30.09.2009

Ignis Uranium - Azimuth Nuctemeron Frequency | 2009 | Nykta | CD | Black Metal

Vor einigen Jahren setzte diese deutsche Truppe auf dem Gemeinschaftstonträger mit Havoc Vulture ein erstes musikalisches Ausrufezeichen. Obwohl beide Seiten eine überzeugende Vorstellung lieferten, war die Aufnahmequalität nur mäßig. Es ist zwar nicht so, daß die Musik deswegen ungenießbar wäre, nein – ich halte diese CD auch heute noch für eine gute Untergrundveröffentlichung. Dennoch hätte eine etwas bessere Aufnahmequalität den Liedern auch nicht geschadet. Nach diesem Gemeinschaftstonträger gab es noch einige Veröffentlichungen, die aber größtenteils der Promotion dienten. Im Frühjahr 2009 bekam ich dann eher überraschend den neuen Silberling und seitdem lief Azimuth Nuctemeron Frequency immer wieder bei mir. Bei Nykta stimmt die Aufmachung des Tonträgers sowieso, bisher habe ich da nie andere Erfahrungen gemacht, aber es soll ja nicht unerwähnt bleiben.

Da ich die Gruppe ja bereits kannte, war mir beim Einlegen der Scheibe bewußt, daß jetzt keine schlechte Musik ertönen wird – wie entfesselt Ignis Uranium aber auf ihrem Debütwerk aufspielen, hätte ich so dann doch nicht erwartet, ehrlich. Wahnsinn, was das Album für eine Kraft besitzt, wenn ich das dann noch mit früheren Aufnahmen vergleiche. Endlich kommt auch vom Tonträger die geballte Energie, die in der Musik steckt, beim Hörer an! Die enorme Steigerung beginnt zuvorderst bei der Qualität der Aufnahmen – der Studiobesuch hat sich wirklich gelohnt. In diesem deftigen Klangrahmen blühen die Kompositionen von Ignis Uranium erst so richtig auf, das kann ich Euch versichern. Konkret soll das heißen, daß hier nicht mittelmäßige Musik nur gut aufgenommen wurde, nein – die Musik ist erstklassig. Sie zu beschreiben fällt mir trotzdem gar nicht so leicht, aber ich versuche mich mal.

Es ist prinzipiell erst mal völlig eigenständiger Black Metal, aber irgendwie doch mehr. Irgendwo in der Schnittmenge zwischen Black, etwas Death und Thrash Metal siedle ich Ignis Uranium mittlerweile an, wobei kein standardisierter Bastard aus diesen Richtungen entstand, sondern etwas Eigenständiges. Von der Plattenfirma wird es als „Chaotic necro Thrash-Black“ angepriesen, aber ich muß deutlich betonen, daß das nichts mit dem momentan angesagten Black-Thrash Metal Marke Aura Noir, Old oder Vae Victis (sind nur willkürliche Beispiele und sollen die Gruppen beileibe nicht abwerten!) zutun hat. Von den liedschreiberischen Qualitäten nachhaltig beeindruckt, tendiere ich sogar dazu, dem Werk eine dezente progressive Note zu attestieren. Alle drei Mitglieder präsentieren Höchstleistungen auf ihrem Gebiet. Facettenreich, das trifft es wohl. Iskuneaz Goathscythe pendelt stets zwischen inbrünstigem Keifgesang, tiefem Grollen und einer eigenwilligen Art von normalem Gesang (schwer zu beschreiben, aber sehr gut!), oftmals werden die einzelnen Arten sogar kombiniert. Khaaooz Xul besticht einmal mehr als versierter Saitenmeister und Envimos verleiht den Liedern mit seinem markanten, abwechslungsreichen Trommelgewitter den letzten Schliff. Zu keinem Zeitpunkt stellt sich eine Gleichförmigkeit ein, die Musik brilliert mit enormer Dynamik – die Lieder sind durchzogen von rhythmischen Wechseln. Stellenweise mutet es dadurch etwas chaotisch an, ohne dabei aber die Grundstruktur zu verlieren; wohlstrukturiertes Chaos sozusagen, hehe. Auf Azimuth Nuctemeron Frequency bleibt der Knüppel jedenfalls definitiv nicht im Sack, wobei man ebenfalls schleppendere und treibende Momente hören kann, was ich ja schon andeutete. Auch eine Prise einprägsamer Melodien dringt in meine Gehörgänge, so zum Beispiel in Shrine of the Rapist oder kurz nach der Unterbrechung in Ghastly Wounds of Lurking Angst. Sogar eine schwermetallisch anmutende Melodiegitarre begleitet den Anfang des Titelliedes – nur ein Detail unter vielen. Letztlich bleibt es dennoch schwierig, die Musik befriedigend zu beschreiben. Fakt ist jedenfalls: Ignis Uranium zelebrieren voller Hingabe ihre 9 Titel und während der in den großen Medien angesagte deutsche Black Metal (bzw. das, was dafür gehalten wird) mit Galeeren über die Weltmeere rudert, warten Ignis Uranium im Hafen nur darauf, daß Ihr an Bord geht. Dieses musikalische Schlachtschiff der Bismarck-Klasse ist bis an die Zähne bewaffnet und strotzt trotzdem vor Feinheiten, die es in etlichen Hördurchläufen zu erfassen gilt.

Ignis Uranium haben mit Azimuth Nuctemeron Frequency ein höllisches, mannigfaltiges und dermaßen mächtiges Album hingelegt, meine Herren! In diesem Zusammenhang erscheint es mir tatsächlich verwunderlich, daß der Gruppe dafür vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Ganz klare Kaufempfehlung meinerseits, da sich aber die wenigsten einen Blindkauf trauen werden, empfehle ich jedem Leser, zumindest mal auf der Netzseite von Nykta das Titellied anzutesten!


9,5/10
Der Einsiedler

01. Biomechancerous nucleosynthesis
02. Ghastly wounds of lurking Angst
03. Doomstroke
04. Sulphur wounds
05. Shrine of the rapist
06. Perfume of destruction
07. Spectres of the void
08. Azimuth nuctemeron frequency
09. Hostile stellar spores

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