Es ist noch gar nicht so lange her als Murws letzte Wiederveröffentlichung In De Mond Van Het Onbekende Wacht Een Oceaan
an dieser Stelle besprochen wurde. Es war ein schwieriges und
experimentelles Album, auf dem viele Stile anzutreffen waren, es aber
übergeordnet atmosphärischen Black Metal zu hören gab. Zwischen dieser
Veröffentlichung und dem aktuellen Werk liegen vier Jahre, und so geht Kanker in eine zum Teil gänzlich andere Richtung.
Experimentell und eigenwillig sind Murw zwar
noch immer, doch hat man diesmal als Grundgerüst den Doom Metal
gewählt. Im Grunde es ist es sogar Death Doom, dessen warmer und
kehliger Gesang sich mit Gruppen wie Morgion, Faal oder auch Ophis
vergleichen lässt. Doch während die drei genannten Gruppen eine
atmosphärische und auch melancholische Variante des Death Dooms
spielen, ist es bei Murw viel düsterer und skurriler.
Denn es sind wieder die Gitarren, die für viele ungewöhnliche Momente
sorgen, so wie es schon auf dem Vorgänger der Fall war. Zwar ist nicht
jedes Riff sonderbar, es gibt auch gewöhnliche und atmosphärische
Melodien, die zum Teil mit dezentem Keyboard angereichert wurden, aber
eben auch viele überraschende Elemente und Riffs.
Kanker ist in seiner Gesamtheit ein drückendes sowie
bedrückendes Album, das einen sehr sauberen und druckvollen Klang
besitzt. Dieser ist auch wichtig, da er einerseits den tollen Gesang
prächtig inszeniert aber auch dem Schlagwerk und den Gitarren die nötige
und kräftige Präsenz verleiht. Kanker ist zwar nicht mehr ganz so abgefahren wie der Vorgänger, doch Murw verstehen es immer noch zu überraschen. Das Lied De Buitenstaander
nimmt etwa im letzten Drittel eine unvorhersehbare Wendung, in der eine
klar sprechende und singende Stimme vorkommt, was sich im Kontext des
gesamten Liedes zunächst skurril anhört. Und das letzte Stück Artificiality
ist durchgängig sehr eigenwillig und hochgradig abwechslungsreich und
stilübergreifend. Melodisch verspielte Parts wechseln sich mit
kräftigen Doom Passagen ab, zwischendurch ist auch eine Klargitarre zu
hören und selbst psychedelisch anmutende Einsprengsel oder auch eine
weibliche Stimme fehlen nicht. Doch trotz der Vielzahl an verschiedenen
Elementen und der Abwechslung macht Artificiality einen überaus stimmigen und runden Eindruck. Dies gilt im Übrigen für das Album insgesamt.
Kanker ist ein sehr beeindruckendes Werk, das für
Doom-Verhältnisse mit einer Länge von 37 Minuten eher kurz geraten ist,
dafür aber ein enorm reichhaltiges Angebot beinhaltet. Kanker
ist sehr vielschichtig und unkonventionell, dabei aber niemals zu
abgedreht. Manchmal ist es sehr technisch, andernorts atmosphärisch,
manchmal auch drückend und eindringlich. Das Titellied beinhaltet etwa
einen sehr kraftvollen Part mit derben Riffs, der mich stark an das Todessehnsucht Album von Atrocity erinnert. Kanker ist
jedem zu empfehlen, der eigenwillige Musik mag, die trotz der
experimentellen oder progressiven Ausrichtung auch viel düsteres und
traditionelles beinhaltet. Mich haben Murw mit Kanker jedenfalls überrascht und auf ihre Seite gezogen.
9/10
Aceust
01. Kanker
02. Als sneuuw voor de zon
03. De buitenstaander
04. Artificiality
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