06.08.2012

Aus der Transzendenz - Breed Of A Dying Sun | 2012 | I, Voidhanger Records | CD | Black Metal

Aus der Transzendenz ist eine noch junge Gruppe, die 2009 gegründet wurde und in Wien beheimatet ist. Mehr ist nicht bekannt, zumal die einzelnen Bandmitglieder unerkannt bleiben möchten. Wie dem auch sei, jedenfalls handelt es sich bei Breed Of A Dying Sun augenscheinlich um die Debütveröffentlichung. 33 Minuten lang bekommt man atmosphärisch kalten Black Metal vorgespielt, der klanglich ein wenig roh und mit Hall unterlegt ist. Die Lieder sind zwischen fünf und neun Minuten lang und Aus der Transzendenz halten sich nicht lange mit Ein- oder Überleitungen auf.

A Dream Of Ghosts beginnt umgehend peitschend schnell. Das Schlagwerk gleicht einem Inferno, zu dem stark verzerrte und grelle Gitarren sowie ein beißender Kreischgesang zu hören sind. Obwohl das Lied temporeich in die Vollen geht, ist das Stück ein atmosphärisches, was an den verzerrten Gitarrenmelodien liegt, die mich in ihrem Klang manchmal an Blut Aus Nord erinnern. Die fünf Lieder gleichen sich, man hat eher den Eindruck, ein einziges, langes Lied zu hören. Sicherlich gibt es Veränderungen, aber die kalte Atmosphäre, der stark verzerrte Kreischgesang, welcher stets so klingt, als käme er aus der Ferne durch dichtem Nebel zu einem, sind in allen Liedern ähnlich. Zudem ist das Tempo meistens hoch und im Mittelteil gibt es stets eine langsame, atmosphärische Passage zu hören. Auf der einen Seite ist Breed Of A Dying Sun eine übersichtliche Scheibe, gerade rhythmisch ist das hohe Tempo oft monoton, was aber mit guten Gitarrenmelodien kombiniert wurde, weshalb ob aller Raserei, Aus der Transzendenz es schaffen, ein atmosphärisch sehr dichtes Werk abzuliefern. Lediglich das letzte Lied, The Secret Revealed, fällt ein wenig aus der Reihe. Da gibt es Phasenweise auch länger andauernde Langsamkeit und sehr leisen, fast schon versteckten, Klargesang zu hören. The Secret Revealed ist ein sehr gutes Lied, in dem gnadenlose Schnelligkeit, bissiger Kreischgesang und verträumte Langsamkeit hervorragend miteinander kombiniert wurden.

Breed Of A Dying Sun ist eine sehr interessante Scheibe, die mir vor allem der Gitarren wegen sehr gut gefällt. Auch wenn man das alles schon mal gehört hat und man sich an die eine und andere Band erinnert fühlt, wissen die großartigen, grellen Melodien aber dennoch zu überzeugen. Die langgezogenen, grellen Gitarrenmelodien harmonieren für mich sehr gut mit der Schnelligkeit, weshalb ich das Album auch als überaus düster und eindringlich empfinde. Mag sein, dass es einige Leute langweilig oder zu monoton empfinden, doch dann sollte man sich mal auf die vielen, guten und subtilen Melodien konzentrieren. Ich hoffe jedenfalls, dass es Aus der Transzendenz nicht bei diesem einen Album belassen werden.


8/10
Aceust

01. A dream of ghosts
02. A pathway to rebirth
03. Breed of a dying sun
04. Hymns of ruin
05. The secret revealed



Mystical Fullmoon - Scoring A Liminal Phase | 2011 | Eigenproduktion | CD | Black Metal

Die italienische Gruppe Mystical Fullmoon wurde bereits 1994 gegründet und Ende der 1990iger brachte man auch drei, wohl dem traditionellen Black Metal zuzuordnenden, Veröffentlichungen heraus - ehe man eine Dekade später das mir nun vorliegende Debütalbum Scoring A Liminal Phase (Ten Strategies For Postmodern Mysticism) ablieferte.  In der ungewöhnlich langen Schaffenspause kam es nicht nur zu zahlreichen Besetzungsveränderungen, auch änderten die Italiener ganz offensichtlich ihren Stil. Scoring A Liminal Phase hat jedenfalls mit den früheren Sachen kaum noch etwas zu tun, stattdessen frönt man aktuell der Avantgarde respektive dem progressiven und experimentellen Black Metal. Mystical Fullmoon konnten für die Aufnahmen zu diesem Album zwei namhafte Gastsänger, nämlich Aphazel von Ancient sowie Wildness Perversion von Mortuary Drape gewinnen. Zudem wurden drei Lieder gemeinsam mit dem „Bulgarian National Radio Symphony Orchestra“ eingespielt, welches wohl für diverse Filmproduktionen gebucht wird.

Scoring A Liminal Phase ist ein fast 74 Minuten langes Album, welches überaus vielschichtig und komplex ausgefallen ist. Neben traditionellen Zutaten des Black Metals gibt es jede Menge Elektronika zu hören. Das können „mystische“ Keyboardbegleitungen oder auch Beats und Anleihen des Industrials sein. Interessanterweise halten sich Mystical Fullmoon wider den Erwartungen nicht mit einem Intro auf, stattdessen beginnt die Scheibe überraschend direkt und hart. As I walk along the dark paths of my soul bleibt zwar nicht schnell und geradlinig, neben den harten und schnellen Passagen gibt es auch ruhige und atmosphärische Passagen zu hören, doch der Einstieg ist für solch ein Album wahrlich nicht schlecht. Denn es ist ein extrem vielschichtiges Album, das überhaupt nicht linear verläuft. Allein im ersten Lied As I walk along the dark paths of my soul gibt es sehr unterschiedliche Parts, was das Ganze natürlich sehr komplex und vollgeladen wirken lässt. Dies verdeutlicht sich in Per speculum in aenigmate, einem sehr technischem Lied, in dem es zu sehr vielen rhythmischen Veränderungen kommt, in dem trockene und technische Arrangements sich mit orchestraler Begleitmusik vermengen. Im Mittelteil gibt es auch elektronisch verzerrte Stimmen zu hören, die von melancholischer Gitarre postmoden und trostlos umspielt werden, ehe zum Ende hin Klargesänge und jede Menge Elektronika die Fesseln sprengen. Das alles hört sich gar nicht mal schlecht an, ich finde, die einzelnen Passagen sind für sich genommen alle recht ansprechend arrangiert worden - allerdings ist es manchmal einfach sehr viel Abwechslung, sehr viel was sich in kurzen Abständen verändert und abwechselt. Diese Hülle an unterschiedlichen Elementen auf engem Raum machen das Album einerseits interessant, andererseits aber auch schwierig und sperrig.

Obwohl Mystical Fullmoon viele Ideen haben, wirkt diese moderne und experimentelle Musik nicht zwingend neu. Ab und zu habe ich den Eindruck,  ein Arrangement woanders schon mal gehört zu haben, ohne jedoch den Ursprung klar definieren zu können. Selbst vor Jazz machen die Italiener nicht halt. In Daleth: Journey wird Jazz mit rituellem Ambient kombiniert, was sich sehr interessant anhört. Scoring A Liminal Phase ist kein schlechtes Album, man muss aber in jedem Fall experimentellen Extreme Metal mögen. Dieser ist hier mal sinfonisch oder bombastisch, mal stark elektrolastig, mal düster und ab und zu auch geradlinig, brachial und traditionell. Freunde der Avantgarde können an Scoring A Liminal Phase ekstatische Freuden haben, denn es gibt sehr viel zu hören und entdecken, die 74 Minuten des Albums sind definitiv nicht langweilig. Die Gestaltung des Booklets, welches man zu einem Poster aufklappen kann, ist ebenfalls ansprechend und typographisch interessant gestaltet. Eine Investition für Genreliebhaber lohnt sich also in jedem Fall.


7,5/10
Aceust

01. As I walk along the dark paths of my soul
02. Hives
03. Per speculum in aenigmate
04. Opening the shrine of Janus
05. Daleth: Journey (Visio in Yule)
06. Omen (Capricorn vibe)
07. Limbonica mysteria
08. Progression ov thee revelation: Nigredo in mars
09. Prometheus unbound
10. May wisdom bless my path

http://www.mysticalfullmoon.com/

Sieghetnar - Die Asche eines Geistes | 2012 | Ashes Productions | CD | Ambient Black Metal

Sieghetnar geistert seit 2006 durch den deutschen Untergrund und bringt es auf zahlreiche Veröffentlichungen, von denen ich bis auf die aktuelle Mini lediglich das Debütalbum Verfallen & Verendet kenne. Sechs Jahre sind seither vergangen und in diesen Zeitraum wurden viele Alben und Demos veröffentlicht. Die Asche eines Geistes ist ein reines Instrumentalalbum, welches auch nur ein einziges Lied beherbergt. Dieses ist knapp 23 Minuten lang und enthält sehr gediegenen Ambient Black Metal, der mich an Sterne und die Weiten des Weltraums denken lässt. Die Klänge sind sehr ruhig, sehr sphärisch und haben auf mich eine entspannende sowie beruhigende Wirkung.

Ich weiß dass es viele Leute gibt, die solche Musik nicht nur mögen, sondern regelrecht lieben und in sich aufsaugen. Ich gehöre jedoch nicht dazu, mir ist sie auf die Dauer etwas zu langweilig und monoton. Deshalb ist Die Asche eines Geistes nicht per se schlecht, sie trifft nur nicht meinen Geschmack. Denn die rauen Gitarrenklänge weiß ich durchaus zu schätzen, nur wabern sie eben sphärisch und langgezogenen durch den Raum, ohne wirkliche Spannungsbögen aufzubauen. Deshalb ist die Musik für meine Begriffe auch so entspannend, da sie langsam und gleichmäßig ist und es auch bleibt. Man hätte das Lied sogar in seiner Länge verdoppeln können, der Effekt wäre letztlich gleich. Mit dem Debüt Verfallen & Verendet lässt sich die aktuelle Mini jedenfalls nicht vergleichen, aber das wusste ich schon und ich denke, die meisten Anderen werden dies auch wissen.

Wer also auf ruhigen instrumentalen Ambient Black Metal steht, kann Die Asche eines Geistes gefahrlos probieren. Leute die diese Musik bisher nicht mochten, werden hierdurch aber auch nicht bekehrt werden können.


6/10
Aceust

01. Die Asche eines Geistes

Thorybos - Monuments Of Doom Revealed | 2012 | W.T.C. Productions | CD | Black Metal

Monuments Of Doom Revealed ist ideal für all jene, die niemals genug von schonungslosem Black/Death Metal à la REVENGE, BLACK WITCHERY oder BLASPHEMY bekommen können. Genau diesem Stil haben sich THORYBOS verschrieben. Monuments Of Doom Revealed ist das Debütalbum, zuvor gab es aber schon eine Reihe von Demos und Rehearsals. Wer die genannten Gruppen kennt, weiß also bereits, was man hier geboten bekommt. Nämlich finstren Black/Death Metal mit jeder Menge Tempo und verstörender Bösartigkeit.

Obwohl es viel Raserei gibt, zelebrieren THORYBOS das Tempo aber nicht so erbarmungslos wie manch ein Vorbild, denn es gibt auch die eine und andere zähe Passage mit langsamen sowie bedrohlich tiefen Tönen, was dann schon ähnlich böse und deathdoomig wie etwa GRAVE MIASMA oder NECROS CHRISTOS klingt. Überhaupt ist der Klang übel und böse, die Gitarren erklingen sämtlich überaus tieftönig, was dann auch sehr gut mit dem gleichfalls dunklen sowie tiefen Gesang harmoniert. Die schnellen Lieder und Passagen sind dreckig und böse, auch wenn THORYBOS noch nicht ganz die Klasse von etablierten Gruppen erreichen. In letzter Konsequenz sind THORYBOS nicht ganz so bissig und bitterböse wie manch ein anderer Vertreter in dem Bereich, gehen aber schon eindeutig in die richtige Richtung. Zudem gefallen mir sowohl der Klang als auch die langsamen Passagen richtig gut. Ich denke, wer bestialischen und dreckigen Black/Death Metal mag, wird an Monuments Of Doom Revealed seine Freude haben. Wem die oben genannten Bands gefallen, kann hier bedenkenlos zugreifen. THORYBOS sind auf einem guten Weg und wenn ich mir Lieder wie Iudaea Capta oder From The Depths Of Desolation anhöre, bin ich ganz sicher, in Zukunft wird man noch großes von THORYBOS erwarten können!


7/10

01. Kavagh (Intromancy)
02. Bones
03. Apololeka
04. Orgiastic rites of Blacchanalia
05. Blood libation
06. Iudaea capta
07. Downfall of Masada
08. From the depths of desolation

The Great Old Ones - Al Azif | 2012 | Ladlo Productions | CD | Black Metal

THE GREAT OLD ONES entstand 2009 als Einmannprojekt von Benjamin Guerry (Gitarre, Gesang), der atmosphärischen Black Metal mit den Geschichten und Visionen von Howard Phillips Lovecraft kombinieren wollte. Inzwischen ist aus dem Alleingang eine fünfköpfige Band geworden deren Debütveröffentlichung Al Azif vor wenigen Tagen das Licht der Welt erblickte. Gelistet wird das Album als Ambient / Post Black Metal, was man so stehen lassen kann, der Sache aber wie immer nur bedingt gerecht wird.

Al Azif ist ein sehr reichhaltiges Werk, auf dem es sehr viele unterschiedliche Einflüsse zu hören gibt. Atmosphärischer Black Metal, der gerne auch mal kalt rasend sein kann, wurde mit dezenten - und deshalb angenehmen - Einflüssen aus Post-Rock, Doom und Sludge angereichert. Obgleich Al Azif ein atmosphärisches Werk ist, übertreiben es THE GREAT OLD ONES mit der Melodik nicht. Der Gesang ist stets verzerrt und die Gitarren stehen überaus zentral im Mittelpunkt. Das teils extrem stark verzerre Gitarrenspiel ist Dreh- und Angelpunkt der Musik, um den herum sich alles aufbaut. Rhythmisch legt man sich nicht fest. Es gibt langsame, schnelle und abwechslungsreiche Rhythmusstrecken.

Mir gefällt auf Anhieb dass sich die Lieder sehr unterscheiden. Gerade in dem Bereich des atmosphärischen Black Metals / Post Black Metals verlieren sich manche Gruppen zu sehr im Einheitsbrei. Alle Lieder klingen ähnlich, fühlen sich gleich an. Auf Al Azif trifft dies jedoch nicht zu. Es gibt in dem einem Lied harschen, kalten Black Metal mit tollen verzerrten Gitarrenspuren um dann im nächsten Stück von melodischen, sich ausfächernden Gitarrenläufen überrascht zu werden, die an Post-Rock oder auch Sludge erinnern. Auch wenn THE GREAT OLD ONES in anderen Genres wildern, bleiben sie aber stets im Black Metal verwurzelt. Das Album wird des Öfteren mit ALTAR OF PLAGUES oder WOLVES IN THE THRONE ROOM verglichen. Dies kann man tun, auch wenn sich Al Azif aber durchaus unterscheidet und eigenständig ist.

Es ist THE GREAT OLD ONES gelungen mit Al Azif ein mehr als nur anständiges Debütalbum zu veröffentlichen. Für meine Begriffe ist es sogar besser als erwartet. Die Jungs haben ein feines Gespür für gute Harmonien und Spannungsbögen und sie bleiben eigenständig. Wer eine Neigung für atmosphärischen Black Metal hat, wird hieran mit Sicherheit seine Freude haben. Al Azif vereint abwechslungsreiche Strukturen mit Melodik, Kälte und einer gewissen Geradlinigkeit.


7,5/10
Aceust

01. Al Azif
02. Visions of R'lyeh
03. Jonas
04. Rue d'Auseil
05. The truth
06. My love for the stars (Cthulhu Fhtagn)

Kommandant - The Draconian Archetype | 2012 | ATMF | CD | Black/Death Metal

KOMMANDANT ist eine extreme Black/Death Gruppe aus Chicago, die einige interessante Musiker vereint. Unter anderem ist Gitarrist und Bassist Marcus Matthew Kolar mit von der Partie, der schon mit SARCOPHAGUS aber auch auf KRIEGs Blue Miasma oder NACHTMYSTIUMs Live Onslaught sein Unwesen trieb. Schlagzeuger David Swanson trommelte zuvor auch schon bei NACHTMYSTIUM oder auch in VENEFICUM. Gitarrist Jim Breshnan war wiederum unter anderem in CIANIDE tätig. Man sieht also, es ist eine interessante Mischung. Dies schlägt sich auch in der Musik wieder. The Draconian Archetype ist ein gewaltiges und brachiales Werk, das auf der einen Seite absolut brutalen und schnellen Black/Death Metal enthält, wie ihn viele Gasmaskenfetischisten à la BLASPHEMY spielen. Allerdings verschränken sich KOMMANDANT nicht ausschließlich auf diese bestialische und dezidierte Stilistik. Es schimmern immer wieder auch moderne Einflüsse auf, wie etwa in Downfall, in dem langgezogene, grell gestimmte und sphärische Gitarrenriffs an BLUT AUS NORD erinnern, zugleich aber durch die bedingungslose Geschwindigkeit etwas orthodoxes der Marke THE BEAST OF THE APOCALYPSE haben.

Das rhythmisch absolut schnelle Gemetzel Obsidian Gravitational fällt hingegen durch überaus flinkes Riffing sowie einer klaren, religiös anmutenden Stimme auf. Zwischendurch ertönt immer wieder auch kehliger Kreischgesang. Kontrastreicher extrem Metal auf engstem Raum also. The Draconian Archetype ist extremer War Metal, wo jeder auf seine Kosten kommt, der Brutalität und Schnelligkeit mag. KOMMANDANT bieten aber, wie bereits beschrieben, mehr als nur bedingungslose Brutalität. Dies macht die Scheibe auch so interessant. KOMMANDANT kombinieren den eher tradierten Black/Death mit modernen Elementen, die geschickt und subtil miteinander verwoben wurden, sodass nicht nur interessante sondern auch sehr eigenständige Strukturen entstanden sind. In diesem übergeordnetem Genre des War Metals gibt es unzählig viele, auch verdammt gute, Gruppen die wildern. KOMMANDANT sind mit diesem Album sicherlich dazu zu zählen, doch bieten sie eben mehr. In dem einen Lied können KOMMANDANT böse und unheilvoll wie ARCHGOAT wirken oder schnell und minimalistisch wie BLASPHEMY, um im nächsten Lied dunkelatmosphärische Elemente zum Besten zu geben, die bizarr und düster wirken wie von BLUT AUS NORD gespielt. Genau diese überraschende und vielfältige Mischung macht The Draconian Archetype so interessant. Dabei überzeugen KOMMANDANT aber auf ganzer Linie. Das Album wird nicht erst durch diese Abwechslung gut. Auch wenn man  das reinrassige Gemetzel für sich nimmt oder die eher progressiven Anteile, KOMMANDANT beherrschen das Eine genau so gut wie das Andere, weshalb das Album am Ende auch ein sehr gutes und überzeugendes Album geworden ist.

Die 2010 erschienene EP Kontakt kenne ich zwar nicht, doch gibt es davon einige Livevideos die man sich anschauen kann. Daraus lässt sich auch eine gute Entwicklung ableiten, das neue Material scheint der EP gegenüber derber, direkter und böser ausgefallen zu sein. Ob man das Material live auch so gut rüberbringen wird, zumal die Musiker scheinbar immer in Gasmasken auftreten, wird man abwarten müssen. Für die heimische Anlage ist The Draconian Archetype aber wunderbares Futter: Böse, brachial und mit einem Schuss bizarrer Abwechslung.


8/10
Aceust

http://kommandant.us/

Lilyum - Nothing Is Mine | 2011 | Dusktone | CD | Black Death Metal

Das italienische Duo Lilyum exisitert bereits seit zehn Jahren und hat über Dusktone jüngst das vierte Album herausgebracht. In das Portfolio von Dusktone passen Lilyum nicht so recht, denn das Duo spielt aggressiven Black/Death Metal. In diesem Bereich gibt es fantastische Gruppen, die so böse und bestialisch sind, dass es eine wahre Freude ist. Lilyum gehören dazu leider nicht. Schon das Cover des Albums empfinde ich als befremdlich, wenn man versucht, dies mit dem musikalischen Inhalt in Einklang zu bringen.

Wie dem auch sei. Nothing Is Mine dürfte niemanden vom Hocker hauen. Das programmierte Schlagwerk ist klanglich viel zu dünn beseelt und auch programmiertechnisch langweilig und monoton. Die Riffs der Gitarren sind gleichfalls etwas plump und klanglich ebenfalls viel zu dünn. Einzig und allein der stark verzerrte und mit Effekten bearbeitete Gesang kann mich überzeugen. Er klingt in der Tat bestialisch, schade nur, dass die Musik drumherum wenig überzeugend ist. Es reicht heutzutage einfach nicht (mehr) aus, lediglich schnell zu spielen. Selbst Von, deren Liedaufbau wohl überaus minimalistisch war, schöpften mehr Atmosphäre und Variabilität in der Musik, als es Lilyum hier gelingen mag. Wenn man wenigstens einen echten Musiker für das Schlagwerk hätte finden können, wäre vielleicht alles anders geworden. Aber dieser dünne Elektronendrummer ärgert mich maßlos, sowas kann man doch nicht ernst meinen? Das Schlagzeug schafft es zu keinem Zeitpunkt, irgendwie auch nur annähernd so etwas zu erzeugen, wie Brutalität oder Aggressivität. Im Grunde gibt es nur den monotonen Takt vor, zu dem dann farblose Riffs und Melodiebögen gespielt werden.

Für meine Ohren ist Nothing Is Mine eine absolut überflüssige Veröffentlichung. Da tut es mir ja schon leid, dass Dusktone ausgerechnet hiermit sein Profil erweitern möchte. Vielleicht sind die Vorgängeralben ja besser? Keine Ahnung, probieren will ich sie lieber nicht.


3/10
Aceust

01. Intro - Nothing is mine
02. Altar of darkness
03. Fides belialus
04. Slave of hate
05. Hic fuit locus traitor
06. Into the fire
07. The eternal embrace of dark dream
08. I am the black plague
09. My darkened path

01.08.2012

Nyx - Satis | 2012 | Eigenproduktion | CD | Black Metal

NYX ist das neue Projekt der beiden Musikerinnen Blitz und Vinterbarn, die aufmerksamen Hörern und Lesern bereits durch VAE TERTIUM bekannt sein dürften, deren EP Zweitausendzehn an dieser Stelle ebenfalls begutachtet wurde. Satis ist die erste Demo von NYX, die im Digisleeve und mit einer Video-Datei als Dreingabe kommt.

Musikalisch gibt es abwechslungsreichen und riffbetonten Black Metal der Schnelligkeit und Härte mit Prägnanz sowie einer gewissen atmosphärischen Komponente verbindet. Das Auftaktstück Sinne fällt durch die Schnelligkeit und viele Wechsel auf. Monotonie gibt es überhaupt nicht, das Tempo verändert sich sehr häufig, dabei kommen teilweise sehr technisch strukturierte Breaks zum Einsatz. Für den Gesang haben NYX übrigens einen Gastmusiker verpflichtet, dessen Organ eine sehr interessante Klangfarbe hat, die sowohl dunkel, tief und kehlig aber auch aufgekratzt und energisch sein kann. Auf das sehr vielfältige Sinne folgt Glimmen, welches etwas geordneter und weniger abwechslungsreich daher kommt. Das Riffing ist auch hier ein wesentliches Merkmal, aber nicht ganz so technisch und trocken wie in Sinne, was mir besser gefällt. Die Atmosphäre die hier aufgebaut wird, wirkt flüssiger und fließender, weniger abstrakt. Zu guter Letzt folgt Fenn, welches durch ein sehr schönes, klares und melodisches Riff seinen Lauf nimmt. Dieses Eingangsriff ist wunderbar und da ist es schon beinahe schade, als es durch schnellen, geradlinigen Black Metal abgelöst wird.  In dieser Phase wirken NYX dann sehr grimmig, das Riffing wurde reduziert, sodass eisige Schnelligkeit das Klangbild bestimmt. Zum Ende hin wird es wieder melodischer und das Eingangsriff ertönt erneut.

Satis ist keine schlechte Demo, zumal es sich um die erste Aufnahme überhaupt handelt. Im Wesentlichen kann man das Vorhaben als gelungen bezeichnen, auch wenn es Kritikpunkte gibt. Der Klang ist manchmal etwas zu steril und künstlich, was natürlich der Tatsache geschuldet ist, alles in Eigenregie im eigenen Heimstudio aufgenommen und produziert zu haben. Dafür ist der Klang im Grunde sogar ziemlich gut. In dieselbe Kerbe schlägt auch die manchmal etwas zu technische und zu mechanische Strukturierung. Vor allem im Sinne wirkt das Spiel von NYX ab und an zu technisch, zu abstrakt, zu verschachtelt, zu zäh und unflüssig. Das sind aber alles Kleinigkeiten, die zu einer ersten Demo durchaus gehören. Der erste Schritt ist getan und die Richtung in die NYX zu gehen scheinen, sieht vielversprechend aus.


6/10
Aceust

01. Sinne
02. Glimmen
03. Fenn