24.12.2014

Seelenfrost - ☽ | 2014 | Talheim Records | CD | Black Metal



Zuletzt konnten mich SEELENFROST mit ihrem 2012er Album „Nostalgia: Zwischen Zukunft und Vergangenheit“ voll und ganz überzeugen. Seitdem sind inzwischen fast drei Jahre vergangen und mit „ gibt es nun das bereits vierte Album. SEELENFROST konnten sich von Album zu Album immer ein Stück steigern, klanglich als auch spielerisch und strukturell. Diese Entwicklung wurde konsequent fortgesetzt.

Als erstes fällt auf, dass „ klanglich viel klarer und weniger rau als seine Vorgänger klingt. Dies kommt natürlich der abwechslungsreichen Spielweise zugute, die melodisches Gitarrenspiel mit atmosphärischen Cello-Passagen und dezidierter Direktheit verbindet. Überhaupt ist „ ein relativ atmosphärisches Werk geworden. Es gibt zwar nach wie vor schnelle Parts, die eine grimmige Stimmung versprühen, doch sind diese im Verhältnis zu den harmonischen und melodischen Arrangements etwas in der Unterzahl. Dies gehört offenbar zur Entwicklung, sich kontinuierlich zu steigern – wobei ich persönlich ein wenig die rauen und schroffen Elemente der früheren Alben vermisse. Ich mag es immer sehr, wenn eine Gruppe Gegensätze miteinander vermischt und diese dann musikalisch auflöst. Auf „ ist hingegen ein kleines Ungleichgewicht zugunsten der atmosphärischen Töne entstanden, jedenfalls meinem Empfinden nach.

Spielerisch und klanglich ist „ ein rundum gelungenes Werk und auch die vielen Harmonien wissen zu überzeugen. Ganz gleich ob an der Gitarre oder an der Violine, SEELENFROST besitzen nach wie vor ein feines Gespür für gute, unaufdringliche Melodien mit Tiefgang. Mit Liedern wie „Nacht“ oder „Rausch“ gibt es aber auch herrliche Lieder, in denen SEELENFROST auf wunderbare Art und Weise direkte Schnelligkeit und Rohheit mit stimmungsvoll akzentuierten, subtilen Melodien kombinieren und so einen ergreifenden Kontrast erschaffen. Streng genommen haben sich SEELENFROST auch gar nicht allzu sehr verändert respektive entwickelt, auch auf dem Vorgänger gab es viele melodische und atmosphärische Arrangements. Doch auf den früheren Alben war der Klang teils wesentlich roher, weshalb der Kontrast zwischen harmonischer Atmosphäre und harscher Rohheit einfach größer war. Durch den  weniger rauen und differenzierteren Klang verlor der Kontrast ein wenig an Kontur, weshalb „ insgesamt harmonischer und atmosphärischer wirkt.

ist ein stimmungsvolles Album, auf dem es neben vielen atmosphärischen und melodischen Momenten auch grimmige Schnelligkeit gibt. Es ist ein gutes und schönes Album, dies steht außer Frage. Doch für meinen persönlichen Geschmack hätte es insgesamt betrachtet etwas mehr Rohheit, wie etwa in „Nacht“ und „Rausch“, geben dürfen.  Positiv an dieser Entwickling hingegen ist, dass SEELENFROST sich nicht selbst kopieren und jedes Album ein wenig anders klingt. Das macht das musikalische Schaffen insgesamt betrachtet natürlich interessanter und deshalb kann ich mich auch gar nicht entscheiden, welches Album mir am besten gefällt. Sie haben alle ihre ganz eigenen, positiven Merkmale und je nach Stimmung, gefällt das eine mehr und das andere weniger. SEELENFROST sind jedenfalls eine angenehme, vielseitige und unterstützend werte Untergrundgruppe!


1.
2. Nacht
3. Lethargie
4. Erde
5. Rausch
6. Geist
7. Kryostase
8. Himmel

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