07.08.2014

Heboïdophrenie - Origin Of Madness | 2014 | Eigenproduktion | CD | Death Metal



Die französische Death Metal Gruppe HEBOÏDOPHRENIE gründete sich 2010 und veröffentlichte letztes Jahr ihr Debütalbum „Origin Of Madness“. Das Album kommt als Digipak mit Booklet und zeigt viele zermetzelte Leiber. Auch inhaltlich geht es vorwiegend um morbide Fleischeslust, Leichen und berstende Körper. Eigentlich perfekte Voraussetzungen für üblen, brutalen und in den Goregrind abdriftenden Death Metal. Doch HEBOÏDOPHRENIE gehen einen anderen Weg. HEBOÏDOPHRENIE spielen stattdessen abwechslungsreichen Death Metal mit leichten Anleihen des Thrash Metals.

„Origin Of Madness“ ist ein durchaus düsteres Album auf dem Brutalität mit spielerischer Vielfalt und differenzierten Strukturen gekoppelt wurde. Gesanglich, stilistisch und atmosphärisch ist das Album eine vielfältige Angelegenheit. HEBOÏDOPHRENIE können sehr direkt und brutal spielen, dann gibt es etwa sattes gutturales Gegurgel. Andernorts vereint sich ein stampfender und treibender Rhythmus mit mächtigen Gitarrenwänden zu schwerem und schwungvollem Death Metal. An anderen Stellen spürt man dann hingegen die Wurzeln im Thrash Metal, das eine und andere melodische Riff verrät dezent die Herkunft. Das klingt nicht schlecht, doch viel besser sind HEBOÏDOPHRENIE, wenn sie direkt und brutal spielen. Das Düstere und Schwere steht den Franzosen gut, auch die gutturalen Gesangseinlagen wissen zu gefallen. Die weniger derben Arrangements und melodischen Einsprengsel sagen mir hingegen nicht ganz so zu. Auf mich wirkt diese Vielfalt manchmal etwas unentschlossen, so als hätte man seinen Stil noch nicht gefunden. Solche Irritationen kommen jedoch nicht häufig vor.

„Origin Of Madness“ ist kein überragendes aber dennoch anständiges Album. Spielen können die Franzosen definitiv. Die Gitarristen und der Schlagzeuger verstehen ihr Handwerk und selbst die Einflüsse großer Gruppen halten sich in Grenzen. Kurzweilig wurde ich zweimal an CANNIBAL CORPSE erinnert, das war es dann auch schon. HEBOÏDOPHRENIE spielen abwechslungsreichen und eigenständigen Death Metal, dessen Stärken für mich ganz klar im Morbiden und Brutalen liegen. Ich denke, in der Zukunft sollte man etwas weniger melodisch und abwechslungsreich, dafür gutturaler, schwungvoller und düsterer spielen. Denn das können HEBOÏDOPHRENIE.

1. Intro
2. Heboïdophrenie
3. Feast Of Death
4. Decay
5. The Butcher
6. Rotten
7. Bonnet M
8. Death To All
9. Morbid Satyriasis
10. Cadaver
11. Outro

06.08.2014

Solace Of Requiem - Casting Ruin | 2014 | ViciSolum Productions | CD | Death Metal



SOLACE OF REQUIEM aus den Vereinigten Staaten existieren unter diesem Namen seit 2001 und bringen es mit dem Ende August erscheinenden „Casting Ruin“ auf vier Alben. Zuvor firmierte man kurzweilig in den 90igern unter dem Namen SARCOPHAGUS, veröffentlichte aber keinen Tonträger. Hierzulande dürften die Amerikaner trotzallem weitgehend unbekannt sein, was sich mit „Casting Ruin“ aber ändern könnte. SOLACE OF REQUIEM spielen technischen Death Metal der Härte mit Abwechslung und viel Spielfreude kombiniert.

Vor wenigen Wochen hatte ich ebenfalls von ViciSolum das neue Album von SECTU vorliegen, die ebenfalls technischen Death Metal spielen, womit ich jedoch wenig anfangen konnte. SECTU waren mir zu kompliziert und anstrengend. Dies trifft auf SOLACE OF REQUIEM nicht oder zumindest nur bedingt zu. Das Trio spielt zwar auch sehr abwechslungsreichen Death Metal, der häufig durch trockene sowie technische Arrangements auffällt. Aber nicht ausschließlich. SOLACE OF REQUIEM verstehen es exzellent aberwitzige und rasende Riffs mit mörderischem Spiel am Schlagwerk zu kombinieren. Abrupte Breaks und zerstörerische Doublebass verleihen dem Death Metal Härte und Dynamik zugleich. Doch dabei belässt man es zum Glück nicht. SOLACE OF REQUIEM erden sich selbst und kehren immer wieder zurück zu geradlinigen und weniger komplexen Strukturen.  Von dieser Vielfalt lebt „Casting Ruin“ und diese Abwechslung macht das Album so gut. Auf der einen Seite gibt es anspruchsvolle technische Komplexität, andererseits aber auch direkte Geradlinigkeit und zwischendurch den einen und anderen dunkelatmosphärischen Part. An der einen und anderen Stelle schimmert auch mal leicht Black Metal durch, andernorts überrascht das Trio dann mit einem auflockernden Soli.

Trotz des reichhaltigen Angebots empfinde ich „Casting Ruin“ in der Summe nicht als überladen. SOLACE OF REQUIEM haben eine sehr gute Mischung aus technischen Arrangements, Geradlinigkeit und Atmosphäre gefunden. Aber auch klanglich und spielerisch überzeugt das Album auf höchstem Niveau, weshalb „Casting Ruin“ für mich zu den aktuell besten Veröffentlichungen im technischen Death Metal zu zählen ist.


1. Defiling The Spectrum
2. Casting Ruin
3. Soiling The Fields Of Putridity
4. Song Of Shards
5. Wading Into Mire
6. Eroded Absolution
7. Heaving Bile And Ash
8. Pools of Ablation
9. Bio-Alchemy


05.08.2014

Uitzichtloos - Nevelmasker | 2014 | Sturmglanz / Vacula | CD | Black Metal

UITZICHTLOOS sind eine noch junge Gruppe aus den Niederlanden, die mit „Nevelmasker“ jüngst ihr Debütalbum veröffentlichten. Der Bandname sowie das Cover vermitteln vielleicht den falschen Eindruck, es hier mit depressivem Black Metal zu tun zu haben. UITZICHLOOS spielen vielmehr rauen und riffbetonten Black Metal, der oftmals langsam ist und durch einen markanten Gesang auffällt.

UITZICHTLOOS gehen dabei sehr konsequent vor. „Nevelmasker“ ist vom Anfang bis Ende ein sehr homogenes und gleichförmiges Album, auf dem es keine Experimente und Spielereien und nur wenige Veränderungen gibt. Das Tempo ist oft und gerade am Anfang langsam, es gibt vornehmlich Variationen, die sich zwischen schleppend und mittelschnell bewegen. Rhythmisch gibt es erst in der zweiten Hälfte des Albums Abwechslung. Dafür befindet sich das Gitarrenspiel im Mittelpunkt des Geschehens. UITZICHTLOOS spielen nahezu permanent melodische Riffs und harmonische Melodien, ohne sich dabei jedoch in Gefrickel zu verlieren. Das Gitarrenspiel wirkt oft bedächtig und ruhig, UITZICHTLOOS scheinen in der ersten Hälfte des CD auf gar keinen Fall zu viel von sich Preis geben zu wollen. Manchmal drängt sich in mir der Verdacht auf, die Band folgt dem Motte „weniger ist mehr“ und dies muss in jedem Fall eingehalten und umgesetzt werden. Jedenfalls wirken die teils unauffälligen und langen Stücke so auf mich. Es ist manchmal so, als würde man sich selbst einen Maulkorb verpassen. Eine Ausnahme stellt hier „Hoop, uitgesteld verdriet“ dar. Es ist ein Lied, in dem UITZICHTLOOS etwas mehr von sich und ihrem Können zeigen. Die Harmonien und Arrangements sind etwas aussagekräftiger und satter. Dabei unterscheidet sich das Lied nicht sonderlich vom Rest, doch hier offenbaren sich in kleinen Dosen wunderbare Melodien, unauffällig zwar, aber berührend und durchdringend. Dies korreliert mit einer etwas treibenden und scheppernden Passage, die garstig wirkt, was das Lied insgesamt aufwertet und interessant macht.

Mit dem kurzen Reißer „Oog van de Duivel“ schrauben UITZICHTLOOS das Tempo zwar hoch, läuten die  abwechslungsreichere zweite Hälfte ein, und versuchen räudig und rotzig zu klingen, doch das gelingt nur mäßig. Dafür sind die Riffs bei dem höheren Tempo nicht schmissig genug und dem Schlagwerk fehlt die nötige Präsenz. Ebenfalls durch etwas mehr Tempo ist „Tussen Elfenbank en Heksennest“ geprägt. Das Schlagwerk hämmert polternd und stampfend und verdrängt ein wenig das Gitarrenspiel, während der raue Keifgesang ziemlich präsent daher kommt. Hier wirken UITZICHTLOOS teilweise wütend und erbost, was minimalistisch aber gut rüber kommt. Im abschließenden „Uwe Majesteit“ wechseln UITZICHTLOOS auch schnelle monotone Parts mit langsamen Passagen ab, wobei das melodische Gitarrenspiel stetig zu hören ist. Primitivität, Hässlichkeit und Melodik gehen hier nebeneinander einher, was manchmal gut funktioniert, aber nicht immer.

Die Intention von UITZICHTLOOS lässt sich erkennen, der Ansatz den die Niederländer verfolgen wird deutlich und der ist gar nicht mal schlecht. Man möchte dezente Melodik mit ehrlicher und kompromissloser Rohheit verbinden und dabei grimmig und rotzig sein. Allerdings hapert es noch etwas an der Umsetzung. Die Ideen sind da, nun müssen sie noch etwas an der spielerischen Umsetzung (vor allem am Schlagwerk gibt es noch Steigerungsbedarf) sowie den Melodien arbeiten. Der erste Schritt ist getan und nun muss man schauen, ob und wie sich UITZICHTLOOS entwickeln werden. 

1. Nevelmasker
2. Kweldergeest
3. Hoop, uitgesteld verdriet
4. Penetrante Lijkenlucht
5. Oog van de Duivel
6. Treurwilg
7. Tussen Elfenbank en Heksennest
8. Uwe Majesteit

Sacrificia Mortuorum / Orthanc - Split | 2014 | Hass Weg Productions | CD / Vinyl | Black Metal



Sowohl SACRIFICIA MORTUORUM als auch ORTHANC sind bereits seit vielen Jahren im französischen Untergrund bekannt und haben sich nun auf diesem Splitalbum vereint, welches auf Doppel Vinyl und CD erscheinen wird.

Von SACRIFICIA MORTUORUM hörte ich zuletzt die Split „N.O.I.R.“, wo sie gemeinsam mit LUGUBRUM und ARKHA SVA zu hören waren. Seitdem sind fünf Jahre vergangen, aber man hat nichts von seiner Härte und Harschheit eingebüßt. Die vier neuen Lieder sind zwar nicht ganz so roh wie auf „N.O.I.R.“, dennoch handelt es sich hierbei um besten französischen Black Metal, der giftigen Gesang mit intensiven Riffs und Härte verbindet. SACRIFICIA MORTUORUM kombinieren dabei aggressive Härte und Schnelligkeit mit Melodik und Atmosphäre sowie einem druckvollen Klang. Mit „Germe d’un Vortex“ beginnt das Werk zunächst sphärisch und harmonisch, das Gitarrenspiel ist entsprechend melodisch, doch mit Einsetzen des Gesanges brechen Aggression und Härte los. Der melodische Aspekt tritt hernach zwar etwas in den Hintergrund, verschwindet aber nicht gänzlich. Dies ist ein wesentlicher Aspekt an SACRIFICIA MORTUORUM. Teilweise klingen sie sehr roh, hasserfüllt und böse, vergessen dabei aber nicht das harmonische Moment. An den Gitarren gibt es vielfältige Riffs und Melodien, die das Harte betonen aber auch aufbrechen können. Obwohl der Black Metal insgesamt betrachtet roh und wüst ist, erweist sich das Material als komplex und vielschichtig. Es gibt viel Abwechslung in der Form von verschiedenen Tempi und melodischen Veränderungen. SACRIFICIA MORTUORUM haben ihre Sache sehr gut gemacht und runden ihren Beitrag wunderbar mit „Cathari Sects“ ab. Mit „Cathari Sects“ wollen SACRIFICIA MORTUORUM dem früheren polnischen Black Metal huldigen. Es gibt ein Lied namens „Cathari Sects“ von INFERUM auf deren legendärem Album „…Taur-Nu-Fuin…“. Dennoch ist es kein Cover. Vielmehr ist es eine Vermischung verschiedener polnische Gruppen und Lieder, wo man Gruppen wie INFERNUM, GRAVELAND oder VELES erkennt. Es ist ein sehr interessantes Lied, da hier der französische und frühere polnische Geist eine unheilige Allianz eingehen.


ORTHANCS letztes Album „L’Amorce Du Déclin“ liegt inzwischen schon vier Jahre zurück. ORTHANC konnten mich damals absolut von sich überzeugen. Ich mochte den giftigen Kreischgesang in der Kombination mit dem rasanten Tempo. Doch davon zunächst kaum eine Spur. Mit „Le Bal des Inutiles“ beginnen ORTHANC überraschend verspielt. Es gibt melodische Riffs, folkige Einsprengsel mit Akkordeon und rumpeligen Rock mit heiserem Klargesang. Dann und wann schimmert der Black Metal von einst zwar durch, doch insgesamt betrachtet ist es ein merkwürdiges und andersartiges Lied, welches ich so nicht erwartet hatte. Dies ändert sich ein wenig mit dem nachfolgenden „Prêtresses des Dieux Anciens“, wo Schnelligkeit und garstiger Keifgesang dann phasenweise das Zepter übernehmen. Doch auch hier gibt es langsame Passagen mit vordergründiger, melodischer Gitarre.
In den vergangenen Jahren scheint sich bei ORTHANC einiges getan zu haben. Die neuen Lieder sind nicht mehr so prägnant, direkt und geradlinig wie früher. Dafür stehen nun (eigenwillige) Melodien und atmosphärische Arrangements im Fokus. Mit dem Titel „Les Forges d’Angband – Uruloko“ haben sich ORTHANC teilweise im symphonischen Black Metal verlaufen, was bei mir erneute Irritation verursacht. Keyboard und melodisches Riffing sind für das Lied kennzeichnend, und auch sonst wirkt das Lied nicht sonderlich hart, sondern gediegen und atmosphärisch. Kurzweilige schnelle Ausbrüche können das für meinen Geschmack auch nicht mehr kitten. Ich weiß nicht was da bei ORTHANC in der jüngeren Vergangenheit passiert ist, aber das was man hier auf der Split zu Gehör bekommt, hat zu weiten Teilen nicht sonderlich viel mit „L’Amorce Du Déclin“ oder „L’Age de Raison“ zu tun. Erst mit „Crimes“ kehren ORTHANC zum roh treibenden Black Metal früherer Tage zurück. Für diese unverkennbare Typveränderung ist das abschließende „Murders In The Rue Morgue“ vielleicht kennzeichnend, entstammt es doch IRON MAIDENS „Killers“ Album. Ich mochte „Killers“ schon immer, gerade auch Paul Di’Annos Stimme wegen. ORTHANC bleiben mit ihrer Version nahe beim Original, selbst der Gesang nähert sich dem Original, auch wenn die französische Gesangsvariante etwas grimmiger und versoffener klingt.


Mit SACRIFICIA MORTUORUM begann das Splitalbum sehr gut und vielversprechend. Von SACRIFICIA MORTUORUM gibt es vier starke Lieder französischen Black Metals, wozu das überragende „Cathari Sects“ gehört. ORTHANC sind für mich dann aber ernüchternd und enttäuschend. Ich hatte mir eine Fortsetzung von „L'Amorce Du Déclin“ gewünscht, was sich nicht erfüllte. ORTHANC sind wesentlich milder, melodischer und verspielter geworden. Vielleicht sind meine Scheuklappen zu groß als das ich diese Veränderungen gutheißen könnte. Französisch klingen ORTHANC nach wie vor und trotz der enttäuschenden Darbietung im Vergleich zum älteren Material, ist dieser Split (vor allem wegen SACRIFICIA MORTUORUM) für Liebhaber des französischen Black Metals interessant.


SACRIFICIA MORTUORUM
1. Germe d'un Vortex
2. Désert d'Ebène
3. Chaos d'Ecume
4. Cathari Sects

ORTHANC
5. Le Bal des Inutiles
6. Prêtresses des Dieux Anciens
7. Les Forges d'Angband - Uruloki
8. Crimes
9. Murders In The Rue Morgue (Iron Maiden Cover)