und steril empfinde. Diese glatte, durchaus gute Klangproduktion, raubt der Musik meiner Meinung nach das gewisse Etwas.

Calix. Utero. Babalon. ist gewiss kein schlechtes Album und wenn man NECROMASS hiermit zum ersten Mal zu Gehör bekommt, wird man meine Kritik auch nicht nachvollziehen können. Denn NECROMASS haben es nach wie vor drauf, düsteren, melodischen und hochgradig eigenständigen Black Metal zu spielen. Nur gibt es da eben die beiden ersten Alben, und an diesen müssen sich NECROMASS nun einmal messen lassen. Und diesen Vergleich kann das dritte Album natürlich nur verlieren. Trotzdem ist es ein gutes Album mit dem man neue Hörer gewinnen sollte, die dann vielleicht auch an die betagten Meisterwerke herangeführt werden können. Auch wenn Calix. Utero. Babalon. nicht ganz so großartig geworden ist wie Abyss Calls Life oder  Mysteria Mystica Zothyriana, so ist es dennoch ein gutes, kraftvolles und eigenständiges Album, mit vielen tollen Melodien und abwechslungsreichen, düsteren Strukturen und Atmosphären.

01. Calix. Utero. Babalon.
02. Chapel of abominations
03. Dawn of silver star
04. Vacuum
05. Scarlet void of lust
06. The bornless one
07. Beyond the veil of shame and glory
08. Stellae rubae
09. Ad luciferis vim
10. Mater triumphans

http://www.necromass.it/
http://www.funeral-industries.com/

12.08.2013

Mortis Mutilati - Nameless Here For Evermore | 2013 | Naturmacht Productions | CD | Black Metal

Rund anderthalb Jahre nachdem das Debütalbum Sombre Neurasthénie erschien, ist nun mit Nameless Here For Evermore der Nachfolger rausgekommen. Während das Debütalbum noch in einer Kleinstauflage auf Kassette erschien, gibt es das neue Album nun auf CD. Es gelang MORTIS MUTILATI mit Sombre Neurasthénie noch nicht, mich vollständig zu überzeugen. Vor allem gewisse melodische Akzente sagten mir damals nicht zu.

Auf Nameless Here For Evermore macht MORTIS MUTILATI von Anfang an einen besseren, runderen und stimmigeren Eindruck. Einerseits wurde wesentlich an der Produktion geschraubt aber auch strukturell macht das Material einen viel ansprechenderen Eindruck. Die Melodien und Harmonien die nun zu hören sind, machen einen besseren, weil unauffälligeren Eindruck. Durch die dezenteren Arrangements können die Lieder eine dunklere und kältere Atmosphäre entwickeln, als noch auf dem Debüt.

Nameless Here For Evermore ist ein kraftvolles und abwechslungsreiches Album, auf dem sich direkte, geradlinige Lieder und Passagen mit atmosphärischen und melodischen Elementen und Strecken abwechseln. Diese Wechsel und Übergänge sind flüssig und stimmig, lediglich die überlange Orgelpassage in Neige De Sang hätte man erheblich kürzen können. Doch das stört nicht weiter, da mich gerade die vielen schnell gespielten Passagen ansprechen. Es ist MORTI MUTILATI gelungen, die Schnelligkeit mit einer gewissen Härte und Grimmigkeit aber auch düsteren Melodik zu paaren. So entsteht trotz der Geschwindigkeit eine negative und kalte Atmosphäre.
MORTIS MUTILATI lässt sich zwar noch zu der einen und anderen melodischen Eigenart, ein spezielles, aufdringliches Riff etwa, verleiten, doch steht diesmal der Black Metal, kraftvoll und dunkel, im Vordergrund. Nameless Here For Evermore ist für mich somit ein gutes Untergrundalbum, das Dunkelheit, dezente melancholische Melodik und kraftvolle Härte miteinander verbindet.

01. Intro
02. Nameless here for evermore
03. Neige de sang
04. Way to end your useless life I
05. Way to end your useless life II
06. Obsèques
07. Quoth the raven, nevermore
08. Outro

https://www.facebook.com/pages/Mortis-Mutilati/162958337119565
http://www.naturmacht.com/

Lebensnacht / Agael - Apathologie | Veröffentlicht : 2012 | Plattenfirma: Naturmacht Productions

Apathologie ist die Split der Einmanngruppen LEBENSNACHT und AGAEL. Die beiden Gruppen unterscheiden sich sehr. Während LEBENSNACHT im klanglich rohen und atmosphärischen Black Metal mit Anleihen aus Ambient und DSBM verhaftet ist, geht AGAEL einen wesentlich melodischeren sowie experimentellen Weg.
LEBENSNACHT beginnt mit der Pianoeinleitung Geboren, die schön gespielt wurde und sehr schwermütig wirkt. Für eine Einleitung ist Geboren gut gelungen und leitet gekonnt über in das nachfolgende Im Käfig. Im Käfig ist ein langes und langsames Stück mit minimalistischer Ambientmelodik, die stark an BURZUMS Dunkelheit erinnert. Das scheppernde Schlagwerk stampft treibend und der krächzende Kreischgesang ertönt energisch und eindringlich zugleich. Im Käfig ist eine gelungene Mischung aus Ambient und DSBM, wobei LEBENSNACHT aber auch sehr eigene Akzente setzt. Gerade das eine und andere Riff ist sehr eigenwillig, aber auch Flüsterstimmen und Akustikgitarreneinsätze sorgen für eine eigenständige, stets dunkel schwelende Atmosphäre. In Lebensnacht geht es mit atmosphärischer und ruhiger Akustikgitarre angenehm weiter. Irgendwann kommt der Kreischgesang hinzu und verzerrte Gitarren ersetzten die Akustikgitarre. Die einzelnen Elemente sind recht einfach gestrickt aber dennoch äußert wirksam. Es gelingt LEBENSNACHT ausgesprochen gut, mit einfachen Mitteln atmosphärisch sehr dichten und schwermütigen sowie authentischen Black Metal zu machen. Schade ist da nur, dass das letzte Lied von LEBENSNACHT, Dem Ende nah, immerhin über acht Minuten lang, lediglich aus Vogelgezwitscher, anderen Naturklängen und Piano besteht. Das ist etwas viel und angesichts der beiden guten Black-Metal-Stücke gar nicht nötig.

AGAEL beginnt seinen Part mit der Einleitung Offenbarung, einem atmosphärischen Pianostück, auf welches Vom Nichtsein folgt. Von Anfang an sind melodische Gitarren im Mittelpunkt. Luftige Riffs und Melodien, die verträumt wirken und ganz klar in Richtung Post-Rock / Shoegaze gehen. Demzufolge bleibt Vom Nichtsein insgesamt eine ruhige, atmosphärische Nummer. In Remorphose steht das melodische Gitarrenspiel ebenfalls im Zentrum, obgleich es ein rein instrumentales Stück ist. Remorphose gefällt mir besser als Vom Nichtsein, da es einfach ein atmosphärisch wie melodisch schönes Stück ist, das sich nicht festlegt, ob es melancholisch oder einfach nur angenehm verträumt ist. Am Ende ist dann Die letzte Geburt zu hören, das sehr ruhig beginnt und sich dann zu einem melodischen Stück mit kehlig verzerrtem Gesang entwickelt. Die Riffs und die Rhythmik sind recht eigenwillig, fast schon holprig und phasenweise kommen auch sphärische Keyboardklänge dazu. Auf mich wirkt das Lied sonderbar und experimentell, auch hier weiß ich nicht so richtig, was AGAEL musikalisch genau ausdrücken will. AGAEL legt sich also nicht auf eine spezielle Stimmung fest, was den einen und anderen Hörer sicherlich entgegenkommt, da sich die Musik so zu verschiedensten "Anlässen" eignet.

Apathologie ist eine Splitveröffentlichung die zwei sehr unterschiedliche Gruppen beherbergt. LEBENSNACHT hat mir mit seinem stets dunklen atmosphärischen Ambient Black Metal gut gefallen. AGAEL macht es mir nicht ganz so leicht, mir sagt die Mischung aus Post-Rock und melodischem Black Metal nicht ganz so zu, wobei AGAEL mit dem Instrumentalstück aber beweist, durchaus ein Gespür für gute Melodik zu haben.

LEBENSNACHT
01. Geboren
02. Im Käfig
03. Lebensnacht
04. Dem Ende nah

AGAEL
07. Offenbarung
08. Vom Nichtsein
09. Remorphose
10. Die letzte Geburt

http://www.naturmacht.com/lebensnacht/
http://www.naturmacht.com/agael/
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Lebensnacht - Syksyn Kuoleminen | 2013 | Naturmacht Productions | CD | Depressive Black Metal

LEBENSNACHT wurde zwar bereits 2008 von Robert gegründet, doch kam erst 2012 das erste Lebenszeichen in der Form einer Split mit AGAEL heraus. Inzwischen ist mit Syksyn Kuoleminen (dt.: Herbststerben) das zweite Album erschienen. Das Debütalbum Luonnon Voima, welches im Mai erschien, gibt es allerdings nur als Download.

Auf der Split mit AGAEL gefiel mir der Black Metal von LEBENSACHT ganz gut, während mir der ruhige und lang gezogene Ambient etwas missfiel. Ähnlich verhält es sich auch mit Syksysn Kuoleminen. LEBENSNACHT kombiniert depressiven und langsamen Black Metal mit atmosphärischen Arrangements und reichlich Ambient. Diese Ambientstücke setzen sich aus unterschiedlichen Geräuschen, wie etwa das Stapfen im Schnee oder Vogelgeräusche sowie Akustikgitarre und ruhig gesprochener Stimme zusammen. Das mag zwar womöglich ganz nett sein, berührt mich persönlich aber überhaupt nicht. Da ist der Black Metal schon wesentlich ansprechender, da die Umsetzung für eine Einmannband sehr gelungen ist und LEBENSNACHT zudem nicht zu dick aufträgt. Die Atmosphäre ist durchaus drückend und schwermütig, der Sechssaiter tönt leicht melodisch und der Gesang ist eindringlich aber nicht überbordend emotional.

Über allem liegt eine gewisse atmosphärische Grundausrichtung. LEBENSNACHT unterlässt es, aggressive oder hässliche Akzente zu setzen. Stattdessen sind dezente Harmonien, melancholische Melodien und  eine ruhige Instrumentierung das Konzept dieses Albums. Wer sich für ruhigen, atmosphärischen und melancholischen Black Metal interessiert, der kann hier genau richtig sein. Spielerisch und klanglich kann sich Syksysn Kuoleminen in jedem Fall hören lassen. Allerdings handelt es sich hierbei aber auch um eine reine Genreveröffentlichung, die nur eine kleine Hörerschaft ansprechen dürfte. Somit ist Syksysn Kuoleminen für Genreliebhaber sicherlich zu empfehlen, alle anderen dürften die Musik aber eher langweilig empfinden.

01. Herbsttag
02. Welkes Leben
03. Herbststerben
04. Weiße Einsamkeit
05. Lebenswinter
06. Kuolema
07. Päätyminen
08. OH

http://www.naturmacht.com/lebensnacht/
http://www.naturmacht.com/

22.07.2013

Scum From The Sun - 4 | 2013 | Avantgarde Music / Decimopianeta | CD | Doom Metal / Experimental

4 ist ein ideales Werk für all jene, die sich gerne in experimentellen Klanglandschaften verlieren. 4 ist absolut kein Album, welches sich in eine einzige Schublade stecken lässt. SCUM FROM THE SUN ist ein Klangkollektiv, welches sich den unterschiedlichsten Stilen und Einflüssen bedient, diese umwidmet, neu formt und zusammensetzt. So formen sich Elemente aus Rock, Industrial, Ambient, Doom, Post-Rock zu einer umfangreichen Klangcollage zusammen. Um Gefallen an 4 finden zu können muss man also ein durchaus aufgeschlossener Hörer sein, der ein Ohr für experimentelle Klänge hat.

Die Vier findet sich in sämtlichen Belangen wieder. Das Album umfasst vier Titel, ist 44:44 Minuten lang und heißt auch so. Zu jedem der vier Lieder wurden verschiedene Gastmusiker eingeladen und jedes Stück soll eine eigene Geschichte, einen eigenen Hintergrund haben. Obwohl das Album über lange Strecken instrumental gehalten ist, sollen die vier Lieder eine Reise durch die verschiedenen Kulturen und Zeitalter der Menschheit darstellen und deren Schwäche und Obsession offenlegen.

Das erste Stück Daleth beginnt sehr ruhig und ist in den ersten Minuten minimalistisch gehaltener Ambient aus leiser Gitarre und dezenten Geräuschen. Irgendwann verändert sich das Lied vollständig und es ist eine Endlosschleife des selben Riffs und Rhythmus zu hören, zu der eine italienisch sprechende Stimme zu hören ist. Irgendwie klingt dieser Part wie eine obskure Mischung aus Drone und Hip Hop. Danach verändert sich Daleth erneut und es wird etwas melodischer und lieblicher, auch wenn diese Melodie sich lange wiederholt. Trotz der verschiedenen Passagen ist Daleth extrem eingängig und über lange Strecken gleichbleibend. Etwas abwechslungsreicher ist dann La Nave Dei Folli, in dem SCUM FROM THE SUN sphärische Gitarrenläufe mit doomiger Schwere kombinieren, Piano und Samples, Klänge und Tribal-Schlagzeugrhythmen miteinander abwechseln und austauschen. Das klingt interessant, ist aber auf die Dauer etwas langweilig.

Dies gilt für das gesamte Werk. 4 ist ein eher ruhiges Album auf dem sich die Musiker in langen Klangpassagen verlieren, die für sich genommen durchaus interessant sind, aber auch Anflüge von Langeweile entstehen lassen können. Schuld daran ist eben auch die eher helle und freundliche atmosphärische Ausrichtung. Mir fehlt das Bizarre und Düstere, der Biss. Für meine Begriffe ermangelt es dem Album an Gegensätzen und Kontrasten. Im letzten Lied erinnern mich SCUM FROM THE SUN dann auch ein wenig an EARTH, da das Lied eine Mischung aus ruhigem Drone, Doom, Stoner und Post-Rock ist, was ich schon bei EARTH' jüngeren Alben sterbenslangweilig fand.

Wer ruhige Instrumentalmusik mit experimentellen Auswüchsen, etwas Drone und Doom mag, kann 4 und SCUM FROM THE SUN probieren. Wer es aber gerne etwas düsterer, bizarrer und schwärzer mag, dem dürfte 4 weniger gut gefallen und schnell langweilen.

01. Daleth
02. La nave dei folli
03. Mammon
04. La fine dell'essere nella cattedrale della morte

http://www.decimopianeta.com/ScumFromTheSun/Home.html
http://www.decimopianeta.com/
http://www.avantgardemusic.com/

Oath - Light Of The Black Dawn | 2013 | Eigenproduktion | CD | Black Metal

OATH ist eine neue finnische Black Metal Gruppe, die sich aus Grim666 (LATHSPELL, KALMANKANTAJA) sowie V.Khaoz (ex-AZAGHAL) zusammensetzt. Light Of The Black Dawn ist das erste, in Eigenregie produzierte und veröffentlichte Lebenszeichen. Dass beide Musiker schon jahrelange Erfahrung im Black Metal haben, spürt man den drei Eigenkompositionen an. OATH spielen kalten, nordischen Black Metal mit finnischem Einschlag.

Mit dem Stück Oath beginnt die EP Light Of The Black Dawn dunkelatmosphärisch und langsam. Hier bestimmen vor allem die düster gespielte Gitarre sowie der langsame Rhythmus das Klangbild. Langsame, schwere Harmonien gehen mit einem ruhigen, teils klaren, sonoren Gesang einher. Oath ist kein schlechter, etwas melancholischer und atmosphärischer Einstieg. Mit dem nachfolgendem Titelstück wird das Tempo dann ordentlich angezogen, welches nun über weite Strecken eingängig schnell fortläuft, während Gesang und Gitarre nach wie vor für eine düstere, bedrückende Stimmung sorgen. Trotz der weitläufigen Schnelligkeit werden OATH aber nicht sonderlich hart oder gar aggressiv, dem steht die dunkelatmosphärische Grundausrichtung zu stark gegenüber. Dies ändert sich auch nicht mit dem letzten eigenen Stück Call Of The Five-Pointed Star, welches neun Minuten lang ist und anfänglich von einer schleppenden Rhythmik bestimmt ist. Allerdings greifen OATH hier auf grimmige und hässliche Riffs zurück, die in der schleppenden aber schwungvollen Spielweise sehr gut zur Geltung kommen. Einige Tempovariationen in der zweiten Hälfte des Liedes sorgen für Abwechslung, wobei man die kalte und grimmige Grundatmosphäre nicht vernachlässigt. Zum Abschluss gibt’s dann das nachgespielte Naar Natten Endelig Er Her von TROLL. Dies passt so gut zu den drei Eigenkompositionen, dass es mir gar nicht aufgefallen wäre, es hier mit TROLL und nicht mit OATH zu tun zu haben, würde es nicht geschrieben stehen.

Light Of The Black Dawn ist finnischer Black Metal mit leicht melancholischem und atmosphärischem Anstrich. Da die EP nur drei Lieder umfasst, ist es schwer einen vernünftigen Gesamteindruck zu gewinnen. OATH haben viele gute Ansätze, gerade harmonisch und gesanglich, doch müsste ein kommendes Album etwas mehr Aggressivität und Härte besitzen. Man darf aber in jedem Fall gespannt sein, denn OATH haben gewiss genug Potential um Härte mit Kälte und Melodik wunderbar zu verbinden. Light Of The Black Dawn ist also schon mal ein guter, erster Schritt.

01. Oath
02. Light of the black dawn
03. Call of the five-pointed star
04. Naar natten endelig eg her (Troll Cover)

https://www.facebook.com/pages/Oath/560816623947688

Welter In Thy Blood - Todestrieb | 2013 | Dusktone | CD | Black / Doom Metal

WELTER IN THY BLOOD ist ein Trio aus Los Angeles, welches jüngst mit Todestrieb das dritte Album veröffentlichte. Die Drei spielen eine verstörende und beklemmende Mischung aus Funeral Doom und suizidalem Black Metal. Das tun sie auf eine rohe und makabre Art, denn WELTER IN THY BLOOD geben dem Hörer überhaupt keine freundlichen Anhaltspunkte, in denen man irgendetwas Schönes erkennen könnte. Der Klang der zumeist überaus langsamen und schleppenden Spielweise ist rau, roh, dünn und scheppernd. Diese Produktion passt perfekt zur Musik, die nur so vor Negativität strotzt. Die Gitarre ertönt häufig sehr langsam, manchmal schwingt sie gar leicht dissonant, während man sich am Schlagwerk auf ein minimalistisches Spiel beschränkt, bei dem die Becken oft im Vordergrund stehen. Zudem ist der stark verzerrte Gesang über weite Strecken extrem harsch, unverständlich und einfach nur extrem - aber stets auf eine eher ruhige Weise. Emotionale Schreipassagen gibt es nämlich keine, was ich sehr passend finde.

Der Name des Albums ist mit jeder Sekunde Programm. Es ist WELTER IN THY BLOOD gelungen, ihre Musik derart verstörend, verroht und makaber zu gestalten, dass sie auf Effekte oder Klischees weitgehend verzichten konnten. Lediglich als Einleitung zu Culture Of Violence ist Ambient zu hören oder eine Akustikgitarre in Suicidal Ideation, ansonsten sind nur langsame Arrangements aus verzerrten Gitarren, Schlagwerk und harscher Stimme zu vernehmen. Die Zutaten sind minimalistisch und die Umsetzung ist es auch, da man selbst an Harmonien und Melodien gespart hat. Es gibt sie zwar, die Melodien, aber sie sind sehr langsam und eher unauffällig. Vielmehr steht das Gesamtklangbild im Mittelpunkt, welches man als eine grausame, jenseitige Kakophonie verstehen kann.

Todestrieb ist mit Sicherheit kein leichtes und einfaches Album, da es nicht nach klassischen Mustern abläuft. Wer kranke, verstörende und rohe Musik mit absoluter Todessehnsucht mag, sollte sich das amerikanische Trio mal näher zu Gemüte führen. Es ist ein morbides, beklemmendes und verstörendes Album, welches als Konzept und Stimmung funktioniert. Einzelne Passagen, Elemente oder Lieder sind nebensächlich, vielmehr steht die Summe aller Dunkelheit und Negativität im Vordergrund.

01. Culture of violence
02. Blood stained hope
03. Cease to exist
04. Thanatos instinct
05. Suicidal ideation

https://www.facebook.com/WELTERINTHYBLOOD
http://www.dusktone.eu/