01.07.2013

Rein - La Cocaïne des Seigneurs | 2013 | Hass Weg Productions | CD | Black Metal

Es ist noch gar nicht so lange her, da erreichte mich von der französischen Gruppe REIN erst die selbstbetitelte Demo. Nun gibt es mit La Cocaïne des Seigneurs bereits das Debütalbum und es ist erstaunlich, wie sehr sich REIN in dieser kurzen Zeit entwickelt haben.

Nach wie vor spielt die Gruppe, über die nichts bekannt ist, Black Metal, der französische (ORTHANC, SEIGENUR VOLAND) und ukrainische Einflüsse (HATE FORST, DRUDKH) und Strömungen vereint.  Dies war bereits auf der Demo so und diesen Stil hat man ausgebaut und verfestigt. Die größte Veränderung zur Demo ist vor allem der Klang, der auf La Cocaïne des Seigneurs viel klarer, druckvoller und professioneller ausgefallen ist, als noch auf der Demo, deren Klang tatsächlich noch der einer Demo war. Aber nur weil der Klang besser ist, wirken REIN deshalb nicht milder oder zugänglicher.

La Cocaïne des Seigneurs ist ein Album auf dem eine dezente, oft repetierende Melodik mit grimmiger Direkt- und Geradlinigkeit gepaart wird. Der Rhythmus ist oftmals eingängig, entweder schnell und stampfend oder auch schleppend, während der Gesang unheilvoll und böse ist, dabei aber etwas dumpf wirkt, während die Gitarren relativ lebendig zu hören sind. Der Gesang geht von seiner Intonation und Klangfarbe eher in die osteuropäische Richtung, doch die Riffs wechseln sich stilistisch zwischen Ukraine und Frankreich ab. Mal wird man an Gruppen aus der Heimat REINS erinnert, mal an HATE FOREST oder DRUKH. REIN vergessen dabei aber nicht ihre Eigenständigkeit. Im Vergleich zur Demo ist La Cocaïne des Seigneurs sogar wesentlich eigenständiger ausgefallen.

Atmosphärisch ist La Cocaïne des Seigneurs ein Album, das nicht ganz einfach einzuordnen ist. Die Stimmungen schwanken zwischen einer überaus dezenten, kaum wahrnehmbaren Melancholie und einer bohrenden Grimmigkeit, die immer wieder durch leicht melodische, typisch französische Gitarrenläufe aufgelockert wird. Dieses ganz besondere Spiel mit Melodik und purer Grimmigkeit ist ohnehin eine französische Spezialität, und REIN beherrschen diese ebenso wie deren Vorväter. Zudem gibt es auf La Cocaïne des Seigneurs ausschließlich Black Metal, wenn man mal von den Ein- und Ausklängen absieht. REIN haben keine ruhigen oder stimmungsvolle Überleitungen oder Passagen eingestreut, stattdessen ist absolut konsequent dunkler Schwarzstahl aus Gesang, Gitarre und Schlagwerk zu hören. Dieser ist rhythmisch variabel aber latent und unterschwellig grimmig und grollend. Trotz der abwechslungsreichen Tempi und vielen melodischen Riffs wirkt La Cocaïne des Seigneurs niemals zu nett oder verspielt.

Wer sich für den französischen Untergrund interessiert und auch HATE FOREST schätzt, wird mit dem Debütalbum von REIN bestens beraten sein.

01. Frenatae
02. La cocaïne des seigneurs
03. Des races et des dieux
04. Le sang des miens
05. Hrun
06. Le front des damnes
07. Au chevet de l'Europe
08. Procession

http://www.hassweg-prod.com/

Mare Cognitum / Spectral Lore - SOL | 2013 | I, Voidhanger Records | CD | Ambient Black Metal

Mit dieser Split und Kollaboration werden all jene voll auf ihre Kosten kommen, die lange, atmosphärische und abwechslungsreiche Lieder und Arrangements mögen. Sol ist ein Werk, welches trotz der geringen Liedzahl auf knapp 80 Minuten Spielzeit kommt. Dabei gibt es jeweils ein Lied von dem us-amerikanischen Einmannprojekt MARE COGNITUM sowie von SPECTRAL LORE aus Griechenland. Bei Sol handelt es sich um ein kosmisches Konzeptalbum, auf dem es, natürlich, um das Zentralgestirn sowie die philosophischen Weitens unseres Universums geht.

Den Anfang macht MARE COGNITUM mit Sol Ouroboros, einem 29 Minuten andauerndem Titel, der überaus abwechslungsreich ausgefallen ist und sehr verschiedene Stimmungen transportiert. Natürlich steht die atmosphärische Ausrichtung im Vordergrund, doch gibt es, zu meiner Überraschung, relativ wenig sphärischen Ambient zu hören. Stattdessen beherrscht sehr facettenreicher Black Metal das Geschehen. MARE COGNITUM wechselt teilweise sehr harschen und schnellen Black Metal mit melodischen Passagen ab. Die atmosphärischen Momente wurden vorwiegend durch melodische Gitarren inszeniert, sphärische oder kosmische Keyboardklänge sind sehr rar und fungieren vor allem als Überleitungen zwischen den einzelnen Kapiteln. Obwohl Sol Ouroboros durchaus atmosphärisch und melodisch ist, verliert man sich dabei aber nicht in selbstvergessene Spielereien, die sich endlos in die Länge ziehen. Viel mehr gibt es sich ständig verändernde Passagen, die entweder sehr laut und hart, aber ebenso auch sanft und leise sein können. Trotz des kosmischen Themas und der durchaus guten instrumentalen Umsetzung gelingt es MARE COGNITUM jedoch nicht, einen ähnlich hypnotischen Sog auf mich zu entwickeln wie etwa BATTLE DAGORATH oder DARKSPACE. Dafür ist MARE COGNITUM viel zu wenig roh und harsch und viel zu sehr in klaren, sauberen und druckvollen Strukturen verhaftet, die zudem sehr abwechslungsreich sind.

Sol Medius von SPECTRAL LORE ist mit einer Spielzeit von 26 Minuten nur unwesentlich kürzer. Sol Medius ist ganz ähnlich wie sein Pendant Sol Ouroboros ein hochgradig abwechslungsreiches Stück, wobei SPECTRAL LORE aber phasenweise wesentlich rohere Töne anschlägt. Sol Medius ist eine Art Wechselbad der Gefühle, da sich sehr rohe, ruppige und harsche Passagen und Klänge mit melodischen, sphärischen und astralen Klängen eng beieinander liegend, abwechseln. Es gibt kurzweilige Eruptionen, in denen SPECTRAL LORE richtig bösartig, gurgelnd und gemein klingt, nur um einen Takt weiter,verfrickelte, technische und trockene Riffs zum Besten zu geben. Durch diese Abwechslung auf engstem Raum wirkt Sol Medius teilweise extrem technisch und komplex, was fast schon anstrengend sein kann. Dann gibt es aber irgendwann einen sphärischen und sehr ruhigen Klangteppich an Ambientklängen, die durchaus an die endlosen Weiten des Universums erinnern. Danach folgt quasi die zweite Hälfte von Sol Medius, welche anfänglich wesentlich schwerer, düsterer und beklemmender ist, da es sich hierbei um eine Art Funeral Drone Doom handelt. Die Riffs sind extrem langsam und langgezogen und auch der überaus schleppende Rhythmus reiht sich in diesen Reigen der Langsamkeit ein. Doch irgendwann ist Schluss mit lustig und SPECTRAL LORE vollzieht eine 180° Drehung und verfällt fortan in Raserei.

Abschließend ist Red Giant zu hören, welches von MARE COGNITUM und SPECTRAL LORE gemeinsam eingespielt wurde. Viel gibt es dazu nicht zu sagen, da das Lied ausschließlich aus ruhigen, sphärisch wabernden Ambientklängen besteht und somit eine überlange und zum Konzeptthema passende Ausleitung darstellt.

Ich muss gestehen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Ich hatte mir im Vorfeld mehr von diesem Konzeptwerk erhofft. Sol Medius ist mir gerade in der ersten Hälfte zu unruhig und technisch, aber der zähe Doom-Part in der zweiten Hälfte ist dafür sehr gut. Sol Ouroboros ist insgesamt leichter zu verdauen und zugänglicher, kommt aber für meine Wahrnehmung ohne echte Höhepunkte aus, wobei das Lied schon gut ist. Wer lange, abwechslungsreiche Lieder und Ambient mag, soll Sol durchaus probieren. Es ist keine schlechte Genre-Veröffentlichung, auch wenn mir für meinen Geschmack, auf die Länge bezogen, echte fesselnde Momente fehlen.

01. Mare Cognitum - Sol Ouroboros
02. Spectral Lore - Sol Medius
03. Mare Cognitum & Spectral Lore - Red Giant

https://www.facebook.com/MareCognitumMusic
http://spectrallore.bandcamp.com/
http://www.i-voidhanger.com/

Todgeweiht - Pestilenz | 2012 | Vacula Productions | CD | Black Metal

Eigentlich sollte das Album Pestilenz als Split mit WINTARNAHT veröffentlicht werden, doch aufgrund von Verzögerungen ist es dazu nie gekommen und WINARNAHT brachten Pestilenz als eigenes Album raus. Zwei Jahre später gelang es auch TODGEWEIHT die Aufnahmen fertig zu stellen, so dass Pestilenz nun das Debütalbum darstellt. TODGEWEIHT wurde 2003 von BluothArn als Einmannprojekt gegründet und 2004 wurde die Demo Licht veröffentlicht. 2012 stieg Grimwald von WINTARNAHT ein und zeichnet sich seitdem für Gesang und einige Instrumente verantwortlich.

Die Gitarren wurden bereits 2007 aufgenommen, während Gesang und Schlagwerk erst 2012 aufgenommen wurden. Mit dem Wissen um diesen Umstand erscheint Pestilenz in einem etwas anderem Licht, denn gerade die Melodien und Riffs haben eine gewisse Charakteristik, die als nicht ganz frisch zu bezeichnen ist. Die von den grell gestimmten Gitarren erzeugten Harmonien erinnern mich an vergangene Tage, ohne dabei jedoch an spezielle Gruppen zu denken. Der Black Metal von TODGEWEIHT ist in gewisser Weise traditionell, da er direkt und schnörkellos ist und an den Black Metal von vor ca. zehn Jahren erinnern macht. Einerseits ist Pestilenz ein rohes, raues Werk mit harschem Gesang und grellem Klang. Andererseits sind in dieser rauen und gemeinen Hülle aber überaus subtile Melodien und atmosphärische Andeutungen versteckt, die man nur bei genauem Hinhören erkennt.

Pestilenz ist ganz klar roher Black Metal, der vor allem rhythmisch einfach aufgebaut ist. Doch trotz der rhythmischen Einfachheit erzeugen Gesang und Gitarren eine dichte, dunkle Atmosphäre mit verschiedenen Abstufungen. Auch das ist etwas, was mich an früher erinnert. Es gab eine Zeit im Untergrund, da klang Black Metal ganz ähnlich, und das gefällt mir sehr gut. Einerseits übersichtlich, einfach und direkt, andererseits, beim zweiten Blick, entpuppt sich das Ganze dann aber als wesentlich tiefgehender und anspruchsvoller als zunächst gedacht. Für mich ist Pestilenz eine gutes Untergrund Album, welches einen ganz speziellen Geist des Black Metals besitzt und für mich ein wenig den liebenswürdigen Charakter einer Demo hat. Als einzigen echten Kritikpunkt würde ich lediglich die Länge der einzelnen Lieder gelten lassen. Die Stücke sind so um die neun Minuten lang und dadurch können unnötige Längen entstehen, was meiner Meinung nach aber durch die guten Riffs und Harmonien wett gemacht wird. Wer sich für rohen, unverfälschten Untergrund Black Metal interessiert, sollte TODGEWEIHT mit Pestilenz in jedem Fall probieren.

01. Pestilenz - Tod
02. EntSinnen
03. Zerfall
04. Todgeweiht
05. Vergänglichkeit
06. Ausklang

http://todgeweiht.bandcamp.com/
http://www.vacula.com.ua/

Wintarnaht - Tôdhên Uoþal | 2013 | Obscure Abhorrence Productions | CD | Black Metal

WINTARNAHT wurde bereits 1997 durch Grimwald (IDHAFELS) unter dem Namen WINTERNIGHT gegründet. Doch zunächst kam es zu keiner Veröffentlichung so dass man das Projekt zu Grabe trug und erst Ende 2004 wiederbelebte. Es folgten dann 2007 die erste Demo und 2010 das Debütalbum Pestilenz, ehe man WINTERNIGHT dann 2012 in WINTARNAHT umbenannte. Einerseits wollte man sich mit der Umbenennung von diversen anderen Gruppen gleichen Namens abgrenzen, andererseits aber auch das Profil schärfen, da man fortan alle Texte in Althochdeutsch verfassen wird. So ist dann auch das zweite Album Tôdhên Uoþal (Sterbende Heimat) entstanden. WINTARNAHT entschieden sich dazu, die althochdeutschen Texte selbst zu verfassen und griffen dabei auf eine frühe, nicht normierte Schreibweise aus dem Jahr 750 zurück, was WINTARNAHT wohl von allen anderen Gruppen unterscheiden dürfte.

Musikalisch gibt es auf  Tôdhên Uoþal Black Metal mit dezentem Pagan Einschlag zu hören, wobei sich die paganesken Einflüsse auf bestimmte Melodien oder kurzweilige Klargesänge beschränken. Vorwiegend gibt es Black Metal mit gewissem Grimm und abwechslungsreichen Strukturen zu hören. WINTARNAHT kombinieren dabei dezidierte Rohheit und Geradlinigkeit mit heidnischer Melodik. Mir gefallen dabei besonders die eher grimmig und roh geratenen Passagen, wie etwa gleich im zweiten Lied Zi uualþan. Obwohl das Lied nicht besonders schnell oder hart ist, wirkt es sehr grimmig und böse, was den guten Riffs sowie dem ausdruckstarken und dualen Gesang geschuldet ist. Der Gesang von WINTARNAHT ist ohnehin ein sehr variables Schmankerl, Sänger Grimwald versteht es sehr gut, grimmige, hasserfüllte oder auch emotionale Gesangseinlagen darzubieten. Tôdhên Uoþal macht sowieso einen insgesamt sehr ausgewogenen Eindruck. Das Material ist zwar vielschichtig, doch dominiert weder Schnelligkeit und Härte oder paganeske Melodik. Wer es aber heidnisch mag, wird sich über die wiederkehrenden Klargesangspassagen oder Alamana Lioþ freuen. Alamana Lioþ wurde mit einer eigenes von WINTARNAHT nachgebauten alamannischen Leier des 6. Jahrhunderts eingespielt. Sehr interessant und gelungen finde ich das FALKENBACH Cover uuintarnaht, welches relativ grimmig und derbe ist.

Wer sich für heidnischen Black Metal sowie die althochdeutsche Sprache interessiert, ist mit Tôdhên Uoþal bestens beraten. Tôdhên Uoþal ist eine gute und abwechslungsreiche Scheibe, die grimmig und hart ist aber auch keine melodischen und ruhigen Klänge vermissen lässt. Zudem überzeugt auch die klangliche Produktion, die zwar sauber ist aber trotzdem eine angenehme und angemessene raue Atmosphäre vermittelt. Im Bereich des Black Pagan Metals sind WINTARNAHT sicherlich zu den besseren Vertretern zu zählen!

http://wintarnaht.bandcamp.com/
http://www.obscure-abhorrence.de/

24.06.2013

Sarkrista - The Acheronian Worship | 2013 | Misanthropic Art Productions | CD | Black Metal

SARKRISTA ist eine noch junge norddeutsche Gruppe deren Debütveröffentlichung The Acheronian Worship im Frühjahr über die südkoreanische Plattenschmiede Misanthropic Art Productions erschien, welche eine ausgesprochene Leidenschaft für europäischen Black Metal besitzt. SARKRISTA passen zum Label jedenfalls hervorragend, denn es wird grimmiger und melodischer Black Metal gespielt, der sehr stark von finnischen Größen wie etwa SARGEIST, BAPTISM oder auch VITSAUS geprägt wurde.

SARKRISTA machen ihre Sache dabei erstaunlich gut. Sie haben es quasi auf Anhieb hin bekommen, eine ausgewogene Mischung aus dezenter Melodik sowie grimmiger Rohheit zu finden und dem finnischen Original atmosphärisch dabei sehr nahe zu kommen. SARKRISTA haben ein Gespür für gute Harmonien, die jedoch niemals zu melodisch sind. Dabei entstehen an den Saiteninstrumenten ab und zu auch leicht melancholische Melodien und Stimmungen.

Spieltechnisch und atmosphärisch machen SARKRISTA ihre Sache sehr gut, zumal es sich um ein Debüt handelt und es zuvor nicht mal eine Demo gab. Auf The Acheronian Worship geht es sowohl schnell, bissig und grimmig zu als auch schleppend und mittelschnell. So gesehen handelt es sich hierbei um ein mehr als nur gelungenes Debütalbum, welches sicherlich relativ schnell relativ erfolgreich werden wird. Wer grimmigen, finnischen Black Metal mit einer gewissen Melodik und Melancholie mag, darf hier bedenkenlos zugreifen. Ich persönlich würde mir allerdings etwas mehr Eigenständigkeit und Hässlichkeit wünschen, aber das ist jammern auf hohem Niveau.

01. Introduction
02. Grim satanic vengeance
03. Funerals and flaring torches
04. Ruthless winter
05. Messenger of harm
06. Realm of eternal coldness
07. Wrath incarnation
08. Black clouds of revelation

https://www.facebook.com/Sarkrista
http://misanthropicart.dothome.co.kr/

10.06.2013

Die Toten kehren wieder mit dem Wind - Ein Wanderer | 2013 | Eigenproduktion | CDR | Black Metal / Ambient

Ich war sehr überrascht als ich Ein Wanderer im Briefkasten vorfand. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass so still und heimlich ein neues Werk von DIE TOTEN KEHREN WIEDER MIT DEM WIND erscheinen würde. Und so ist es geschehen. Es gibt ein neues Werk, welches in einer kleinen, von Hand aufwendig gefertigten Auflage, erschienen ist. Es ist kein klassisches Album von DIE TOTEN KEHREN WIEDER MIT WIND, jedenfalls ist es anders, als alle zuvor erschienen Werke. Im Infoschreiben zum Tonträger wird erklärt, dass es sich bei Ein Wanderer um den Versuch handelt, durch eine Abfolge von Bildern eine Art Reise, eine Atmosphäre auszudrücken - weshalb Ein Wanderer eher als „Kunst“ denn als herkömmliche „Musik“ in der Form einer Albumaufnahme zu verstehen ist.

Die Werke von DIE TOTEN KEHREN WIEDER MIT DEM WIND waren und sind von Anfang an etwas Besonderes, der musikalische Inhalt war immer von einem gewissen Anspruch geprägt. Dies gilt natürlich auch uneingeschränkt für Ein Wanderer. Auf Ein Wanderer gerät der Black Metal allerdings in den Hintergrund, er ist nur noch ein „Bild“ neben einer Vielzahl an verschiedenen Geräuschen und atmosphärischen Ambientklängen. Mit einer Gesamtspielzeit von 71 Minuten ist das Werk sehr lang geworden und so sind denn auch oftmals lange Passagen zu hören, die durchaus spezielle Bilder kommunizieren, wobei vermutlich jeder Hörer ein etwas anderes Bild vor dem geistigen Auge sieht.

Ein Wanderer ist sehr atmosphärisch und stimmungsvoll, dies ist schon allein den langen und zahlreichen ruhigen Instrumentierungen geschuldet, in denen etwa sanfte Akustikgitarre und Windgeräusche zu hören sind. Diese ruhigen, atmosphärischen Arrangements sind teilweise sehr lang und verändern sich dabei eher unauffällig und gemächlich und obgleich die Titel viele solcher stimmungsgeladenen Arrangements enthalten, gibt es reichlich Dunkelheit in den Klängen. Für den Black Metal gilt es in jedem Fall. Im Black Metal lässt sich DIE TOTEN KEHREN WIEDER MIT DEM WIND zweifelsfrei erkennen, auch wenn es hier kleinere Veränderungen gegenüber den Vorgängern gibt. Gewisse Melodieführungen und Spielweisen sind zwar bandtypisch, doch manchmal ist der Kreischgesang enorm harsch und heftig, dann klingt der Gesang wie eine wahnsinnige Mischung aus alten AKITSA und VELES - was natürlich zum hohen instrumentalen und atmosphärischen Anteil des Werkes ein radikaler Kontrast ist.

Ein Wanderer ist eine klanggewordene Reise auf die man sich einlassen muss. Man muss Lust haben, sich dem Werk und der Musik Schritt für Schritt zu nähern, sich dafür zu öffnen und sich darauf einzulassen. Es wird sicherlich nicht wenige geben, die Ein Wanderer ob der langen ruhigen Instrumentalmusik langweilig finden werden, dies wird vom Schöpfer sogar vorausgesagt, aber hierbei handelt es sich ja auch um etwas Anderes als herkömmliche Musik. Ein Wanderer ist für mich ein Werk, welches schön und verstörend zugleich ist. Der Black Metal kann sehr düster und beklemmend sein, ja geradezu lichtverzehrend, während die sphärischen Stücke entgegensetzt wirken und eine kristalline Schönheit und Klarheit zutage fördern. Ebenso gibt es aber auch bizarre oder obskure Ambientpassagen, die düster und bedrückend ausgefallen sind. Ein Wanderer ist ein Werk, welches unterschiedliche Stimmungen, Atmosphären und Bilder kombiniert, abwechselt und vertauscht.

In jedem Fall ist Ein Wanderer ein geistreiches Werk welches dem geneigten Hörer viel Tiefgang bietet. Über weite Teile ist es aber ein sehr ruhiges und sphärisches Opus, welches selbst eingefleischten Fans von DIE TOTEN KEHREN WIEDER MIT DEM WIND unter Umständen einiges abverlangen wird. Da es aber ohnehin keine Veröffentlichung im traditionellen Sinne ist, sondern vielmehr ein Kleinod darstellt, welches nur für eine kleine Menschenzahl gedacht ist, wird es sicherlich die wenigen Richtigen erreichen, die bereit sind für solche Form der Musik oder Kunst. Und um all jene, die es langweilig finden und keinen Zugang bekommen, ist es nicht schade.


http://www.dietotenkehrenwiedermitdemwind.de/

Mirthless - A Dirge For Your Suicide | 2013 | Dunkelheit Produktionen | CD | Death/Doom Metal

Die peruanische Gruppe MIRTHLESS existiert seit 2003 und hat zwei Demos sowie eine EP aufgenommen ehe vor wenigen Tagen das Debütalbum A Dirge For Your Suicide erschien. Hinter MIRTHLESS steht ein Trio, welches sich gänzlich der Trauer, Verzweiflung und Dunkelheit hingibt. Der Niederschlag dieser Emotionen auf die dargebotene Musik ist sehr präsent und morbide. MIRTHLESS spielen auf dem Debütalbum wahrlich düsteren Death/Doom, der stark an alte Zeiten erinnert und eine gehörige Portion Obskures beinhaltet.

A Dirge For Your Suicide richtet sich ganz eindeutig an eine spezielle Hörerschaft, nämlich an jene, die dreckigen und rohen Death/Doom Metal schätzen und auch bizarre sowie obskure Elemente mögen. Die Musik die das peruanische Trio regelrecht zelebriert, ist nämlich alles andere als geeignet für den Massenkonsum. Mit dem Eröffnungsstück Chapter I: Pantheon Of Disgrace beginnen MIRTHLESS noch recht tradiert, so erinnert das Eingangsriff stark an die alten Scheiben von PARADISE LOST. Der Rhythmus ist schleppend aber stampfend und die Stimme ertönt sehr dunkel, erdig und kehlig. Und obwohl der Klang sauber ist, wirkt er dennoch etwas gedämpft und rau, was mir gut gefällt und was zudem gut zur düsteren, schweren Musik passt. Chapter I: Pantheon Of Disgrace ist ein guter Einstieg ins Album, da er sich als das zugänglichste Stück erweist, obgleich der kurze grimmige Tempopart im Mittelteil sehr roh und knarzig wirkt. In den zwei nachfolgenden Kapiteln II und III sind phasenweise typische südamerikanische Gitarrenmelodien zu hören, die mich stark an Gruppen wie PROFANE CREATION und MURDER RAPE erinnern. Beides brasilianische Gruppen, deren Zeit schon länger vorbei ist und zurück liegt und die ich beide sehr schätze. Besonders deutlich wird dieser Bezug im Bonusstück, der Rehearsal-Version von Prelude To Doomsday - welche ich großartig finde und die mir gar besser als die Studio-Version gefällt. Ich habe einfach eine Schwäche für solchen organischen Rehearsal-Klang, und bei MIRTHLESS kommt er sehr gut rüber.

MIRTHLESS verweisen mit und in ihrer Musik vielfältig auf frühere Gruppen und Strömungen und bleiben dabei dennoch eigenständig und morbide. Neben dem tiefen und gurgelndem Gesang ist auch öfters eine unverzerrte, eher klagende oder wimmernde Stimme zu hören, welche aber nicht plakativ zum Einsatz kommt und stattdessen trocken und nüchtern desolate Emotionen zum Ausdruck bringt.

A Dirge For Your Suicide ist für mich ein verdammt gutes Album, da es MIRTHLESS ausgesprochen gut gelungen ist, englischen Doom Metal mit südamerikanischer okkulter Atmosphäre zu kombinieren. Das Album ist zwar durch die Bank weg schwer und drückend, dennoch gibt es atmosphärische Abstufungen und Schattierungen, da MIRTHLESS mit sehr unterschiedlichen Stilmitteln, Stimmen, Melodien und Rhythmen arbeiten. Ab und zu werden die Peruaner auch sehr grimmig und bösartig, was die düstere Grundatmosphäre aufbricht und bereichert. Für Genreliebhaber ist A Dirge For Your Suicide ein absoluter Pflichtkauf, zumal auch die Gestaltung des Digipaks sehr ansprechend ist. Die geplante Vinylversion wird dem sicherlich in nichts nachstehen.

01. Chapter I: Pantheon of disgraces
02. Chapter II: Prelude to doomsday
03. Chapter III: A dirge for your suicide
04. Chapter IV: Paz
05. Chapter V: Prelude to doomsday (Rehearsal 2011)

http://www.dunkelheit-produktionen.de/

Ater Era - Beneath Inanimate Grime | 2013 | Pestilence Records | CD | Black Metal

Bei ATER ERA handelt es sich um ein slowenisches Trio, welches jetzt mit Beneath Inanimate Grime das zweite Album veröffentlichte. In Deutschland dürften die Drei wohl noch weitgehend unbekannt sein, da das Debütalbum 2011 auf einem kleinen slowenischen Label erschien. Mit Pestilence Records als neuen Partner dürfte sich dies aller Wahrscheinlichkeit nach ändern.

ATER ERA spielen klanglich gut und druckvoll produzierten Back Metal, der abwechslungsreich ist und immer wieder mit düsteren Harmonien unterlegt ist. Beneath Inanimate Grime ist ein abwechslungsreiches Werk, da ATER ERA weniger auf Eingängigkeit und stattdessen auf detailreiche , vielseitige und lebendige Strukturen setzen, welche in relativ lange, im Schnitt um die acht Minuten andauernde Lieder, gesteckt wurden. Obwohl das Spiel an der Gitarre riff- und melodiebetont ist, wirkt der Black Metal von ATER ERA nicht über die Maßen melodisch. Das Riffing und die Harmonien erzeugen oft eine düstere und schwere Atmosphäre, was wohl auch dem hohen Anteil an tiefen Tönen geschuldet ist. Es sind aber nicht nur die von den Saiteninstrumenten erzeugten Melodien und Stimmungen, die das Album vielschichtig machen, auch am Schlagwerk zeit sich ATER ERA abwechslungsreich und eindringlich zugleich. Schlagzeuger A.S. versteht sein Handwerk und beschert nicht nur variable Tempi und rhythmische Veränderungen sondern nutzt auch die vielfältigen Möglichkeiten des Instruments geschickt. Ich weiß es immer sehr zu schätzen, wenn das Schlagwerk mehr ist als nur purer Taktgeber. Die Musik erhält so viel mehr Tiefe und Härte, was auch für Beneath Inanimate Grime gilt.

ATER ERA legen sich nicht fest, es gibt sowohl sehr schnelle und harte Passagen als auch zahlreiche mittelschnelle und schleppende Parts, rockige Riffs, die teils leicht psychedelisch oder auch dezent punkig eingehaucht sind, als auch harte, düstere oder eisige Riffs. Trotz dieser spielerische Vielfalt wirkt das Album aber überhaupt nicht überladen. Beneath Inanimate Grime ist ein stimmiges, flüssiges und rundes Album. Der gute, differenzierte und druckvolle Klang kommt der Spielweise sehr zugute, vor allem das Schlagwerk hat in den richtigen Momenten einen sehr kraftvollen und eindringlichen Klang.

Beneath Inanimate Grime ist ein gutes sowie abwechslungsreiches Album, welches Härte und Hässlichkeit mit dezenter Melodik, spielerischer Lebendigkeit und einer düsteren Grundatmosphäre verbindet.

01. Death of the bell ringer
02. Drifts of dead ground
03. My beast my age
04. Drowning in the depths
05. To shatter limbs
06. Sors est quid sumus
07. Tormented in limbo

https://www.facebook.com/pages/Ater-Era/212265212235294
http://www.pestilence-records.de/