08.12.2014

Thaw - Decay / Advance | 2014 | Witching Hour Productions | 2CD | Black Metal



Die polnische Formation THAW gründete sich 2010 und wiederveröffentlichte in diesem Herbst mit dieser Doppel-CD ihre ersten beiden Demos „Decay“ und „Advance“. THAW spielen eine interessante und vor allem düstere Mischung aus rohem und experimentellem Black Metal, der stellenweise mit etwas Noise angereichert wurde.

„Decay“ wurde für diese Neuauflage neu gemastert und beginnt mit „Motherboard“ recht harsch, schnell und laut. Das Schlagzeug scheppert schnell, die Gitarren klingen rau und knarzend und der Gesang bellt rau und räudig und er erinnert mich hier stark an Smaug von PRIMIGENIUM. Doch so dezidiert roh, rau und minimalistisch bleibt es natürlich nicht. Allerdings kombinieren THAW in dieser Anfangsphase des Albums lärmenden und überraschend rauen Black Metal, der heftig und aggressiv ist, mit dezenten harmonischen Elementen, wie kaum hörbaren sphärischen Keyboardklängen oder anderen synthetischen Noise-Elementen.

Während im ersten Drittel vor allem harscher und roher Black Metal mit leicht atmosphärischen Elementen dominierte, verändert sich mit dem Lied „Decay“ allmählich das Antlitz des Albums. Fortan werden THAW experimenteller und stilübergreifender und es sind vermehrt und deutlicher als bisher Elemente und Einflüsse aus Noise, Elektronik und Drone zu vernehmen. Dies ergibt gemeinsam mit dem rauen und grellen Gitarrenklang eine interessante Mischung. Einerseits klingen THAW auf „Decay“ eben harsch und aggressiv, andererseits aber auch dunkelharmonisch und sphärisch, was im Zusammenspiel für eine sehr unheilvolle und düstere Atmosphäre sorgt.


Und nun kommen wir zu „Advance“. Zwischen „Decay“ und „Advance“ liegen rund zwei Jahre, was man schon nach wenigen Sekunden am weniger rauen und grellen dafür aber kraftvolleren  und klareren Klang von „Advance“ heraushört. Stilistisch hingegen unterscheiden sich die beiden CDs nur im Detail. Das Lied „Wasteland“ ist, abgesehen von der ruhigen Einleitung, eine über weite Strecken schnell und monoton stampfende Nummer, die verstörend und makaber wirkt und mich ein wenig an BLUT AUS NORD erinnert. Mit „Greed“ gibt es ein vergleichbares Lied, in dem es schnelle und harte Passagen gibt, die mit tollen und düsteren Gitarrenlinien unterlegt wurden. Hier gefallen mir THAW richtig gut, da sie druckvolle Härte mit einer gewissen Monotonie und melodischen Eingängigkeit verbinden. Mit den beiden abschließenden Stücken geht es ruhiger und düsterer zu, vor allem in „Dak“ kommen dann Elemente von Noise, Ambient und Drone zum Zuge.

Für mich stellt „Decay / Advance“ eine rundum gelungene Sache dar. Denn das Doppelalbum ist atmosphärisch zwar überaus düster und dicht, doch auch roh und aggressiv. Stellenweise klingen THAW wie eine Mischung von BLUT AUS NORD und GNAW THEIR TONGUES. Ich denke, wer jene Gruppen mag, wird sicherlich auch dieses Werk zu schätzen wissen.


CD I – Decay
01. Motherboard
02. For Ages
03. Wound
04. Decay
05. Processing
06. Wrathstar
07. Decomposition
08. Shadowplay
09. From Solid To Liquid
10. Consumed By It’s Own Soil
11. Usque Ad Consummationem Saeculi

CD II – Advance
01. Wasteland
02. Greed
03. Awake
04. Dak

https://www.facebook.com/THAWnoise 
https://thaw.bandcamp.com/ 
http://www.witchinghour.pl/ 

07.12.2014

Hooded Menace - Gloom Immemorial | 2014 | Doomentia Records | CD | Death/Doom



Am 19. Dezember wird mit „Gloom Immemorial“ eine Kompilation erscheinen, die sich vorrangig an treue und langjährige Anhänger richtet. Denn auf der Zusammenstellung sind ausschließlich Lieder von Vinylveröffentlichungen zu finden. „Gloom Immemorial“ ist also kein schnödes Best-Of, sondern die Möglichkeit an die begehrten Lieder der längst ausverkauften Platten zu kommen, ohne Wucherpreise auf Onlineauktionsplattformen zu zahlen. Dies ist jedenfalls eine Intention der Macher.

Wie auch immer, ich habe schon oft genug die Erfahrung gemacht, dass die besten Lieder einer Band häufig auf den Split EPs zu finden sind. Allein deshalb ist der Gedanke, solch einer Kompilation zu machen nicht verkehrt. Nun kenne ich zwar nicht alle Alben von HOODED MENACE, doch stellt das Dargebotene eine bedrückende Ansammlung finstren Death Doom Metals dar. Die Lieder sind abwechslungsreich und unterscheiden sich teils deutlich voneinander.

Sehr interessant finde ich das Lied „A Decay Of Mind And Flesh“ von der Split EP mit ANIMA MORTE, welches ein Cover ebendieser ist, und sich als atmosphärische aber kraftvolle Instrumentalnummer entpuppt. Dies stellt einen starken Kontrast zum direkt folgenden „The Haunted Ossuary“ dar, welches schleppend und krachend ist und wo der Death Metal teils stark durchbricht. Mir gefallen beide Lieder sehr gut, und doch sind sie extrem unterschiedlich. Ein ebenfalls ganz anderes Lied ist beispielsweise „Monuments Of Misery“ von der Split mit LOSS. Hier spielen HOODED MENACE in einem rund neun Minuten langen Stück melancholischen und leicht melodischen Doom Metal. In „Catacombs Of Graceless“ hingegen kombiniert man dann zähen Death/Doom mit psychedelischen Gitarrenmelodien.

Die Stärke dieser Kompilation ist definitiv die stilistische und atmosphärische Vielfalt. Der Kontrast zwischen den einzelnen Liedern ist sehr hoch, was ich als reizvoll und gelungen empfinde. Zudem gibt es sehr gute Lieder, die für sich sprechen und mitreißend sind. Allerdings gibt es auch das eine oder andere Lied, welches ich etwas langatmig und langweilig finde. Dennoch, für Fans von HOODED MENACE ist „Gloom Immemorial“ sicherlich eine überaus tolle und empfehlenswerte Veröffentlichung, sofern man die ganzen Platten nicht schon besitzt.


01. Fulfill The Curse („The Eyeless Horde 7“ EP)
02. The Eyeless Horde („The Eyeless Horde 7“ EP)
03. A Decay Of Mind And Flesh (Anima Morte 7“ Split EP)
04. The Haunted Ossuary (Coffins 7“ Split EP)
05. I, Devil Master („Like Evil Vol. 1 Comp.“ DLP)
06. Catacombs Of The Graceless (Ilsa 12“ Split EP)
07. Abode Of The Grotesque (Asphyx 7“ Split EP)
08. Instruments Of Eternal Damnation (Horse Latitudes 12“ Split EP)
09. Chasm Of The Wraith („Labyrinth Of Carrior Breeze 12“ EP)
10. The Creeping Flesh („Labyrinth Of Carrior Breeze 12“ EP)
11. Monuments Of Misery (Loss 12“ Split EP)

01.12.2014

Eternal Sex And War - Negative Monoliths | 2014 | Quality Steel Records | CD | Death/Black Metal



Was wollen uns die drei Italiener mit dem Namen ETERNAL SEX AND WAR sagen? Ich weiß es nicht. Aber es ist nicht nur der Bandname der irritierend erscheint, selbst die musikalische Darbietung gibt Rätsel auf. Denn ETERNAL SEX AND WAR spielen Death Metal, der immer wieder mal mit Black Metal angereichert wird. Im Grunde ist das uralt und überhaupt nichts Erwähnenswertes, wenn man sich doch wenigstens klar dazu positionieren würde. Im Falle des norditalienischen Trios gelingt das nicht. Es kommt mir so vor, als wüssten sie selbst nicht so genau, was sie eigentlich für einen Stil spielen wollen. Genauso gut könnte es natürlich sein, dass ich einfach das Konzept nicht verstanden habe und völlig auf dem Schlauch stehe.

Wie dem auch sei. Mit dem Eröffnungsstück „Nothing But Void“ beginnt das Album zunächst überaus verheißungsvoll. Obwohl es sich um eine instrumentale Einleitung handelt, ist es mehr als nur eine schnöde Einleitung. Es ist ein eigentlich vollständiges Lied, bloß ohne Gesang. Das Schlagzeug gibt peitschend den Takt vor und an der Gitarre werden kalte, eisige Riffs geschmettert. Sehr schön! An dieser Stelle dachte ich ja noch, kalten und nordischen Black Metal vorliegen zu haben. Doch weit gefehlt. Denn mit dem nachfolgenden „Heretic Reaktor“ ändert sich alles schlagartig und es ist dumpf klingender und tief dröhnender Death Metal zu hören. Weitgehend jedenfalls, denn vereinzelt schleichen sich auch hier Bezüge zum Black Metal ein, die etwas krude und obskur anmuten.

Ja, obskur. So in etwa kann man „Negative Monoliths“ beschreiben. ETERNAL SEX AND WAR spielen extremen Metal, der durchaus negierend, dreckig und verstörend ist. Wenn dies die Idee ist, die hinter dem Ganzen steht, dann geht sie voll und ganz auf. Denn das Trio versteht es nämlich hervorragend lärmend, wütend und tosend zu spielen. Es gibt schnelle Parts, die nur so vor Verachtung und Abscheu strotzen. An und für sich eine gute Sache, doch da fehlt es an der letzten Konsequenz. Denn diese primitive Rohheit wird nicht durchgehend aufrecht erhalten. Vor allem am Gesang von Gitarrist Thorshammer stoße ich mich, da er für mich nur schwer zu fassen ist. Seine Stimme klingt irgendwie seltsam neutral, mit einer leichten heiseren Klangfarbe. In seinem Gesang ist nichts lebendiges, nichts, was irgendwie Emotionen transportieren oder erwecken würde, stattdessen klingt er so, als würde er gelangweilt vor dem Mikrophon stehen müssen, weil gerade niemand anderes da war, der das macht. Das klingt jetzt etwas hart, vielleicht zu hart, aber damit möchte ich einfach die Ratlosigkeit ausdrücken, die mir die Drei aufdrücken.

Es ist aber nicht alles schlecht. Wie gesagt, einzelne Elemente oder Passagen sind durchaus gelungen. Doch in der Gesamtheit fehlt es am Zusammenhang, am roten Faden der für eine flüssige und stimmige Atmosphäre sorgt. Ich empfinde „Negative Monoliths“ als konfusen und rätselhaften Death Metal mit guten Ausflügen in den Black Metal. Vielleicht hätte man sich mehr auf den kalten Black Metal der Einleitung besinnen sollen, denn die war wirklich gut. Am besten ihr hört einfach mal selbst rein.


1. Nothing But Void
2. Heretic Reaktor
3. Endless Dogmatic Demolition
4. Bigotry Of The Insects
5. Megatons To Negate
6. Sarin Total Wipeout
7. Cyclone Demagogy

Lavatory - Morbid Terror | 2014 | Pulverised Records | CD | Death Metal



In den vergangenen Jahren konnten hierzulande vor allem HUMILIATION aus Malaysia für einiges Aufsehen sorgen. Nun haben ihre Landsmänner von LAVATORY ihr Debütalbum vorgestellt, und sie dürften ihren Kollegen in Sachen Authentizität in nichts nach stehen. LAVATORY spielen schwedisch inspirierten Old School Death Metal.

Sofort nach dem die obligatorische Einleitung ihre Schuldigkeit getan hat, legen LAVATORY mit „Descent Into Madness“ richtig los. Es ist rauer und ruppiger Death Metal in einem wütenden und stampfenden Gewand zu hören, der trotz des mittelschnellen Tempos mächtig Dampf hat. Dies liegt vor allem an den drei Saiteninstrumenten, die einen sehr dunklen und bassreichen Klang haben und einfache, aber wirksame sowie eingängige Riffs spielen. In dieser frühen Phase erinnern LAVATORY bereits an altgediente, schwedische Größen wie etwa DISMEMBER oder ENTOMBED.

LAVATORY machen aber nicht nur der rau klingenden und mächtigen Gitarren wegen Alarm, auch Sänger Muntah Darah trägt einiges zum nostalgischen Hörerlebnis bei. Denn sein Gesang ist gar nicht besonders tief oder gar guttural, stattdessen ist es sehr gut verständliches und leicht heiseres Gekeife, mit einer bisweilen dezent dreckigen Thrash-Attitüde, welche mich immer wieder an PESTILENCES „Testimony Of The Ancients“ oder auch „Seven Churches“ von POSSESSED erinnert.

LAVATORY machen nichts Neues oder Besonderes. Sie spielen einfach treibenden und rotzigen Death Metal, der auch tatsächlich eine morbide Atmosphäre hat. Der Albumname ist sozusagen Programm. Dazu passen auch die immer wieder eingestreuten Soli, welche manchmal auch schön böse und gequält wirken. „Morbid Terror“ ist eine solide Platte, die vor allem fanatische Anhänger des alten (schwedischen) Death Metals ansprechen soll. Wenn man darauf nicht gerade steht, könnte das Album schnell langweilig werden. Trotzdem empfinde ich die morbide Atmosphäre des Werkes als absolut authentisch und ansprechend, weshalb ich davon ausgehe, dass LAVATORY mit ihrem Debüt absolut zufrieden sein können.


01. Absorption (Intro)
02. Descent Into Madness
03. Death Is Imminent
04. Thousand Roads To Hell
05. Morbid Terror
06. Restless Souls
07. Miserable Life
08. Mask Of Malevolence
09. Summoning In Dun Laoghaire
10. To The End Of The World