21.07.2012

Draumar - Gebirge | 2012 | Karge Welten | CD | Ambient Black Metal

Auf DRAUMARS Debütalbum Ein Wintermärchen überwog der Ambient, welcher teil orchestral geprägt war, sehr deutlich. Auf der neuen EP Gebirge kehrt sich das Verhältnis von Ambient und Black Metal um. Die beiden Lieder Gebirge I und Gebirge II enthalten atmosphärisch sowie erhaben arrangierten Black Metal mit Ambient und orchestralen Elementen, die auf Gebirge wesentlich eindringlicher und besser inszeniert werden, als noch auf dem Album.

Bei Auftakt und Gipfelstürmer handelt es sich um Ein- und Ausleitungen im eher gewöhnlichen Synthesizerambient mit leichtem Neoklassikeinschlag. Das haut mich zwar nicht um, passt in diesem Fall aber gut zum Gesamtkonzept des Werkes. Das erste metallische Lied Gebirge I ist ein abwechslungsreiches aber stets ruhig und atmosphärisch vorgetragenes Lied. DRAUMAR wechselt Flüsterstimmen mit Kreischgesang ab, majestätische Harmonien wechseln sich mit Akustikgitarre ab und das Lied entwickelt einer tiefe, packende Atmosphäre, die zwischen leichter Schwermut und kraftvoller Ehrfurcht ob der Naturgewalten liegt. Flüstern und Klargitarre gibt es zwar auch in Gebirge II, doch wird dieses Lied zum Teil wesentlich tragender und orchestraler vorgetragen. Es gibt phasenweise auch Flöte, Piano oder Chorgesänge zu hören, was neben der Neoklassik auch für einige folkige Aspekte sorgt. Die Vermischung von atmosphärischen Black Metal mit Neoklassik und Folk funktioniert sehr gut. DRAUMAR erschafft so auf engstem Raum eine überaus dichte und tiefe Atmosphäre, die sich in viele Facetten aufspalten lässt. Ein Moment kann überaus majestätisch und erhaben wirken, während der nächste Moment dann für sanft anmutende Träumereien sorgt.

Melodisch und atmosphärisch ist Gebirge eine sehr schöne und ansprechende EP, die mir wesentlich besser gefällt als Ein Wintermärchen.  Die Arbeiten für das nächste Album haben bei DRAUMAR schon begonnen und es soll orchestraler, mit großem Bezug zu Richard Wagner, werden. Die Entwicklungen und Veränderungen seit Ein Wintermärchen gefallen mir sehr gut und es ist DRAUMAR gut gelungen, eine gleichermaßen ansprechende wie auch eigenständige EP zu veröffentlichen, deren spannungsreiche und vielfältige Atmosphäre auch nach zahlreichen Durchgängen noch zu packen weiß.


7,5/10
Aceust

01. Auftakt
02. Gebirge I
03. Gebirge II
04. Gipfelstürmer

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http://www.karge-welten.de/

Chowder - Passion Rift | 2012 | I, Voidhanger Records | CD | Doom Metal

Die amerikanische Doom-Gruppe CHOWDER wurde zwar bereits 1992 von Josh Hart, den man womöglich von EARTHRIDE, UNORTHODOX oder REVELATION her kennt, gegründet, doch erst 2006 kam man dazu, die erste Demo zu veröffentlichen. Nach sechs weiteren Jahren gibt es nun mit Passion Rift das Debütalbum.

Passion Rift ist ein abwechslungsreiches, riffgewaltiges und instrumentales Doom-Album mit leichtem Hang zum Progressiven. Klassische Doom-Strukturen mit einer Vielzahl an satten, gut gespielten Riffs bilden zwar das Fundament auf dem alles fußt, doch lassen es sich die Drei nicht nehmen, zwischendurch, gern auch mal beiläufig, etwas andere Töne anzustimmen. Ab und zu sind unter anderen eben auch Synthesizerklänge zu hören, wie etwa in Myterioid, der Einleitung oder dem direkt folgenden The Innsmouth Look. Das Ganze wirkt dann mysteriös und vielleicht gar ein wenig psychedelisch was mich dann an UFOMAMMUT erinnert. Aber solche Momente sind selten und nur ein Element der vielschichtigen Strukturen. Passion Rift ist ohnehin ein lockeres Album, das nicht so sehr auf instrumentale Brachialgewalt als vielmehr auf feine, schöne Riffs und Melodiebögen sowie speziellen Samples, die aus irgendwelchen Filmen zu stammen scheinen, setzt.

Passion Rift ist ein intrumentales Doom-Album das einfach Spaß macht. Es gibt viele wunderbare Melodien zu hören, bei denen nicht nur das Gitarrenspiel Freude macht sondern auch die sehr gut zu hörende Bassgitarre, die hervorragend abgemischt wurde und perfekt mit dem Gitarrenspiel harmoniert. Sehr schön ist zudem auch die Vermischung von traditionellem Doom mit modernen respektive progressiven Elementen. Allerdings muss man sich für die Scheibe schon etwas Zeit nehmen, da es CHOWDER ruhig angehen und es keine effektheischerischen, aufgebohrten Passagen gibt,die kurz aufhorchen lassen. Stattdessen besticht das Album durch ein konstantes, hohes sowie abwechslungsreiches Niveau.


8/10
Aceust

01. Mysterioid
02. The innsmouth look
03. Salt creep
04. Passion rift
05. Insidious
06. Head full of rats
07. Mazuku
08. Custody

http://www.i-voidhanger.com/

Mgła - With Hearts Towards None | 2012 | Northern Heritage | CD | Black Metal

Rund vier Jahre haben sich MGŁA Zeit gelassen um mit With Hearts Toward None endlich das zweite Album zu veröffentlichen. Mit dem Debütalbum Groza bin ich nie so richtig warm geworden, der Funke wollte einfach nicht überspringen. Mit With Hearts Toward None ist dies aber gänzlich anders. Hier sprang der Funke sofort über! Das Warten hat sich definitiv gelohnt, MGŁA melden sich mit einem großartigen Paukenschlag zurück.

Das neue Album geht wieder zurück zu den Anfängen, Liedaufbau und Riffing erinnern ein wenig an die EP Presence und vor allem an die großartige EP Mdłości. With Hearts Towards None ist ein überaus riffbetontes Werk, auf dem Gitarrist, Bassist und Sänger M. all sein Können zeigt. Das Album erinnert teils auch an KRIEGSMASCHINE, eine andere Gruppe des werten Herrn. MGŁA gehen auf dem neuen Album zwar nicht besonders aggressiv zugange, trotzdem vermitteln sein einzigartiger Gesang und das Riffing eine mächtig unheilvolle Atmosphäre, der man sich nur schwerlich entziehen kann. Die zumeist mittelschnell vorgetragenen Lieder zeugen von einer dunkelmajestätischen Ausstrahlung, die nicht selten, dank der erlesenen Riffs, hypnotische, und vollkommen vereinnahmende Fänge nach einem ausfährt. Die Produktion trägt zudem immens zu dieser fesselnden Atmosphäre bei. Die Instrumente füllen den Raum satt und ausbreitend aus. Die Gitarren tönen grell, das Schlagzeug kommt fein zur Geltung und der Gesang hat genau die richtige Lautstärke um eindringlich und direkt zu sein und den Instrumenten nicht die Schau zu stehlen. MGŁA schaffen es mit souveräner Leichtigkeit, eine kalte, böse und teils auch hasserfüllte Atmosphäre zu erzeugen. Die sieben Titel machen einen sehr ausgereiften, wohl überlegten und professionellen Eindruck. Nicht nur die Saiteninstrumente überzeugen vollends, auch Schlagzeuger Darkside nutzt die Möglichkeiten seines Instruments und glänzt sowohl mit Raserei als auch abwechslungsreichen mittelschnellen Tempi und vielen gut gespielten Wechseln.

Ich bin über With Hearts Toward None sehr froh. Wem die Riffs von KRIEGSMASCHINE oder den erwähnten EPs gefielen, sollte das Teil also auf keinen Fall verpassen. Aber auch allen Anderen sei das Album ans Herz gelegt. Es ist MGŁA gelungen, eine überaus eindringliches Album zu erschaffen, auf dem es eine extrem dichte, dunkle Atmosphäre sowie erstklassige handwerkliche Umsetzung zu bestaunen gibt.


9/10
Aceust

01. I
02. II
03. III
04. IV
05. V
06. VII
07. VIII

Aquilus - Griseus | 2012 | A Sad Sadness Song | CD | Black Folk Metal

Mit der Verpflichtung von AQUILUS ist ATMF wohl ein sehr guter Fang gelungen. AQUILUS ist ein australisches Einmannprojekt, welches überaus atmosphärische Musik spielt, die sich aus Metal, Black Metal, Neo-Klassik, Folk und Neo-Folk nährt. Und nein, es handelt sich hierbei nicht um Tim, obwohl man es denken könnte. AQUILUS‘ Debütalbum Griseus erschien bereits im Dezember des vergangenen Jahres in Eigenregie und wird jetzt im Mai über das ATMF-Sublabel A Sad Sadness Song der breiteren Masse zugänglich gemacht.

Griseus ist fast 80 Minuten lang und vollgepackt an verträumten Atmosphären. Bereits das Auftaktlied Nihil, welches allein schon 14 Minuten andauert, ist packend. Nihil ist eine großartige Mischung aus atmosphärischem (Black) Metal, Neo-Klassik, Neo-Folk und gewissen epischen Anleihen von monumentaler Filmmusik. Es gibt Streichinstrumente, bissig harschen Kreischgesang, liebliche Akustikgitarre und jede Menge Harmonien zu hören. Überraschend ist dabei die tolle instrumentale Umsetzung. Man hat überhaupt nicht den Eindruck es hier mit einem Solisten zu tun zu haben. Wie viel von Hand gespielt und was aus der Konserve kommt kann ich nicht einschätzen, ist mir aber auch egal, da die Umsetzung, die Atmosphäre einfach gelungen, erstklassig ist. Manch ein Arrangement in Nihil erinnert mich gar an METALLICAS Livealbum „S&M“. Mit METALLICA hat die Musik von AQUILUS natürlich nichts zu tun, doch kommt die Vermischung von Orchester und Metal der Atmosphäre von „S&M“ manchmal recht nahe. Es ist aber nicht nur die Klassik die gefällt, auch die Anleihen des Neo-Folk, die martialisch wirken, sind prägnant inszeniert und fügen sich sehr gut ins Gesamtkonzept.

In Loss ist phasenweise schön gespieltes Piano zu hören, welches sowohl allein als Soloinstrument als auch im Verbund mit Streichinstrumenten und orchestraler Inszenierung zu hören ist. Am Ende von Loss kommt dann sehr kraftvoll und energisch atmosphärischer (Black) Metal hinzu, mit wuchtigem Schlagwerk und verzerrtem Kreischgesang. Chorgesang und ein Soli gibt’s dann sogar auch noch. Es ist also ein hochgradig reichhaltiges und vielseitiges sowie opulentes Werk, welches man hier vorgesetzt bekommt. Wer irgendwie auch nur ein wenig schöne Harmonien und orchestrale Musik mag, wird von Griseus mit absoluter Sicherheit begeistert sein. Nach dem, vom Piano bestimmten Loss, folgt dann Smokefall, welches in den ersten Minuten von kräftigen Riffs und treibendem Schlagwerk bestimmt wird. Hier zeigt AQUILUS eine weitere Facette. Zwar kommen dann auch wieder neo-klassische Arrangements hinzu, doch überrascht die Brillanz der brutalen Riffs, die an Death Metal erinnern. Zu diesem Eindruck trägt auch der tiefe, kehlig verzerrte Gesang bei, der kurz zu hören ist.

Auf Griseus gibt es keinen Reinfall. Jedes Lied ist von Anfang bis Ende ein Genuss. Obwohl wir erst Mai haben, steht schon jetzt der heißeste Anwärter auf das Album des Jahres fest. Griseus ist ein absolut überragendes und empfehlenswertes Album, das sich niemand entgehen lassen sollte, der atmosphärische Musik mag. Griseus ist ein bombastisches und überwältigendes Album. Unfassbar, dass dies alles aus der Feder einer einzelnen Person kommen soll. Also, Augen auf! Die CD soll jetzt irgendwann im Mai in den Handel kommen.


10/10

01. Nihil
02. Loss
03. Smokefall
04. In lands of ashes
05. Latent thistle
06. Arboreal sleep
07. The fawn
08. Night bell

Dux - Vintras | 2012 | Hass Weg Productions | CD | Black Metal

Das Debütalbum von DUX widmet sich ganz klar dem traditionellen und rohen Black Metal mit harschem Keifgesang und einer entsprechenden Klangproduktion. Hinter DUX stehen Glaurung sowie Souffrance, die beide auch schon seit längerem ihr Unwesen mit ORTHANC treiben. Während es bei ORTHANC auch melodische und atmosphärische Elemente gibt, wird darauf auf Vintras weitgehend verzichtet. Vintras kann man als ein klassisches Werk des französischen Black Metals bezeichnen. Harsch, giftig und roh mit einer besonderen Art des leicht melodischen Riffs. Ein spezielles Riff im ersten Titel Disciples De Vintras stellt einen Tribut an Ozzy Osbourne dar. Dieses Riff bleibt aber nicht der einzige Ausflug in den Heavy Metal. DUX streuen über das gesamte Album verteilt einige klassische (Black) Heavy Metal Riffs ein, wie man sie etwa von MERCYFUL FATE kennt. Dies stellt einen interessanten Kontrast zum ansonsten harschen und rohen Black Metal dar, zumal diese Stilelemente sporadisch und dezent ausgefallen sind.

Auch wenn Vintras in seiner Gesamtheit roh und giftig ist, ist es kein monotones Album. Sowohl rhythmisch als auch melodisch gibt es Abwechslung. Es gibt derbe Schnelligkeit mit dezidiert minimalistischem Riffing als auch zahlreiche mittelschnelle Tempi mit etwas stärkerem melodischem Anteil. Das alles wirkt sehr französisch und macht einen stimmigen Eindruck. DUX haben das Verhältnis zwischen aggressivem Hass und dezenter Melodik ausgewogen gestaltet. Zwar ist das Spiel der Saiteninstrumente bis auf einige, bereits erwähnte, Ausnahmen unauffällig, dafür ist Glaurungs Gesang umso eindringlicher. Er schreit und keift harsch und hasserfüllt was das Organ hergibt. Für Feingeister und moderne Hörer wird Vintras eher abstoßend wirken, doch jeder, der harschen und aggressiven Black Metal mag, dürfte das Album zu schätzen wissen. Mein Höhepunkt der Scheibe ist das letzte Stück Terre Brûlée. Hier ist es DUX besonders gut gelungen, Rohheit und blanken Hass mit Melodik und mittelschnellem Tempo zu verbinden, was mich in seiner Direktheit und Eindringlichkeit ein wenig an SOMBRE CHEMIN erinnert. Die Klangproduktion ist der Musik angemessen. Die Gitarren ertönen grell, vom Bass bekommt man nicht so viel mit und auch das Schlagwerk hat eher wenig Kraft.


7/10
Aceust

01. Disciples de Vintras
02. Eternité
03. Carapace
04. Des cieux emplis de haine
05. Bienheureux les simples d'Esprit
06. La mort d'un astre
07. Vanité
08. Terre Brûlée

http://www.hassweg-prod.com/

Selbsttötung - Trümmer | 2012 | Sturmglanz | CD | Black Metal

Trümmer ist bereits das zweite Album des Duos SELBSTTÖTUNG. Gegründet wurde die Gruppe erst 2010 von Samuel und Antares, die beide auch in AEGROTUM spielen. Ziel der Gründung war es, atmosphärischen aber düsteren und packenden Black Metal zu machen. Dabei gehen die Zwei stark in Richtung DSBM, wie man auch schon bei dem Bandnamen nichts anderes vermuten würde.

Zu meiner Überraschung entpuppt sich Trümmer als sehr unaufgeregtes, eher ruhig angelegtes Werk auf dem lange sowie langsame Arrangements mit übersichtlicher Melodik das Geschehen dominieren. Der Kreischgesang ist nicht übertrieben, aber dennoch eindringlich und emotionsgeladen. Die beiden ersten Lieder kommen gemeinsam auf über 25 Minuten und enthalten langsamen DSBM, dessen Melodik ruhig, schwer und bedrückend daher kommt. Vor allem in Ruinen gibt es sehr lange und gleichbleibende Passagen, die natürlich beklemmend wirken, aber auch einen leicht hypnotischen Sog ob der Monotonie haben. Mir ist diese langgezogene Struktur aber etwas zu viel des Guten, weshalb das Lied nicht über die volle Spielzeit fesselnd bleibt. In den nachfolgenden Stücken kommt etwas mehr Bewegung und Veränderung rein. Distanz, das kürzeste Lied, welches aber immer noch weit über acht Minuten lang ist, kombiniert ein eingängiges antreibendes Grundtempo mit desolaten Gitarrenmelodien und entsprechendem Gesang. Überhaupt erinnert mich der Gesang von SELBSTTÖTUNG ein wenig an ERHABENHEIT und KÄLTETOD, und auch die Atmosphäre, die mich an kaskadierende Grautöne denken lässt, geht teilweise in diese Richtung.
Abwechslungsreicher ist auch Sehnsucht eines trauernden Geistes, in dem es unterschiedliche Tempi und melodische Veränderungen gibt, was mir besser gefällt als das doch arg eingängige Ruinen. Das abschließende Lied Das tote Licht bietet nicht nur roh gefassten DSBM, sondern auch eine längere dunkelromantische Passage mit Flüsterstimme und klagenden Streichinstrumenten.

Auch wenn mich Trümmer nicht umhaut, sind die Ansätze die SELBSTTÖTUNG verfolgen gut. Mir gefällt der Gesang und der grelle Klang der Gitarren. Zudem ist es keine schlechte Idee konzeptionell eher einen unaufgeregten Weg zu gehen, auch wenn man hier aufpassen muss, nicht zu sehr ins Monotone zu verfallen. Da gefallen mir die reichhaltigeren Passagen mit rhythmischer Veränderung und Abwechslung besser. Summa summarum ist Trümmer grundsolider DSBM mit guten Ansätzen, der aber auch nichts Besonderes enthält und deshalb auch vor allem nur für Genreliebhaber interessant sein dürfte.

01. Weltentrümmer
02. Ruinen (Am Abgrund somnolenten Daseins)
03. Distanz
04. Sehnsucht eines trauernden Geistes
05. Das tote Licht

Dantalion - Return To Deep Lethargy | 2012 | Unexploded Records | CD | Black Metal

Die Galicier von DANTALION bleiben sich in jeglicher Hinsicht treu. Seit 2006 bringt man im Zweijahresrythmus ein neues Album heraus und auch stilistisch verändert man sich wenig. So reiht sich das vierte Album Return To Deep Lethargy also brav in die Reihe der bisherigen Werke ein. Der Black Metal von DANTALION war schon immer geprägt von dunkelatmosphärischen und leicht melodischen Kompositionen. Auf Return To Deep Lethargy ist dies nicht anders. Dem vierten Album liegt eine latent schwelende Melancholie zugrunde, die sich musikalisch aber auch lyrisch niederschlägt, wie man bereits unschwer an den Liednamen erkennen kann.

DANTALION gehört zu jener Sorte von Gruppen, die überzeugen, obwohl sie im Grunde nur wenig spektakuläres offerieren. Die Musik von DANTALION ist sehr homogen, sehr stimmig und im Detail wenig auffällig. Die Alben, so auch das aktuelle, kommen sämtlich ohne große Momente aus, die auf dem ersten Blick etwa überraschend, anders oder herausragend wären. Trotzdem gelingt es DANTALION, und dies ist die Kunst, die sie beherrschen, überdurchschnittliche Musik mit einer gewissen Tiefe zu erschaffen, und so gibt es dann durchaus große Momente, die man jedoch erst mit dem zweiten, dritten oder gar vierten Blick erkennt. Die Lieder von Return To Deep Lethargy wirken extrem rund, stimmig, überlegt und professionell. Die Gitarrenriffs sind zwar melodisch, aber niemals zu sehr, die ständige Präsenz der Melancholie ist zwar allerorts spürbar aber niemals zu übertrieben. DANTALION wissen genau was sie tun, jedes Riff, jedes Break, jeder Wechsel sitzt perfekt, ist punktgenau und deshalb gut. Es geschieht dabei leicht, zu glatt und abgeklärt zu wirken, doch auch diesem Malus können DANTALION wiederstehen. Trotz seiner professionellen Umsetzung wirkt das vierte Album nicht kantenlos und identitätslos. Die atmosphärisch-melancholischen Stücke zeugen von einem gußeisernen Stil den DANTALION von Anfang an verfolgen. Im direkten Vergleich zum Vorgänger All Roads Lead To Death wirkt das neue Album viel schwermütiger aber auch weitaus runder. Das Hauptaugenmerk liegt diesmal ganz eindeutig auf den dunkelatmosphärsche Arrangements, sodass es harsche oder brutale Ausbrüche kaum noch gibt. Und hierin unterscheidet sich das vierte Album dann doch von den drei Vorgängern. Tempo gibt es zwar, aber wohldosiert und dezent, nicht als Kontrast oder aufbrechendes Element, wie auf den Vorgängern. Die Schnelligkeit und Härte wurde diesmal stimmiger und unauffälliger, auch mit mehr Bedacht und deshalb effektiver, eingesetzt und platziert.

Auf der einen Seite mag Return To Deep Lethargy anfänglich vielleicht ein langweiliges Album sein, doch dem ist nicht so. Klanglich, spielerisch und atmosphärisch ist es ein sehr gutes Album, bisher sogar das beste von DANTALION überhaupt. Meiner Meinung nach wurde die Gruppe bisher ohnehin maßlos unterschätzt, vielleicht ändert sich dies ja nun. Verdient hätten sie es in jedem Fall. Return To Deep Lethargy ist ein absolut rundes und in sich stimmiges Album, das sehr geschickt mit den Facetten von Schwermut und Melancholie spielt, ohne irgendein ausgelutschtes Klischee zu bedienen. Wer jetzt gespannt ist das Album zu hören, muss sich allerdings gedulden, denn die Veröffentlichung ist erst für den August geplant. Vorfreude ist aber die schönste Freude, und freuen kann man sich auf dieses qualitativ hochwertige Album definitiv!


8,5/10
Aceust

01. Pain and lethargy
02. Onward to darkness
03. Until my time comes
04. The arrival of silence
05. Ode to nothingness
06. The end of the path
07. Murder (Katatonia Cover)

http://www.dantalionband.com/

Totgeburt - Das Ritual beginnt | 2012 | OTOW | CDR | Black Metal

Über TOTGEBURT ist nichts bekannt außer das Gründungsjahr 2011 sowie die niedersächsische Heimat. Hergeleitet vom Photo auf der Rückseite, scheint es sich um eine Einmanngruppe zu handeln. Die EP Das Ritual beginnt ist das erste Werk und kommt als professionelle CDr. Beworben wird die Musik als „Black Ritual“ und inhaltlich geht es in verschiedenen Facetten um das Sterben und den Tod.

Als ich den Begriff „Black Ritual“ las, dachte ich, mich würden lange, langsame Lieder mit Ambient oder sehr kurze, bissige, giftige und mit Noise unterlegte Stücke erwarten. Beides trifft auf Das Ritual beginnt nicht zu. Stattdessen gibt es klanglich roh und dünn produzierten Black Metal, der phasenweise sogar überraschend melodisch daher kommt. Im ersten Stück Das Ziel ist erreicht, wird geradlinige und rasende Schnelligkeit mit düsterer Akustikgitarre sowie harmonischem Keyboard kombiniert. Die schnellen Parts sind sehr antreibend, das Riffing ist sehr übersichtlich und der deutschsprachige Gesang wirkt makaber verzerrt, da er nicht geschrien wird, aber dennoch kaum verständlich ist und manchmal gar wie ein dämonisches Gurgeln wirkt. Das Ziel ist erreicht ist ein gelungenes Lied, in dem sich harsche Kälte und düstere Melodik in einer angenehmen Struktur ausgewogen die Waage halten. Im folgenden Das Karzinom gelingt dies nicht ganz so. Hier kommt das Keyboard phasenweise sehr stark zum Einsatz, zu stark, und auch die Melodie ist weder düster noch sonderlich ansprechend. Dafür überzeugt mich dann aber der schnelle und aggressive Ausbruch im letzten Drittel, der wahrlich negativ aufgeladen ist und schön wüst und bestialisch rüberkommt.

Nach der instrumentalen Überleitung Requiem in b-Dur I folgt das schnell gespielte und leicht melodische Ich bin in dir. Hier gibt es interessante rhythmische Verschiebungen, ein Soli und neben den verzerrten Gitarren auch Klargitarre. Das Keyboard steht wieder wesentlich dezenter im Hintergrund, was sich gleich viel besser anhört: Nämlich harmonischer, düsterer und bedrohlicher, was auch viel besser zu den bösen, schnellen Passagen passt. Mit dem Titellied schließt TOTGEBURT die EP ab und gibt ein ansprechendes Lied zum Besten, in dem sich kalt rasende Schnelligkeit und dunkelmelodische Arrangements abwechseln. Vor allem der schnelle Gesang besitzt eine gewisse morbide Atmosphäre.

Für die erste Veröffentlichung ist Das Ritual beginnt sicherlich keine schlechte Sache, vor allem, wenn es sich tatsächlich um einen einzigen Musiker handeln sollte. Handwerklich geht die dargebotene Leistung völlig in Ordnung, der Klang passt zur Musik, ist kalt und roh wenn er es sein soll aber klar und differenziert in den leiseren Passagen. Der Gesang wurde meiner Meinung nach sehr gut abgemischt und ist die böseste Waffe TOTGEBURTS. Auch die Strukturen sind durchaus gelungen, lediglich das Keyboard wurde mir manchmal etwas zu dick aufgetragen. Der dezente Einsatz ist gut, nur die vordergründige Verwendung in Das Karzinom hätte wirklich nicht sein müssen.  Das Ritual beginnt ist eine gelungene Debütveröffentlichung, mit Abwechslung aber auch direkter Geradlinigkeit und einigen düsteren und morbiden Momenten.


6/10
Aceust

01. Das Ziel ist erreicht
02. Das Karzinom
03. Requiem in b-Dur I
04. Ich bin in dir
05. Totgeburt