26.07.2010

Winterblut - Von den Pflichten Schönes zu vernichten | 2010 | Grom Records | CD | Black Metal


Winterblut geistert schon seit vielen Jahren durch den Untergrund und kann auch heute noch als mysteriöse, merkwürdige Einmann-Gruppe beschrieben werden. Es existieren zahlreiche Demobänder und Alben, doch ist Winterblut nach wie vor purer Untergrund. Zwar war Alleinmusiker L'hvr in einigen bekannten Gruppen (Judas Iscariot, Krieg, Nargaroth...) als Gastmusiker tätig, doch blieb er mit Winterblut stets in einer abstrakten, obskuren und nur schwer zu greifenden Nische. Das 2003er Album Grund: Gelenkkunst war sehr speziell. Von den Pflichten, Schönes zu vernichten ist nun nicht mehr ganz so bizarr und befremdlich, aber immer noch fernab gängiger Muster. Winterblut steht auch 2010 für düstere, massenuntaugliche Musik, deren Inhalte nach wie vor menschenfeindlich sind.

Die Musik auf dem aktuellen Album ist vorwiegend ruhig und langsam. Das Spiel an den Gitarren steht zwar immer noch stark im Mittelpunkt, ist aber bei weitem nicht mehr so eigenwillig und schräg wie auf Grund: Gelenkkunst. Dennoch ist die Melodik düster und bizarr, und manchmal klingt ein Melodiebogen recht eigenartig. Aber genau das ist Winterblut. Schräg und düster, gepaart mit einer speziellen technischen Sterilität. Ab und an wird das Tempo jedoch auch angezogen und dann klingt die Musik überaus grimmig, beinahe schon so, als würde L'hvr seiner gesamten Abscheu über alles und jeden Luft machen, und sie einfach knurrend herauskotzen. Mir ist von Winterblut nicht alles bekannt, aber Von den Pflichten, Schönes zu vernichten spricht mich weitaus mehr an als Grund: Gelenkkunst, da es nicht so technisch und frickelig ist. Die Strukturen sind klarer, geradliniger.

Für Freunde des obskuren, verstörenden, eigenartigen und eigenwilligen Black Metals könnte Winterblut also genau das Richtige sein. Die Gedankenwelt von L'hvr ist ohnehin seit jeher interessant und bekommt hier auch einen angemessenen, musikalischen Rahmen, der leichter zugänglich ist. Jedem wird das neue Album aber trotzdem nicht gefallen. Ich bin jedenfalls positiv überrascht, da mir Grund: Gelenkkunst doch etwas schwer im Magen lag und es auf der neuen Scheibe neben guten, instrumentalen Passagen, eben auch eine sonderbare Portion Wahnsinn gibt.


7/10
Aceust

01. Gewollte Gewalt
02. Unheil über alles
03. Weltuntergangsmaschine
04. Rot auf Weiß
05. Vernichtungskomitee
06. keine Worte
07. Leibhaftig
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen