08.10.2009

Kain - Weltenfluch | 2009 | Düsterwald Produktionen | CD | Death Metal

Kain wurde Ende 2007 gegründet und wartet nun mit dem Debütalbum Weltenfluch auf. Im Infoblatt von Düsterwald wird ein Vergleich zu Gruppen wie den frühen Apokalyptischen Reitern, Graveworm und Eisregen gezeichnet. Dies kann ich weder bestätigen noch dementieren, da mich jene Formationen nie interessiert haben. Kain spielt aber in jedem Fall abwechslungsreichen, deutschsprachigen Death Metal, der gerne melodisch sowie keyboardunterlegt daher kommt. Das sind eigentlich keine guten Vorraussetzungen um mir zu gefallen, aber Kain macht seine Sache ganz respektabel.

Neben den atmosphärischen, melodischen und mit Keyboard angereicherten Parts gibt es immer wieder auch härtere Einlagen, mit brachialen Riffwänden und angezogenem Tempo. Das Tempo ist aber grundsätzlich sehr variabel, was die Vielfältigkeit zusätzlich beflügelt. Bisweilen agiert Kain auch recht komplex und technisch, weshalb ich mich dann und wann an die längst vergessenen Eternal Dirge und Ninnghizhidda erinnert fühle. Obwohl mir solch melodisch eingefärbter und keyboardlastiger Extrem Metal im Grunde nicht zusagt, gibt es spielerisch an Weltenfluch kaum etwas zu bemängeln. Ein wenig stört mich allerdings der Klang des Schlagzeuges, welches gerade in den schnelleren Passagen etwas dünn und schwachbrüstig klingt. Wenn man so „hymnischen“ Metal spielt, sollte der Klang dementsprechend wuchtig und bombastisch sein. Aber Weltenfluch ist ja die erste Veröffentlichung Kains überhaupt, weshalb man über solche Kleinigkeiten getrost wegsehen kann.

Weltenfluch ist eine nette und gelungene Veröffentlichung, die mich zwar nicht vom Hocker reißt, aber dennoch mit einigen guten Melodiebögen und Riffs punkten kann. Und wenn Ihr deutschsprachigen Extrem Metal mit Keyboardeinsatz mögt, kann es sicherlich nicht schaden, Weltenfluch mal anzutesten.


6/10
Aceust

01. Weltenfluch
02. Mängelwesen
03. Nur die Würmer
04. Rachepfad
05. Des Weges Anfang
06. Deine Dekadenz
07. Scharfrichter
08. Das Ende

Nargaroth - Jahreszeiten | 2009 | No Colours Records | CD | Black Metal

Um Nargaroth (bzw. Kanwulf oder Ash, wie er seit einiger Zeit genannt wird) ranken und zanken sich seit langem unzählige Mythen, Geschichten, Wahrheiten und Unwahrheiten. Sicherlich ist die Person an sich mit gewisser Skepsis zu betrachten; interessant in diesem Zusammenhang ist die Seite des Shaddais. Trotzdem ist dies alles für meine Begutachtung vom neuen Album Jahreszeiten uninteressant. Ob Kanwulf ein Idiot und Lügner ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Mit Herbstleyd gab es 1998 ein verdammt gutes Debütalbum und auch danach konnte mich Nargaroth noch mit Rasluka I und II sowie Geliebte des Regens überzeugen. Andere Veröffentlichungen hingegen empfand ich eher schwach und durchschnittlich. Aber nun zu Jahreszeiten, welches übrigens nicht die meteorologischen Veränderungen behandelt, sondern innere Abläufe und Veränderungen in Anbetracht der Liebe.


Nachdem der Prolog vorbei ist, ertönt mit dem Frühling ein musikalisch gewagtes Lied. Denn es enthält eine sehr schunkelhafte und schlagerartige Melodieführung, die meiner Meinung nach deplatziert wirkt und ziemlich gewagt ist. Wenn man diese Schunkelmelodik aber einmal ausblendet, sowie dem schlagerfreien Mittelteil lauscht, entpuppt sich Frühling als gutes und gelungenes Lied, so wie ich Nargaroth mag. Mittelschnell aber treibend, begleitet vom Hall unterlegten Kreischgesang. Allerdings ist der Klang des Schlagzeuges punktuell etwas suspekt, da er mechanisch und künstlich klingt. Nun kann man versuchen zu deuten und zu interpretieren, was Kanwulf uns mit dieser sonderbaren Melodik sagen will, ich lasse es allerdings bleiben. Ganz gleich was der Frühling im Bezug auf die Entstehung der Liebe auch bedeuten mag, diese Melodie ist einfach unpassend. Zum Glück ist sie aber nur am Anfang und Ende des Liedes zu hören.

Im Sommer wird auf solche Wagnisse komplett verzichtet. Stattdessen wird das Stück locker und filigran mittels langem Soli eingeleitet, was sich ganz gut anhört. Nachfolgend entwickelt sich Sommer zu einem vielschichtigen Lied, da es über 13 Minuten lang ist (alle Lieder von Jahreszeiten liegen jenseits der zehn Minuten, Prolog ausgenommen) und somit reichlich Raum für verschiedene Stimmungen gibt. Auf eine eindringliche, energische und auf mich hasserfüllt wirkende Passage folgt ein ruhigerer, von Schwermut bestimmter Abschnitt. Die grell verzerrten Gitarren wissen zu gefallen, geben schöne Riffs zum Besten und auch das Schlagzeugspiel weiß in seiner Vielfalt zu überzeugen. Zum Ende hin wird das Tempo ein wenig angezogen und Nargaroth entwickelt eine nordische Atmosphäre, die mich ein wenig an frühe Kampfar erinnert. Aber gewisse Gitarrenklänge erinnern in ihrer rohen Melancholie aber auch an Rasluka I und II sowie Geliebte des Regens.

Das 22 Minuten lange Lied Herbst beginnt ruhig, seicht und auf angenehme sowie angemessene Art und Weise melodisch. Diese melodische Einleitung wirkt etwas wehmütig aber zugleich auch sehnsüchtig. Regengeplätscher, Donnergrollen und Rabenlaute komplettieren diese herbstromantische Anfangsphase. Im Verlauf des Herbstes gibt sich Nargaroth längeren, tragenden Instrumentalpassagen hin. Obwohl der Liedtext nicht gerade kurz ist, relativiert und verläuft sich der Gesang in der Länge des Liedes. Neben Wechseln und Tempovariationen gibt es in den Schlussminuten von Herbst auch Klargesang zu hören. Dieser ist zwar nicht schlecht, hätte meiner Meinung aber auch nicht sein müssen. Die Atmosphäre der Instrumentalisierung ist mehr als ausreichend.

Passend zum strengen Frost eines unerbittlichen Winters gibt es im letzten Jahreszeiten-Kapitel schnelle Passagen von rasendem Tempo zu hören. Schnelle Riffs und ein eingestreuter Kampfschrei befördern die angestrebte aggressive Atmosphäre. In den ersten Minuten wird durch diese Passagen auch eine gewisse Eingängigkeit geschaffen, die dann irgendwann von einem sphärischen Soli abgelöst wird. Nach diesem Soli kommt es zu einer Tempodrosselung, wobei es zunächst dennoch zügig bleibt und wiederkehrende Schreie, die diesmal gepeinigt wirken, die anfängliche aggressive Stimmung allmählich auflösen, bevor der Winter dann immer atmosphärischer wird. Erst kurz vor dem Ende ist dann erneute Raserei zu hören.


Ich bin von Jahreszeiten angenehm überrascht, da mir die letzten Veröffentlichungen Nargaroths nicht so gut gefielen und die neue Scheibe wider Erwarten als gelungen zu bezeichnen ist. Jahreszeiten ist sicherlich nicht das beste Album, gehört für mich aber dennoch zu den besseren Erscheinungen von Kanwulf. Spielerisch kann es gänzlich überzeugen, aber atmosphärisch und melodisch ist es nicht immer so treffsicher, wie etwa Frühling und seine kuriose Schunkelmelodie oder auch der Klargesang, zeigen. Aber das sind Fragen des Geschmacks, über den man ohnehin nicht streiten kann.


7,5/10
Aceust

01. Prolog
02. Frühling
03. Sommer
04. Herbst
05. Winter

Munarheim - ...und der Wind sang | 2009 | Düsterwald Produktionen | CDR | Dark Metal / Folk

Eigentlich wollte ich …und der Wind sang gar nicht besprechen, da es sich laut Infoschreiben um „Melodic Darkfolk“ handelt, was weder zu Hateful Metal passt noch meinem Musikgeschmack entspricht. Doch nachdem ich neugierig kurz reinhörte, war ich angenehm überrascht, denn das, was ich mir zuvor unter „Melodic Darkfolk“ vorstellte, entsprach nicht dem, was ich da zu hören bekam. Stattdessen offenbarte sich mir erstklassig gespielter, malerischer „Dark Folk Metal“, der in seiner idyllischen Schön- und Klarheit hie und da an Empyrium erinnert.

Neben den ruhigen Folk Passagen mit Flöte, Geige und sanftem Klargesang sind auch härtere, metallische Anleihen zu hören, die eindringlich und kraftvoll sind. Nicht zuletzt auch wegen des stark verzerrten aber stets verständlichen Gesangs, der bisweilen durch ein starkes rollendes sowie tief aus der Kehle kommendes R auffällt. Irgendwo habe ich dies schon mal gehört, kann mich allerdings nicht mehr erinnern, wo das war. Egal, …und der Wind sang hört sich einfach wunderschön, beseelt und naturverbunden an. …und der Wind sang ist insgesamt eine überaus stimmige und abgerundete Demoveröffentlichung, die nicht nur durch träumerische Folk Musik, sondern auch durch den glasklaren und druckvollen Klang besticht.

Munarheim stellt für mich eine hervorragende Alternative zu Empyrium dar, zumal mir Weiland nicht mehr gefiel, und auf …und der Wind sang neben den tollen Folk Darbietungen auch kraftvolle, metallische Arrangements zu hören sind. Da kann ich nur hoffen, dass Munarheim diesen Weg beibehalten wird und auf einer kommenden Veröffentlichung ebenso überzeugen und vereinnahmen kann.

8/10

01. Ruhelos
02. Auf Schwingen einst erdacht
03. Hexentanz
04. Herbst

03.10.2009

Ancestors Blood - When The Forest Call | 2009 | Heidens Hart | CD | Pagan Black Metal

01. Intro
02. When the forest calls
03. Reborn spirit in a new flesh
04. Metsäpirtti (Part 1)
05. A dark passage from the past
06. Day of victory / Outro
When The Forest Calls ist zwar nicht mehr ganz neu aber noch immer die aktuelle Veröffentlichung der finnischen Gruppe Ancestors Blood. Ancestors Blood existiert schon einige Jahre und setzt zu zwei Dritteln aus Leuten von Kadotus zusammen, wovon sich Ancestors Blood musikalisch jedoch sehr stark unterscheidet. When The Forest Calls ist atmosphärischer Pagan Black Metal mit dezidiertem Keyboardeinsatz. Das Album umfasst zwar nur sechs Lieder von denen eines auch noch das Intro ist, doch der Rest ist erstklassig. Trotz der atmosphärischen und melodischen Ausrichtung erzielt Ancestors Blood eine packende, kraftvolle und mitreißende Stimmung, wie schon gleich das Titellied am Anfang verdeutlicht. Der krächzende, stark verzerrte Kreischgesang ertönt unheilvoll sowie bestialisch und arbeitet hervorragend mit den Harmonien zusammen, die ob aller melodischen Lebendigkeit erhaben und majestätisch wirken. Das Keyboard ist zwar überaus präsent und phasenweise auch enorm raumfüllend, doch lohnt es sich auch, in den Passagen ohne Keyboard auf die Saiteninstrumente zu achten, die gleichfalls gute Riffs darbieten. Genau hierin liegt auch ein bisschen Wehmut. Denn wenn das Keyboard zum Einsatz kommt, verdrängt es fast vollständig die Gitarren und den Bass, was ich etwas schade finde. Dadurch wird das Album nicht schlechter, doch die Parts ohne Tastenklänge zeigen einfach auch, dass Ancestors Blood an den Saiteninstrumenten gleichfalls eine sehr gute Figur macht. Sei es drum, When The Forest Calls ist einfach gut, vollgepackt mit tollen Melodien wie ich sie mir im Pagan Black Metal viel öfters wünsche. Denn trotz aller Melodik ist das Album sehr wohl auch hart und kalt, was nicht zuletzt auch dem Gesang geschuldet ist.

When The Forest Calls ist ein sehr gute Album welches uneingeschränkt zu empfehlen ist. Wer auf packenden sowie kraftvollen Pagan Black Metal mit tollen Harmonien steht, kommt hieran jedenfalls nicht vorbei!


8/10
Aceust

Wallachia - Ceremony Of Ascension | 2009 | Twilight | CD | Black Metal

Zehn Jahre nach dem Debütalbum und 17 Jahre nach der Gründung gibt es mit Ceremony of ascension das zweite Album Wallachias. Das Debüt ist mir nicht bekannt und so kann ich mich voll und ganz auf das aktuelle Werk konzentrieren, welches sehr vielfältig ausgefallen ist. Ein Grundpfeiler der Musik ist zunächst eine sehr orchestrale und melodische Grundausrichtung. Ceremony of ascension ist allerdings nicht einfach nur orchestraler Black Metal. Wallachia überrascht mit markanten Einflüssen aus Death und Thrash Metal. So legt der erste Titel Self-inflicted stigmata antreibend schnell, mit technischen und kraftvollen Death-Metal-Riffs los. Auf diesen sehr anständigen Anfang folgt dann mit Refusalvation ein sehr melodiebetontes und keyboardlastiges Stück, das sich sowohl stilistisch als auch atmosphärisch sehr vom vorangegangen Lied unterscheidet. Diese melodische Überschwänglichkeit wird mir schon fast zuviel, als Wallachia plötzlich und überraschend wieder einige harte Death-Metal-Riffs schmettert. Wieder anders und deshalb auch überraschend, kommt das nachfolgende Kamikaze christians daher. In der ersten Hälfte des Liedes bekommt man heftigen und brachialen Death Metal vorgesetzt. Die zweite Hälfte ist dann aber sehr melodisch und verträumt.

Von solchen Gegensätzen ist das gesamte Album geprägt, weshalb ich auch nach mehreren Durchgängen nicht so recht weiß, was ich davon halten soll. Die melodischen, oftmals temporeichen und mit Keyboard unterlegten Black-Metal-Parts sind mein Ding jedenfalls nicht. Trotz einer gewissen Härte und gesanglichen Bissigkeit erscheinen mir diese Passagen als zu fröhlich und nett. Die verarbeiteten Einflüsse aus Death und Thrash Metal gefallen mir hingegen gut. Allerdings kann mich die orchestrale und epische Umsetzung im längsten Stück Void expansion überzeugen. Zwar ist der orchestrale Aspekt auch hier recht opulent, doch ist die Melodieführung insgesamt ruhiger und bedächtiger, was stellenweise zu einer majestätisch wirkenden Atmosphäre führt.

Spieltechnisch ist Ceremony of ascension zweifelsfrei ein gutes sowie gelungenes Werk. Freunde des melodischen Black Metal dürfen hier sicherlich bedenkenlos zugreifen. Gleiches gilt auch für generell aufgeschlossene Hörer. Wer aber Keyboards und orchestrale Elemente nicht mag, sollte hiervon definitiv die Finger lassen!


7/10
Aceust

01. Self-inflicted stigmata
02. Refusalvation
03. Kamikaze christians
04. Rival of a cursed destiny
05. Sanctimonia XXIII
06. Genesis enigma
07. Void expansion
08. The wreckage of innocence

01.10.2009

Pest - Tenebris Obortis | 2009 | Stronghold Diaphora | Vinyl | Black Metal


Fünf lange Jahre sind seit dem letzten Album Vado mori vergangen. 2007 gab es eine großartige selbstbetitelte MLP, die neben neuem Material auch neu aufgenommenes enthielt. Die positive Entwicklung und stetige Steigerung setzt Pest mit Tenebris obortis eindrucksvoll fort.

Die instrumentale Einleitung Tenebris obortis geht nahtlos in Trance, dem ersten Höhepunkt des Albums, über. In Trance wird nämlich die Groß- sowie Einzigartigkeit Pests bereits sehr schön deutlich: Treibende Schnelligkeit, gutes melodisches Riffing sowie der heisere, immer etwas hysterisch wirkende Kreischgesang. Trotz der hohen Grundgeschwindigkeit ist Trance allerdings kein besonders brutales Lied. Dank des großartigen Melodien und Harmonien im Hintergrund entwickelt das Lied tatsächlich einen durchaus als „Trance“ zu bezeichnenden Sog. Schnell und energisch geht es dann auch mit Ewiges Grab weiter, das zwar auch gute und verführerische Melodien hat, doch enorm straff und treibend gegliedert ist. Ewiges Grab ist vom Anfang bis zum Ende von treibender Raserei durchzogen, dabei allerdings weder monoton noch langweilig. Mehr rhythmische Abwechslung gibt es dann mit Weltgericht, das zwar auch insgesamt zügig vorgetragen wird, zwischendurch aber auch langsame Parts mit großartigem Gitarrenspiel hat. Dieses großartige Gitarrenspiel, nicht nur spieltechnisch sondern auch klanglich, ist ja seit jeher ein markantes Merkmal von Pest und fesselte mich bereits auf dem Album Ära mit dem Lied Nebel. Aber nun weiter mit Tenebris obortis. Nach den bisher schnellen Stücken folgt nun mit Wasteland ein langes, langsames und atmosphärisches Stück. Wasteland ist ein nettes Stück, doch vielleicht etwas langatmig auf die Dauer. Aber da kommt das kurze Decontamination genau richtig, da es überaus schnell und aggressiv ist und die von Wasteland aufgebaute schwermütige, harmonische Atmosphäre mit einem Wisch regelrecht zerstört. Es ist schon sehr beachtlich, in welcher Geschwindigkeit Pest hier spielt. Ich würde sehr gerne sehen, wie Pest dies live auf der Bühne umsetzen würde. Es ist schon atemberaubend, mit welchem Tempo die Gitarren regelrecht malträtiert werden.

Mit Bonded befindet sich auch ein wunderbares Instrumentalstück auf dem Album. Es ist atmosphärisch und enthält sehr schöne Melodien und Riffs. Bonded ist zwar nicht wirklich kurz, doch hätte es für meinen Geschmack durchaus noch einige Minuten länger sein können. Hierauf folgt dann das kurze Riding the storms, welches ähnlich wie Decontamination brutal, heftig und giftig ist. Riding the storms fällt aber nicht nur durch schnell gespielte Brutalität auf, sondern auch durch filigrane, etwas thrashig wirkende Riffs. Abschließend gibt es dann Entering forest, das mit Abstand längste Lied von Tenebris obortis. Hier wechselt sich der typische, hell verzerrte Kreischgesang mit einer dunkleren, raueren Variante ab. Daneben gibt es aber auch wieder sehr gute Riffs und Melodien, sowie atmosphärische Parts zu hören.

Tenebris obortis ist ein durch und durch großartiges Album, das bereits beim allerersten Durchgang wie eine Brandbombe einschlug. Ich war von den deutschen Pest ja schon immer angetan, und alle bisherigen Alben gefielen mir gut. Doch Tenebris obortis ist das ultimative Pest Album und dürfte in Zukunft wohl kaum zu überbieten sein. Es ist einfach faszinierend, wie Pest großartige Melodik mit Härte und Tempo kombiniert. Pest entwickelt auf jedem Album eine ganz eigene fesselnde Atmosphäre. Den einzigen Fehler den Pest wohl begangen hat, ist, sich den Namen "Pest" auszusuchen, da die schwedischen und finnischen Namensvetter wohl – ungerechtfertigter Weise – mehr Beachtung finden.

Tenebris obortis ist bisher nur auf Vinyl erhältlich. Das Gatefold Cover kommt mit UV-Lackierung und Silberdruck, macht also einen sehr hochwertigen Eindruck und ist natürlich auch haptisch nicht zu verachten. Also: Kaufen, auflegen und staunen!


9,5/10
Aceust

01. Tenebris obortis
02. Trance
03. Ewiges Grab
04. Weltgericht
05. Wasteland
06. Decontamination
07. Schnee und Eis
08. Bonded
09. Riding the storms
10. Entering forest

http://www.pest-musik.de/
 http://www.stronghold-diaphora.de/

30.09.2009

Ignis Uranium - Azimuth Nuctemeron Frequency | 2009 | Nykta | CD | Black Metal

Vor einigen Jahren setzte diese deutsche Truppe auf dem Gemeinschaftstonträger mit Havoc Vulture ein erstes musikalisches Ausrufezeichen. Obwohl beide Seiten eine überzeugende Vorstellung lieferten, war die Aufnahmequalität nur mäßig. Es ist zwar nicht so, daß die Musik deswegen ungenießbar wäre, nein – ich halte diese CD auch heute noch für eine gute Untergrundveröffentlichung. Dennoch hätte eine etwas bessere Aufnahmequalität den Liedern auch nicht geschadet. Nach diesem Gemeinschaftstonträger gab es noch einige Veröffentlichungen, die aber größtenteils der Promotion dienten. Im Frühjahr 2009 bekam ich dann eher überraschend den neuen Silberling und seitdem lief Azimuth Nuctemeron Frequency immer wieder bei mir. Bei Nykta stimmt die Aufmachung des Tonträgers sowieso, bisher habe ich da nie andere Erfahrungen gemacht, aber es soll ja nicht unerwähnt bleiben.

Da ich die Gruppe ja bereits kannte, war mir beim Einlegen der Scheibe bewußt, daß jetzt keine schlechte Musik ertönen wird – wie entfesselt Ignis Uranium aber auf ihrem Debütwerk aufspielen, hätte ich so dann doch nicht erwartet, ehrlich. Wahnsinn, was das Album für eine Kraft besitzt, wenn ich das dann noch mit früheren Aufnahmen vergleiche. Endlich kommt auch vom Tonträger die geballte Energie, die in der Musik steckt, beim Hörer an! Die enorme Steigerung beginnt zuvorderst bei der Qualität der Aufnahmen – der Studiobesuch hat sich wirklich gelohnt. In diesem deftigen Klangrahmen blühen die Kompositionen von Ignis Uranium erst so richtig auf, das kann ich Euch versichern. Konkret soll das heißen, daß hier nicht mittelmäßige Musik nur gut aufgenommen wurde, nein – die Musik ist erstklassig. Sie zu beschreiben fällt mir trotzdem gar nicht so leicht, aber ich versuche mich mal.

Es ist prinzipiell erst mal völlig eigenständiger Black Metal, aber irgendwie doch mehr. Irgendwo in der Schnittmenge zwischen Black, etwas Death und Thrash Metal siedle ich Ignis Uranium mittlerweile an, wobei kein standardisierter Bastard aus diesen Richtungen entstand, sondern etwas Eigenständiges. Von der Plattenfirma wird es als „Chaotic necro Thrash-Black“ angepriesen, aber ich muß deutlich betonen, daß das nichts mit dem momentan angesagten Black-Thrash Metal Marke Aura Noir, Old oder Vae Victis (sind nur willkürliche Beispiele und sollen die Gruppen beileibe nicht abwerten!) zutun hat. Von den liedschreiberischen Qualitäten nachhaltig beeindruckt, tendiere ich sogar dazu, dem Werk eine dezente progressive Note zu attestieren. Alle drei Mitglieder präsentieren Höchstleistungen auf ihrem Gebiet. Facettenreich, das trifft es wohl. Iskuneaz Goathscythe pendelt stets zwischen inbrünstigem Keifgesang, tiefem Grollen und einer eigenwilligen Art von normalem Gesang (schwer zu beschreiben, aber sehr gut!), oftmals werden die einzelnen Arten sogar kombiniert. Khaaooz Xul besticht einmal mehr als versierter Saitenmeister und Envimos verleiht den Liedern mit seinem markanten, abwechslungsreichen Trommelgewitter den letzten Schliff. Zu keinem Zeitpunkt stellt sich eine Gleichförmigkeit ein, die Musik brilliert mit enormer Dynamik – die Lieder sind durchzogen von rhythmischen Wechseln. Stellenweise mutet es dadurch etwas chaotisch an, ohne dabei aber die Grundstruktur zu verlieren; wohlstrukturiertes Chaos sozusagen, hehe. Auf Azimuth Nuctemeron Frequency bleibt der Knüppel jedenfalls definitiv nicht im Sack, wobei man ebenfalls schleppendere und treibende Momente hören kann, was ich ja schon andeutete. Auch eine Prise einprägsamer Melodien dringt in meine Gehörgänge, so zum Beispiel in Shrine of the Rapist oder kurz nach der Unterbrechung in Ghastly Wounds of Lurking Angst. Sogar eine schwermetallisch anmutende Melodiegitarre begleitet den Anfang des Titelliedes – nur ein Detail unter vielen. Letztlich bleibt es dennoch schwierig, die Musik befriedigend zu beschreiben. Fakt ist jedenfalls: Ignis Uranium zelebrieren voller Hingabe ihre 9 Titel und während der in den großen Medien angesagte deutsche Black Metal (bzw. das, was dafür gehalten wird) mit Galeeren über die Weltmeere rudert, warten Ignis Uranium im Hafen nur darauf, daß Ihr an Bord geht. Dieses musikalische Schlachtschiff der Bismarck-Klasse ist bis an die Zähne bewaffnet und strotzt trotzdem vor Feinheiten, die es in etlichen Hördurchläufen zu erfassen gilt.

Ignis Uranium haben mit Azimuth Nuctemeron Frequency ein höllisches, mannigfaltiges und dermaßen mächtiges Album hingelegt, meine Herren! In diesem Zusammenhang erscheint es mir tatsächlich verwunderlich, daß der Gruppe dafür vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Ganz klare Kaufempfehlung meinerseits, da sich aber die wenigsten einen Blindkauf trauen werden, empfehle ich jedem Leser, zumindest mal auf der Netzseite von Nykta das Titellied anzutesten!


9,5/10
Der Einsiedler

01. Biomechancerous nucleosynthesis
02. Ghastly wounds of lurking Angst
03. Doomstroke
04. Sulphur wounds
05. Shrine of the rapist
06. Perfume of destruction
07. Spectres of the void
08. Azimuth nuctemeron frequency
09. Hostile stellar spores

28.09.2009

Wytchscythe - Satanyk Heavy Metal | 2004 | Eigenproduktion | CDR | Black Heavy Metal

Herrlich, der Name dieses Demos sagt ja im Prinzip schon alles. Selbstverständlich ist der Name hier Programm! Die Männer aus Nordrhein-Westfalen sind durchaus auch dem schwarzmetallischen Untergrund zugetan, mit Wytchscythe präsentieren die Mannen aber eine andere Seite metallischer Musik und lassen sich vor allem vom Metal aus den 80ern inspirieren. Schon die Optik ist sehr verheißungsvoll – das handgezeichnete Motiv auf der Front deutet schon an, daß Wytchscythe ganz bewußt mit dem Klischee spielen und das ausreizen. Ich kann nur sagen, daß es bestens funktioniert und das ist positiv gemeint.

Satanyk Heavy Metal stammt aus dem Jahr 2004 und beinhaltet 3 Lieder, wobei beim ersten Stück der Einklang mit inbegriffen ist. Das gute Stück kommt somit auf eine Spielzeit von knapp 15 Minuten. Die Musik ist, genau wie es der Name des Demos vermuten läßt, ganz traditioneller Heavy Metal. Die Anzahl der Gruppen, von denen man sich inspirieren ließ, ist derart groß, daß ich eigentlich nur Mercyful Fate hervorheben möchte, um einen groben Anhaltspunkt zu geben. Man sollte natürlich beachten, daß die Warryors von Wytchscythe total im Untergrund verwurzelt sind und das hört man der Musik an. Das heißt, ich könnte jetzt einige Zeilen füllen, wo vielleicht klangliche Defizite liegen, aber das ginge total am Geist dieser Musik vorbei. Laßt es mich also kurz und knapp so formulieren: Man könnte sicherlich noch eine klangliche Verbesserung anstreben, ohne die eigene Authentizität zu gefährden, wer aber mit untergrundtypischem Demoklang vertraut ist, der dürfte mit Satanyk Heavy Metal überhaupt keine Probleme haben. Die Lieder selbst sind allesamt knackig und prägnant. Momentan ist mein Favorit das Stück Cycle of demonyk Mastery, wobei die anderen beiden Stücke diesem in nichts nachstehen. Authentischer Metal von echten Fanatikern, genau wie er sein sollte. Sicherlich sitzt nicht jeder Ton perfekt, aber das macht den Democharme ja irgendwie auch aus.

Alles in allem eine wirklich gute Demoveröffentlichung! Aber Vorsicht: Das ist nichts für Leute, die gerne glattgebügelten Metal hören, der von Drachen und zauberhaften Feen handelt, bei Wytchscythe trägt die Fee nämlich nur einen Patronengurt, hehe. Das Material ist auf jeden Fall eine Empfehlung für Freunde der alten Schule! Da Lesen gut ist, Hören aber viel besser, könnt Ihr Euch das Material kostenlos und legal direkt von der Band selbst runterladen – klickt hierzu auf den Verweis links neben der Rezension und schaut dort bei den Blogeinträgen nach. Die Demogestaltungen zum Drucken für die Formate CDr und Kassette sind ebenfalls inklusive, Ihr könnt Euch also damit Euer eigenes Demo für die Sammlung basteln. Hoffentlich erscheint dieses Jahr noch – wie angekündigt – neues Material, ich warte sehnsüchtigst! Für dieses schwermetallische Kultdemo kann es folgerichtig nur eine Bewertung geben!


6,66/10
Der Einsiedler
 

01. Pandaemonyum / Wytchscythe
02. Cycle of demonyk mastery
03. Sell your soul for Heavy Metal