25.10.2010

Monarque - Blasphèmes Et Cultes Morbides | 2010 | Ewiges Eis Records | CD | Black Metal

Blasphèmes et Cultes Morbides ist eine Kompilation, die zunächst auf Kassette erschien und nun auch auf CD erhältlich ist. Diese CD-Zusammenstellung (welche sich übrigens von der Kassettenversion unterscheidet) enthält neben Fier Hérétique unveröffentlichtes Demo- und Rehearsalmaterial. Wer Ad Nauseam kennt und mag, wird diese Veröffentlichung definitiv auch mögen, da die Lieder von Fier Hérétique ähnlich gelagert sind und erstklassigen Black Metal darstellen. Zudem besitzt Fier Hérétique hier auf der Kompilation einen alternativen Ein- und Ausklang, was sicherlich kein Kaufargument ist, wenn man das Original bereits besitzt, der Ordnung halber aber erwähnt werden sollte. Nun, das Kapitel von Fier Hérétique währt etwas länger als eine halbe Stunde und bietet kraftvoll gespielten Black Metal mit einem hohen dunkelatmosphärischen Anteil. Die Melodik ist exzellent, jedes Riff sitzt perfekt. Allerdings sind die Lieder von Fier Hérétique insgesamt weniger hart und schnell als auf Ad Nauseam.

Den Einstieg ins "Bonusmaterial" macht das Akustikgitarrenlied Lycanthrope, welches ordentlich aber wenig spektakulär daher kommt. Das direkt darauf folgende Cortège Macabre ist der 2008 erschienen Split EP mit Blackwind entnommen. Zu zwei Dritteln ist es ein gemächliches Lied, das dunkelatmosphärisch und melancholisch ist. Im letzten Drittel begehrt Monarque dann schnell und harsch auf. Das Rehearsalstück La Vallée des Larmes ist klanglich überraschend gut, etwas dünn aber die tiefen Töne erklingen raumfüllend, was der mittelschnellen, melancholischen Nummer gut steht. Die Demoversion von Je ne suis Pas ballert hingegen schnell aus den Lautsprechern und wird von feinen, guten und grell klingenden Riffs begleitet. Rhythmisch recht eingängig aber melodisch und harmonsich sehr ansprechend, zumal Monarques Gesang auch hier wieder vollends gelungen ist. Das andere Demostück Marche Funèbre ist zwar wie in der bekannten Version von Fier Hérétique dunkelatmosphärisch gelagert, doch wartet die Demoversion mit einer wesentlich kräftigeren sowie drückenderen und grellen Gitarrenspur auf. Dadurch wirkt es trotz des schwermütigen Aufbaus härter und bissiger. Zum Abschluss gibt es ein langsames und überaus düsteres Lied zu hören, in dem es kein Schlagzeug, dafür aber bedrückende Orgelklänge zu hören gibt.

Blasphèmes et Cultes Morbides ist eine sehr gute Veröffentlichung ohne Schwächen. Die unveröffentlichten Stücke überzeugen genauso wie das bekannte Material von Blasphèmes et Cultes Morbides. Ein Kauf lohnt sich auch für jene, die Fier Hérétique bereits besitzen, denn das "Bonusmaterial" mit einer Länge von über 30 Minuten ist für Freunde von Monarque wärmstens zu empfehlen.


8/10
Aceust

01. Fier hérétique
02. Vent du nord
03. Un passage dans la vallée
04. Extinction
05. Marche funèbre / Aliénation
06. Lycanthrope
07. Cortège macabre
08. La vallée des larmes (Black Book Rehearsal)
09. Je ne suis pas (Demo)
10. Marche funèbre (Demo)
11. Funérailles dans la vallée...

22.10.2010

Laudanum - Drei Nägel und zwei Balken | 2009 | Düsterwald Produktionen | CDR | Black Metal

Laudanum, so lautet der Name eines noch recht jungen Projektes aus Baden-Württemberg. Über 50 Minuten nahmen Anomietes und Travos auf, um sie dann über Düsterwald Produktionen unters Volk zu bringen.

Liedtitel auf Drei Nägel und zwei Balken sind unter anderem Kriegsherr Satan, Krieger aus Blut und Eisen oder Werwolf  und die deuten auf blasphemisches Schlachtwerk hin, doch ich muß zumindest zugeben, daß mich Laudanum mit ihrer Musik überraschen konnten. Durch die Titel animiert, erwartete ich eher etwas in Richtung SEK oder dergleichen, aber dem ist nicht so. Black Metal ist es aber trotzdem, den die beiden Macher auf Tonträger verewigten. Wieder einmal bin ich etwas ratlos, wie ich das Ganze nun einstufen soll. Grundlegend kategorisiere ich es mal als melodischen Black Metal, wobei das „melodisch“ der Gitarrist auf seinem Konto verbuchen kann und nicht etwa irgendein Tastenkitsch. Laudanum ist also nichts für diejenigen, deren Vorliebe bei keyboardgeschwängertem Black Metal liegt, damit bei dem „melodisch“ keine Mißverständnisse aufkommen. Aber für wen ist Laudanum denn eigentlich dann etwas? Eine Frage, deren Beantwortung mir nicht leicht fällt. Schlecht ist das Album nicht, aber es will mich auch nicht so recht überzeugen. Einige Melodien sind ganz nett und setzen sich nach mehrmaligem Hören sogar etwas fest, die Gitarre wurde in der Geschichte des Black Metals schon mit weniger Fertigkeit vergewaltigt, der Gesang ist auch nicht übel, und das obwohl mich der dezente „Eisregentouch“ (Betonung beim Gesang) nicht gerade begeistert. Allgemein mangelt es der Musik dafür am Mitreißfaktor, sie nimmt nicht gefangen, trägt nicht hinfort und regt auch nicht zur Erhöhung der körperlichen Aktivität an. Der Versuch, Abwechslung einzubringen, ist zwar ebenfalls gut gemeint, aber die Wirkung entfaltet sich nicht optimal. Hinzu kommt noch ein programmiert wirkendes Schlagzeug, das schon erträglich, aber dann doch nicht zuträglich ist. Selbiges gilt für den Klang – mir ist dieser fast schon zu sauber und dafür etwas zu dünn. Entweder mehr Schmutz oder mehr Volumen – eine der beiden Varianten wäre da vielleicht besser gewesen. So ist es aber weder Fisch noch Fleisch. Als Bonus sind zwei ältere Stücke aus Demozeiten enthalten. Die Quantität stimmt also, die Qualität leider nicht so ganz.

Drei Nägel und zwei Balken könnte ich wohlwollend als „ganz nett“ beschreiben, aber das lockt keine Hörer mehr. Die Flut der Veröffentlichungen bringt viele gute Alben hervor und da ist es schon unmöglich, das alles zu verfolgen. Laudanum sind mir noch zu harm- und belanglos und bieten daher kein schlagkräftiges Argument, daß mich zum möglichen Käufer machen würde – ein Allheilmittel für Schwarzmetaller wurde somit wieder nicht gefunden.


4,5/10
Der Einsiedler

01. Ich wandle einsam
02. Gott der Götter
03. Drei Nägel und zwei Balken
04. Kreatur aus Blut und Eisen
05. Kriegsherr Satan
06. Werwolf
07. In der Nacht
08. Outro
09. Durch den Regen
10. Chor der Toten

21.10.2010

Horncrowned - Casus Belli Antichristianus | 2009 | Ketzer Records | CD | Black Metal

Casus Belli Antichristianus heißt das taufrische, dritte Album von Kolumbiens Extremisten Horncrowned. Bereits der Vorgänger Satanic Armageddon fiel in erster Linie durch konsequentes Geknüppel und satanische Militanz auf. Das war ganz nett, aber noch nicht vollends überzeugend. Das neue Werk steht seinem Vorgänger in Sachen Christenfeindlichkeit und aggressiver Geschwindigkeiten in nichts nach.

Der Anfang, der mit Outbreak of War gemacht wird, ist sehr stattlich. Die ersten 90 Sekunden fungieren als ruhige instrumentale Einleitung, ehe dann das Ungemach in der Form von monströser Raserei über den Hörer hereinbricht. Fortan entwickelt sich Outbreak of War aber zu einem dynamischen, abwechslungsreichen Titel, der verschiedene flotte Tempi und eine Vielzahl an Riffs bereithält. Selbst ein Soli fehlt nicht und auch kurzweilig ist eine atmosphärische Passage zu hören. Überhaupt ist Casus Belli Antichristianus insgesamt ein überraschend riffbetontes Werk, was angesichts der ständigen Raserei schon sehr beachtlich ist, zumal die Gitarren nicht einfach und monoton gespielt wurden. Es werden präzise Riffs abgefeuert und auch das eine und andere Soli lockert die rigorose, zerstörerische Atmosphäre auf. An Militanz und aggressiver Brachialgewalt dürfte Casus Belli Antichristianus nur schwer zu überbieten sein. In dieser Hinsicht muss man die Fähigkeiten der vier Musiker auch anerkennend erwähnen, da das Material fehlerlos und einwandfrei eingespielt wurde. Ein bisschen könnte man Horncrowned auf dieser Scheibe mit Marduks „Nightwing“ oder „Panzer Division Marduk“ Alben vergleichen. Kompromisslos schneller und kriegerischer Black Metal. Allerdings ist die Klangproduktion bei den tiefen Tönen von Casus Belli Antichristianus nicht so mächtig wie bei Marduk, zudem ist er auch noch etwas steriler und kälter als bei Satanic Armageddon ausgefallen.

Horncrowned schlägt mit Casus Belli Antichristianus in dieselbe Kerbe, wie drei Jahre zuvor schon mit Satanic Armageddon. Atmosphärisch und stilistisch sind sich beide Alben also sehr ähnlich. Auf Casus Belli Antichristianus ist das Material zwar etwas anspruchsvoller und das Gitarrenspiel besser, dafür fehlt dem Schlagwerk im Klang die Dominanz, wie sie auf dem Vorgänger noch zu hören war. Aufgrund der klanglichen Defizite, die fehlende Wärme und Durchschlagskraft, gibt es leider auch einen Punktabzug. Nach dem starken Auftakt mit Outbreak of War flacht das Album etwas ab. Dies liegt aber vor allem in der Stilrichtung als solche begründet. Wer immer aus allen Kanonen feuert, ständig schnell, rasend und aggressiv spielt, klingt in den einzelnen Liedern einfach per definitionem ähnlich. So ergeht es nicht nur Horncrowned. Trotzdem ist das Album alles andere als schlecht. Man muss einfach Lust auf ein solch musikalisches Inferno haben, dann zündet Casus Belli Antichristianus auch.


6/10
Aceust

01. Outbreak of war
02. Lucifer's flamethrower horde
03. Diabolical indoctrination
04. Point zero
05. Anticlericalism
06. Casus belli antichristianus
07. Defeated christ
08. Goat's troops conquers

http://www.horncrowned.com/

20.10.2010

Infestus - Chroniken des Ablebens | 2008 | Debemur Morti | CD | Black Metal

Chroniken des Ablebens, das zweite Album von Infestus, ist in drei Kapitel eingeteilt und beginnt mit dem Einklang Sterbend recht interessant, da Sterbend, untypisch für einen Einklang, keine ruhigen und atmosphärischen Klänge beinhaltet. Stattdessen ist ein kraftvoll arrangiertes Instrumentalstück zu hören, in dem alle wesentlichen Instrumente zum Einsatz kommen. Es folgt mit Entering eternal oblivion ein abwechslungsreiches Lied, in dem es sowohl schnell gespielte und Kälte ausstrahlende Parts gibt, als auch lange, langsame und atmosphärische Passagen, welche mit düsteren Melodien ausgekleidet wurden.

Manifesto invidiae beinhaltet zwar gleichfalls rigorose Schnelligkeit und dunkle, harmonische Parts, doch sind gerade die düsteren, klaren und atmosphärischen Phasen des Liedes überragend. Während dieser Phasen sind dezent gehaltene, dunkle Melodien zu hören, die sehr ruhig und schaurig schön vorgetragen werden.
Vorwiegend schleppend bis mittelschnell geht es mit Des Untergangs Untertan weiter. Hier fällt vor allem das sehr lebendige und vielfältige Spiel an den Saiteninstrumenten auf. Es sind nahezu durchgehend sich verändernde Riffs und Melodieführungen zu hören. Infestus trägt es dabei allerdings nicht zu dick auf, sodass die Melodik stets dezent bleibt. Im letzten Drittel des Liedes gibt es dann auch sehr kraftvoll arrangierte und schnell gespielte Schübe zu hören.

Das gute und vielfältige Spiel an den Gitarren ist aber nicht nur für Des Untergangs Untertan ein wesentliches Merkmal, es gilt für das gesamte Album. Es gibt auf Chroniken des Ablebens kein einziges Lied, in dem das Riffing und die gelungene, unauffällige Melodiebetonung plump oder langweilig wirken. Durch diese saitenbedingte Vielfalt und Betonung ist Chroniken des Ablebens ein atmosphärisch wirkendes Werk geworden, obgleich es natürlich immer wieder schnelle und harte Parts zu hören gibt. Es sind aber nicht nur die Gitarren die zur atmosphärischen Ausstrahlung führen. Der Gesang tut dies ebenso, da er zwar verzerrt, aber immer sauber und verständlich ist, was der melodisch-atmosphärischen Linie in die Hände spielt. Genau hierin liegt dann für mich auch der einzige Kritikpunkt. Bei so viel atmosphärischer Harmonie, wirkt mir Chroniken des Ablebens auf Dauer etwas zu glatt. Ich vermisse ein paar rohe und schroffe Anteile, Reibungspunkte, welche die einzelnen Melodien aufwerten würden. Denn es gibt einige sehr gute melodische Momente, doch gehen diese im homogenen Spielfluss ein wenig unter.

Chroniken des Ablebens ist aber dennoch ein gelungenes und gutes Werk des atmosphärisch kalten Black Metals.


7/10
Aceust

01. Sterbend
02. Entering eternal oblivion
03. Manifesto invidiae
04. Des Untergangs Untertan
05. Entfesselt - Der Todestrieb
06. Willinglessly anticipating death
07. Ready to leave

http://www.infestus.com/
http://www.debemur-morti.com/

Ars Diavoli - Pro Nihilo Esse | 2008 | Debemur Morti | CD | Black Metal

Knapp zwei Jahre nach dem ordentlichen Demo The abscence of light, gibt es nun mit Pro nihilo esse das Debütalbum des portugiesischen Einmannprojekts Ars Diavoli. Ars Diavoli ist nach wir vor grell, roh und harsch. Allerdings nicht mehr ganz so intensiv wie auf dem Demo. Stattdessen wurden die Strukturen klarer herausgestellt und die Lautstärke des Gesangs etwas reduziert, sodass die düstere und nihilistische Atmosphäre der Musik nun viel besser zur Geltung kommt.

Den Anfang macht Angústia sufocante, welches ruhig und atmosphärisch beginnt, sich im Verlauf der mehr als neun Minuten Spielzeit aber wandelt, und einige schnelle, unheilvoll und maschinenhaft hämmernde Parts bereit hält. Ebenso gibt es aber auch schleppende Passagen, mit seichten, sphärischen Hintergrundklängen. Ganz anders, nämlich eingängig schnell hämmernd und pressend fängt das nachfolgende Ira Auto-Infligida an. Dessen Anfangsphase ist sehr extrem, grell und vollgepackt mit negativer Ausstrahlung. Auf diesen harschen sowie heftigen Anfang folgt dann ein schleppender Part, in dem vor allem die grell und hell gestimmten Gitarren das Geschehen prägen. Dabei springt die eine oder andere gute Melodie heraus.

Das Titelstück Pro nihilos esse ist mit etwas mehr als zehn Minuten Spielzeit das längste Lied des Albums. Weitgehend ist es ein ruhiges Lied, obgleich es auch kurzweilige, härtere Momente gibt, auch wenn diese nichts von der Härte haben, die in den beiden vorangegangenen Stücken zu hören war. Es dominieren langgezogene Passagen mit grellen und eingängigen Riffs. Ist zwar ganz nett, doch auf zehn Minuten gedehnt, auch etwas langweilig.

Dafür hat es aber das folgende Vis compulsiva voll und ganz in sich. Es nimmt langsam und ruhig Fahrt auf, wird langsam, Stück für Stück intensiver und entwickelt dabei eine hervorragende, sich wiederholende Melodieführung die unter die Haut geht. Die Melodie ist zwar relativ einfach, aber sehr wirksam und vereinnahmt sofort. Vis compulsiva vermittelt eine gewisse Ästhetik, die vom kurzweiligen, leisen Summen eines Chors im Hintergrund noch zusätzlich unterstrichen wird. Mit Veneração suicida geht es dann in den ersten Minuten sehr eingängig weiter. Eine sehr grelle und im Vordergrund stehende Gitarre spielt eingängig und ausdauernd auf. Dabei wird aber keine ergreifende Melodie herausgebildet sondern eher ein hypnotischer Sog beschworen, der mich punktuell sogar ein wenig an Burzum erinnert. Im weiteren Verlauf von Veneração suicida sind dann auch Variationen und Veränderungen zu hören, doch ändern diese nichts am insgesamt eingängigen und hypnotischen Ausdruck der Komposition.

Abschließend ist Derrames… zu hören, ein durchgängig langsam gehaltenes Lied. Hier wechseln sich die rohen und grellen Gitarren mit atmosphärischen und klaren Parts ab. Es ist ein ruhiges und düsteres Ausklingen des Albums, ohne große und eindringliche Momente zu besitzen.

Es ist Ars Diavoli gelungen, auf den guten Ansätzen von The abscence of light aufzubauen. Mit Pro nihilo esse ist eine Steigerung deutlich zu verzeichnen. Pro nihilo esse ist roh und grell, besitzt harsche und heftige Momente ebenso wie gute und eindringliche Melodien. Im Einzelnen manchmal vielleicht etwas langatmig, doch das lässt sich insgesamt betrachtet verschmerzen.


7,5/10
Aceust

01. Angústia sufocante
02. Ira Auto-Infligida
03. Pro nihilo esse
04. Vis compulsiva
05. Veneração suicida
06. Derrames...

18.10.2010

Schlaflos - s/t | 2010 | Eigenproduktion | CDR | Black Metal

Dieses dritte Demo, welches keinen wirklichen Namen trägt, soll genau dort anknüpfen, wo das erste Demo endete. Mir gefiel das Demo damals sehr gut, ich mochte vor allem Wanderungen mit seinen verzerrten Gitarren. Auf der Split mit Avsked konnte mich Schlaflos dann nicht vollends für sich gewinnen, da ich auf eine Fortsetzung des Demos hoffte. Nun, mit der dritten Veröffentlichung, schließt sich der Kreis. Einerseits wird am ersten Demo angeknüpft, andererseits stellt s/t aber auch eine Mischung aus dem ersten Demo und der Split dar. Dass es sich hierbei erneut um instrumentale Klanglandschaften handelt, sollte wohl jedem klar sein, der Schlaflos kennt und verfolgt.

s/t ist mit einer Gesamtlänge von über 43 Minuten die mit Abstand längste Veröffentlichung bisher. Entsprechend der Länge des Materials entfalten sich auf s/t verschiedene Stimmungen, die durch die facettenreichen Arrangements und Spannungsverläufe erschaffen werden. Mit dem ersten Lied Früher... gibt Schlaflos ein überaus ruhiges und klares Lied zum Besten, in welchem sanft gespielte Klargitarren zu hören sind. Im mittleren Teil erfüllen Geräusche eines Baches den Raum ehe im dritten Abschnitt des Liedes tolle Gitarren, die etwas an Post-Rock erinnern, gemeinsam mit einem treibend und roh gespielten Schlagzeugs erklingen. Hier wird eine sehr interessante Atmosphäre kreiiert, da auf der einen Seite liebliche und verträumte Gitarrenklänge zu hören sind, auf der anderen Seite aber das rohe Schlagzeug der Sanftheit zuwiderläuft. Die Stimmenfetzen am Ende des Liedes tragen ihr übriges zur intensiven, verstörenden Stimmung bei. Mit diesem Eingangslied ist der Auftakt von s/t mehr als gelungen und es folgt mit Kommende Tage ein von Anfang an schwereres Lied, da die Klargitarre gegen eine düstere, verzerrte und bedrückende Gitarre ausgetauscht wurde. Kommende Tage entwickelt sofort eine bedrückende Atmosphäre. Gerade in der Anfangsphase ist das Lied überaus erdrückend, da es fast schon doomig daher kommt. Später wird diese Dunkelheit aber aufgeweicht und von sphärischen Klargitarrenklängen versüßt.

Ich muss jetzt gar nicht auf alle Lieder eingehen um zu verdeutlichen, wie gut und wie düster, beklemmend und obskur die Instrumentallieder von s/t sind. Schlaflos hat es mit diesen Liedern tatsächlich geschafft, mir eine Fortsetzung des ersten Demos zu liefern. s/t ist ein absoluter Pflichtkauf für all jene, die düstere, beklemmende und obskure Musik zu schätzen wissen. Zudem ist das Wechselspiel zwischen den klaren, verträumten und wunderschönen Melodien und den verzerrten und düsteren Parts überaus gelungen und delikat.

01. Früher...
02. Kommende Tage
03. Unaufhörlich
04. Selbsteinsichten
05. Blutverschmierte Haut
06. Unruhige Nächte
07. Ein anderes Gefühl von Freiheit

http://home.arcor.de/veineliis/Veineliis.html

Withered - Relikte | 2010 | Eigenproduktion | CDR | Black/Death Metal

Withered aus Berlin entstand 2009 aus der Asche des Vorgängers Düsterwald, mit dem man 2005 und 2006 zwei Demos veröffentlichte. Diese Demos sind mir nicht bekannt, allerdings gehe ich aufgrund der zahlreichen Besatzungswechseln und der Betonung auf kreatives Schaffen davon aus, dass die erste Demo von Withered nur wenig mit den zwei Düsterwald-Demos gemeinsam hat. Relikte ist jedenfalls stilistisch schwer einzuordnen. Eine progressive Mischung aus Black Metal, Death Metal und Metal soll es laut Withered sein.

Mit dem ersten Lied Gesichter im Moor gibt es ein vielfältiges Lied zu hören, in dem es leise Töne, erschaffen aus Flüstern und Klargitarre, als auch kraftvolle, melodische Riffs zu hören gibt. Rhythmisch verhält sich das Lied gleichfalls abwechslungsreich, da sich schnelle Schübe mit gemäßigten Passagen abwechseln. Aggressivität wechselt sich gekonnt mit lieblicher Melodik ab. In Kriegsnebel ist die Atmosphäre düsterer, da hier tiefe Töne klar dominieren. Nicht nur die Gitarren erklingen tiefer und dunkler, selbst der Gesang wurde tiefer eingesungen, weshalb Kriegsnebel phasenweise wie eine sehr düstere und eigenständige Black/Death-Mischung klingt, die mit guten und interessanten Riffs und Melodien aufwartet. Zudem nimmt das Lied interessante Wendungen, die unerwartet und sehr eigenständig sind und für einen erstklassigen Spannungsverlauf sorgen. Zum Abschluss kommt Abendgrauen, das flott und antreibend beginnt und auch hier überwiegen tiefe Tonlagen, obgleich das Spiel an den Saiteninstrumenten phasenweise überaus melodisch ist. Am programmierten Schlagzeug sind hier eigenartige Effekte zu hören, die ich nicht so richtig deuten und einordnen kann, da das synthetische Schlagwerk ansonsten absolut sauber und flüssig programmiert wurde und gar nicht als programmiert auffällt. Wie dem auch sei, nach dem flotten Anfang gibt es einen extrem melodischen Death Metal Part zu hören, der überaus riffbetont ist und verdammt fröhlich klingt. Mir ist das viel zu viel Melodie und glücklicherweise bleibt es auch bei dieser einzigen Passage.

Alles in allem ist Relikte eine interessante Demoveröffentlichung, die dem eigenen Anspruch von Withered, nämlich auf Pfaden fernab gefestigter Genre-Grenzen zu schreiten, gerecht wird. Mit Gesichter im Moor und Kriegsnebel sind auch zwei wirklich gute sowie interessante und unterschiedliche Stücke enthalten. Im Auge sollte man Withered in jedem Fall behalten und abwarten, wie sich die Gruppe entwickeln wird. Wem die zwei Lieder auf der Myspace-Seite zum reinschnuppern nicht genügen, der kann Withered am 21. November in Berlin in der Amnesie sehen und hören.


6,5/10
Aceust

01. Gesichter im Moor
02. Kriegsnebel
03. Abendgrauen

Hamleypa - Aus Augen wie Tau ein Feuer entfacht | 2010 | Eigenproduktion | CD | Black Metal

Über Hamleypa ist nicht sehr viel bekannt, außer dass die Gruppe 2007 gegründet wurde und es 2008 zu einem Demo in Kleinstauflage kam, ehe diesen Sommer die MCD Aus Augen wie Tau ein Feuer entfacht erschien. Wenn man Ein- und Ausleitung sowie die Überleitung Umkehr abzieht, bleiben vier Lieder übrig, die im atmosphärischen und melodisch eingefärbten Black Metal angesiedelt sind. Hamleypa versteift sich dabei allerdings nicht zu sehr und ausschließlich auf dunkle Melodieführungen sondern spielt auch grimmig und rumpelig auf, wie das Lied Tore zu den Sternen beweist. Hier lässt sich noch nicht erahnen wohin die Reise gehen wird, denn der Black Metal der hier geboten wird, ist dezidiert grell und rau, der Kreischgesang intensiv und harsch. Das Tempo variiert dabei von schleppend über mittelschnell bis schnell. Das direkt folgende Ewighain ist dann aber zur Gänze ein langsames, ruhiges Stück in dem es neben Klargesangseinlagen auch sehr dezente Keyboardanschläge im Hintergrund zu hören gibt. Ist ganz nett, haut mich aber nicht vom Hocker. Umkehr fungiert in der Mitte des Werks als kurze Überleitung, in der neben dem Plätschern eines Baches die Akustikgitarre zu hören ist.

Melodisch, atmosphärisch und mit kurzen Chorgesangsandeutungen geht es mit Heimaterde weiter. Das Tempo ist durchgehend langsam und die ruhige, melodische Spielweise an den Instrumenten steht in Wechselwirkung zum eindringlichen und stark verzerrten Kreischgesang. Irgendwie entwickelt das Lied aufgrund seiner Länge und Eingängigkeit einen gewissen hypnotischen Sog. Punktuell erinnert mich der Gesang und das dezente Keyboard hier sogar entfernt an Bilskirnir. Bisher erwies sich Hamleypa recht vielseitig. Allerdings fehlt ja noch ein Lied. ...und nichts ist geblieben ist mit einer Länge von etwas mehr als zehn Minuten das längste und zugleich stärkste Lied. Es wartet mit großartigen melodischen Riffs auf, die mich stark an das Lied Queen of  the Borrowed Light von Wolves in the Throne Room erinnern. Sie stehen düster und schwer im Hintergrund, während im Vordergrund der bissige Gesang und das laute, phasenweise schnelle und wüste Getrommel zu hören ist. In ...und nichts ist geblieben zeigt sich Hamleypa von der besten Seite und präsentiert ein intensives Lied mit tollem Spannungsaufbau und feinem Gespür für Melodik und Dramatik.

Aus Augen wie Tau ein Feuer entfacht ist eine abwechslungsreiche Veröffentlichung, die jedoch keiner klaren Linie folgt.  Der große gemeinsame Nenner ist das dunkelatmosphärische Spiel, welches sich jedoch in unterschiedlichen Facetten offenbart. Insgesamt betrachtet ist es aber eine ansprechende und gelungene Sache. Vor allem liegt das an ...und nichts ist geblieben und Tore zu den Sternen. Wenn sich Hamleypa in Zukunft zu sehr auf ruhige Lieder wie Ewighain konzentriert, kann der interessante und abwechslungsreiche Ansatz schnell verloren gehen.


7/10
Aceust

01. zum Ursprung
02. Tore zu den Sternen
03. Ewighain
04. Umkehr
05. Heimaterde
06. ...und nichts ist geblieben
07. vom Ende