30.12.2007

Toxocara - The Great Rebellious | 2008 | Twilight | CD | Death Metal

Die niederländische Formation Toxocara zündet mit ihrem zweiten Album The great rebellious ein herrliches Death Metal-Feuerwerk ab, das zwar technisch strukturiert ist aber unüberhörbar dem Oldschool Death Metal huldigt.

Toxocara fackelt nicht unnötig herum und verplempert keine wertvolle Zeit mit Ein- und Ausklängen; stattdessen beginnt das Album mit Godking sofort schnell und brutal. Godking ist aber nicht nur schnell und brachial sondern in angenehmer Art und Weise abwechslungsreich. Dies trifft im Übrigen auf das gesamte Album zu, da Toxocara zu jeder Zeit technische und moderne Elemente mit traditionellen Einflüssen kombiniert.
Nachdem Godking überaus energisch und antreibend eröffnet wurde, offenbaren sich hernach immer mehr die mannigfaltigen Strukturen, die sowohl den rhythmischen als auch harmonischen Spielfluss betreffen.

Es sind sehr schnell und treibend gespielte Passagen zu hören, die zum Teil mit einer dunklen und mächtigen Basslinie unterlegt sind oder auch ersatzweise mit lebendigen, technischen Riffs aufwarten. Glücklicherweise übertreibt es Toxocara zu keinem Zeitpunkt mit trockenen und technischen Riffs. Sie tauchen zwar häufig auf, doch immer mit einer dezenten Bestimmtheit und dann auch nur als ein Element von vielen. So sind ebenso schnelle, eingängige und treibende Riffs zu hören, die nicht selten gemeinsam mit dem Bass für sehr druckvolle und energische Momente sorgen.
Neben der abwechslungsreichen Spielweise an den Saiteninstrumenten erweist sich auch das Schlagzeug als hochgradig variabel. Denn trotz der vorwiegend schnell und antreibend gearteten Spielweise sind zahlreiche Breaks und Rhythmuswechsel zu verzeichnen, die vom Schlagzeuger meisterhaft umgesetzt worden sind. Toxocara spielt stets sehr flüssig von der Hand weg, sodass die zahlreichen Variationen, Wechsel und Details wie aus einem eisernen Guss wirken.
Death Metal lebt nicht zuletzt auch vom Gesang und dieser ist ebenfalls überaus gelungen. Er ist natürlich, wie es sich für zünftigen Death Metal gehört, zu aller erst schön tief, dunkel und kraftvoll. Dies ist aber nur eine Variation des Gesanges, denn der Gesang wurde facettenreich gestaltet, so dass auch höhere oder tiefere Intonationen zu hören sind, welche sehr gut zum jeweiligen musikalischen Moment passen.

The great rebellious ist ein mächtiges Bollwerk, welches niederwalzend und druckvoll ist und darüber hinaus gute, dunkle Harmonien besitzt. Für mich gehört es zu den besten Death Metal-Veröffentlichungen, die ich in den letzten Monaten gehört habe. Denn Toxocara überzeugt sowohl in den schnellen und heftigen Passagen wie auch in den mittelschnellen und spielerischen Abschnitten. Von Anfang bis Ende besitzt The great rebellious eine frische und unverbraucht wirkende, aber dennoch traditionsbewusste Atmosphäre, die durchgängig mitreißend ist.

Im Handel wird The great rebellious ab dem 11. Januar erhältlich sein.

01. Godking
02. The connate conflict
03. Wake of the controversy
04. U-48 - Dive of death
05. Among amon
06. Fusillade the coalescent
07. The stories of the Palatinian succession
08. Maenadic mausoleum

25.12.2007

Aigro Mucifelam - Lost Sounds Depraved | 2007 | Insidious Poisoning Records | CD | Black Metal


Hinter dem französischen Einmann-Projekt Aigro Mucifelam verbirgt sich ein gewisser Krof, welcher dem Einen oder Anderen von Gruppen wie Maleficum Orgia, Emptyness, Funeral oder Blessed in Sin her bekannt ist. Lost sounds depraved wurde bereits in den Jahren 2001 und 2002 eingespielt und aufgenommen, was man dem Material allerdings nicht anhört, da es in einer sehr harschen und destruktiven Art und Weise zeitlos ist.

Lost sounds depraved enthält sieben namenlose Titel. Namen benötigen die Lieder aber auch nicht, da Aigro Mucifelam in beeindruckender Manier hochgradig rauen, eingängigen und verstörenden Black Metal zelebriert, der nur wenigen Schwankungen und Veränderungen unterworfen ist. Auf Anhieb fallen mir genau zwei Assoziationen zu Lost sounds depraved ein: Purer Hass sowie Black Metal Krach. Diese zwei Attribute genügen eigentlich um die Musik von Aigro Mucifelam ausreichend zu umschreiben. Für eine Besprechung ist das allerdings denkbar wenig.

Die rhythmische Marschrichtung ist denn auch schnell beschrieben: Das Schlagzeug hämmert eingängig und schnell den Takt, zu dem raue und grell verzerrte Gitarren zu hören sind, welche aber nur selten klar hörbare Riffs veräußern. Stattdessen steht der stark verzerrte Gesang im Mittelpunkt des Geschehens. Er ist in seiner enormen Verzerrtheit auch etwas rau und wird nicht geschrien, stattdessen bleibt der Gesang gleichmäßig ruhig, was aber bestens zu diesem durch und durch destruktiv gearteten Black Metal passt. Da Gitarren und Schlagzeug bereits überaus harsch agieren, stellt der ruhiger gestaltete Gesang einen Gegenpol dar, welcher der von Destruktivität aufgeladenen Atmosphäre etwas Morbides und Obskures hinzufügt.

Das Material von Lost sounds depraved ist also denkbar schlicht und erfordert nicht viel spielerisches Können. Leuten, denen so etwas missfällt, brauchen also gar nicht erst reinhören. Aber dennoch hat Aigro Mucifelam seinen Reiz, und dieser liegt im primitiven und von Vernichtung geprägten Ausdruck, den Aigro Mucifelam mit seinem puristischen Black Metal bestens sowie eindrucksvoll vorträgt.
In gewisser Weise stellt Lost sounds depraved eine gnadenlose Hatz auf den Hörer dar, da die sieben Lieder wie eine Treibjagd auf die Nerven und die Willenskraft des Hörers wirken. Denn wenn man nicht in einer ganz speziellen Stimmung ist, ist es extrem schwierig sich das Album in einem Durchgang ohne Pause anzuhören. Diese extreme, eingängig hämmernde und harsche Spielweise zerrt an einem, da sie irgendwann oder auch phasenweise, einfach nur noch wie destruktiv arrangierter Krach wirkt.

01. Untitled
02. Untitled
03. Untitled
04. Untitled
05. Untitled
06. Untitled
07. Untitled

Erhabenheit - Missgediehen | 2007 | Black Devastation Records / Splendour Productions | Vinyl | Black Metal

Wie es schon bei der LP-Version des Vorgängers war, so ist es auch diesmal mit Missgediehen: Pro Seite hat man das Gefühl, je ein langes Lied vor sich zu haben da die Übergänge der einzelnen Lieder grenzenlos fließend sind. Diese Gegebenheit gefiel mir schon bei Vom Tempel zum Throne und auch diesmal entwickelt sie denselben atmosphärischen Bann.
Erhabenheit hat es erneut geschafft, rauen und teils sehr schroff und eingängig angelegten Black Metal mit guten dunklen Harmonien und Stimmungen zu kombinieren.

Mit dem Einklang Geheiß der Schlange beginnt Missgediehen extrem atmosphärisch, da diese Einleitung eine mächtige und orchestrale Anmut hat. Diese verwandelt sich dann mit Frucht des Verderbens jedoch umgehend, da Erhabenheit zu beginn des Liedes sofort schnell, antreibend und schroff aufspielt. Es gibt zwar Rhythmuswechsel und auch die sehr rau klingenden Gitarren, wurden in einem gewissen Bereich abwechslungsreich gespielt, dennoch bleibt die Stimmung in der ersten Hälfte von Frucht des Verderbens eine sehr raue. Doch in der Mitte kommt es zu einer überraschenden Wandlung. Die Gitarren werden nun viel sauberer und kraftvoller gespielt, einzelne gut erkennbare Riffs, brechen die sonst so rohe Atmosphäre auf und sorgen für ein sehr angenehmes Hörgefühl.

Im folgenden Glutorden wird dieses kraftvolle und riffbetonte Gitarrenspiel teilweise weitergeführt, je nach Phase. Denn es wechseln sich schleppende, riff- und harmoniebetonte Passagen mit schnell und grimmig gespielten Etappen ab. Die Gitarren halten jedoch in beiden Spielweisen eine Vielzahl an subtilen Harmonien bereit. Gerade wenn der Rhythmus ein eingängig schneller ist und mehrere Gitarrenspuren zugleich zu hören sind, entpuppen sich beim genauen Hinhören gute, feingliedrige Melodien die aufgrund der rauen Spielweise nicht unmittelbar auffallen. Aber das ist ja ein Element in der Musik von Erhabenheit, welches stets sehr präsent ist und doch immer wieder aufs Neue fesselt.

Ein sehr energisches, harsches und somit auch aggressives Lied ist Vom Blutritus des Seuchenfestes, in welchem schnelle eingängige Passagen auf einen lauten, stark verzerrten und hasserfüllt klingenden Gesang prallen.

Die zweite Seite beginnt mit Ewige Mauern, einem recht minimalistisch gehaltenem Titel. Die Struktur ist vorwiegend eingängig und konstant. Im Mittelteil sorgt die Bassgitarre für Abwechslung, da sie eine schöne und gut hörbare Melodie zum Besten gibt. Ansonsten wirkt Ewige Mauern wie eine Festung von rauer Eingängigkeit. Hierauf folgt der Tempelmarsch II, eine kurze und ruhige atmosphärische Überleitung zu Tempel des Missgedeihens.

Tempel des Missgedeihens ist ein recht abwechslungsreich gestaffeltes Lied. Der Anfang ist sehr kraftvoll, da recht klar gespielte Riffs gemeinsam mit der Bassgitarre eine druckvolle und spielerische Stimmung kreieren. Auf diesen Auftakt folgt dann eine kurze dunkelharmonische Strecke, die alsbald in eine erneut sehr riffbetonte Passage übergeht, welche dann in einem sehr schnellen und harschen Part mündet. Obwohl hier mehrere verschiedene Elemente kurz aufeinander folgen, sind der Spielfluss und die damit verbundene Atmosphäre homogen, da Erhabenheit ob der Abwechslung, seiner rauen Stilistik stets treu bleibt und lediglich einzelne Details, derer man sich als Hörer direkt zuwenden muss, für die Abwechslung und Reichhaltigkeit sorgen.

Erhabenheit ist es mit Missgediehen erneut gelungen, ein fesselndes Werk zu schaffen, das einen tiefgehenden Sog entwickelt, sobald man sich mit der Musik, den einzelnen Passagen (respektive Liedern) befasst und sich auf sie einlässt. Der erste Eindruck, gerade wenn man Erhabenheit noch nicht kennt, ist natürlich ein sehr rauer und puristischer. Doch genau das macht Erhabenheit zu einem Garant für guten deutschen Black Metal. Denn genaues Hinhören offenbart die Vielfalt, die das Material bereithält.

01. Geheiß der Schlange
02. Frucht des Verderbens
03. Glutorden
04. Vom Blutritus des Seuchenfestes
05. Ewige Mauern
06. Tempelmarsch II
07. Tempel des Missgedeihens
08. Tempeltrümmer II

http://www.blackdevastation.de/

22.12.2007

Wolok - Servum Pecus | 2007 | Insidious Poisoning Records | Vinyl | Black Metal

Als ich dem Infoblatt entnahm, dass Lhükkmer'thz von Zarach Baal Tharagh mit von der Partie ist, war mir nicht ganz wohl bei der Sache, zu schlecht und grässlich ist mir eines seiner Demos in Erinnerung. Neben Lhükkmer'thz sind aber auch Lord Naggaroth und Cypher von La Division Mentale mit dabei, deren Debütalbum ganz anständig war.

Wolok zelebriert in jedem Fall rauen Black Metal, jedoch in einer (zum Glück) gänzlich anderen Weise als Zarach Baal Tharagh. Servum pecus ist nicht nur rau sondern auch sehr kalt, obskur und in gewisser Weise auch beklemmend.

Der Grundstein für diese verstörende Reise wird spätestens in Memento finis gelegt, welches sogleich nach dem kurzen aber eigenartig gestalteten Einklang, düster und unheilvoll zu erschallen beginnt. Eingeleitet wird Memento finis von einem rauschenden und leicht leiernden Einspieler, bevor das metallische Ungemach dann seine bizarren Formen annimmt. Und dies gleich in mehrerlei Hinsicht. Als erstes ist da der Rhythmus, der sehr auffällig ist, da er einem steten Wechsel unterliegt. Das Schlagzeug pendelt ständig zwischen sehr schnellen, eingängigen und ruhigen, langsamen Passagen hin und her. Die grell verzerrten Gitarren geben bizarre und schräge Melodiebögen zum Besten, die punktuell in ihrer düsteren und leicht disharmonischen Anordnung an die Landsmänner von Blut aus Nord erinnern. Damit aber nicht genug, der Gesang ist nicht minder verstörend. Er ist extrem verzerrt, dabei aber eher ruhig intoniert als energisch geschrien. Abgerundet wird diese kalte wie rohe Spielweise dann von vereinzelten elektronisch erzeugten Geräuschen, die perfekt zur kalt sterilen Atmosphäre passen.

Aphex of mockery ist anfangs schneller und aggressiver strukturiert. Der Gesang ist passend dazu ebenfalls harscher und energischer und die Gitarren werden stark strapaziert, da schnelle sich abwechselnde Riffs geschmettert werden, die zum Teil recht komplex wirken, da sie nicht nur schnell und wechselhaft sind, sondern auch alles andere als wohlklingend harmonisch sind. Etwa in der Mitte wandelt sich Aphex of mockery hin zu einer schleppenden Passage, in der düstere Harmonien und sphärische, langgezogene Melodien federführend sind. Aber auch dunkel gehaltene und dezent eingebrachte Keyboardklänge sowie makabres Lachen aus dem Hintergrund vervollständigen das bizarre und verstörende Gefühl, welches von Wolok meisterlich herbeigeführt wird.

Auch die restlichen Stücke von Servum pecus tun daran keinen Abbruch und suggerieren vielmehr den Eindruck vom klanggewordenem Wahnsinn, den Wolok hier vertont hat. Dieser Wahnsinn wird von Wolok perfekt verkörpert. Neben einigen schnellen und sehr eingängigen Rhythmen beherrschen vor allem düstere und zum teil sehr atmosphärisch inszenierte Arrangements die Musik. Gerne wird dabei auch auf markante Elektroklänge zurückgegriffen, welche aber ein untergeordnetes Element darstellen, und dieses absolut lebensfeindliche Klangkonstrukt lediglich betonen und nicht kreieren.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass die Bassspur manchmal einen auffällig warmen und lauten Klang hat, was insofern bemerkenswert ist, da der Klang ansonsten eben rau, kalt und steril ist. Für gewöhnlich nimmt man die Bassgitarre bei solchen Produktionen kaum bis gar nicht wahr.

Servum pecus ist für mich eine wahre Perle des düsteren, harschen und bizarren Black Metals. Es ist rau, kalt, aggressiv, dunkel, phasenweise kurzweilig atmosphärisch und stets verstörend. Mehr brauche ich nicht!

01. Mesmerize (Absurd introduction)
02. Memento finis
03. Aphex of mockery
04. Phallus absconditus
05. Mankind euthanasia
06. Wormz
07. Voice of god (Futile conclusion)

16.12.2007

Havoc Unit - h.IV+ | 2008 | Vendlus Records | CD | Industrial Metal

Havoc Unit ist unmittelbar aus der Asche von …and Oceans entstanden, und, obwohl ich erst gestern eine andere Industrial Metal Veröffentlichung von Vendlus Records loben musste, kann ich dies jetzt nicht wiederholen.

h.IV+ ist nicht nur sehr moderner Industrial Metal sondern darüber hinaus auch ziemlich experimentell geraten. Jedenfalls hört es sich für mich so an. Dieser Eindruck kommt von daher, dass die metallischen Anteile in der Musik doch ziemlich gering sind. Ein Merkmal dafür ist der phasenweise verzerrte Gesang, welcher aber auch oft so stark verzerrt ist und mithilfe elektronischer Bearbeitung derart verändert wurde, dass die metallische Wurzel auch hier oft nur noch zu erahnen ist.

Das Riffing von Havoc Unit ist sehr technisch und hart und wirkt dadurch eben auch sehr modern. Diese harten Riffs gehen gerne auch mit Industrialklängen einher, was dann eine trockene und brachiale Atmosphäre verursacht. Gefallen tut mir das alles aber nicht, da es mir insgesamt viel zu künstlich, technisch, trocken und steril ist. Es gibt auch zahlreiche atmosphärische Elemente, etwa irgendwelche Klangkulissen im Hintergrund, doch auch diese sagen mir nicht zu. Zu schwer wiegt diese moderne und technische Spielweise. Phasenweise erinnert mich Havoc Unit an Sepultura in der Ära nach "Arise", wenn auch natürlich nur im übertragenen Sinne, da der elektronische Industrial-Einfluss bei Havoc Unit elementar ist.

Wer solch modernen Metal mag, kann hiermit vielleicht glücklich werden. Mein Fall ist es nicht und ich bin froh darüber, die CD nach dieser Besprechung nie wieder hören zu müssen.

01. Vermicide
02. I.esus
03. When snuff is no longer enough
04. Gen.eration gen.ocide
05. Viremia
06. Kyrie Eleison
07. Nihil
08. Man vs. Flesh
09. Ignoratio Elenchi
10. Kill all nations
11. Kristallnacht
12. Klan korps
13. Rape scene act I

15.12.2007

V:28 - Violution | 2007 | Vendlus Records | CD | Industrial Metal

Ich bin kein Freund des modernen Metals. Aber auch ich muss mich manchmal eines besseren belehren lassen, wie in diesem Fall von der norwegischen Industrial Death Metal Gruppe V:28. VioLution ist bereits das dritte Album und damit zugleich auch das letzte Kapitel einer Trilogie, welche sich dem Ende der Menschheit und der Dekonstruktion der Erde widmet. Für den Einen oder Anderen ist es vielleicht auch interessant zu wissen, dass bei VioLution Garm von Ulver und die Industrial Gruppen G.G.F.H. und MZ.412 als Gastmusiker mitgewirkt haben.

Unter dem Stilbegriff „Industrial Death Metal“ kann man sich vermutlich alles oder nichts vorstellen. Im Falle von V:28 und VioLution jedenfalls handelt es sich dabei um modernen und extremen Metal, der mit vielerlei Zutaten aufwartet.
Obwohl V:28 gerne kraftvoll und mitreißend aufspielt, enthält die Musik eine sehr atmosphärische Komponente, welche bereits beim ersten richtigen Titel Shut it down auffällt. Denn das anfänglich sehr schnelle und brutale Spiel ist mit harmonischen elektronischen Klängen unterlegt, die nicht nur einfach atmosphärisch sind, sondern darüber hinaus auch einen düsteren und endzeitlichen Sog besitzen. Solche elektronischen Hintergrundklänge und Geräusche durchziehen das gesamte Album, wobei sie manchmal dezent und sanft sind aber auch zentral im Mittelpunkt der Musik stehen.

Es sind aber nicht nur diese modernen und elektronischen Einlagen, die für Harmonien und Atmosphäre sorgen. Mindestens genauso prägend sind die Gitarren, die je nach Spielweise und Geschwindigkeit düstere Harmonien und melancholische Melodien bilden, genau so aber auch harte, schnelle und kraftvolle Riffs schmettern. Vor allem diese Kombination und Vermischung von düsteren Gitarrenmelodien mit den harten, treibend arrangierten Riffs und den elektronischen Klängen im Hintergrund ist V:28 bestens gelungen. Die Musik entwickelt dann etwas sehr kraftvolles und vereinnahmendes, dem man sich dann nur noch schwer entziehen kann.

Besonders deutlich wird diese spielerische und atmosphärische Klasse in den drei Liedern Shut it down, World wide bombing day und Can you see the light now?. Denn alle drei Titel haben gemeinsam, dass sie sowohl schnelle, harte und zuweilen auch harsche Elemente besitzen, wie auch düster-atmosphärische und harmonische Passagen. Denn gerade dann, wenn die musikalische Härte und Aggression auf die zahlreichen harmonischen Elemente trifft, entfaltet sich die wunderbare Atmosphäre von V:28 vollends.

Ich hatte vor VioLution nicht gedacht, dass mir solch moderner Metal mit so einem hohen Anteil an Elektroklängen so gut gefallen könnte. VioLution konnte mich jedenfalls vollends überzeugen, insbesondere die drei genannten Lieder haben es wirklich in sich. VioLution gefällt mir wohl auch deshalb so gut, da es trotz aller Harmonien nicht wirklich melodisch wirkt, dafür aber düster, brachial und endzeitlich. Zudem gibt es einige wirklich grandiose Riffs hier und da zu entdecken.

01. Exequor
02. Shut it down
03. The absolute
04. Pattern of the weak
05. Surrender to oblivion
06. World wide bombing day
07. Desert generator
08. Can you see the light now?
09. When entropy decreases

Audiopain - The Switch To Turn Off Mankind | 2007 | Vendlus Records | CD | Thrash Metal

Die norwegischen Thrasher von Audiopain können in ihrer knapp zehnjährigen Geschichte auf eine Vielzahl an Veröffentlichungen verweisen, auch wenn The switch to turn off mankind erst das zweite Album nach The traumatizer ist. Allerdings ist es mit einer Spielzeit von etwas weniger als 27 Minuten ein sehr knapp bemessenes Album.

Geboten wird spielerischer und schön gitarrenbetonter Thrash Metal der mittelschnellen bis schnellen Gangart, welcher einen leicht rauen und dreckigen Anstrich aufweist. Mit dem Eröffnungsstück Hellbound beginnt das Album jedoch erst einmal antreibend schnell und sofort offenbart sich der raue und dreckige Charakter, da zum Einen der Gesang in seinem verzerrten Klang leicht heiser wirkt. Aber auch der Klang des Schlagzeugs wirkt an diesem Eindruck mit, da er einen scheppernden und dumpfen Klang hat, was mich an den guten alten Thrash Metal der 1980iger Jahre erinnert.

Nachdem es in Hellbound nicht nur schnell sondern auch langsamer zuging und vor allem das Gitarrenspiel sehr lebendig war, wird es im Titelstück viel eingängiger. Der Rhythmus ist eingängig, antreibend und schnell und auch an den Gitarren beschränkt man sich vorwiegend auf ein Minimum an Abwechslung. Das macht aber nichts, da die wenigen thrashigen Riffs und die eingängig schnelle Spielweise perfekt das raue und brachiale Thrash Metal-Gefühl beschwören. Kurz vorm Ende von The switch to turn off mankind gibt es dann allerdings eine kurze, ruhige und dunkel gehaltene Passage.

In den folgenden vier Liedern geht es dann abwechslungsreicher weiter, da nicht mehr so schnell und geradlinig gespielt wird. Es vermehren sich die mittelschnellen Passagen, die vor allem durch die sehr vielfältige und lebendig gestaltete Gitarrenarbeit geprägt sind. Diese ist sehr gut, da sie trotz aller spielerischen Lebendigkeit schön thrashig und leicht dreckig bleibt. Allerdings vermisse ich dabei ein wenig Härte und Heftigkeit in der Musik. Die Riffs und der harsche, leicht heisere Gesang hören sich sehr gut und schön an, aber letztlich fehlt mir persönlich die letzte und nötige Konsequenz dahin gehend, dass Audiopain seinen Thrash Metal nicht nur rau und dreckig rüberbringt, sondern auch aggressiv und brutal.

Wer rauen und schön riffbetonten Thrash Metal mag, sollte The switch to turn off mankind in jedem Fall probieren. Spielerisch überzeugt das Album vollends. Mir würde es jedoch noch viel besser gefallen, würde Audiopain nach den ersten zwei Liedern nicht einen Gang runterschalten und stattdessen den eingängig schnellen Spielfluss beibehalten.

01. Hellbound
02. The switch to turn off mankind
03. Holy toxic
04. Termination fields
05. Alliance
06. Cobra dance

13.12.2007

Truppensturm - Fields Of Devastation | 2007 | Ván Records | CD | Black Metal

Ich bezeichnete die 2006 erschienende und selbstbetitelte EP als tosend, aggressiv und destruktiv. Diese drei Attribute passen auch perfekt zum Debütalbum Fields of devastation, wobei Truppensturm vor allem das Tosende und Destruktive noch gesteigert hat.
Denn einerseits wird auf den harschen, zum teil hell verzerrten Kreischgesang verzichtet, welcher der EP einen bissigen und aggressiven Anstrich verlieh; andererseits ist der Klang klarer, wodurch die Saiteninstrumente besser geltend gemacht werden können. Diese werden auf Fields of devastation nämlich ebenso, wie bereits zuvor auf der EP, schnell und dunkel gespielt. Hohe Töne sind kaum zu hören, wodurch das schnelle und treibende Spiel in der Kombination mit dem gleichfalls dunklen und tief gehaltenen Gesang, eben extrem tosend und destruktiv klingt. Dieser Umstand wird dann auch noch dadurch verstärkt, dass Truppensturm oft und gern, in eingängiger Manier ein paar wenige, sich oft wiederholende Riffs abfeuert.

Obwohl viele Elemente von einer eingängigen und statischen Statur sind, gibt es im Detail natürlich dennoch spielerische Aspekte, die für Abwechslung und Veränderung sorgen. Neben den Rhythmuswechseln, Breaks und einigen vereinzelten Solis ist es vor allem der Gesang, der hierbei Akzente setzt. Für gewöhnlich ist er tief verzerrt, dunkel und etwas rauchig-kehlig. Stellenweise wird dies aber enorm gesteigert, sodass aus dem Gesang ein eher unheilvolles, tief dunkel klingendes Gurgeln wird.

Truppensturm ist zwar nur bedingt mit Gruppen wie Bestial Warlust oder Blasphemy zu vergleichen, aber dennoch ertappe ich mich beim Hören von Fields of devastation immer wieder dabei, wie ich an diese beiden Gruppen denken muss.

Für mich ist Fields of devastation ein rundum gelungenes Debütalbum von Truppensturm, auch wenn ich den harschen Kreischgesang der EP, gerne wieder auf dem Album gehört hätte. Aber auch so ist das Werk ein mehr als gelungenes Stück War Black Metal, da es neben Schnelligkeit und Eingängigkeit auch eine düstere, beklemmende und vielleicht gar makabere Atmosphäre enthält. Wer Harmonien oder Melodien braucht, sollte die Finger hiervon lassen. Alle anderen, die schnelle und extreme Musik mögen, sollten Fields of devastation zumindest mal antesten.


01. Gods of blood
02. Sodomy
03. Walk the path of war
04. Black funeral pyre
05. Tohu-Va-Vohu
06. Inflame the pentacle
07. Nifelheim legions
08. Lacerate their bodies